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Die neue Welt · 1933-06-02 · Heft 299 (2.6.1933) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 299 (2.6.1933)
Date
1933-06-02
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seiife 2 RUNDSCHAU Der Bode, der §idi gelbst zum Gärtner macht DW' i- April, sonst ein Tag sc&ersjiaite* Symbolik, «1er l. April 1983 wird den Jaden Deutschlands und wohl auch der nlehtbarbarischen Welt, lange im Gedächtnis bleiben. Der Boykott auf Kommando, die gewaltsame Verhinderung des ElnkAufs In Jtidftchen Geschäften und die beabsichtigte dauernde Schädigung des jüdischen Kaufinahnes, die Verfemung hunderttausendet jUdtoplier Staatsbürger durch die Hüter de* Staatsgesetze, die Bedrohung an Loben, all das als Ausfluß der Ohnmacht gegenüber demLeumund,— solch ein Schauspiel Hat wohl Anspruch darauf, von Zeit zu Zelt wieder projizlecf zu werden. ■"r*'''"r. "i" ':."ZT" Heute muß nochmals festgestellt werden: Die spontan ausgebrochene Boykottbewegung war nur einer der Vielen Reflexe des Abscheus, den das deutsche Hakenkreuz in aller Welt hervorgerufen; sie war nur ein Mahnzeichen dafür,, daß man jede Berührung mit dem der Barbarei verfallenen Hitler-Deutschland ablehne, in allen Kulturländern organisierte sich, diese ursprünglich spontane Abwehr, allerorten, erstanden sogenannte Boykottkönfctees. lf \ Die deutschen Machthaber spotteten Über den Versuch, das große, mächtige Busineß-Deutschland durch Boykott treffen, zu wollen. Die Kulturwett dachte rs. Sie wußte und weiß, daß der deutsche Warenttyyjtott mehr ist als ein Zeugnis der Sympathie für die unterdrückten Juden und freien Menschen Deutschlands; d&B;; Deutschland die. Folgen seiner unmenschlichen Methoden rein materiell zu spüren bekommt. '",;,;] Und nun begibt sich das in der Geschichte menschlichör und politischer, Beziehungen noch nicht Dagewesene. D^S'j n^onai^ziaiistische Deutschland; pat >so,; als würde die* Well' seine Güie und Freündschäft* schlecht belohnen oder ala wäre nichts geschehen. Aus Riga wird nämlich unter dem 27. Mai gemeldet: „Die deutsche Gesandtschaft hat gegen das zum Zwecke des Boykotts deutscher Waren gebildete , Komitee die Klage angestrengt. Die Frage der juristischen Zulässigkeit, der Klage -. erregt starkes Interesse." Deutschland beklagt sich über den Boykott und klagt. Man stelle sich vor: Hakenkreuz-Deutschland klagt, der Bock hat sich selbst zum Gärtner gemacht. Und. es soll noch Menschen geben, die sich für. die j u r i s t ia c h.e Zulässigkeit ^der Klage , interessieren. Als ,ob .die. Stellungnahme gegen das pogromistische Hakenkreuz S^che, forma 1 e n Rechts wäre! Die Judenfrage hat die;" .Eigenschaft 4 * ♦ s *0 Der P.-E.-N.-Klub hat die -Eigenschaft, unvorsich* tig^e oder; neugierige Zeitungsleser alljährlich nervös zu machen. Die führenden Poemisten, Essayisten, Novellisten.- versammeln sich hämlichrän Irgendeinem schonen Ort, um; daselbst Weltanschauungen und Visitenkarten auszü " täuschen und schließlich Bei einem Bankettf in iFrack und» Fejstesstimräung den Ort der nächsten < Tagung zu bestlhimen. Die Presse, eine treue Dienerin solchen Zere-'. moniells, berichtet mit dem Hut in der Hand» was der1, oder jener Poemist, Essayist, Novellist seinen Kollegen: erzählt hat, die Herren fahren in ihre Heimatländer, zurück und Europa hat dann zwölf Monate Buhe. Diesmal hatte das von den Römern gegründete, votf donvLangobarden, zerstörte Ragusa, das heutige jugoslawische Dubrovnlk, die Ehre, die Repräsentanten der europäischen Literatur und . der U. S. A. zu beherbergen. Viele V«lker^ waren! .vertreten,. auch, ip,'e:u t s c b 1 a n d: und Oesterreich. Im Vorjahr, in Budapest, wurde in der Penklub- Tagung der Fall des von der Hortby-Iteglerüng verfolgten „jüdischen" Schriftstellers Ludwig Hatvany behandelt und gab Anlaß zu heftigsten Debatten. Heuer, in Dubrovnlk, kam es zu erregten Auseinandersetzungen im Zusammenhang mit dem Antrag der amerikanischen Delegation, die die Lage der Schriftsteller in Deutschland berührte.. Da nun aber der Penklub-Kodex Auseinandersetzungen politischer Natur ausschließt und man schließlich vom heutigen Deutschland nicht sprechen kann, ohne politisch zu Werden, gaben die deutschen Delegierten (vom Hakenkreuz gesandte) die Erklärung ab, daß sie «ich gegen ein solches Tun verwahren, denn die Deutschen seien „keine Chauvinisten, sondern nur bewußte Nationalsozialisten". Wörtlich. Damit aber gab sich das Forum nicht zufrieden. Der diesbezügliche Bericht — wir geben ihn wörtlich wieder — lautet: „In einem von 16 Delegationen befürworteten belgischen Gegenantrag wurde die Forderung nach einem geschlosseneren Eintreten für die Gedankenfreiheit und nach Verurteilung aller jener Länder gestellt, welche die Schriftsteller wegen ihrer freien Meinungsäußerung verfolgen. Der österreichische Delegierte, Felix Saiten, erklärte sich mit der deutschen Delegation mit der Begründung solidarisch, daß die Oesterreleber und die Deutschen ein Volk seien, deren Kultur dei; alten Germanenrasse entspringe." ' Herr Felix Salzmann-Saiten aus Budapest war entweder von der heiligen Mission durchdrungen, sein Österreichisoties Germanentum für die Spalte des heiligen Deutschen Reiche« in die WsÄgsehftte zu weie en, oder er wollte sich beim HakeAtoeuz dafür, daß *^ne Bücher nicht verbrannt wurden, a tempo revanchifksn. Der Liebling jener A^^Iuil•nten-Ml»chr>boh^ die anstatt Jom Kippttf und lloich Hascharta ein deuWh-Uberales Blatt hält, erklärte sich mit der deutschen Delegation, mit den offiziellen Vertretern d * s # 6 g r o m a n 11 s e m i 11 s m u s s 011 d a r 1 s ch. So naiv kann nicht einmal ein Penklub-Delegierter sein, um nicht zii wässen, daß es im Hakenkreuz-Deutschland vor allem gegen den jti d 1 sc he n Schriftsteller, den jüdischen Geistesmenschen geht. Herrn Felix Salzmann- Saiten, dert SOrtntagsplauscher, kümmert das wenig. Die Judenfrage hat die Eigenschaft, auch Herren, im Frack zu einem Bekenntnis zu provozieren. Der Liebling der österreichischen Assimilation wurde ertappt. Man wollte ypn ihm wissen,,wie er zur deutschen Judenfrage Sie sollen Opfer bringen In der Hauptstadt Mährens , Brno (Brünn) gibt e« ein Deutsches Theater, dessen Bestieher stell zu großem Teil aus den jüdischen Bewohnern der Stadt rekrutieren — ein Zustand, der als Ueberrest aus der Zeit -der häbsburglschen Monarchie antusehen ist. Ein Teil der Brünne* Juden verstand die' Zeichen der neuen tsehechoslowsldsolien Acra und Stellte sich — unabhängig vom rein sprachlichen Verhältnis — auf den Boden des neuen Staates, der demokratischen Republik, vornehmlich.die Jüdisch-Nationalen, deren Bestrebungen vom ersten Augenblick an in der Republik anerkannt wurden/Aber es blieben immer noch sogenannte deutsche Juden, AMunUanten, die heute — unter, dem Eindruck öes reichsV deutschen Pogrbmterrors — Iii eine recht schiefe Situation geraten sind, ,v , . ••«■». '•> (\ j ,n •.; Wie man sie einschätzt,' bezeugt ein zugunsten des notleidenden Deutschen Theaters erlassener Aufruf, de* sich an die Brünner Industriellen um Spenden wendet. Die Brünner Industriellen — damit sind die Brtinner 5 PIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIM Die ff II des Oesterreichischen Verkehrsbureaus bietet Gelegenheit zu einem Ferienaufenthalt in deli beIiebtesten Sommerfrischen und Kurorten Oesterreichs zu ganz außergewöhnlich niedrigen Preisen. Die unentgeltliche Abgabe von Prospekten erfolgt im Oesterreichischen Verkehrsbureau, Wien I, Friedrichstraße 7 und Nibelungengasse 4, wo auch Anmeldungen für diese Aktion , '!HlummlM.nmiiliil.immii'mmHi.mffl^ ......iiiiiitiiiiiitiiiiHiiniiiimiiiiiimJ und Einstehe, und er — habt acht, meine Herrehr — sprach von der äl t'e'ri'Ö erm'änen'ra'sse. '" Ein weiterer Bericht Uber " die Peliklub^Tagüng lautet: < f;: ■ : ' ■' ' i . ■ - :- ■ - t , „Als der. Präsident; H. G. Wells (der berühmte englische Schriftsteller) ftgtz des Protests der, deutschen Delegation dem aus Deutschland emigrierten ( jüdischen) Dichter Ernst Toller daä,JWort ,erteilte, verließen die ■ -..... .. ~- a«:.C. xR:> rXii&'b'? ' X V' ' •> •* deutsche, . ,österr ei,chische, holländisohe schweizerische Delegation "den Kongreß." (Die' klammerungen stammen von der Red.) Auch die österreichische Delegation, mit Felix Salzmann "Salt en an der Spitze! Wir haben einem Foullletonlsten, derjrich bei einer H e r z 1- G e, d e n krOderühmte, nicht.unset Gesinnung s£,e n o s s e zu sein, alles zugetraut. Aber daß er sich selbst „gleichgeschaltet" hat, wird sogar seine Anhänger vom Schottenring und yo.m Cöttage überrascht haben. Die Judenfrage hat, nun einmal die Eigenschaft, die geheimsten Karamern der JVIenschenseele zu öffnen. Zeichen der Besinnung? Eine palästinensische Zeitung veröffentlicht feinen- Brief äca Beamten der Histädruth (soziäldem. Arbeiterorganisation in'Paläötinay 'S. Herschk'owics, worin dieser dem Chaluz Abraham Tischler 10 Pfd. Darlehen für den Eintritt in die Histädruth bot. Der nationale Chaluz Tischler lehnte ab. Es geht hier" weniger um di6 P r a ktik des Histädruth-Beamten, einen jungen, mittellosen! Menschen'mit':ein ^paar•Pfüti'd 'ködern zü iwollen; als um das Abhängigkeitsverhältnis, das diese Arbeiterorganisation jeden Ghaluz'fühlen lassen will. Unser nationaler Chaluz ließ sich, wie gesagt, nicht einfangen. Nicht allein seine politische Einstellung, auch sein ziviler Stolz ließen es nicht zu. Es mehren sich die Fälle, daß junge Leute ohne politische Schulung, äber mit politischem Instinkt die einseitige Konstruktion der Histädruth erkennen und sich von ihr abwenden. „Proletarische Solidarität" bekunden, indem man einen Dachverband mit denselben Arabern gründet, die gegen die projüdische Rede des englischen Außenministers protestieren — das ist wohl eine halsbrecherische Auslegung der Dogmen der II. Internationale. Die jungen nationalen Juden beginnen das Geschwür der sozialdemokratischen Terrororganisation „Histädruth" zu meiden. So schreibt das Mitglied des tschechoslowakischen Hechaluz Simon Herzog,an die Leitung der.palästinensischen revisionistischen Jugend: „Ich kam vor drei Monaten ins Land, mit mir zwei weitere Mitglieder des tschechoslowakischen Hechaluz. Im Laufe dieser Zeit haben wir zur Genüge die Histädruth kennengelernt. Als nationale Chaluzim konnten wir aus ideologischen Gründen keinen Platz in der Histädruth finden und beschlossen daher, uns dem nationalen Hechalu^ anzusehließen." Aus ideologischen Gründen . Per zum nationalen Bewußtsein erwaohte Chaluz empfindet Abscheu vor der korrumpierenden Phrase vom Klassenkampf. Zeichen der Besinnung also auch bei denen, die bisher in die Histadrutn Üineintaumelten. . , jüdischen Tex.tilf abrikanjfcen gemeint, die bereits 200.000 tschechisch^, Kronen gespendet haben, unter der Bedingung, daß „andere Kreise" einen ebenso hohen Betrag spenden. Die anderen Kreise — damit' sind die jüdischen. Mittelständler gemeint. Die Brünner Juden, das. ist der Sinn des Aufrufs, sollen Opfer b;r/i n g7e n für; dio Erhaltung der — sagen wir es ohne Scham — deutschen Kultur, in Deutschland fallen; die: Juden, als Opfer »des „ Hakenkreuzterrors, in der" Tschechoslo^a.H^i sollen sie. für.l.dte /deuteojtep Belange Opfer bringen. Die Brünner Zionisten* das hoffen wir, werden den Juden, wenn-u sich solche Verblendete oder Würdelose finden sollten, rechtzeitig und öffentlich in den Arm fallen. Wenn Geldojjter zu bringen sind, dann für die Opfer des Hakrenkreuz-Deutschland und nicht für dessen Propagandisten! Lobl Taubes gestorben Kurz nach Vollendung seines 70. Lebensjahres ist In Wien einer der ältesten Zionisten Europ.as, der noch zur Zeit Herzls in Galizien als Pionier der Bewegung tätig'war; an den Folgen einer Lungenentzündung gestorben. Er entstammte einer berühmten' Rabbiner- und Tälmudgelehrtenfamilie: in Rumänien, * die ihren1 Stammbaum -bis auf Raschi zurückführt. Er betätigte sich erfolgreich auf älleh Gebietenzionistischer! Propaganda, beteiligte sich intensiv an der Popularisierung, des Gedankens der jüdisch'e'h Kolonialbank und: des Keren Kajemeth und trug den Zionismus, ti'ef in die jüdisehen VolksraasSön Altöster. reichs. Hervorragenden Anteil nahm er auch an der Enfr» wicltlühg der jiddischen "Külturbewegung.' Er gründete in Kolomea die erste jiddische Zeituhg -Galiziens, dls- „iTiddische VoT&szeitung", und den „FolkS-, f raihd". Bis zum'Ausbruch des Krieges war er eine ftUV rende Erscheinung auf den Zionistenkongressen. Während' der Kriegszeit ließ er sich in Wien nieder. Anläßlich seines 30jährigen Schriftstellerjubiläums sind im Jahre 1919 die „Sichronoth von LÖbi Taubes" erschienen, im Jahre 027f erschien sein Buch „Talmudiqcho Elemente im' jüdischen1 Sprichwort". ' . 'A •Mit diesem nimmermüden Kämpfer und jüdischen, Edelmenschen lab wieder einer aus dem Kreise Theodora Herzls von uns gegangen, einer jener Männer, welche nur; im Zionismus'gelebt haben.'In allen Phasen der jüdi* sehen Freiheitsbewegung stander in den vörderstenl Reihen. Er hat den Zionismus so bewahrt, wie er ihn'von; seinem großen Führer vor furifunddreißig Jahren > über«» nommen hatte. Löbl Taubeshat im Zionismus -kelaei Wandlung durchgemacht. Itte ist sein Glaube an die «große). Sache wankend geworden,' nie hat; er sich durch Tages-: Strömungen von ihr ablenken lassen, nie wurde er kleine mttUg; und verzagt. Sein Leben als Privatmann; war einhartes) durch große 'Sorgen oft 'überschwer belastet : AbSl»< größter Kümmer und drückendste Sorge konnten ihn hie' von seiner zionistischen Aufgabe auch hur für kurze1 Zeitf fern^lten. Löbl Taubes ws^ dW,Muster eines jüdischen Vol^rühjers,; .MilSter(Wm Jüdehstsatszlöru^te^-: %l*

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