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Die neue Welt · 1933-05-19 · Heft 297 (19.5.1933) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 297 (19.5.1933)
Date
1933-05-19
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 297 DIE NEUE WELT Seite 3 1 anderes im Auge, als den Bolschewismus zu vernichten; die legale Betätigung der Juden oder ausländischen Firmen und Angestellten wird in keiner Weise behindert. Nun ein Wort an unsere geehrten Geschäftsfreunde! Bei der allbekannten Korrektheit der deutschen Hansafirmen, mit welchen wir zur gegenseitigen Zufriedenheit jahrzehntelang eine angenehme und klaglose Abwicklung unserer immerhin bedeutenden Geschäftsverbindungen hatten, können wir unmöglich voraussetzen, daß in ihren Ausführungen bewußt eine Vorspiegelung falscher Tatsachen vorliege. Wir sind der Ueberzeugung, daß sie sich selbst in einer Täuschung befinden. Gestatten Sie uns, an Sie einige Fragen zu richten. 1. Haben die Herren in Hamburg und Bremen etwa nicht die blutrünstigen Reden, die von den verantwortlichen Mastern Hitler, Göbbels, Göring, Frick gehalten wurden, gehört? Menschen werden auf schändlichste Art verpönt, das Volk direkt zu Kampf und Rassenhaß aufgefordert. Nehmen Sie sich doch die Rede des Frankfurter Polizeipräsidenten zur Hand. 2. Sind es vielleicht vergnügungssuchende Zehntausende von Menschen, welche heute als Flüchtlinge, ferne von ihrem Heimatsland, auf fremden Boden, in Belgien, der Schweiz, England, der Tschechoslowakei usw. ihr Leben fristen müssen, auf Gastfreundschaft und Nächstenliebe angewiesen? 3. Wissen denn die Herren in Hamburg und Bremen nicht von körperlichen Züchtigungen und Körperschändungen durch Einbrand des Hakenkreuzes (wie bei Kennzeichnung von Tieren)? Gerade heute ist uns hier in Bratislava ein solcher Fall (an einem vornehmen Menschen begangen) vorgeführt worden. 4. Genügen Ihnen denn nicht die amtlichen Erlässe, durch welche den Juden jede Betätigung als Künstler, Arzt, Professor gänzlich genommen ist. 5. Haben Sie keine Kenntnis davon, daß den Juden die Ausreise verboten oder zumindest derart erschwert wird, daß ein Grenzübertritt nahezu ausgeschlossen ist. 6. Glauben Sie etwa, daß sich die ganze zivilisierte Welt unberechtigt gegen die jetzt herrschende Tendenz in Deutschland wie ein Mann erhebt, weil in einem Lande, wo Tierschutzvereine mit strengen Vorschriften bestehen, eine wilde Jagd auf Andersdenkende und auf Juden unternommen wird, so zwar, daß sie der primitivsten Lebensbedingungen beraubt werden. Wir Unterzeichneten der Kolonialbranche besitzen soviel Urteilskraft, um klaren Blick zu gewinnen. Wir müssen die feierliche Erklärung geben, daß insolange der jetzt herrschende Zustand in Deutschland andauert, jede Verbindung, direkt oder indirekt, mit deutschen Handelshäusern und Fabriken grundsätzlich abgebrochen wird. Zu dieser Maßnahme konnten wir uns nur mit schwerem Herzen und nach reiflicher Ueberlegung entschließen. Der Jammer und das Elend der Betroffenen haben uns aus Menschlichkeitsgründen zu diesem auch für uns bedauerlichen Schritt veranlaßt. Der Wo sich der Boykott rasch ausgewirkt hat deutsche Pelzhandel in Gefahr Im europäischen Pelzhandel, der bekanntlich zum großen Teile in jüdischen Händen liegt, hat sich die jüdische Abwehr am raschesten bemerkbar gemacht. Die deutsche Zentrale des Pelzhandel, Leipzig, ist schwer betroffen. Die europäischen Pelzhändler haben ihre Beziehungen zu Leipzig zum großen Teile gelöst und die große deutsche Pelzindustrie ist in schwerster Gefahr. Unter dem Eindrucke dieser Vorgänge sind selbst die Hitler-Leute zum Einlenken bereit. Sie haben ein Zirkular erlassen, daß unter den heutigen Umständen durch seine „Judenfreundlichkeit" einzigartig wirkt. Aus Leipzig wird berichtet: Der Kreiswirtschaftsreferent der NSDAP. Kreisleitung Leipzig, teilt folgendes mit: „In Uebereinstimmung mit Herrn Erich Wildt, dem Handelsreferenten der NSDAP, und gleichzeitigem Vizepräsidenten des Reichsstandes des deutschen Handels, gebe ich bekannt, daß jüdische Firmen der Rauchwarenbranche, die in Deutschland, hauptsächlich in Leipzig, ihren Sitz haben, keinerlei Eingriffe zu gewärtigen brauchen, wenn ihre Geschäftsführung in jeder Beziehung einwandfrei war und bleibt. Eingegriffen wird nur in Fällen von Betrug, Korruption und ungesetzlichem Verhalten, und dies gleichermaßen bei Nichtjuden und Juden. Die Leitung des Reichsverbandes der deutschen Rauchwarenfirmen, Sitz Leipzig, steht selbstverständlich allen Mitgliedern, also auch denjüdischen, gemäß den Satzungen zur Verfügung. Die Mitglieder des Reichsverbandes der deutschen Rauchwarenfirmen werden ersucht, allen anders lautenden Gerüchten, ebenso wie der Greuelpropaganda im In- und Auslande mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln entgegenzutreten. AUS DEUTSCHLAND Dr. Goebbels über die Judenfrage und die Kunst Aus Berlin: Reichsminister Dr. Goebbels sprach in einer Versammlung der deutschen Theaterleiter über die Aufgaben des deutschen Theaters und1 äußerte sich bei dieser Gelegenheit auch über die Juden frage auf dem Gebiete der Kunst. Hiezu erklärte Doktor Goebbels laut Bericht der „Deutschen Allgemeinen Zei tung": „Ich glaube, man braucht den Juden aus der deutschen Kunst gar nicht gesetzmäßig hinauszusetzen, sondern ich meine, daß das Volk ihn selbst allmählich ausscheiden wird. Je stärker wir das volksmäßige Denken in den breiten Massen verankern, um so weniger wird das Volk einen ihm fremden Menschentyp als Vertreter dieses Volkstums annehmen können. .Verschärfte Durchführungsverordnung zum Beamtengesetz in Deutschland Aus Berlin: Innenminister Frick hat eine neue Durchführungsverordnung zum Gesetz über die Wiederherstellung des Berufsbeamtentums erlassen, in der die bisherigen Bestimmungen über die Wiederzulassung nichtarischer Beamter in gewissen Punkten verschärft werden. Während bisher die Bestimmung galt, daß jene nichtarischen Beamten, die schon vor dem 1. August 1914 in Dienst waren, nicht in den Ruhestand zu versetzen sind, wird auf Grund der neuen Durchführungsverordnung gefordert, daß solche Beamte dauernd Beamte waren und sich in hervorragendem Maße bewährt haben. Bemerkenswert ist, daß durch diese Verordnung zum erstenmal festgestellt wird, daß die Bestimmungen des Gesetzes sich auf jüdische Lehrer, die an jüdischen Schulen angestellt sind, ni>ht beziehen. Auch der Begriff des Frontkämpfers, der für die ausnahmsweise Zulassung jüdischer Beamter maßgebend ist, wird in der neuen Durchführungsverordnung näher definiert. Als Frontkämpfer gilt, wer bei einer fechtenden Truppe an einer Schlacht, einem Gefecht, am Stellungskw^gf oder an einer Belagerung teilgenommen hat, ebenso, wem das Verwundetenabzeichen verliehen ist und wer infolge einer ochweren Kriegsbeschädigung ausgeschieden ist. Der rassenkundliche Unterricht an den deutschen Schulen Aus Berlin: Reichsinnenminister Dr. Frick hat in einer auf der Konferenz der deutschen Unterrichtsminister gehaltenen Rede, das von nun ab in den deutschen Schulen zu befolgende Erziehungsprogramm entwickelt. In diesem Programm soll, wie aus folgenden Ausführungen des Innenministers hervorgeht, der rassenkundliche Unterricht eine besondere Stellung einnehmen. Immer mehr bricht sich die Erkenntnis Bahn, sagte der Reichsinnenminister, daß die Wesensart eines Volkes, und die Grundkräfte seiner geschichtlichen Entwicklung I gar nicht begriffenwerden * kÖhnön, ohne genügende Kenntnis seiner rassischen Besonderheit. Daher ist der Rassenkunde auf allen Stufen der Schule genügend Raum zu widmen, damit die Grundeigenschaften der wichtigsten Rassen dem Schüler vertraut und der Blick für selbständige Beobachtung der Rassenunter schiede geschärft wird. Dabei ist von einer gehässigen Beschimpfung fremder Rassen grundsätzlich abzusehen Notwendig ist vor allem der Nachweis der schädlichen Folgen der Rassenverschlechterung und die stete Betonung der Forderung unserer völkischen Zukunft, daß die Ueberfremdung deutschen Blutes mit fremdrassigem, vor allem jüdischem und färbigem Blut unbedingt verhindert werden muß. Besetzung des Hauses der jüdischen Verbindung „Bavaria" in Heidelberg Aus Heidelberg: Die Pressestelle der SA. teilt mit, daß „aus Gründen der öffentlichen Ruhe, Sicherheit und Ordnung" das Verbindungshaus der jüdischen Verbindung „Bavaria" vor kurzem von Abteilungen der Heidelberger SA.-Gruppe besetzt wurde. Die Besetzung erfolgt auf Befehl von Oberführer Ziegler, da bekannt geworden war, daß zu Semesterbeginn Einzelaktionen auf das Verbindungshaus sowie auf einzelne Mitglieder der besagten Korporation zu befürchten waren. Der Trupp, der die Besetzung vornahm, unterhält bis auf weiteres eine Wache im Bavaria-Haus. * Die „Bavaria" ist eine Verbindung jüdisch-assimilatorischer Studenten, welche auf deutschnationalem Standpunkt stehen. Alle jüdischen Redakteure der Ullstein-Blätter entlassen Aus Berlin: Am 12. Mai sind die Nachmittagsausgaben der dem Ullstein-Konzern gehörenden Blätter „Vossische Zeitung" und „Tempo" wesentlich später als zur gewohnten Stunde erschienen. Der Grund hiefür waren umfangreiche Kundgebungen im Berliner Ullstein-Hause, über die der „Völkische Beobachter" folgendes berichtet: Gestern vormittags brach sich die gewaltige Empörung der Angestellten und Arbeiter des Hauses Ullstein Uber die immer noch dort tätigen jüdischen Schriftleiter Bahn. Dieselben jüdischen Literaten, die jahrelang das deutsche Volk beschimpft und seine Ehre besudelt hatten. Die gesamte Belegschaft fordert« von der« Geschäftsleitung die sofortige Entlassung der jüdischen Schriftleiter. Unter dem Druck der gesamten Belegschaft gab die Geschäftsleitung die Zusicherung, sämtliche jüdischen Schriftleiter zu entlassen, worauf sofort in vollständiger Ruhe die Arbeit wieder aufgenommen wurdet Kriegsbeschädigte dürfen von jüdischen Aerzten nicht behandelt werden Aus Berlin: Der Reichsarbeitsminister hat durch die Verordnung für die kassenärztliche Behandlung der Sozialversicherten, darunter der zurückgekehrten Kriegsbeschädigten, bestimmt, daß nur: arische Aerzte zugelassen sind. In Auswirkung der » Verordnung hat der Reichsarbeitsminister nunmehr auch in einem Erlaß an die HäuptversorgungSämter vorgeschrieben, daß auch die gleichen Vorschriften auf die Behandlung nichtVersicherter Kriegsbeschädigter anzuwenden sind. Urteile des Berliner Sondergerichtes Aus Berlin: Am 12. Mai wurde vor dem Berliner Sondergericht der Prozeß gegen den 63jährigen, wegen Verbreitung von Greuelnachrichten angeklagten staatenlosen Pferdemakler Isidor Klein durchgeführt. Das Gericht verurteilte den Angeklagten, dem Antrag des Staatsanwalts entsprechend, zu 15 Monaten Gefängnis. Als den schwersten Fall, mit dem sich das Sondergericht bis heute zu beschäftigen hatte, erklärte der Staatsanwalt das Vergehen der Angeklagten Gerda Goehring, einer geschiedenen Christin, die mit dem im April d. J. ausgewiesenen Salomon Pasz« kalski, einem Juden polnischer Staatsangehörigkeit, in freier Gemeinschaft gelebt hatte. Sie hatte die Absicht geäußert, zu ihrem Freund nach Polen zu fahren und dort zu erzählen, wasinDeutsc hl and geschehe. Der Staatsanwalt erklärte es als besonders erschwerend, daß die Angeklagte, eine deutsche Frau, lediglich, weil sie von dem Verhältnis zu einem polnischen Juden nicht loskommen konnte oder wollte, sich als freiwillige Agentin des Auslandes zur Greuelpropaganda erboten hatte. Ihr Vergehen sei eine Folge der Sünde wider das Blut. Er beantragte zwei Jahre Gefängnis. Der Vorsitzende betonte, daß die Aeußerungen der Angeklagten von außerordentlicher Feindseligkeit gegen ihr Vaterland und schlimmster Gehässigkeit gegen die nationale Regierung zeugen. Unter Berücksichtigung der Jugend der erst 24jährigen Frau verurteilte sie das Gericht zu einem Jahr neun Monate Gefängnis. Der Urteilsbegründung fügte der Vorsitzende hinzu, diese exemplarische Strafe solle eine Warnung für andere deutsche Mädchen sein, nicht auf dem Wege der Angeklagten zu wandeln. Streik in den Epa-Betrieben Aus Berlin: Am Nachmittag des 11. Mai ist in den 14 Berliner Zweigstellen des Einheitspreisgeschäftes „Epa" und gleichzeitig in den Stettiner und Kieler Filialen desselben Unternehmens ein Streik der Angestellten ausgebrochen, die die Entfernung der jüdischen Mitglieder aus dem Vorstand des „Epa"-Konzerns fordern. Angesichts der Haltung der Angestelltenschaft sahen sich die Geschäftsleitungen veranlaßt, die Betriebe zu schließen. In den Schaufenstern wurden Schilder folgenden Inhalts ausgehängt: „Wir „Epa"- Angestellten fordern den Rücktritt des jüdischen Vorstandes, wir wollen ein deutsches .Unternehmen sein,"

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