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Die neue Welt · 1933-05-26 · Heft 298 (26.5.1933) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 298 (26.5.1933)
Date
1933-05-26
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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M*i ME NEUE WELT Nr. 296 »".....................Hill Sonntag, d*n 28. Mal 1933, um 7.30 Uhr tb«nd» WIM In 4tr n'ucrbattten Synagoge „RENE BEftITri", XX, Kaichlgrasse <£ d « r b rühmte Kfimtlir Obarkantor Salomo Kr»utst»ln unltr Mttwlrlitt«g »eines t*UntUrt«n Sohn«« FrUdfletl and «<a«s verttlrfctiti Cfterti om Maariw ifefirah Gobet mm V»ftr«g ktlngtn Ea werden iuB«rd«m nencInMudlerte, noch nicht gehflrt« Kompositionen, Kintor.Rt2ltatlon«n und . Knabensoil (Friedrich Kreutstftin) cu Othftr gebracht werden Eintrittskarten zum Preise von 8 1.— auf», sind in der Bethens, kenelsl sowie bei den Herren J.Haber u.W. Ehrenkrenz ku heben ............."•TTTiHfirniftmiim mmtmmmmmmtwm dies« Verhandlungen zu verweisen. Gegenüber unzu lässigen Eingriffen ist der Schutz der örtlichen zuständigen Verwaltungsstellen anzurufen. Es darf als selbstverständlich vorausgesetzt werden, daß unsere Mitglieder solche Werke, die als in nationaler oder kultureller Hinsicht zersetzend anzusehen sind, bereits aus dem Betrieb gezogen haben. Ferner bereitet ein Ausschuß von Berliner Buch-, handlern und Bibliothekaren unter Leitung de* ersten Vorstehers der Deutschen Buchhändlergilde unter Mitarbeit auswärtiger Sachverständiger ein Verzeichnis der politisch oder sittlich anstößigen Bücher vor. Diese Liste wird in etwa vierzehn Tagen zur Veröffentlichung gelangen." Keine Zuschüsse für Syjiagogengemeinden in Preußen Aus Berlin: Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat Kultusminister Rust angeordnet, daß von der Bewilligung von BedUrfniszuschüssen an Synagogengemeinden zur Besoldung sowie Ruhestands¬ und Htaterbliebenenversorgung der Rabbiner für die Rechnungsjahre 1932 und 1933 abgesehen wird. Der Jüdische Lehrerverein in Bayern aufgelöst Aus München: Der Jüdische Lehrerverein für Bayern ist polizeilich aufgelöst worden. Ueber die Gründe der Auflösung, gegen die bei den zuständigen Stellen Beschwerde eingelegt wurde, konnte bisher nichts in Erfahrung gebracht werden. Judenbänke in Breslauer Schulen - -Aus Berlin: Wie dem „Israelitischen Familien-' blatt" aus Berlin gemeldet wird, wurde dortin einigen Schulen die Einrichtung getroffen, daß die jüdischen Schüler auf besonderen Bänken, die von den anderen Schulbänken um einige Zentimeter abgerückt sind, Platz nehmen müssen. Jüdische Firmen und die Bezeichnung „Deutsche Arbeit" \ . ' Aus Ber 1 in: Der Hauptverband der Herre"n- und Dam enkleid er Industrie teilt in einem' Rundschreiben an seine Mitglieder mit, es sei Beschwerde darüber geführt worden, daß jüdische Firmen in Anzeigen ihre : Erzeugnisse als deutsche Arbeit, reihe deutsche - Werkstättenarbeit oder ähnlich bezeichnen. In dieser Bezeichnung werde , eine gewollte oder' ungewollte Irreführung des Publikums erblickt. Ferner' heißt es in dem Rundsetireiben: „Die "Unterzeichneten sind zwar der Ueberzeugung, daß die' jüdischen Firmen" durchaus das Recht haben, sich als deutsche Firmen zu fühlen und zu bezeichnen, und; die Beschwerdeführer werden es ihnen bestimmt nicht verwehren, zum Beispiel im Export als deutsche Firmen aufzutreten. Trotzdem und gerade in Vertretung dieser Ueberzeugung glauben wir, den jüdischen Firmen em p f e h/l e n zu sollen und zu dürfen, die beanstandeten Bezeichnungen wegzulassen, um Mißdeutungen und Eingriffe außenstehender Stellen zu vermeiden." Wie man'merkt, eine in freundlichster Tonart gehaltene Er presaung. „Vollarisierung" . •Aus Berlin wird gemeldet: Die Deutsche Tu rnerschaft hatte vor einiger Zeit die Ausschaltung der Turner jüdischer Abstammung beschlossen, doch sollten, wie der Vorsitzende Dr. Neuendorff in einem Aufruf erklärte, jüdische Fr o n t k ä m p f e r sowie Väter oder Kinder von Gefallenen „in allen Ehren in der. Turnerschaft verbleiben?'. Später hatte der Berliner Turngau „Vollarisierung" gefordert. Nunmehr teilt die „Vo"- Korrespondenz mit: „Die Bestimmung, daß bei der Durchführung der Arisierung der Deutschen Turnerschaft jüdische Frontkämpfer, jüdische Söhne oder Töchter von im Weltkrieg gefallenen Vätern und jüdische Väter und1 Mütter von ini Weltkrieg gefallenen Söhnen in der Deutschen Türnerschaft bleiben könnten, hat zu einer großen Reihe von Zweifeln, Schwierigketten und Mlßhelligkeiten geführt. Der Führer der Deutschen Turnerschaft, Direktor Neuendorff, hat daher — übrigens in vollkommenem Einverständnis mit den am stärksten von der Arisierung betroffenen Kreisen — die Ausnahmen aufgehoben und bestimmt, daß alle männlichen und weiblichen Mitglieder der Deutschen Turnerschaft, die jüdischer Abstammung sind, diese bis zu den Großeltern gerechnet, aus der Turnerschaft ausscheiden m ü s s e tf. Die .Volf-! arisierung ist spätestens bis zum Deutschen Turnfest; durchzuführen." ''.]',, ' Am 18. Mai fand in Berlin eine Konferenz der' Vertreter aller deutschen Angestelltenverbände statt. Gauleiter Forst er erklärte, die gesamte organisierte Angestelltenschaft Deutachlands werde In der Nationalsozialistischen Angestellten« fthaf t (N. S. A.) Zusairiniertgefaßt. An Stelle der bisherigen Uber hundert Angestelltenvcrbände treten nenn Berufstferban.de. Jüdische An gestellte können den Verbänden nicht beitreten. Singer-Nähmaschine al» „undeutsch"; abgelehnt Aus Berlin: Wie die „Frankfurter Zeitung'■ meldet,' hat die Hauptgemeinschaft des deutschen E i nzelhahdels den preußischen Kultusminister gebeten, für Schulen in Zukunft nur noch deutsche Näh' maschinen zu beziehen. Dieses Verlangen richtet sich, wie ausdrücklich gesagt wird, gegen die Singer Nähmaschinen A. O., die den Schulen kostenlos Nfth maschinen geliehen habe. Der deutschen Singer-Fabrik wird zum Vorwurf gemacht, daß sie Tochtergesellschaft eines amerikanischen, von Ts ffac Sin ge r gegründeten Unternehmens sei. „Frankfurter Zeitung" fügt hinzu, daß dem Gemeinwohl mit einer Ausschaltung der Singer A. G, die unter normalen Verhältnissen über 10.0 0 0 deutschen A/rbeiterni und Angestellten Brot gebe, nicht gedient sein dürfte. Massenauszug der Danziger Juden Aus Dan zig meldet die Polnische Telegraphen agentur, daß zahlreiche jüdische Firmen ihre Geschäfte nach, dein polnischen Nachbarhafen G d y n i a, verlegen weil sie für den Fall der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten in Danzig die Einführung ähnlicher Beschränkungen wie gegen, die Juden in Deutschland befürchten. Dem Bericht der Polnischen Telegraphenagentur zufolge soll der Auszug der Juden aus Danzig bereits Massencharakter angenommen haben, ob wohl auch in Gdynia die Verhältnisse für die Juden nicht besonders günstig liegen., In einzelnen Teilen der Stadt, insbesondere in. der Hafengegend, weigert man sich, ihnen Häuser oder Grundstücke zu verkaufen. ,. . .- t . , Verträge der Stadt Berliu mit jüdischen Aerzten gelöst Aus Berlin: Wie der, „Berliner Beobachter" mitteilt, hat Staatskommissär Haiernan n bekanntge geben, daß alle laufenden Verträge der Stadt Berlin mit Jüdischen ,Aerzt,en und Zahnärzten gelöst und ihre,- Stellungen mit. nät1 p nal,en , Aer z ten besetzt wurden. . Ferner habe er. einen .hauptamtlichen jüdischen Vertrauensarzt tmd dessen BUroschwester entfernt sowie die Stellen von drei: Krankenschwestern ein gespart. Weiters seien; Lieferungsve.rträge mit - dem: Konsumverein, und dem Warenhaus. HS e r ra & n n T l e t z gelöst .worden. -.w. ■.>■■■■:■ $v \ -\t ••. :>■'.:-. ' Kundgebungen im 'Ausländ Aus N e w Y o r k": 'A'nJUfelicti der" Verbrennung von Büchern jüdischer Autoren in Deutschland fanden in den Vereinigten Staaten Kundgebungen größten Ausmaßes Statt. Der ih New ■ York ' veranstaltete Demo n: strationszüg war der größte in der bis-, herigen Geschieh te der amerikanischen J u d e n h e i t. Die Beteiligung an den Kundgebungen in New York wird auf eine ha 1 belli 1.1 ion Menschen geschätzt. Hunderttausende demonstrierten in den übrigen amerikanischen Städten. Der Protestmarsch begann in New York um 3 Uhr nachmittags und dauerte ununterbrochen bis Mitternacht, der Stunde, da in Deutschland die Scheiterhaufen entzündet wurden. An den Kundgebungen beteiligten sich alle Bevölkerungsschichten und Vertreter aller politischen Part e i e n. Im1 Demohstrationszug, der von dem in Amerika als Held gefeierten General O'Ry a n geführt wurde, wurden Tausende von Transparenten und Fahnen mitgetragen. Viele führende christliche Amerikaner, unter ihnen der Staatssekretär der amerikanischn Regierung zur Zeit der Präsidentschaft Wilsons, Rainbridge Colby, hielten Ansprachen unter freiem Himmel, - Aus Paris: Die am Tage der Bücherverbrennung in Deutachland abgehaltene Massenversammlung war von! 6000 Personen besucht. Französische Gelehrte und Politiker, .unter ihnen der, ehemalige Minister Louis Rollin und Frangois Pietri, hielten Ansprachen. Der Schriftsteller Claude Farrere erklärte, Frankreich sei stolz darauf, die Elite der jüdischen Intelligenz aus Deutschland bei sieh aufnehmen zu können, und betrachte diesen Zustrom als eine außerordentlich wertvolle Steigerung seiner eigenen Kraft,. Der Oberrabbiner von Frank-! reich,. Israel L£vy,, und der Präsident der Alliance Isra61ite Universelle, Prof, Sylvain Lgvy, dankten den' französischen Redem für das. ihnen zum Auedruck gebrachte Mitgefühl, Ein Komitee, dem unter anderem Romean Rolland, und Charles Wildrac angehören, richtet an die französische Öffentlichkeit einen Aufruf, in dem ersucht wird, Exemplare jener Bücher, die in Deutschland öffentlich verbrannt wurden, zu sammeln und den französischen öffentlichen Bibliotheken zu übermitteln. Dort sollen sie in eigens errichteten dokumentarischen Abteilungen, die öffentlich zugänglich, sein werden, untergebracht werden. Aus Amsterdam: Die kulturellen Organisa-' tionen in Holland und die Vereinigung der Buchhändler veranstalteten anläßlich der Bücherverbrennungen in Deutschland am 10. Mai große Ausstellungen jener'Werke, die zur Verbrennung bestimmt sind. In den Schaufenstern zahlreicher Buchhandlungen sind diese Bücher auf schwarzes Tuch gelegt oder mit Trauerflor umgeben. Oskar Rosner gestorben ICIn vorbildlicher Mensch und Zlonlst, Oskar Rosner, Ist nach qualvollem Leiden dahingegangen. Wa*. er dorn österreichischen Zionismus \ind Judentum© bedeutet; wird durch den Umstand gekennzeichnet, deft er dem unvergeßlichen Oberrabbiner Chajes intimster Freund und unentbehrlichster Mitarbeiter war., Reiches Unternehmen Cbajea, dem Oskar Rosner auch verwandtschaftlich verbunden. war, >: auch begann, immer war Oßhnr Rosner der erste, den er als Berater und Förderer heranzog. So Ist der Name Rosner mit fast, allen Leistungen auf zionistischem und jüdischem Gebiete eng und für Immer vcrbunden^Oskar Rosner gehörte, der Gattung der jüdischen Edelmenschen an, welche den wertvollsten Teil der Judenschaft bildet. Der im WirtschaftsieWn, großzügig und .schwer arbeitende Mann ..fand Immer >5eiW seiner jüdischen und zionistischen Pflicht {zu genÜgoW Mit glühendem. Eifer verband er edejs^ Bescheidenheit^; Seine Frau, die Nichte seines Freundes und-Führer« Oberrabbiner Oliajes, stand Ihm als {verstöiidanlsvoile, Helferin zur Seite. Ihr sei der Dank und das Mitgefühl' aller dargebracht«; .-*•> •:■'.::»■■ '/ Ein neuer Wiener ludenroman „Heimweh nach Wien'* von Leopold Hichler — Löwit- Verlag, Wien Das jüdische Leben im Ghetto ist dichterisch ausreichend behandelt, worden. Das dekadente jüdische Leben von heute hat eigentlich schon allzuviel literarische Be* handlung erfahren. Fast gar keine Beachtung hat.die un*- mittelbar vor dem Weltkrieg liegende Zeit gefunden, die Zeit zwischen Ghetto und Dekadenz. In diesem Milieu, das noch gesunde Kraft, gesunden Humor und gesundes jüdisches Gefühl aufweist, spielt sich der neue Roman Leopold Hichlers ab. In meisterhafter Weise zeichnet er die Gestalten jenes Wiener jüdischen Bürgertums, das noch Originalität aufweist. Alles lebt in diesem Roman. Die Handlung ist gerade und reichhaltig. In ,dieser Vereinigung kommt die künstlerische Eigenart Hichlers zu voller Geltung, eine Eigenart, die bei unseren anderen schreibenden Zeitgenossen leider nicht mehr zu finden ist. Die Menschen in diesem Buche sind lebendig und sympathisch, frei und ungeziert. Das Buch rührt auf, ohne zu quälen. Es ist spannend, ohne Ueberreiztheit. Es gehört zu den besten Produkten/Jdie inv letzten Jahrzehnt auf den Büchermarkt gebracht wurden. Es wird viele dankbare Freunde finden. r. st . Schcuuoth .; Sinai und 'Reform Von Dr. Israel Zwi Ka n n e r (Wien) -. Zuerst wird ein Volk frei, dann gibt es sich Gesetze. Vor sieben Wochen feierten wir unser Befreiungsfest. Die Ketten waren gebrochen, aber den Begriff der wirklichen.,Freiheit kannten wir noch nicht. Erst auf dem Marsche über den Sinai. nach Palästina lernten wir, frei sein. Neunundvierzig Jahre darf sich ein Gut in fremden Händen befinden, }m fünfzigsten kehrt der Boden in den Besitz seines früheren Eigentümers zurück.- Der Rausch der ersten Freiheitstage war verflogen, wir erschraken, als wir Pharao hinteruns sahen. -Neunundvierzig Tage lang zweifelten wir, ob das große Unternehmen des Führers wirklich gelingen werde. Unser Selbstvertrauen war verschwunden. Am fünfzigsten Tage, dem Symbole des Jobeljahres, w,ar es wieder da. Öer Auszug aus Aegypten machte aus den Juden nur freie Menschen. Erst als sie ^anz allein in der Wüste waren, eine gemeinsame Zukunft, vor Sich sahen, da fühlten sie sich auch als schicksalsverbunden, fühlten sich als eine selbständige, nur auf sich-ange-; wiesene N a t i o n. Eine solche Verbundenheit gibt es aber nur dort, wo hohe Ideale die Menschen einen. Diese Ideale, festgehalten im .Buch der Bücher, wurden ihnen, am Sihai zuteil. Hier wurde aus der freien jüdischen Nation auch eine Religionsgemeinde, durchdrungen von der Idee, der Menschheit die Erlösung zu bringen. Der Auszug aus Aegypten war gewissermaßen das Brouillon der Freiheit. Die Reinschrift sollte erst am Sinai in Form von steinernen Tafeln gegeben werden, symbolisch für das zähe, eherne Volk, von dem Herzl gesagt hat, daß es zweitausend Jahre hindurch geschlagen und dennoch nicht umgebracht werden konnte.' Schewuoth aber Ist nicht, wie fast allgemein angenommen Wird, nur als Tag d6r Gesetzgebung anzusehen;' Es ist eine viel höhere Mahnung an die einstmalige Versammlung des gesamten Volkes an einem Orte, eines Sinnes und eines Willens — das Ideal der Messiaszeit. - Der Donner und der Blitz um den Wüstenberg waren der vorwärtstreibende Schlag, Der erste, der es wagte, an den Gesetzen vom Sinai zu rütteln, war Esra. Drei Bestimmungen hatte er getroffen, die das Judentum stark reformierten. Während die Thora bis. zu seiner Zeit nur einmal in sieben Jahren dem Volke vorgelesen wurde, verordnete Esra, daß sie allwöchentlich vorgetragen werde. Solange der erste jüdische Staat bestand, war die Vorlesung des Rituals nicht notwendig, weil es jeder, infolge täglicher Uebung, kannte. Durch die Verordnung Esras sollte eine tiefere Kenntnis der jüdischen Wissenschaft erzielt werden* Seine Reform war also eine notwendige, Damit aberV zweitens, die Lektüre der heiligen Schrift vm

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