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Die neue Welt · 1933-05-19 · Heft 297 (19.5.1933) · page 10

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 297 (19.5.1933)
Date
1933-05-19
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
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Seite 10 DIE NEUE WELT Nr. 297 Pension .Austria' Kinderheim Vöslau OLGA KAOfSCH) ISgarmayerstraBe 15 - Telephon Nr. 141 Für Dauer' und Erholungsaufenthalt Jeder Unterricht im Hause, auch Nachhilfe für öffentl. Schulen besuchende Kinder. Pädagogisch einwandfreie Leitung durch staatlich geprüfte Lehrerin. Erstklassige Verköstigung. Mütterliche Pflege. Mäßige Preise! Festsaal 220 Sitzplätze Vortragssaal zirka 150 Sitzplätze für Veranstaltungen, Versammlungen, Vorträge, Konzerte, Konferenzen usw. gegen mäßiges Entgelt zu vergeben Auskünfte: Verbandsheim II., Untere Augartenstr. 38 Weitere 200 Palästina-Visa für Juden mit eigenem Kapital aus Deutschland Aus Jerusalem: High Commissioner Sir Arthur Waüchope hat sich nach London begeben, wo er sich etwa einen Monat aufzuhalten gedenkt. Vor seiner Abreise empfing er das Mitglied der Exekutive der Jewish Agency, Emanuel Neuman, dem er versprach, neuerdings 200 Palästina-Visa für deutsche Juden, die als Einwanderer der Kapitalistenkategorie nach Palästina zu kommen beabsichtigen, auf einmal zur Verfügung zu stellen. Emanuel Neuman überreichte bei der Gelegenheit dem High Commissioner den Jahresbericht der Jewish Agency zwecks Weiterleitung an den Völkerbund und Ueberprüfung durch die Permanente Mandatskommission und brachte eine Reihe den Aufbau Palästinas betreffender Fragen, insbesondere solche, die sich auf Einwanderung und öffentliche Arbeiten beziehen, zur Sprache. Aus dem Verwaltungsberidit der Wiener Judengememde Steuerleistung — Steuern keine Ursache für Austritte Zur Zeit der Verfassung des Rechnungsabschlusses für das Verwaltungsjahr 1932 standen insgesamt 53.962 (gegen 53.878 im Jahre 1931) Zensiten mit einem Gesamtbetrag von S 2,696.345 (2,515.940) in Vorschreibung. Im Jahre 1932 hat die Zahl der Kontolöschungen 3738 gegen 5336 im Jahre 1931 betragen, während der Zuwachs durch Neubemessungen sich im Jahre 1932 auf 1653 Fälle und im Jahre 1931 auf 1550 Fälle belaufen hat. Infolge des Austrittes aus dem Judentum ist die faktische Kontolöschung im Jahre 1932 in 245 (236) Fällen erfolgt. Die Zahl der aus dem Judentum ausgetretenen Steuerträger belief sich im Jahre 1932 auf 247 und es waren diesen Kontribuenten an Kultussteuern insgesamt S 12.061 vorgeschrieben. Von diesen Ausgetretenen waren bemessen mit einer Kultussteuer von S 1 bis 10 75 Personen, von S 10 bis 50 118 Personen, S 50 bis 100 27 Personen, S 100 bis 150 10 Personen, S 200 bis 300 8 Personen, S 300 bis 400 2 Personen, S 400 bis 500 3 Personen, je eine Person mit S 1000 und S 1200. Die Kultussteuerquote pro Kopf hat im Jahre 1932 S 49.99 (47.54) erreicht. Insgesamt hat der Eingang an Kultussteuern im Jahre 1932 61,3 (65,9) Prozent der Summe der Jahressteuer betragen. Die Anzahl der zur politischen Exekution überreichten Fälle belief sich im Jahre 1932 auf insgesamt 8518 (8854). Im Wege des Exekutionsamtes sind im Jahre 1932 S 81.611,39 (106.896) einbringlich gemacht worden. Die Zahl der gerichtlichen Exekutionen betraf im Jahre 1932 922 (1078) Fälle. Aus dieser Zusammenstellung ist zu entnehmen, daß fast gar keine Zensiten mit hoher Steuerleistung ausgetreten sind. Die von der assimilatorischen Opposition in der Kultusgemeinde vertretene Ansicht, daß zu hohe Besteuerung die Ursache der Austritte ist, erweist sich als irrig. Nicht die Steuer, sondern die Agitation der liberalen und sozialdemokratischen Parteien, also der Parteien der Opposition, veranlaßt Juden zum Austritte aus der Judengemeinde und damit aus dem Judentume. fllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllilllllllllllllllllllllH LESET UND VERBREITET „DIE NEUE WELT"! Bad Luhacovice Bad Luhacovice — das mährische Paradies — liegt am SUdwestabhange der mährischen waldreichen Ausläufer der Weißen Karpathen, in einem freundlichen Tale des Flüßchen OlSava, 250 Meter über dem Meeresspiegel, nächster Kurort Wiens. Das Klima ist angenehm und ungemein gesund, die Durchschnittstemperatur beträgt vom Mai bis September + 13 Grad Reaumur, Durchschnitt der Niederschläge 39,9 Millimeter, Nebel auf 1 oder 2 Tage. Den Kurort umgeben ausgedehnte Nadel- und Laubwälder, welche Gelegenheit zu langen Spaziergängen bieten. Im Norden wird das Bad durch vorgelagerte Berge gegen rauhe Witterungseinflüsse geschützt. Weder der Ort selbst, noch dessen Umgebung hat Industrien. Durch diese Vorzüge wird Bad Luhacovice zu einem klimatischen Kurorte ersten Ranges gestempelt. Die zahlreichen Mineralquellen, die hier dem Boden entspringen, sind starke alkalisch-muriatische Quellen mit einem Gehalt von 6,87 bis 10,74 per Mille an festen Bestandteilen. Das tschechische Wort „luh" bedeutet Lauge; dies ist ein Beweis, daß die Quellen schon den Urbewohnern bekannt waren — daher auch der Name Luhaöovice. Als Kurort steht Luhaöovice seit beiläufig dreihundert Jahren im Betriebe. Allerdings war es ursprünglich nur ein Betrieb primitivster Art, der nur für die nahe Umgebung Bedeutung hatte. Erst als in den Siebzigerjahren des vorigen Jahrhundertes die Vlarapaßbahn erbaut wurde, stieg die Frequenz einigermaßen. Der wahre Aufschwung datiert erst seit 1902, in welchem Jahre eine Aktiengesellschaft das Bad ankaufen und die nötigen Investitionen vornehmen konnte. Eine eigens gegründete zweite Gesellschaft stellte durch eine Lokalbahn die Verbindung zur Hauptstrecke her. Seit dieser Zeit verzeichnet Bad Luhaöovice einen Aufschwung, der es befähigt, sich würdig allen großen Bdaeorten des In- und Auslandes an die Seite zu steilen. Der Besuch des Kurortes beträgt jährlich über 36.000 Kurgäste und ist das Bad Luhaöovice verhältnismäßig der billigste Kurort. _Hotel Smetana Bad Luhacovice Mähren Gegründet 1872 Haus mit 50 gut eingerichteten Zimmern, fließendem Wasser, in zentraler Lage, Cafe und Restaurant im Hause, streng rituelle Verpflegung. Preise für die Vorsaison: Zimmer mit kompletter Verpflegung von Kö 40.— aufwärts Hebräisch- und Englischkurse des Austro-palästinensischen Wirtschaftsdienstes Hebräisch für Anfänger; Montag und Donnerstag von 6 bis 8; Hebräisch ftir Fortgeschrittene: Dienstag und Donnerstag von 7 bis 9? Englisch für Anhänger: Mittwoch von 6 bis 8. Englisch für Fortgeschrittene: Montag von 7 bis 9. Alle Kurse finden ikri Revisiontstenheina, II., Untere Augartenstraße 38, statt. Weitere Anmeldungen dortseihst oder Tel. A-45-6-34. Sdiadi Geleitet von J. Beutum Wenn wir Umschau halten in den Reihen der Schachgrößen, sei es in der Vergangenheit oder in der Gegenwart, so finden wir/ daß die Juden ein auffallend hohes Kontingent hinsichtlich Qualität und Quantität stellen. Die Namen eines Steinitz, Lasker, Tarrasch, Niemzowitsch, Spielmärin, Dr. Bernstein u. s. f. sind Sterne, die in der Geschichte der Schachspielkunst nie verblassen werden. Die Erkenntnis von der hervorragenden Bedeutung einer rationellen und systematischen Pflege der Schachspielkunst hat die erfreuliche Konsequenz gezeitigt, daß eine ganze Reihe prominenter Sportvereine Pflegestätten unserer edlen Kunst geschaffen haben — allen voran die Schachsektion des Sportklubs H a k o a h in Wien, I., Wallnerstraße 2 —, wo eine Schar junger, aufstrebender Talente Gelegenheit für geistige Ertüchtigung gefunden hat. Die bisherigen Leistungen berechtigen zu großen Hoffnungen. Diesem Umstände Rechnung tragend beginnen wir in dieser Nummer des Blattes mit unserer, von nun ab wöchentlich erscheinenden Schachrubrik. Sie wird Berichte aus der Schachwelt, interessante Partien, Probleme und lehrreiche Endspielstudien enthalten. Eingedenk unserer nationalen Einstellung werden wir Beiträgen jüdischer Autoren den Vorrang einräumen. * Problem Nr. 1 Von T. R. D a w s o n (Observer 1923) Matt in zwei Zügen. Jüdische Schachspieler! Tretet der Schachsektion des Sportklubs Hakoah, Wien, I., Wallnerstraße 2, Tel. U-21-2-15, bei! Mitgliederaufnahme täglich. Mäßiger Mitgliedsbeitrag. — Alle diese Rubrik betreffenden Zuschriften sind zu richten an: S. Beutum, Wien, II., Pfefferg»s»& 3. An alle jüdischen Studenten der Wiener Hochschulen!! Die Jüdische Studentenschaft beabsichtigt, authentisches Tatsachenmaterial über die ständig wiederkehrenden Ausschreitungen gegen jüdische Studierende an den Wiener Hochschulen zu sammeln. Es ergeht daher an alle, die bei derartigen Anlässen Verletzungen erleiden, Kenntnis von Verletzungen anderer erlangen oder Zeugen von Exzessen sind, die dringende Aufforderung, unverzüglich nach den jeweiligen Ereignissen ihre Wahrnehmungen im Sekretariat der Jüdischen Studentenschaft, Wien, K., Zimmermannplatz 8, zu Protokoll zu geben oder daselbst andere Zeugen namhaft zu machen. Der Jüdische Hochschulausschuß. Konzert judischer Musik Von Dr. J. Mann (Wien) Es war ein überaus interessanter Abend, anregend und lehrreich zugleich; ein Beweis für die Lebendigkeit der nationalen jüdischen Musik. Als zu Beginn dieses Jahrhunderts sich einige junge jüdische Musiker, beseelt von jüdischem Geiste, zusammentaten und versuchten, aus ihrer Sphäre heraus Musik zu machen, da lächelte man allenthalben und prophezeite den baldigen Zusammenbruch dieser Idee. Es ging der jungen jüdischen Musik damals ebenso, wie es dem Zionismus gegangen ist. Zuerst nahm man ihn nicht ernst, man verspottete ihn, man lachte über die Führer, man nannte sie Phantasten, bis der Zionismus selbst in den Kreis der internationalen Politik trat. Und nun tritt auch die jüdische Musik als nationale Musik gleichberechtigt in den Kreis der andren nationalen Musiken als künstlerischer Ausdruck der jüdischen Seele. Der Verein zur Förderung Jüdischer Musik in Wien hat gemeinsam mit dem Jüdischen Gesangsverein sein erstes größeres Konzert gegeben. Wien gehört zu einer der ersten Städte, in denen Konzerte dieser Art veranstaltet werden, Konzerte mit rein jüdischem Programm und mit dem Zwecke, der jungen jüdischen Musikergeneration Aufführungsmöglichkeiten zu geben und dem Publikum, neue jüdische Musik zu hören. Das Programm war sinngemäß angeordnet und bestand aus synagogaler und weltlicher Musik und vereinigte alle Zweige der musikalischen Uebung, Chor-, Lied-, Violin-, Klavier- und Klarinettenvorträge. Die Synagogenchöre von Achron, Ssaminsky und Jacobi wurden seinerzeit für den Freitagabend-Gottesdienst vom Emanu-El-Tempel in New York bestellt. Besonders wertvoll waren die von Achron zu Gehör gebrachten Piecen, sanft und doch kraftvoll klingende Chöre. Der Satz ist prachtvoll gearbeitet, hat dynamische Steigerungen; angenehm fällt die Wortbehandlung auf. Die Chöre von Jacobi und Ssaminsky sind anzuerkennende Leistungen auf dem Gebiete der synagogalen Chorkomposition; insbesondere Ssaminsky neigt stark zur ostjüdischen Melodik. Die drei palästinensichen Hirtenweisen des überaus begabten jungen Komponisten Israel Brandmann wurden bereits an dieser Stelle besprochen. Es sind Volksweisen aus Palästina, „Lamm und Böcklein', „Lied des Kameltreiber" und „Der Hirte". In diesen Liedern spürt man die Erdverbundenheit der Melodien. In dem Liede „Der Hirte", das zu den schönsten der Chorliteratur gehört, tritt die Solostimme besonders hervor, während der Chor nur farbegebend ist. Die letzte, jüngste Schöpfung Brandmanns erlebte an diesem Abend ihre Uraufführung. Variationen über ein jüdisches Volkslied. Die Variationen sind für Klarinette und Klavier geschrieben. In-der ersten Variation liegt das Thema im Baß des Klaviers, während die Klarinette die Umkehrung des Themas kanonisch verarbeitet bringt. Die zweite Variation ist für Klaviersolo geschrieben. Das Thema liegt in der Oberstimme, der Baß hat eine figurierte Begleitung; interessante harmonische Rückungen geben dem Satz eine intensive Steigerung. Die dritte Variation entfernt sich bereits vom eigentlichen Thema und ist im eigentlichen Sinne des Wortes eine Charaktervariation. Die vierte Variation bringt mit ihrer etwas gespenstischen Färbung den Gegensatz zum vorangegangenen Satz und in der fünften wird das Thema mit kleinen Veränderungen wieder aufgenommen. Das Werk ist eine ernste, seriöse kompositorische Leistung und Brandmann stellt sich mit ihm in die erste Reihe unserer besten Komponisten. In diesem Zusammenhange seien gleich die „Bagatellen" von Joachim Stutschewsky, die ebenfalls bei diesem Konzert uraufgeführt wurden, besprochen. Stutschewsky geht vom Tänzerischen aus. Charakteristisch für die „Bagatellen" ist, daß sie mit einem Tanz beginnen und mit einem Tanz enden. Seine Melodik, sofern es sich um lyrische Stellen handelt, entfernt sich nicht gerne vom cellomäßig inspirierten Singen. Die Begleitung seiner weichen, dabei eigenwilligen Melodik ist ein kapriziöser Klaviersatz, dessen Vorzüglichkeit in der originellen Harmonik liegt. Stutschwesky bemüht sich in seinem Schaffen eine Synthese zwischen volkstümlichen und eigenpersönlichen Elementen herbeizuführen und so tragen seine Werke den Stempel seiner eigenartigen Ori^ ginalität innerhalb der jüdischen Kunstmusik. Den geigerischen Teil bestritt Schoulamith. Silber, die junge, talentierte Violinistin. Auffallend ist ihre starke musikalische Begabung, ihr großer, weicher, runder Ton und die geistige Durchdringung der vorge« tragenen Stücke. Sie spielte Werke von Bloch, Achroa

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