Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 299 (2.6.1933)
- Date
- 1933-06-02
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Kr. 209 DIE NEUE WELT Seite 3 JÜDISCHE VOLKSPARTEI ÖSTERREICHS Dianstag, den 6. Juni, V39 Uhr abends, im Gasthaut Florian Schuh, Wien X, Pernersdorfcrgasse 83 GROSSER VORTRAGSABEND »Die Vorgänge in Deulfdiland und die öfterreidiifdien Juden« REFERENTEN: DR. JAKOB WEINER / DAVID NEBENZAHL Obersdilesien und — Oesterreich? Ein grandioser Erfolg jüdi'sdhnalionaler Arbeit — Eine Lehre für die Judensdiaft Oester* reidis und die Judensdiaft Europas Das antisemitische Hitler-Deutschland hat vor dem Völkerbund eine Niederlage erlitten. Es mußte eine Flut Von Anklagen Uber sich ergehen lassen und in der Frage der Behandlung der Juden in Oberschlesien einen Bückzug antreten, dessen Folgen vorläufig noch nicht abzusehen sind. Das Bemühen des Vertreters Deutschlands, die Judenverfolgungen als eine innere Angelegenheit des Reiches hinzustellen und so den Einspruch des Völkerbundes unwirksam zu machen, hat sich als fruchtlos erwiesen. Hitler-Deutschland mußte sich zur Zurücknahme aller die Rechtsgleichheit der oberschleslechen Juden verletzenden Verordnungen und Gesetze verpflichten. Und es muß weiter damit rechnen, daß nicht nur die oberschlesische Judenfrage, sondern auch die g e- B a mtdeutscheJudenfrage auf der Tagesordnung des Völkerbundes bleiben wird. Wem ist dieser große Erfolg, an dessen Möglichkeit vor einigen Tagen noch wenige glaubten, zu danken? .Der jüdisch nationalen Bewegung, die von der Parole Theodor Herzls: „Wir Juden sind ein Volk, EIN Volk!" ihren Ausgang nahm. In schwerster Stunde für das jüdische Volk in Deutschland und in ganz Europa haben der Liberalismus und die Sozialdemokratie, die weiße und die rote Assimilation, die Parteien, denen die Juden in großer Zahl nachgelaufen sind, völlig versagt. Die Zweite Internationale hat geschwiegen und die liberalen jüdischen Fuhren haben vielfach feige und kleinherzig den Hitler- Leuten ihre Reverenz erwiesen, sind aus erbärmlicher Ärgst ihren jüdischen Brüdern in den Rücken gefallen. Jüdischnationale Zioriisten aller Länder haben die Petitionsbewegung um den Völkerbund hervorgerufen. Jüdischnationale politische Führer haben die nationale Parole Theodor Herzls von der Einheit und Solidarität des jüdischen Volkes in die Tat umgesetzt. Im letzten entscheidenden Augenblick haben noch Leo Motzkin und Emil Märgulies im Auftrag der national gesinnten Judenschaft bei den Instanzen des Völkerbundes die Aufnahme des Judenpunktes in die Tagesordnung gefordert und durchgesetzt. Die Judenschaft soll es wissen und immer daran denken, daß es ohne jüdischnationale Bewegung nie zur Behandlung der Judenfrage in Genf gekommen wäre. * Der wichtige Fall Oberschlesien ist in vielversprechender Weise in Angriff genommen. Aber es gibt einen ebenso wichtigen, vielleicht bedeutsameren Fall: Oesterreich! Unter Anwendung gigantischer Mittel arbeitet Hitler-Deutschland daran, das kleine Oesterreich zu überrennen und in seinen Verband zu zwingen. Es sieht so aus, als fühlte sich Hitler seiner Macht nicht sicher, solange er nicht Oesterreich hat. Das versetzt die österreichische Judenschaft in eine grausam bedrohte Stellung. Aber nicht nur die Juden Oesterreichs! Die Juden Europas, die polnischen, tschechoslowakischen, ungarischen, rumänischen Juden und alle anderen, blicken in hochgespannter Besorgnis auf Oesterreich. Sie verstehen, daß ein Sieg Hitlers über Oesterreich und damit über das österreichische Judentum sie alle aufs schwerste bedroht. Ein Direkte mit den voizögi. Salonsdiiffen des t-j Lloyd Triesttoo Abfahrten Jeden .sflttwoch um 13 Uhr Ferner: Wöchentliche ExpreßUnie nach Istanbul; wöchentliche Luxuseillinie nach Alexandrien; zweimal monatlich Luxuseillinie nach ' Bombay; monatliche ExpreßUnie nach Ceylon, Slngapore, Shanghai; Postumen nach der Levante, Schwarzes Meer, Indien* China, Japan LloydTTißStiao,Wienl,KämtnerrIng6fTei.u-47-5-60 L^^^j Hitler-Oesterreich wird die antisemitischen Instinkte in allen Ländern Mittel- und Osteuropas mächtig fördern. Oesterreich ist heute der wichtigste Schlüsselpunkt im Kampf gegen das gesamte Judentum. tr Wie steht es um die Judenfrage in Oesterreich? Die Bedrohung durch den großen Nachbarn Deutschland ist ungeheuer schwer. Der Geist Hitler-Deutschlands hat große Teile Oesterreichs erfaßt. Günstig wirkt nur der, Umstand, daß die derzeitige Regierung Oesterreichs entschlossen gegen die Hakenkreuzflut ankämpft. Allerdings unter den schwersten Bedingungen, weil das große Deutschland alle Mittel der Gewalt in diesem Kampfe rücksichtslos einsetzt. Günstig, in jüdischem Sinne, wirkt der Umstand, daß die Juden Oesterreichs in ihrer Eigenschaft als nationale und religiöse Minderheit, unter besonderem Schutze des Völkerbundes stehen. Der Friedensvertrag von St. Germain, dessen Bestimmungen auch in die österreichische Verfassung aufgenommen wurden, berechtigt und verpflichtet die Mächte des Völkerbundrates, einzugreifen, wenn die staatsbürgerliche, die politische, wirtschaftliche und kulturelle Gleichberechtigung der österreichischen Juden verletzt wird. Wieder waren es jüdischnationale Politiker, die seinerzeit die Aufnahme dieser segensreichen, schützenden Bestimmung in den Friedensvertrag durchgesetzt haben. Die jüdischnationale Bewegung ist der Urheber dieser Klausel Im Friedensvertrag und der Verfassung, durch welche vielleicht das Schicksal der Judenschaft Oesterreichs und Europas bestimmt wird. Doch die beste Klausel bleibt ein Stück Papier, wenn nicht entsprechende Kräfte hinter ihr stehen. Eine auf nationaler Grundlage geeinte österreichische Judenschaft, geeint im Willen, alle Rechte bis zum letzten zu verteidigen, muß auf der Wacht sein. Noch hat die österreichische Judenschaft diese Bedingung nicht erfüllt. Noch stehen Juden bei fremden Parteien, bei den Liberalen und Sozialdemokraten, wo jüdische Kraft nutzlos vergeudet wird, bei Parteien, die im entscheidenden Moment restlos versagt haben. In diesen schweren Tagen hat die „Jüdische Volkspartei Oesterreichs" mit ihrer Arbeit schwungvoll eingesetzt. Tausende sind ihr zugeströmt. Aber noch halten sich manche unentschlossen, zaghaft ferne. Die Jüdische Volkspartei ist heute das einzige Instrument jüdisch-politischer Solidarität in Oesterreich. Sie erblickt ihre Aufgabe darin, die Juden politisch wehrhaft und unabhängig von fremden politischen Einflüssen zu machen, denn die Abhängigkeit der Juden von fremden Parteien hat sich immer als unheilvoll erwiesen, sie hat den , Juden, aber auch den fremden Parteien keinen Segen gebracht. Die Jüdische Volkspartei hat aber auch die Aufgabe, aktiv in die allgemeine Österreichische politik einzugreifen. Der österreichische Jude darf nicht abseitsstehen, wenn es den Kampf um die Existenz Oesterreichs gilt. Es ist seine Pflicht, Regierungen und Parteien nach Kräften zu helfen, wenn sie ehrlich gewillt sind, Oesterreich zu schützen. Die Juden in diesem Sinne führen, wertvolle Kräfte für das Judentum und für Oesterreich frei und wirksam mächen, das will die Jüdische Volkspartei. Sie dient damit nicht nur der österreichischen Judenschaft und dem Staate Oesterreich, sondern der gesamten Judenschaft und dem europäischen Frieden, den ein Sieg des Hakenkreuzes über Oesterreich gefährden müßte. imMta*** Achad HaamStr.52 im neueröffneten das europäisch geführte Haus mit allen Bequemlichkeiten. In ruhiger Lage im Zentrum der Stadt gelegen. Gut und modern eingerichtete Zimmer mit fließendem Wasser. Großer schattiger Garten mit Liegestühlen. Wiener Küche. Aufmerksame Bedienung. Leitung: Philipp Grünbaum (früher Berlin) & David Kirschbaum (Venedig, Villa „Margherita"; Breslau, „Lesslng-Loge"). 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Er ist der Treffpunkt der guten Wiener Gesellschaft und aller Fremden, die Wien besuchen. Schloßhotel Cobenzl. Der Großzügigkeit und dem Unternehmungsgeist Hans Hübners ist es zu danken, daß Wien auf dem Cobenzl durch zwei zeitgemäße und vornehme Etablissements bereichert wurde, die Weltruf genießen. Es gibt keine zweite Großstadt, die einen ähnlichen Aussichtspunkt und ein so herrliches Panorama zu bieten vermöchte. Hübners Parkhotel Schönbrunn. Im schönsten Wiener Bezirk, Hietzing, gegenüber dem ehemaligen kaiserlichen Lustschloß Schönbrunn, in der Nähe des weltberühmten Palmenhauaes und des Zoologischen Gartens, erhebt sich das Parkhotei Schönbrunn, ein erstklassiges Luxushotel. Das Parkhotel Schönbrunn wurde von Hübner zeitgemäß umgebaut und vollständig neu eingerichtet, so daß es heute als das modernste Hotel im Westen Wiens gilt. Hübners erstrangige Etablissements an der adriatischen Riviera. 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