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Die neue Welt · 1933-05-19 · Heft 297 (19.5.1933) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 297 (19.5.1933)
Date
1933-05-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. TVi JÜDISCHE VOLKSPARTEI ÖSTERREICHS LDienstag, den 93. Mai, >/,9 Uhr abends, im Cafe Kriegsministerium, III, Invalidenstraft« 9-11 GROSSER VORTRAGSABEND »Die Vorgänge in Deutf Aland und die öfterreichifdien Juden« REFERENTEN: OBERBAURAT ROBERT STRICKER, DAVID NEBENZAHL Künstlerhilfe nur für Arier Aus Berlin: Auf einer städtischen Pressekonferenz berichtete der Dezernent für das städtische Kunst- und Bildungswesen in Berlin, Staatskommissar Hafemann, Über seine Tätigkeit. U. a. teilte er mit, daß aus den Mitteln der Berliner „Künstlerhilfe", für die im Etat ein Betrag von 75.000 Mark eingesetzt ist, in Zukunft nur arischen Künstlern Beihilfen gewährt werden sollen. Die Künstlerhilfe ist dazu bestimmt, bedürftigen Künstlern, die von irgendwo ein Angebot haben, das Reisegeld oder die nötige Kleidung JEU verschaffen. Bisher wurden auch Juden durch die Künstlerhilfe unterstützt. Ferner schilderte Staatskommissar Hafemann die planmäßige Entfernung der jüdischen und marxistischen Zeitungen, Zeitschriften und Bücher aus der Magistrats- und Stadtbibliothek, sowie aus den Bezirksbüchereien. Bei der Bücherverbrennung am 10. Mai seien rund 1800 Exemplare aus. städtischem Besitz verbrannt worden. Ein Teil der geächteten Bücher stehe noch in den Regalen, in den Katalogen werden sie jedoch nicht mehr geführt. Es stehe, noch nicht fest, ob man sie verbrennen oder einstampfen oder in besondere Kammern bringen werde. Eine große Londoner Buchhandlung habe vor dem Autodafe" ein telegraphisches. Angebot an die Stadt Berlin gemacht, die zur Verbrennung bestimmten Bücher in Bausch und Bogen anzukaufen. Es sei unnötig, zu sagen, erklärte Staatskommissär Hafemann, daß die g eschäftstüchtigen Engländer hiemit kein Glück gehabt hätten. Gründung einer Inkasso-Abteilung bei der jüdischen Volksbank „Iwria" Aus Berlin: Wie der JTA mitgeteilt wird, hat die Volksbank „Iwria" e. G. m. b. H., Berlin N 54, Rosenthalerstraße '55, im Zusammenhang ■ mit dem Ausbau ihrer Treuhandabteilung die Gründung einer I nkassoabteilun.g zum Zwecke der Einziehung von Forderung eh beschlossen. Die Leitung der Bank richtet an Interessenten das Ersuchen, sich mit ihr in Verbindung zu setzen. Zur Frage der Kult uiauionoinie für die Juden in Deutschland Zu der vom Vr^hersn von Fr e,vtaghnLoringho venin den;«Wiener Neues.ten Na-ohyioh ten" erörterten Möglichkeit der Anerkennung der Juden in Deuj^hjand als nationale Mind-erhei.t und der Einrichtung einer unter Staatsaufsicht stehenden kulturellen Selbstverwaltung für sie schreibt die „Deutsche Allgemeine Zeitung": „Ein: deutschnationaler Reichstagsabgeordneter hat für die Judentrage einen praktischen Vorschlag ausgearbeitet, für einen. Streitgegenstand, der wegen seiner moralischen Bedeutung im Inlande und seinen Rückwirkungen in die Außen- und Wirtschaftspolitik Aufmerksamkeit beansprucht, solange keine den deutschen Interessen entsprechende Lösung gefunden ist. Er sehlägt Kulturautonomie f ür die Juden Deutschlands vor, wie andere .Minderheiten in fremden Staaten sie, zumeist erfolglos, erstreben. Der Gedanke ist eini Fortschritt; nur übersiebt er, daß die kulturelle Selbstverwaltung ausschließlich auf bewußte und geschlossene politische oder religiöse Gemeinschaften anwendbar tot. Im Falle der deutschen Juden also nur auf einen sehr kleinen Prozentsatz, während der Gesetzgeber sich vor allem mit der oft vor Jahrzehnten erfolgten Elnsehmelzung der deutschen Jaden auseinandersetzen muß." Im Zusammenhang mit dem in der österreichischen Presse veröffentlichen Aufsatz des Freiherrn von Freytagh-Loringhoven und der an ihn sloh knüpfenden Diskussion über die deutsehe Judenfrage als Minderheitenproblem ist ein vor kurzem in der Berliner Zeitschrift „Der Bing" erschienener Aufsatz von Max Hl 1 deb e r t - B o e h m, „Minderheiten, Judenfrage Und das neue Deutschland", bemerkenswert. Dort heißt es u. a.: , „Im Ausland, und Insbesondere auch in auslandischen Kreisen, die dem Deutschtum, und namentlich den deutschen Minderheitsgruppen bislang mit Wohlwollen gegenüberstanden, wird die Auffassung laut, die gegenwärtige Politik des Reiches gegenüber den jtidisehen Bevölkerungsteilen nähme uns die Möglichkeit, in der bisherigen Weise vor internationalem Forum als Anwalt der Minderheltenrechte überhaupt, und insbesondere auch der deutseben Volkfitumsinteressen im Ausland, aufzutreten. Die Frage ist ziemlich verwickelt und kann hier nicht nach allen Seiten hin gewürdigt werden. Auf jeden Fall ist daran zu «rinnern» daß das Deutsehe Reich formell völkerrechtlichen Bindungen auf dem Gebiet des .Minderheitenschutzes, abgesehen von einer zeltlich und räumlich eng begrenzten Regelung für Teile von Oberschlesien, im Unterschied von vielen gemischtvölMschen Staaten in Europa, , n I c h t unterlieg t." „Auch kann hier von! gewissen politischen Teilaktionen abgesehen werden, die da und dort als ausgesprochen revolutionäre Erscheinungen zeltweise zu buchen sind und außerhalb einer gleichsam institutionellen, auf Sicht und' Dauer abgestellten Planung der neu^n Regierung liegen. Frei von doktrinärer Voreingenommenheit in dieser oder jener Richtung wird gerade die jetzige Reichsregierimg bei künftigen Verhandlungen zu prüfen haben, ob und wie sie-bei entsprechenden Gegenleistungen durch Anmeldung ihre» D? s i n t e r e s s e rn e n t s an den bestehenden Formen internationalen Minderheitenschutzes den Empfindlichkeiten der betroffenen Oststaaten entgegenkommen kann, die In Ihrer Art das Opfer der Politik von Wilson, Lloyd George und vor allem Clemenceaus geworden sind." „Theoretisch liegt eö so, daß der freilich sozialistischliberallstisch verwässerte Gedanke der Volksautonomie ans dem Schöße der österreichischen Sozialdemokratie auf dem Umweg über Rußland in jüdische Hände gelangt und von Ihnen in die Pariser Debatten der Friedenkonferenz hineingeworfen worden Ist, aus denen diu Minderheitenschutzverträge erwachsen sind. Gerade hier aber wollen und dürfen wir die Juden beim Wort nehmen. Was sie: anstrebten, war eine Autonomie, um sich— im offenbaren Gegensatz zum heute betroffenen A s s i m i I a t i o nsjudentum ' aller Länder Europas — als besondere Volksgruppe erhalten zu können. N1 e hats 1 c h'däs Jud e n tu m im Reich um Rechte dieser Art beworben. Zu dieser Frage hat das neue Deutsehland 'deshalb' 'noch gar uieht Stellung genommen. Wenn also uns vorgeworfen1 wird, d^e' Ausnahmebehandlung, die u? äVäuch die Juden im heutigen Deutschland trifft, mächten uns unfähig, für den Schutz bedrohten Volkstums im Ausländ einzutreten, dann richten wir an die deutscnelr^uWeri die G5egehfra'afe: Könnt und wollt Ihr!euch'*' ahr eine Volksgruppe ei g c n e n S tarn m e s'u'ii d'ei gerne r Art vom deutschen Volk trennen? Sucht ihr eurem Volkstum artgerecht und traditionstreu leben zu können? Dann, aber erst dannV beginnt zwischen uns ein neues Gespräch) an dern äroch unsere deutschen Volksgruppen im Auslando beteiligt; sind.}' 'f!i;^A; ,: 1 - Der Justis^nisterheute und gestern Vor einigen Tagen hatte der deutsche Reiobsjustizmiuister Dr. Frank tt der Stadt W i-e n einen Besuch abgestattet, der bekanntlich nicht 'glatt ablief. Hiezu können wir berichten: " - - :J 'I I Beim Empfang der Pressevertreter Ja .Wien ^t Reichsjustizkommissär Dr. Frank H miter ändo^hi folgendes gesagt r „Der Nationalsozialismus bekennt sieh zum Mcrischheitsgedanken. Die Führer, der Novemberrevolution in. München waren Männer aus dem Osten. Es ist daher klar,- daß, wenn man das Reich wieder , aufbauen will, nationale Disziplin herrschen muß und: daß jene Männer zurücktreten müssen. Die alten, ei ngesessenen Juden in Deutschland sind unangetastet geblieben." Einen Tag vor seiner Abreise nach Wien hatte Dr. Frank II nach einem Bericht der „Deutschen Allgemeinen Zeitung" bei der Juristenkundgebung „Für deutsches Recht,und deutsche Rechtspflege" unter anderem erklärt: „Der deutsche Staat wird in Zukunft' Anspruch darauf erheben können, daß seine und des Volkes Interessen auch die Basis der richterlichen Objektivität sind. Alle Neutralität ist von Uebel oder ist Heuchelei. Den Einfluß des Judentums im deutschen Recht haben wir binnen kurzem gebrochen», Es mag manchem schwer sein, das Tempo des Vorgehens und die Erfordernisse des Staates mit den programmatischen Wünschen der Bewegung in Einklang zd bringen. Das Tempo der nationalen Revolution bestimmt „.unser Führer. Niemals after Moses RatlVs Jfat Amenu" Lehrbuch der hebräischen Sprache für Schul-und Selbstunterricht mit. Sqhlüssel und Wörterverzeichnis mit d e u 11 c h e r, poiült<£ier, ungarischer, iumanUcher oder engiischerUnterricbtsspraohe / Einzige Methode zur vollständigen Erlernung der hebräischen Sprache in Wort und Schrift auch ohne tehrer Der Preis dieses gut ausgestatteten, 40ü Seiten starkem Lehrbuches beträft nur S 3.60, der englischen Ausgabe Dollar l.~ /.BuchhändJei, Schulen, Organisationen u. Lehrer erhalten einen hohen Rabatt / Zw beziehen bei: tt Rath, Verla* SÄÄ wird der Bund iiationalsoziaJisriwber Juristen von der Forderung ablassen, daß alle Juden restlos au» /?'d e r : F*oVni d e s tt e c h t s 1 e he n s heraus müsse n." Die englischen Faschisten und der Antisemitismus Der Führer der britischen F&üöhfsteü-Liga S i r Oswald Mooley, der erst vor' kurzem in der 'Gründungsversammlung der faschistischen Studentenvereinigung in Oxford jede Verbindung der faschistischen Bewegung in England mit antisemitischen Tendenzen entsMed^ü abgelehnt hat, setzt nunmehr im Londoner „'J e w j s h C h r o n i c"1 e" sein'eri Standpunkt gegenüber dem Antisemitismus ausführlich auseinander. Sir Oswald Mosley wendet sich dagegen, daß die faschistische Bewegung Englands in der allgemeinen Presse als antisemitisch dargestellt wird. Er weist darauf hin, daß er schon einen Monat nach der im Oktober 1932 erfolgten Gründung' der Liga 1 in allen ihren Heimen' einen Befehl anschlagen ließ, durch den j u d e n f ein dlitrhe Ausschreitungen in jeder Form verboten w u r d e n. In dern gleichen Befehl' wurde ' der nichtantisemitische Charakter" "der englischen Faschisteriliga ausdrücklich betont. Es gebe, führte Sir Oswald Mosley weiter aus, in England einen od e r zw ei k 1 e i n e Vereine, deren Mitglieder sich zwar auch Faschisten nennen, die aber in keinerlei Zusammenhang mit der von. ihrri gegründeten Liga stünden. Von Mitgliedern dieser offenbar zu dem einzigen Zweck. Ueberfälle auf Juden zu organisieren, gegründeten unbedeutenden Gruppen seien die in letzter Zeit ' vereinzelt vorgekommenen" Ausschreitungen begangen, nachträglich aber völlig unberechtigt der Faschistenliga zugeschrieben worden. Der größte Teil der Mitglieder dieser selbständigen Faschistenvereine aber sei schon früher zur Liga übergetreten und habe sich ihrer Disziplin unterstellt. In der englischen' Faschistenliga, heißt es in dein Artikel Mosleys weiter, sei jeder dem britischen Staate ergebene Bürger, J u d e o d e r ,N i c b t j u d e, willkommen. In dieser Beziehung stimme die englische Liga vollkommen mit dem italienischen Faschismus, dem Angriffe auf Juden unbekannt sind, überein. Antisemitismus gehöre nicht Zum Wesen des Faschismus. Wasiin Deutschland geschehe, sei eine rein lokale Erscheinung, die mit der allgemeinen faschistischen Bewegung nichts <zu tun habe. Schließlich bekräftigt Mösley seine schon früher öffentlich abgegebene Erklärung, daß erv.die antisemitische Politik der deutschen Nationalsozialisten für einen schwer e n Fehler halte, und daj&^diesq; Politik. k^neswejgS;yon.der..britischen FaschtetenjUga. .überkommen .-werdeji. würde. Er hoffe und glaube, daß auch die Angriffe auf die Juden in Deutschland bald aufhören werden. Pinskers „Äutoeoianzipation" im. französischer Sprache .. Aus Antwerpen; in Antwerpen ist die grundlegende Schrift des Vorläufers der politisch-zionistischen Bewegung Dr. J. L. Pinsker, „A u t o e m a n z i p a t i o n", die . Pinsker 1882 unter dem Pseudonym „Ein russischer Jude" in deutscher Sprache erscheinen ließ, zum erstenmal in französischer Uebersetzung herausgegeben worden. Die Uebersetzung besorgte Josef Schiilsinger,' 1 der "in^ einer a!usführlichenr Einleitung die Bedeutung Pinskers -für die'' Entwicklung des nationalen Palästina-Gedankens darstellt. De Valera über die Lage der Juden in Deutschland . Aus Dublin: Der Präsident des irischen Freistaats De Valera empfing den Oberrabbiner von Irland Isaac H e r t z ö g, der. dem Präsidenten Bericht über die Lage der Juden in Deutschland erstattete. Präsident De Valera erklärte, das Schicksal.der deutschen Juden bekümmere ihn tief. Er bat Oberrabbiner Hertzog, der um ihre Brüder in Deutsenland besorgten irischen Judenheit seit. Mi t g e X ü b 1 zum ' Ausdruck zu bringen. Falsche Meldungen Aus Budapest: Zu der von;einem großen Teil der ungarischen Presse gebrachten 'Meldung, die ungarische Regierung habe-der Niederlassung von 150 jüdischen Familien aus Deutschland auf ungarischen Staatsgütern zu Ausbildungszwecken zugestimmt, teilt das ungarisohe Telegraphen-Büro ' mit, daß diese Nachricht den Tätsachen nicht entspricht. Nach amtlicher Feststellung seien detitsche Juden überhaupt nicht nach Ungarn gekommen. Däs Innenministerium habe ' auch keinerlei N i e d e r 1 a s s u n g s e r- 1 a u b n i s' erteilt. Bei den in 'Sarkad auf einem Gute untergebrachten Juden handle es sich um ungarische Staatsangehörige, die nach -ihrer Ausbildung nach Palästina auswandern wollen. ■ Aus Frankfurt a. M.: Englische Zeitungen haben vor kurzem die später auch von einem Teil der deutscheu Presse übernommene Nachricht gebracht, die ägyptische Regierung habe sich bereit erklärt, 2 00 jüdischen Aerzten Und Rechtsanwälte n a u s Deutschland Niederlassung und Berufsausübung in Aegypten zu gestatten. Der Frankfurter Zeitung wird von maßgebender ägyptischer Stelle erklärt, daß nach den von ihr in Kairo eingezogenen Erkundigungen eine, solche Erklärung von der ägyptische» Regierung nicht abgegeben wur4t.

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