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Die neue Welt · 1933-05-26 · Heft 298 (26.5.1933) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 298 (26.5.1933)
Date
1933-05-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Mr.. 298 DIE NEUE WELT Seite 5 Ein grandioser Film, den jeder gesehen haben muß! OV1K6L SIDflCY Das gewaltige Meisterwerk der Kinematographie mit: Alexander CaiT, dem amerikanischen Jannings, und den berühmten Filmkindern Betty Jane Graham und Dickie Moore Ab heute: CL1TC-MNO L / BURG-KINO I. / LUSTSPICL- THCATCR II. / FLOTTCN-KINQ VI... trieben werde, mußte die Thora in der bereits jedem geläufigen assyrisch-quadratischen Schrift niedergeschrieben werden. Diese Maßregel war als zeitweilige gedacht, eine Notverordnung. Später hätte die althebräische Schrift wieder aufgenommen werden sollen. Durch Nachlässigkeit der Priester geriet sie aber in Vergessenheit. Die Reformbestrebungen zielten darauf hin, das Judentum zu befestigen. Sie haben nichts mit den Unternehmungen der heutigen Reformgemeinden zu tun, die das Judentum durch Assimilation schwächen. Die dritte Verordnung war ein politisches Manöver, gerichtet gegen die im Exil zurückgebliebenen Juden. Sie hob' nämlich die alte Institution des Jobeljahres mit folgender Begründung auf: W'karatem dror baarez l'chol joschweha. „Ihr soilt Freiheit ausrufen im Lande für alle Bewohner", d. h. zur Zeit, wo alle Bewohner sich im Lande befinden, aber nicht zur Zeit, wo ein Teil derselben vertrieben ist. Rufet die Freiheit aus für alle Bewohner, d. h. so lange sie in Ordnung, aber nicht, wenn sie durcheinander im Lande weilen (Talmud, Erechin 32 b). Die Rücjkkehr einer kleinen Gruppe in die Heimat konnte noch nicht als Befreiung bezeichnet werden. Den Boden, den die "Juden unter Esra in Besitz nahmen, erhielten sie nicht als ein durch Eroberung wieder erworbenes Eigentum, sondern als Lehen, das ihnen von dein persischen Königen zugewiesen wurde,.:, Erst, auf , einem .yon fremder Herrschaft erlösten Boden wird -für Israel einst wieder die Freiheit ausgerufen werden. ' Allgemein rechnet man es Esra als Verdienst/an, die babylonische Judenheit Wieder nach Palästina geführt zu haben. Die palästinensischen Juden aber waren es, denen er als Retter erschien: Sie liefen Gefahr, inmitten der heidnischen Bevölkerung als Minorität unterzugehen. Sie hatten sich bereits mit den Heiden verschwägert, ipazu kamen noch andere Mißstände im Innern, welche die Setiranken nationaler Ueberlieferung, die in Babylon gefestigt worden waren, niederrissen, so daß die Auflösung weit vorgeschritten war. Esra zog nach Palästina, nicht' so sehr um die babylonischen Juden dorthin zu führen, als um die Judenheit Palästinas aus nationaler Not zu retten. Die,, britische Völkerbuudliga fordert Erleichterung der Einwanderung deutscher Juden nach Palästina und England 1. Die britische Völkerbundliga hat der englischen Regierung eine Entschließung überreicht, in der ^; die Regierung aufgefordert wird, der deutschen Regierung mitzuteilen, wie sehr die Zurücksetzung der Juden von allen Teilen der Bevölkerung Englands mißbillig t werde. Gleichzeitig wird die englische Regierung aufgefordert, ihre Sympathie für die Opfer der Maßnahmen in Deutschland durch die Tat zu bekunden, indem Erleichterungen für die Einwanderung deutscher Juden nach Palästina gewährt werden und die Niederlassung deutscher Juden in England unter gewissen Bedingungen gestattet wird. ". i ■ .• . * * Alle in England gefaßten schönen Beschlüsse werden'. wertlos bleiben, solange die englische Palästina- Regjerung, im Gegensatze zu diesen Beschlüssen, die jüdische Einwanderung mit allen Mitteln behindert. Zur Illustration: " Aus Jerusalem: Das Gericht in Jerusalem hat öreX als Touristen nöch Palästina gekommene Juden.zu je drei und einen vierten zu vier Wo chen Gefängnis und Landesverweisung verurteilt, weil sie ohne legale Erlaubnis versucht hatten, sich-in Palästina dauernd niederzulassen. Die Verurteilten wurden zur Verbüßung ihrer Strafen in das G efängnis v o nAk k o überführt. ' Die zum Studium eines Planes, betreffend Einführung einer Touristeanteuer, eingesetzte Regterungskommission hat den Vertreter des Waad Leumi, JJen Zwi, um Abgabe eines Gutachtens über diesen Plan ersucht. Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, hat sich• Herr Ben Zwi schärfstens gegen die Einführung einer Touristensteuer ausjg.esproch.en. Faschismus und Antisemitismus Aus New York: Der italienische Finanzminister Jung, ein konservativer Jude deutscher Herkunft, empfing auf der Durchreise nach Washington, wohin er sich im Auftrage der italienischen Regierung zu einer Besprechung mit Präsident Roosevelt begab, einen Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur, der den italienischen Finanzminister bat, seine Ansicht über das Verhältnis des Faschismus zum Nationalsozialismus und Antisemitismus zu äußern. Finanzminister Jung erklärte nachdrücklich, daß es nicht angängig sei, zwischen Faschismus und Nationalsozialismus eine Parallele zu ziehen, insbesondere was die Behandlung der Judenfrage betreffe. Aus der Antwort des italienischen Finanzministers ging außerdem hervor, daß er den wesentlichen Unterschied der beiden Richtungen in dem Alter ihrer Bewährung als Regierungssystem sehen und den italienischen Faschismus als eingewurzelte, erprobte Regierungsform dem erst im Anfangsstadium befindlichen nationalsozialistischen Regierungssystem gegenüberstellen möchte. „Inwiefern", fragte der J. T. A.-Berichterstatter, „kann man den Faschismus in Italien mit dem Nationalsozialismus in Deutschland vergleichen?" — „Diese beiden Bewegungen", antwortete" n Minister Jung, „gleichen einander wie ein neugeborenes Kind einem zehnjährigen Knaben." — „Aber sind(es Kinder desselben Vaters?" fragte der J. T. A.-Berichterstatter weiter. — „Es kann nicht denselben Vater fjir zwei' Nationen geben", erwiderte Finanzminister Jung. ~ „Welche Stellung nimmj; die ^faschistische Regierung Italiens gegenüber der antisemitischen Bewegung in Deutschland ein?" — Der italienische Finanzminister erklärte: „Diese Frage möchte ich lieber nicht erörtern." Auf die letzte Frage des Interviewers, wie sich Italien zum Antisemitismus verhalte, antwortete Minister Jung: „Haben Sie jemals von einer antisemitischen Bewegung in Italien etwas gehört?" 18 belgische Hochschulprofessoren appellieren an die preußische Akademie der Wissenschaften < Aus Brüssel wird, berichtet: Die belgische Presse veröffentlicht einen von 18 berühmten Professoren belgischer Universitäten unterzeichneten offenen Brief, in dem diese an die Mitglieder der Preußischen Akademie der Wissenschaften den Appell richten, kollektiv zur Beseitigung jüdischer. Gelehrter von den deutschen Hochschulen Stellung zu nehmen. In dem Brief der belgischen Professoren —r durchwegs Nichtjuden — heißt es u. a.: Durch die Beseitigung jüdischer Professoren aus ihrem Amte verlieren die Universitäten Elemente, die mit zur Begründung des Ruhmes der betreffenden Hochschulen beigetragen haben. Diese Maßnahme ist für die Zukunft des Hochschulwesens kompromittierend. Gewiß ist es unzulässig, sich in die Angelegenheiten eines fremden Landes einzumengen. Aber Fragen der Geistigkeit interessieren ebenso wie solche des Friedens alle Völker ohne Ausnahme. Wie ist es möglich, gleichgültig zu bleiben angesichts der. Tatsache, daß Gelehrte von Weltruf zurückgesetzt und auf unmögliche Art behandelt werden? Die ganze Kulturwelt,'1 heißt es in dem Briefe weiter, ist darüber erstaunt, daß die geistigen Führer Deutschlands bis heute noch nicht gegen diese Verletzung des Grundsatzes der Gerechtigkeit Einspruch erhoben haben. Wir fordern euch Akademiker auf, alle Intellektuellen in Deutschland ohne Unterschied von Rasse und Glauben in euren hohen Schutz zu nehmen. Unter den Unterzeichnern des offenen Briefes befinden sich der ehemalige Präsident des belgischen S e n a t s und Inhaber des Nobel-Preises für Frieden Lafontaine, der Rektor der Universität Brüssel Professor Bonnard, der Rektor der flämischen Universität in Gent Vermeulen, der Präsident der Königlich-Belgischen Akademie der Wissenschaften und ehemalige Unterrichtsminister Prof. d'Estre und andere belgische Gelehrte von Weltruf. GO.ENGEL.FILM Die polnische Aerztekammer gegen Zuzug aus Deutschland Aus Warschau: Die Leitung der polnischen Aerztekammer hat die medizinischen Fakultäen aller Universitäten Polens ersucht, bis auf weiteres Nostrifizierungen ausländischer Arztdiplome nicht mehr vorzunehmen. Diese Bitte wird durch den Hinweis auf die Ueberfüllung des Aerztestandes und die unter seinen Mitgliedern herrschende Not unterstrichen. Die polnische Aerztekammer hat sich, wie ihr Generaldirektor mitteilt, zu ihrem Schritt hauptsächlich infolge des Umstandes veranlaßt gesehen, daß auf Grund der in Deutschland in letzter Zeit getroffenen Maßnahmen ein die wirtschaftliche Lage der polnischen Aerzteschaft gefährdender übermäßiger Zustrom von. Aerzten aus Deutschland nach Polen erfolgenkönnte. Lag b'Omer-Feiern in Warschau — Zusammenstoß zwischen Revisionisten und Sozialisten Aus Warschau: Die von den jüdischen Jugendverbänden anläßlich des Lag b'Omer-Fester durchgeführten Veranstaltungen wiesen eine Massenbeteiligungauf. Die zionistischen Jugendorganisationen Warschaus mit Ausnahme des Brith Trumpeldor veranstalteten einen Festzug durch die Straßen Warschaus. Die nationalreligiöse Jugend veranstaltete einen Massenausflug, an dem alle Mitglieder des Waad Hapoel des Misrachi- Verbandes in Polen und die Führer der „Thora weawoda"-Bewegung teilnahmen. Der Brith Trumpeldor veranstaltete eine den ganzen Tag in Anspruch nehmende Reihe von Feiern. Es fand auch ein Ausflug statt, an dem sich auch Mitglieder anderer revisionistischer Vereinigungen beteiligten. Abends 'veranstaltete der Brith Trumpeldor eine Straßenkundgebung, bei der es zu Zusammenstößen zwischen Revisionisten einerseits und Kommunisten, Bundist en und Linken Poale Zionisten andererseits kam. Auf beiden Seiten gab es mehrere Verletzte. Alle jiddischen Gymnasien bis auf eines in Wilna geschlossen Aus Wilna: Auf Anordnung des Unterrichtskuratoriums wurde in Wilna das von S. Gurewicz geleitete Gymnasium mit jiddischer Unterrichtssprache geschlossen. Da in Wilna schon früher zwei von den ursprünglich" bestandenen Gymnasien mit jiddischer Unterrichtssprache geschlossen wurden, gibt es in dieser Stadt nur noch eine einzige derartige Lehranstalt. Grundsteinlegung zu einer Misrachi-Schule in Haifa Aus Jerusalem: In Haifa fand die feierliche Grundsteinlegung zu dem neuen Gebäude der Misrachi- Schule „Nezah Israel" statt. Das Grundstück, auf dem das neue Gebäude errichtet werden soll, wurde von Baron und Baronin Edmond de Rothschild zur Verfügung gestellt; aus dem Nachlaß von Herrn Marcus (Königsberg) sind 1100 Pfund zum Baufonds beigesteuert worden. 40 Studenten der Universität Klausenburg wegen antisemitischer Exzesse relegiert Aus Bukarest: Cuzistische und eisengardistische Studenten haben an den». Medizinischen Fakultät der Klausenburger Universität jüdische Hörer am Betreten der Hörsäle und Laboratorien gehindert. Das Dekanat hat daraufhin die Schließung der Fakultät bis zum Schlüsse des laufenden Studienjahres verfügt. 40 Studenten, die sich an den Ausschreitungen gegen die jüdischen Hörer beteiligt hatten, wurden verhaftet und auf Beschluß des Universitätssenats relegiert. PaltttinaR-elsende, die sich in TRIEST aufhalten, linden eine erstklassige, vorzügliche iVQ'tiUche )H mPBigen Preisen W S. HOSEN WASSER, TRIEST VIA VALDIRIVO 33

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