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Die neue Welt · 1933-05-19 · Heft 297 (19.5.1933) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 297 (19.5.1933)
Date
1933-05-19
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seile 2 DIE NEUE WELT Nr. 297 Union der Zionisten-Rsvisionlsten Oesterreichs Mittwoch, den 24. Hat 1983,;VS9 Uhr abends, im Höfel „Bayrischer Mol", II, Taborstraße 39 brtra Gegenstand: Existenzmöglichkelten In Palästina Redner: i . .... Dr. Nahum Sämonsky ' Regiebeitrag sichern, ist Aufgabe des Völkerbundes. Bie zionistische Organisation muß jetzt alles daransetzen, den Völkerbund und die Vereinigten Staaten Sur Erfüllung dieser Aufgaben zu bewegen. Das ganze jüdische Volk muß aufgerufen werden, damit es seine Stimme vor dem Völkerbund erhebe! V't'. * . j. Wenn die Zionistische Organisation nicht ungesäumt und unter Aufwand aller Kräfte die Arbeit ik>im Völkerblind aufnimmt, wird jede Rettungsaktion für die deutschen Juden versagen. Die Juden in allen Rändern sammeln Geld. Aber der Hunger der entlaufenen und der in Deutschland verbliebenen Jüden T^ird immer größer werden, und die Spenden werden iinmer kleiner werden. Heute drängen viele tausende deutsche Juden nach Palästina. Palästina aber ist rficht Vorbereitet und wird bald verstopft sein. Nur der ^Völkerbund kann ' die Materiellen "undpolitischen Bedingungen schaffen, welche Palästina in die Lage •versetzen, die große Masse der deutschen Juden aufzunehmen. Wenn der Ruf nach Aufnahme zionistischer Arbeit im Geiste Theodor Herzls wieder ungehört verhallt, wird das Elend ins unendliche wachsen.! Robert Stricker Embevufung de§!$♦ Zi'oEii§f em Kongressen London 11. Mai 1933. Die Exekutive der Zionistiscnen Organisation teilt mit, daß der 18. Zioriisten-Kongreß für den 16. August einberufen wurde. Wegen des Ortes des Kongresses finden gegenwärtig Verhandlungen statt, deren Abschluß in den nächsten Tagen erwartet wird. Der Endtermin für die Abrechnung der Schekelgeider wird auf den 20. Juni festgesetzt. Laut den an diesem Datum bei der Exekutive bezahlten und abgerechneten Schekolim wird die Zahl der Kongreßdelegierten für jedes Land bemessen werden. Ueber das Ergebnis der Delegiertenwahlen muß die Exekutive spätestens am 1. August informiert sein. Instruktionen wegen der Durchführung der Wahlen werden gleichzeitig erlassen. Jetzt oder nie! Nach den Ereignissen der drei letzten Monate könnten die deutschen Juden wissen, wie es um sie steht. Sie könnten beginnen, sich dem Gedanken hinzugeben, daß nun endlich eine Wandlung notwendig sei, eine Wandlung; von Grund auf und für alle Zukunft. Einige Augenblicke lang sah es so aus, als wurden sieh die Juden auf diese Haltung besinnen; als wurden sie eingesehen haben, daß ihre liberale Ideologie und deren Bestätigung ein verhängnisvoller Irrtum gewesen sei, für den man büßen, die schwersten moralischen und materielieh Reparationen zahlen müßte. Einige Augenblicke lang sah es so aus ... Und heute versuchen dieselben deutschen Juden (und ihre Pendants in den anderen Ländern) vergessen zu machen, daß ein Schlag von besonderer Brutalität sie getroffen und ihnen ein weiteres Verharren in den bisherigen wirtschaftlichen und geistigen Positionen unmöglich gemacht hat. Wir brauchen hier nicht gerade an die Enunziatlonen der C.-V.-Leute, der Vertreter des liberalen Judentums, des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten oder gar der nationaldeutschen Juden zu denken. Nein. Auch bei uns in Oesterreich gibt es Schichten, die Bloh mit dem Schicksal des deutschen Judentums abgefunden haben und nur den einen Wunsch hegen, man möge sie in der Hitze des Gefechtes vergessen. Diese grundfalsche Beurteilung. der seelisch-politischen Lage muß sich für die Zukunft des Judentums in allen Ländern der Zerstreuung katastrophal auswirken. Das Schicksal der Juden Deutschlands konnte ein Paradigma, ein Lehrbeispiel für die labile Existenz der Jüdischen Massen selbst in den Kulturländern darstellen. Denn in der jüdischen Geschieht« der letzten zwei Jahrtausende gab es kein krasseres Beispiel dafür, daß das gewollteste Verwurzeltsein, die Innigste Verbundenheit mit der „Heimat", das zäheste Hangen an der Schicksalsgemeinschaft gegebenenfalls ein trügerischer Schein, ein von Ahnen und Enkeln umsonst gebrachtes Opfer gewesen ist. Oder anders gesagt: Auf eine lange Epoche der Assimilation kommt eine Zeitspanne, In der alle Anstrengungen und Hoffhungen der Assimilation zunichte gemacht werden. Wir sind heute wieder Zeugen Solchen Prozesses. Heute wieder ist die Assimilation ad absurdum geführt worden. Das Schicksal der deutschen Judenheit — ein Paradigma fttr alle! Seien wir vorsichtig und streng! Prüfen wir die plötzlichen Bekenntnisse zum jüdischen Volk seitens solcher Elemente, die ihr Leben lang abseits gestanden haben! Unterliegen wir nicht der Lockung, Konjunkturgefühle als Symbole innerer Umkehr auszulegen. Die Schamlosigkeit der Assimilation grinst immer noch hinter halbgeschlossenen Türen. Und vergessen wir nicht inmitten unserer psychischen Bedrängnis und all des Kummers an die aktuelle Aufgabe: Demaskierung und Demolierung der Assimilation! Dem „Aufbruch der Nation" darf nicht der Aufbruch der Assimilation folgen. Es ist nicht zu leugnen, daß bei Uns gerade das assimilierte Judentum von Stunde zu Stunde, vom Morgenblatt zum Abendblatt, den Hitzegrad des antisemitischen Druckes prüft, Thermometer und Barometer des Gegendrucks mit neugierigem Auge betrachtet. Entsprechend dem« was diese Instrumente anzeigen, ist die Seele dieser Konjunkturjuden eingestellt. Ein Wort eines autoritären Regierungsfunktionärs genügt zu völliger Umstellung. Gestern noch auf hohen Rossen öder umgekehrt! Die jüdische Assimilationsgasse glaubt, feine Nerven und eine ebenso feine Fähigkeit der Prognose zu haben. Und wir? Wir Nationaljuden? Wir Zionisten? Wir, die wir die historisch bedingte Entwicklung und historisch bedingte Lösung vorgezeichnet haben und die Bestätigung für die Richtigkeit täglich aufs neue erleben, PffnostrelSR not« ü. Crernouilfz Bedeutend et mäßigte Hreise Ohne Paß und Visum! Abreise 28. Mai Prospekte. Auskünfte und Anmeldungen: „Buchenland", Wien I, Singer iraße Nr. 27, Telephon R.25 704 R-26 9-32 . UNIVERSAL". Wien I Klcntnerrlnfl 12, 11-40-4-42 wir Judenstaatler, dürfen wir auch nur einen Augen« blick noch zögern, der Assimilation den Todesstoß zu versetzen? Jetet oder nie! Kein Augenblick war günstiger. Nicht nur die moralischen Gebrechen der Assimllatlons- Ideologie mit ihrem freiwilligen Verzicht auf Ehre, Würde und nationales Eigenleben wurden sichtbar. Auch deren physische Stützpunkte, die wirtschaftlichen und rechtlichen Positionen, sind brüchig ge¬ Wörden. Was Angelegenheit einer Laune war oder Objekt schöngeistiger Unterhaltung, das zionistische Palästina, erscheint heute auch denen, die es niemals wahr haben wollten, als kraftstrotzende Realität. Nun ist also das vielgelästerte Palästina, das „Ghetto im Vorderen Orient", salonfähig geworden. Während die einen ein wenig unwillig, ein wenig verlegen, ein wenig „so nebenbei" von Palästina als einem Uebersiedlungsland sich zu sprechen zwingen, tun die anderen sehr vertraut, als hätten sie schon in ihren Kindertagen nur den einen Wunsch gehabt, am Berg Karmel ihre Zelte zu bauen. Das jüdische Nationalheim Palästina als Idee, als zwangsläufige Lösung, als aktuelle Wirklichkeit ist der sichtbare Ausdruck jenes Willens, der befähigt ist, die Hohlheit der Assimilation auch ihren getreuesten Anhängern zu demonstrieren. Es gilt, jedes sentimentale Gefühl von Schonung, von Mitleid beiseite zu legen. Denn es besteht die Gefahr, daß die Assimilation, heute pardoniert, in ruhigeren Tagen vielleicht wieder zu Kräften kommen und den Angriffen trotzen könnte. Die Träger der Würdelosigkeit, der Verzicht auf Ehre, des Duldungsgedankens warten nur auf den Augenblick, wo sie ihr schäbiges Gewerbe wieder aufnehmen können. Darum müssen die Vertreter des jüdischnationalen Gedankens in die jüdische Gasse gehen und die Assimilation ein für allemal ausrotten. Die Herren vom Centraiverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, die Vertreter des liberalen Judentums, der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten und die mit diesen Elementen korespondierenden Herrschaften In Oesterreich müssen zu dem Bekenntnis gezwungen werden, daß ihr Spiel verloren ist. Jetzt oder nie! Das nationale Judentum hat einen Teil seines Programms unverwirklicht gelassen, wenn es das Assimilantentum in der jüdischen Gasse noch weiterwuchern läßt. o. r. V»C'' ' .-.'.>;'.^.::.-<d.t>«fi- :.o 5r-.- ■,>: . . Aus T u-n i s;wirdjvuns.iun^er dem^. Mai geschrieben: „' Die Nachrichten »lüber die, Vorgänge im nationalsozialistischen Deutschland p, werden . in, ganz Nordafrika mit großer.;.Aufmerksamkeit, v.zum .Teil mit 1 eidens c h a f 11 i eher Teil n a hm e verfolgt. Das - deutsche Hakenkreuz ist.hier: seit langem bekannt!, Hatte doch bereits vor zwei Jahren Hitler einen Agenten, hieher geschickt, um pogromantisemitische Propaganda zu machen. Nachdem ihm' das bei den Franzosen nicht gelungen war, versuchte er as in den — arabiachen Kreisen, die den hakenkreuzlerischen Haßgesängen zugänglicher waren. Tatsache ist nämlich, daß die ganze Presse von Tunis/Marokko und Algier den Aufbruch der deutschen Nation mit Mißtrauen verfolgt, bis auf das dem arabischen Mob nahestehende Schundblatt „Le Petit Oranais" (Oran in Marokko), das die antisemitischen Allüren der deutschen Hakenkreuzler nachzuahmen bestrebt ist. Daneben gibt es in Tunis eine kleine antisemitische Gruppe, die den Numerus clausus im Wirtschaftsleben, an ti jüdischen Boykott und Ausschaltung der Juden aus dem gesellschaftlichen Leben verlangt. Andererseits werden alle Attacken des deutschen Hakenkreuzes („La oroix gammle contre Israel") gegen das Judentum genauest 'Verzeichnet und entsprechend kommentiert. Auf die Provokation des Weltgewissens durch das deutsche Hakenkreuz wurde hier eine einhellige Antwort gegeben: Boykott! Die Boykottbewegung brach von allem Anfang an spontan aus und blieb nicht auf die Juden beschränkt. In gleichem Maße nahm die französische Kaufmannschaft an ihm teil. Den Nachrichten aus ganz Nordafrika zufolge hält der Boykott unvermindert an. . In den Schaufenstern der größeren Geschäfte ist zu lesen: „Les reprösentants de maisons allemandes ne sont pas rec/us." (Die Vertreter deutscher Häuser werden nicht empfangen.) Gleichzeitig werden Listen der bedeutendsten, am nordafrikanischen Import beteiligten deutschen Firmen angefertigt, damit die Händler die Provenienz der Waren feststellen können. Zu den nunmehr boykottierten deutschen Waren gehören chemische und photographische Artikel, Stahlwaren, pharmazeutische Präparate, Biere, elektrische Maschinen, Finne, Motore, Versicherungsgesellschaften, Automobile, Schreibmaschinen, kurzum alle Produkte, die den Vermerk „Made in Germany" oder „DRGM" tragen. Sehr rasch hat sich das Publikum den Konsum der deutschen Waren abgewöhnt. Vielfach wird bedauert, daß Tunis, Marokko und Algier Propaganda für deutsche .Produkte gemacht haben, und man sieht sich allenthalben nach den entsprechenden Ersatzländern um. Die Händler haben sich rasch umgestellt. Die nordafrikanisdte Judenheit Englkttd, Frankreich/ Italien,;; auch-1 Polen, -' Schweiz, Tschechoslowakei und ö e s t e r r e ich kommen zunächst als Lieferanten in Betracht. Bei geschickter Ausnützung der gegenwärtigen Situation könnten diese Länder Deutschlands Import ein für allemal verdrängen. Was den Zionismus anlangt, hat er besonders in Tunis an Einfluß gewonnen. Das r e v i s i 0 n i s 11 s che Organ „Le reveil juif" hat neuerlich mit einer großzügigen Propaganda eingesetzt, die zunächst dem Blatt selbst die Weiterexistenz ermöglicht hat. Die gesellschaftlichen Verbände und vornehmlich die Sportvereine sind durchwegs zionistisch orientiert und die Aus- Wanderungstendenzen , wachsen von Tag zu Tag. Das Palästinawerk genießt hier die größten Sympathien und die Störungen von kommunistischer Seite (arabische Agenten aus Palästina) werden einmütig verurteilt. Die nordafrikanische Judenheit fühlt sich in allen nationalen Fragen mit der Weltjudenheit verbunden und greift aktiv in den Abwehrkampf gegen das pogromantisemitische Hakenkreuz ein. Die f§diedio$Iowakf$dien Kolonialwaren-Importeure boykottieren Deutschland Wir erhielten folgendes Rundschreiben, welches de? Verband der Kolonialwaren-Importeure in der Tschechoslowakei an seine bisherigen Geschäftsfreunde in Deutschland gerichtet hat: Es ist uns unmöglich, auf die verschiedenen Entgegnungen und Interpellationen seitens der Hamburger und Bremer Firmen einzeln einzugehen. Die Sektion der Kolonialwaren-Importeure sieht sich daher veranlaßt, eine einmütige Antwort an jene Firmen, die es angeht, ad eirculandum ergehen zu lassen. Greuelpropaganda. Unter diesem Titel wurde uns teils direkt, teils durch Vertreter deutschet Firmen auf verschiedene Vorstellungen der tschechoslowakischen Kaufmannschaft folgendes erwidert: Die Greuelnachrichten seien verlogen; keinem Juden oder Andersdenkenden sei ein Haar gekrümmt worden. Das jetzt herrschende Regime habe nichts Paullne Ehrenkranz Adolf Neumonn Wien, XX. Wien, II. empfehlen sich als Verlobte Wien, im Mai 1933

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