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Die neue Welt · 1933-05-26 · Heft 298 (26.5.1933) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 298 (26.5.1933)
Date
1933-05-26
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 DIB NEUE WELT Nr. 298 Friede oder Krieg im Revisionismus? Vom Vizepräsidenten der Revisionistischen Union Meir Großmann Tel-Awiw, im MalM Die revisionistische Exekutive und ich persönlich erhalten viele Briefe führender Gesinnungsgenossen, in welchen wir gefragt werden: „Ist es wirklich unmöglich, in unseren Reihen Frieden zu schließen? Sind,die Meinungsverschiedenheiten nioht m überbrücken? Ist es richtig, daß Herr Jabotinsky den Frieden haben will und daß die Exekutive jeden Ausgleich ablehnt? Sind die Gerüchte begründet, wonach man zum Kongreß mit einer Vereinigten Liste gehen wird?" Auf diese Fragen kann ich eine kurze Antwort erteilen: Es ist möglich, Frieden zu schließen. Die Meinungsverschiedenheiten sind derzeit noch nicht so tief, daß man nicht zusammenarbeiten könnte. Es ist nicht wahr, daß die Exekutive keinen Frieden haben wollte und Herr Jabotinsky ihn anstrebt. Die Exekutive geht, wenn nloht eine entscheidende Wendüftg eintritt, mit einer besonderen Liste zum Kongreß. Seit Kattowitz wird die zionistische und insbesondere die revisionistische Oeffentlichkeit irregeführt. Es ist eine alte, bewährte Taktik aller jener, welche eine ungesetzliche Handlung begangen, haben, alle Spuren rasch zU verwischen, die Aufmerksamkeit auf andere zu lenken, alles zu vertuschen, zu verdecken. Es sei mir daher gestattet, einige Tatsachen festzustellen. Der Kattowitzer Parteirat ist resultatlos verlaufen, weil Herr Jabotinsky die Proklamierung des revisionistischen Primats und die Anerkennung einer souveränen, unabhängigen revisionistischen Organisation gefordert hatte. Zum Kongreß solle man gehen, um ihn zu verlassen, wenn man nicht siegt. Er verlangte ferner die Rekonstruktion der Exekutive nach dem Prinzip fifty-fifty usw. Mit keinem Worte hat Herr Jabotinsky auch nur erwähnt, daß er bereit wäre, zum Kongreß zu gehen und in der Zionistischen Organisation und in ihren Instanzen zu verbleiben. Kann das jemand leugnen? Der Morgen nach Kattowitz brachte den „Putsch" und gleichzeitig die sonderbare Metamorphose: Herr Jabotinsky erkennt plötzlich alles an, sogar das Rong.reßgerieht. Würde das nicht mit einem unerhörten Bruch der demokratischen Prinzipien und der kollegialen Pflichten verbunden, wir würden uns der Wandlung treuen. Ein Wunder! Ein gewaltiger Sieg der Wahrheit, welche wir gepredigt hatten. Aber es war sofort klar, daß Herr Jabotinsky diesen Schritt — Spaltung der Bewegung —nicht nur darum unternimmt, um die Partei zum Kongreß zu führen. Daran zu glauben, wäre zu naiv. Wir von der Exekutive könnten nicht anders handeln, als den Putsch für ungesetzlich zu erklären. Wir mußten vor den demoralisierenden Konsequenzen dieses Schrittes warnen. Die Mitglieder der Exekutive würden nicht die geringste Achtung verdienen, wenn sie nicht entsprechend reagiert hätten. Der Putsch kann mit dem deutsehen Angriff auf Belgien verglichen werden. Verträge? Ein Fetzen Papier! Kollegialität? Veralteter Begriff! Konferenzen und Parteiratsitzungen? Eine pure Komödie! ' ' Der Fall Belgien hat für Deutschland die schwersten Kpnsequenzen nach sich gezogen» Man hätte auch damals sagen können: Steht es dafür, wegen einer solchen „Kleinigkeit" Krieg zu führen? Für die Belgier waren aber die Verträge kein bloßer Fetzen Papier. Und doch, .ohne Rücksicht auf unsere berechtigte Erbitterung (das ist das mindeste Wort, welches ich an dieser Stelle benutzen kann), habe ich unter dem Drucke von Gesinnungsgenossen - meine Zustimmung; zu Verhandlungen mit Herrn Jabotinsky und seinem Stab in Warschau erteilt. Es fanden zwei Sitzungen statt, das Resultat war. Null. Weil Herr Jabotinsky den Frieden unmöglich machte. Er verlangte entschieden die Proklamier u n g des Prinzips des Primats und fifty-fifty. Zur selben Zeit, als Herr Jabotinsky in der Presse erklärte, daß sämtliche Streitfragen, auch die Frage des Primats, zurückgestellt werden, hat er in geschlossenen Sitzungen die Proklamierung des Primats verlangt, d. h. die Schaffung jener Umstände, welche das Verbleiben der Zionistischen Weltorganisation unmöglich machen. So schafft man falsche Vorstellungen! Hat Herr Jabotinsky wirklich daran geglaubt, daß wir unter dem Drucke des Putsche» unsere tiefste Ueberzeugung ändern werden? Wir waren zu Kompromissen in der Frage der Zusammensetzung der Exekutive bereit, wir waren bereit, vieles zu vergessen, wir waren aber nicht bereit, unsere Anschauungen zu verleugnen. Wer durfte dies von uns verlangen? Herr Jabotinsky beharrte auf seinen Forderungen: Primat und fifty-fifty. In der Presse hat er jedoch von dieser Forderung keine Erwähnung getan. Im Gegenteil, man hat weiter gesprochen und geschrieben, daß Herr Jabotinsky den Frieden und eine einheitliche Liste haben will. Kann man da von „Friedensliebe" sprechen? Schließlich kam das Plebiszit-Abenteuer, Ein zweiter ungesetzlicher Akt. Plebiszite werden vor neutralen Instanzen» vor einer Revolution, nicht nach einer solchen» Plebiszite werden auf Grand von Vereinbarungen über die Bedingungen veranstaltet. Ein Plebiszit gegen den Willen der anderen Seite und ohne Ihre Kontrolle Ist eine Lächerlichkeit; Das Plebiszit und seihe Resultate sind vielleicht eine persönliche Satisfaktion für den Urheber. Für uns jedoch existiert es nicht. Schade, daß Herr Jabotinsky das Plebiszit nicht vor Kattowitz veranstaltet Und die Frage vorgelegt hat, ob man in der Zionistischen Weltorganisation verbleiben solle oder nicht, schade! Man spricht von Frieden und Ausgleich, aber gleichzeitig richtet Herr Jabotinsky Briefe an die Exekutive der Zionistischen Organisation mit der Bitte, ihn und sein Sekretariat als die Exekutivinstanzen der revisionstischen Union anzuerkennen, nicht aber uns, die legal gewählte Leitung. Wie man Uber Frieden sprechen und gleichzeitig die legale Exekutive als nicht existierend behandeln kann, bleibt für jeden gerade denkenden Menschen ein Geheimnis. Trotz alledem ist es für den Frieden niemals zu spät. Damit endlich allen böswilligen Gerüchten ein Ende bereitet werde, will ich hier ganz offen jene Bedingungen angeben, welche als Basis eines Ausgleiches dienen und welche in der Bewegung den legalen Zustand wiederherstellen und eine vereinigte Liste zum Kongreß ermöglichen könnten. Diese Bedingungen sind: 1. Alle Manifeste, Aufrufe, Befehle und Verordnungen, welche bis jetzt von beiden Seiten erlassen wurden, werden zurückgezogen und annulliert. 2. Es wird der Status quo ante Kattowitz hergestellt. Das bedeutet: Das in' Wien gewählte Exekutivkomitee wird als das einzige führende Organ der Bewegung erklärt, welches kollegial und in seiner früheren Zusammensetzung arbeitet. S. Das Exekutivkomitee kooptiert auf Grund der Empfehlung des Herrn Jabotinsky weitere zwei bis drei Mitglieder. Die neuen Mitglieder haben alle Rechte der Gewählten. 4. Der revisionistische Sonderverband geht zum Kongreß ohne im vorhinein proklamierte Bedingungen. Er geht zum Kongreß, um mitzuarbeiten und zu kooperieren. Die Primatfrage als bindende Bedingung wird von der Tagesordnung abgesetzt. Es bleibt diesbezüglich jedem revisionistischen Delegierten freigestellt, nach seiner eigenen Meinung und seinem Gewissen zu entscheiden. 5. Die Kandidatenlisten zum Kongreß weiden durch die Zentralkomitees zusammengestellt und von dem vergrößerten Exekutivkomitee bestätigt. Letzteres erstellt auch die Weltwahlliste. 6. In der revisionistischen Kongreßplattform muß ausdrücklich betont werden, daß die Revisionisten, als eine ihrer Aufgaben die Schaffung einer Exekutive der nationalen Konzentration betrachten, damit eine grundsätzliche Reform der Zionistischen Organisation durchgeführt und eine neue Aera In der politischen Arbeit begonnen werde. Diese Punkte sind Idar und deutlich. Sie bedürfen keiner Kommentare und in ihnen wird der aufrechte Wille zum Frieden und zur Einigkeit ausgedrückt. Es werden alle Unklarheiten beseitigt. Aul diese Fragen kann man nur mit „Ja" oder mit „Nein" antworten. * Ich schreibe diesen Artikel in meinem eigenen Namen. Ich glaube jedoch, daß meine Kollegon mit meinen Vorschlägen einverstanden sein werden. Die Exekutive ist zum Frieden bereit, aber zu einem Frieden, welcher ein Zusammenleben möglich macht. Auf der Basis der Anerkennung des „Putsch" und des „Plebiszit" ist ein Friede nicht möglich. Die Exekutive ist zum Frieden bereit. Sie ist bereit, alle Beleidigungen und alle Ungerechtigkeiten zu vergessen. Sie ist bereit, aus ihrem Gedächtnis die letzten zwei Monate tiefer Enttäuschung auszulöschen. Soll Friede kommen, so nur unter der Bedingung, daß die Legalität und ~- was noch wichtiger ist — das gegenseitige Vertrauen wiederhergestellt werden. Die Schuld an einem inneren Krieg vor dem Kongreß, an zwei Listen, an zwei Organisationen, die Schuld an der ganzen Krise und an der Unmöglichkeit eines Ausgleiches wird nie bei uns sein, sondern bei denen, - welche eine gewaltsame Beseitigung der legalen Leitung versucht haben. Unser Gewissen und unsere Hände sind rein. Wir glauben an unseren Sieg bei den Wahlen. Dennoch, eine Liste wäre sicherlich besser. Und wenn auch im Falle zweier Listen die Liste der Exekutive die gewünschten Resultate nicht bringen sollte, so wird es vielleicht bedauerlich sein, es wird uns nicht enttäuschen und entmutigen. Als wir den Kampf gegen den Defaitismus Im Zionismus begonnen hatten, waren wir eine kleine Zahl. Die Zelt und die Wahrheit haben für uns gewirkt. Wir werden unseren Weg gehen, ob wir nun viele Mandate oder wenige bekommen werden, ob der Betar bei uns bleiben wird oder wir den „Brlth Knalm" schaffen werden. Bedauerlich Ist nur, daß viele zarte Seelen in Verzweiflung, in ein Netz von Widersprüchen geraten werden. Und von vielen Freunden werden wir wahrscheinlich scheiden müssen. Kommt jetzt der Friede, ist es gut. Kommt er nicht, gehen wir unseren eigenen Weg. Die Sitzung dauert Sogt. Alle Größen für Damen in allen FARBEN UND KOMBINATIONEN weiß-schwarz oder weiß-rot S 5.90 SCHIFFMANN II. Bezirk, Tab.orstraße Nr. 48 Au§tro* Palästinensischer Wirfsrfiaffsdiensf Wien, IX., Berggasse 16, Tel. A-17-5-40 Die Sprechstunden finden bis auf weiteres ausschließlich Montag und Donnerstag von halb 5 Uhr bis. 6 Uhr abends statt. S. Gesellschaftsreise des Austro- Palästinens Ischen Wirtschaftsdienstes. Dienstag, den 16. Mai, um drei Viertel 8 Uhr früh, verließen die Teilnehmer der dritten Gesellschaftsreise Wien, um sich für die Dauer von drei Wochen nach Palästina zu begeben. Es nahmen an dieser Gesellschaftsreise 130 Personen teil, die in ausgezeichneter Weise untergebracht wurden. Es war ein erhebender Anblick, als der Zug die Halle verließ, um die Reisenden ans Ziel ihrer Sehnsucht, nach Erez Israel, zu führen. Wir werden über den weiteren Verlauf der Reise noch berichten. TV, Gesellschafts- und Studienreise nach Palästina Am Dienstag, den 16. Mai 1. J., hat die Reisegesellschaft unter Führung von Frau Berta Taubes ihre Reise nach Palästina angetreten. Es ist dies bereits die dritte Gesellschaftsreise, welche vom Austro -Palästinensischen. Wirtschaf tsdienst im laufenden Jahr veranstaltet wird. Das Arrangement, der Reihe wurde ebenso wie die vorige vom Reisebüro Compass Tours durchgeführt. Wie uns seitens der Reiseleiterin telegraphisch mitgeteilt wird, erfolgte am Montag, den 32. d. M., die glatte Landung in Haifa und wurde die Landreise programmgemäß angetreten. Auf mehrere Anfragen wird mitgeteilt, daß : die nächste Gesellschaftsreise voraussichtlich in etwa sechs Wochen stattfinden wird. Nähere« wird demnächst bekanntgegeben werden. Zur wirtschaftlichen Lage in Palästina Die „Barkley Bank" veröffentlicht einen Bericht über die wirtschaftliche Läge in Palästina. Aus dem Bericht geht hervor, daß in der abgelaufenen Periode 4,350.000 Kisten Orangen ins Ausländ verkauft wurden. Durchschnittspreis pro Kiste betrug 11 bis 11 % englische Schilling. Die höchsten Preise wurden in Kanada erzielt. Das Wetter ist sehr günstig, so daß man heuer mit einer guten Ernte zu rechnen hat. In der Bautätig.* k e i t und im Handel sind weitere Fortschritte zu vert zeichnen, dank des Zustroms neuer Einwanderer. Mercurbank. Der Verwaltungsrat der Mercurbank; hat am 17. Mai 1933 eine Sitzung abgehalten, in der die Schlußrechnungen für das Geschäftsjahr 1932 vorgelegt und genehmigt wurden. Es wurde beschlossen, der Generalversammlung den Antrag zu stellen, von dem aus* gewiesenen Uebersohuß per S 215.403.13, der sich nach Vornahme von Abschreibungen und Rückstellungen, die den krisenhaften Verhältnissen Rechnung tragen, ergibt, den Betrag von S 200.000 zur Dotierung eines Reservefonds gemäß Art. I, & 5, des Bundesgesetzes vom 28. Juli 1932, B. G. Bl. Nr. 213, zu verwenden und den Rest auf neue Rechnung vorzutragen. E mmäE&EZSSXi im neueröffneten das europäisch geführte Haus mit allen Bequemlichkeiten. In ruhiger Lage im Zentrum der Stadt gelegen. Gut und modern eingerichtete Zimmer mit fließendem. Wasser. Großer schattiger Garten mit Liegestühlen. Wiener Küche. Aufmerksame Bedienung. Leitung; Philipp Grünbauui (früher Berlin) & David Kirschbaum (Venedig. Villa „Margherita"; Breslau! „Leasing-Loge").

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