Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 299 (2.6.1933)
- Date
- 1933-06-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis 35 Groschen Jahrgang f freite* 4e* *• limi i#3i Mr« 29* tViV \3tvv «er vewendel w i^diteni*. REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung: Wien IX, Univetsitäisstr.6-8,1 el. B-48-504 — Ersdieint jeden Freitag MMmmiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiii . sillers C A FE-GARTE Wien I, Schwedenplatz 3 tßiiit 4UH jfcUM' eCnt-t '^A^^em&tmtm t&liei ^na*gj!&i<6e4ufi tUt> ßetu**« Suassev POSTKARTE 15^ * WUnf. ^6*e&p4UU. Der Völkerbund und die Juden Genf, 30. Mai. Der Völkerbundrat beschäftigte sich heute mit der Klage Dr. Bernheims, die sich auf Artikel 147 des deutsch-polnischen Minder-, heitenabkommen» für Oberschlesien bezieht. Der irische Berichterstatter für Minderheitenfragen, Lest er, legte einen Bericht'vor, der sich auf die deutsche Erj^rung vom 26. Mai bezieht, wonach innerdeutsche Be- ^mmütogen-in .keinem Fall mit i n^-e^r,ivaitji»p4n.fli:l.e n .Verpflichtungen im Widerspruch stehen dürfen. .^^^l^t^o.^.-A^Jt ^.(TWS'-.iiÄij.??- '^■;tffo%1&t)£&**^ W.-«a.4**S|»»aSö.iR Der Bericht legt diese :ErWärti% dahin aus» daß die' deutsche Regierung entschlossen sei, die Bestimmung: des Teiles S der Genfer Konvention einzuhalten. Danach müßten die um ihre Stellung und um ihren Verdienst gekommenen Juden unverzüglich wieder in ihre Positionen eingesetzt werden^ Der deutsche Vertnter Gesandter von Keller erklärte, daß er den Bericht nicht annehmenkönne, da Bernheim in Oberschlesien weder ansässig noch Irgendwelche Familienbeziehungen dorthin habe. Er halte im übrigen die Erklärung vom 26. Mai, wonach die deutsche Regierung bereit sei, die Rechtsgleichheit der Juden in Oberschlesien wieder herzustellen, aufrecht. Die deutsche Regierung habe das Nötige angeordnet, um die Liquidierung dieser Angelegenheit im lokalen Verfahren zu ermöglichen. Der Berichterstatter machte den Vorschlag, einen Juristenausschuß einzusetzen, der spätestens innerhalb von zwei Wochen die deutschen Ansprüche gegen die Legitimation des Klägers prüfen soll. Die Vertreter Englands, Frankreichs, Spaniens und Norwegens erklärten sich unter Berufung auf ihre grundsätzliche Einstellung in Minderheitenfragen mit dem Bericht sowie mit der Einsetzung des Juristenausschusses einverstanden. Eine' ähnliche Erklärung gaben der polnische Vertreter und der tschechoslowakische Delegierte ab. - Der pol n i sehe Vertreter richtete .gleichzeitig einen Äpp e 11 .'an die identische 'Regierung,,* den- Juden nicht nur in' Oberschlesjten, s o n.^.e'r n ti-b <e r a 1 f i m Rfii.^h-<B? S c;; f ür die Septembertagung '"des Völkerbundes e i ne g r o ßV #|^tfWir^; * V* Der Weg zur M MM Inmitten der seelischen und physischen Bitternis vermerkt die jüdische Presse Zeichen ungekannter Regungen bei Juden, die bisher abseits standen: abseits nicht etwa in dem Sinne wohlwollender Neutralität ihren Volksgenossen gegenüber, sondern fast in abwehrender Stellung. Wenn man gewisse Symptome optimistisch deuten will, hat sich die Lage geändert. Sie, die das um sie lebende und wirkende. Deutschtum mit einer bis zur Selbstvergessenheit reichenden Inbrunst 'liebten, werden sich nun der geschichtlichen Schranke bewußt, die einem vollen Aufgehen im deutschen Kulturkreis im Weg steht. In dieser Notlage sehen sie sich nach Rettung um. Von den geheimen Tragödien deutscher Juden und all derer da und dort, die unter dem Druck der deutschen Katastrophe zur Besinnung kamen, kurzum von jenen, die sich in die veränderte Situation nicht hineinfinden' können, sei hier nicht die Rede. Wir verzeichnen den jüdischen Typ, der jetzt ein Gemeinschaftsgefühl erspürt.hat und es zu betätigen wünscht. Will man diese neue, blutmäßige Disposition in eine Formel pressen, in der sich der ganze Komplex erschöpft, ho kann wohl die Formel lauten: Die neue Orientierung heißt der Weg zur jüdischen Gemeinschaft. Wir, die seit Jahrzehnten in dem, was man „Judenfrage" nennt, versiert sind, dürfen die Situation nicht unter einem zeitlich begrenzten und oberflächlichen Aspekt sehen. Wir müssen begreifen, daß es sich hier um eine schmerzliche Kur handelt. Wir sehen, daß die „Assimilanten" uns näherkommen wollen; daß sie in uns den 'Schicksalsgenossen sehen; daß sie mit uns sprechen, an unseren Sorgen und Aspirationen teilnehmen wollen. Da schleicht sich ein völlig Entfremdeter in die Synagoge. Da tritt ein ebensolcher horchend in unseren Kreis. Dort öffnet ein Dritter spontan, der jüdischen Not seine Brieftasche. Mancher tritt. nur zögernd an unsere Sphäre heran,-als fürchte er Vorwürfe ob; seiner bisherigen Haltung,'oder aus Scham, die nicht so leicht zu überwinden ist« <Und>noch eines sei vermerkt: Diese Entfremdeten fühlen,.daß bei uns, den nationalen Juden (den Menschen: jüdischer Verantwortungs- und Schioksalsgemeinschaft), sozusagen unter der Kruste täglichen schmerzlichen Geschehens, etwas Reines, Erhabenes,. Beglückendes webt,' und;sie wollen■ nun auch dieses genießen, sie wollen nun auch diese Freude haben, das freudige Erlebnis des Judeseins. Wie leicht auch die äußerliche Form hiefür gefunden sein mag r— das Thematische, Inhaltliche, Stoffliche bedarf pädagogischer Feinfttbiigkeit. Denn der Weg t zurück bedeutet für uns die notgeborene Rückkehr; zum Judentum als geschichtliche, unabänderliche Tatsache. Einer der Vielen spricht so: Gebt uns alles, was ihr habt und was wir nie gekannt haben. Wir wissen nichts von jüdischer Geschichte und jüdischem Heldentum und jüdischem Leid. Urid wir wollen heute all das wissen. Eine Legende Paläst i n a ist an unser Ohr gedrungen und plötzlich beginnen wir zu fühlen, daß es eine R ea 1 i t ä t P a 1 ä s t i n a gibt. Gebt uns einen Lehrer, der uns unterweist. Wir wollen Hebräisch lernen und wir wollen erfahren, was in Palästina geschieht. Und wir wollen schließlich uns aus dem, was wir erfahren, ein neues Weltbild machen, neue Gedanken formen, einen neuen Lebensbereich schaffen: den Lebensbereich des modernen jüdischen Menschen. Solcherlei kann man des öfteren hören. Wenn wir die geschichtliche Stunde ausnutzen un,d zu dauerndem Erfolg führen wollen, dann heißt es unsererseits, der Lebensnotwendigkeit: Schaffung einer jüdischen. Erziehung zu dienen. Die aktuellste Aufgabe: Eingliederung dieser neuen, nach jüdischem Sein verlangenden Menschen in unsere Gemeinschaft darf nicht zu leicht genommen COMPASS TOURS WIEN NEW YORK PARIS Nächste IX, Spitalgasse 3 Gesell- - schaftsreise nach Tel.B-42-5.38 PALASTINA J ULI 1933 1.50 Weekend , im Dianabad Samstag oder Sonntag den ganzen Nachmittag Im Wellen-Schwimmbad mit Freiluft-Sonnenbad Vorzügliches Dachgarten-Restaurant Famiiianbad In baldan Schwimmhallen Und In ain«r Abteilung dal Sonnenbad« Schwimm* und Sonnenbäder auch Montag offen! Alle im redaktionellen Teil befindlichen entfielt« liehen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet werden. Denn so wie für uns Zionisten seinerzeit Theodor Herzls Wahrheit Offenbarung und Revoiutionierung be- »a^t^tc; so beginnt für' diese' in ihrer'. Vergangenheit gß^heli^rtein Meeschen eine, vMigvneue <^$$, ietwÄl grundsätzliches. Neues und Niegekanntes. Der jüdisfch orientierte Mensch in der Galuth ■ 4in&, der i eJn jüdisches Heim bauende . Mensch in Palästina '— diese zwei Realitäten will der zu uns kommende „Assiimüant" seinem Bewußtsein einverleiben. Wir, die ihn aus dem alten Zustand retten sollen, dürfen aber keinesfalls mit halben Wahrheiten und mit halben Rationen.;arbeiten.- Der.Jude, der zurück will zur jüdischen Gemeinschaft, muß wissen,' daß ihn nur völliges Auf gehen in ihr aus seiner Isoliertheit befreien kann. Er muß wissen, daß für Konjunkturexistenzen bei uns kein Platz ist; daß ihm nicht Dank und Ehre zukommt,/sondern die Verpflichtung, alle-in ihm schlummernden Energien für die jüdische Sache zu mobilisieren. Und auch bezüglich Palästinas darf es keine Halbheiten geben. Auch hier muß er wissen, daß das jüdische Nationalheim kein beiläufiges Uebersiedlungsland, kein interimistisches Nachtasyl ist, sondern Stolz und Hoffnung und Zukunft des jüdischen Volkes — Judenstaat! Groß ist — neben unserer Aufgabe — die Pflicht des zu uns kommenden, den Weg zur;, jüdischen Gemeinschaft betretenden Juden. Aber er wird alles zu gewinnen haben. O. R. General Srauts an die südafrikanische Zionistenkonf erenz Aus Kapstadt: Der ehemalige Ministerpräsident von Südafrika, General Smuts, hat an die in Kimberley tagende 14. Jahreskonferenz der Zionisten Südafrikas eine Botschaft gerichtet, die u. a. besagt, es sei heute mehr denn jemals klar, daß die Politik zur Errichtung eines Jüdischen. Nationalheims in Palästina die richtige P o.l i t k sei. Mehr als jemals Verdiene dieses Ideal -heute die Förderung durch die Juden aller Länder. Schließlich erklärt General Smuts, er werde stets bestrebt sein, dieser großen Sache, für die sich alle eingesetzt hätten, seine Unterstützung zu leihen. 1 Der Ministerpräsident von Neusüdwales gegen die Verfolgung der Juden in Deutschland Aus Sydney; In der Stadthalle von Sydney fand |-ein' durch den Bü rgermeister einberufenes Meeting statt, zu dem über 4000 christliche und jüdische Bürger erschienen waren, um Einspruch gegen die Zurücksetzung der Juden in Deutschland zu erhöben. FUh- ^r^a>;.-Te)^nUc^keiten des öffentlichen Lebens hielten 1 Ansprachen. Der Ministerpräsident von J Neusüdwales, stt e y e n. s,; legte; eine Resolution vor, in der die gegen die 1 Juden getroffenen'Maßnahmen mißbilligt werden. Die Resolution des Ministerpräsidenten wurde von der Ver* Sammlung einstimmig angenommen,