Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 297 (19.5.1933)
- Date
- 1933-05-19
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2711613-2711899-2711919--3710-2717113- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Preis 35 Groschen Jahrgang 7 Freitag^ den 19. Mal 1931 18? Nr« 297 Vt b« b« Zeitnnjt vom, Verleger versendet Sditeni*« Tiil. Universitätsbibliothek Wien. I. Jährig Schweizer Francs 4.50 REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung: Wien IX, Universitätsstr. 6-8, leL B-48-504 — Ersdteint jeden Freitag Graf Raczynski über die österreichische Regierung und die antisemitische Gefahr Interview unseres Genfer Korrespondenten mit dem polnischen Völkerbundgesandfen Minister Graf Eduard Raczynski fürchtungen bezüglich des zukünftigen Schicksals der jüdischen Min* der hei t in Oesterreich sich in der Folge bewahrheiten. Graf Raczynski erklärte, daß das Auf« steigen der antisemitischen Welle in gewissen Ländern in Polen mit großer Auimerk« samkeit verfolgt wird. Abgesehen von humanitären Gründen, wird dieseo Interesse durch die Tatsache der Existenz einer großen Zahl von Juden auf polnischem Gebiet be* stimmt, die moralisch darunter leiden, ihre Brüder Drangsalen ' einer Ausnahmebehanda lung ausgesetzt zu sehen. Was aber Oesterreich anlangt, bin ich immerhin sicher, sagte Graf Raczynski, daß die Befürchtungen, von denen Sie sprachen, in Zukunft nicht berechtigt sein werden, da ich volles Vertrauen in die E n e rgie d e r frst er r e ich i s che n R e? : gie r ü n g h% b e,'welche *>hne.jeden Zweifel in der. Lage sein wird,■ int e r na ti o» na 1 en Verpf 1 icht ungen, die im Ver* trag von St.?Germain Von Oesterreich über* nömmen wurden, respektieren zu lassen. Unter diesen Bedingungen bin ich überzeugt, daß in der Praxis eine Intervention des Rates nicht in Frage kommen wird, da sie bestimmt überflüssig sein wird, angesichts der unzweideutigen Haltung der österreichischen Regierurig; Wir haben in unserer vorletzten Nummer darauf hingewiesen, daß im Falle des TJebergreifens des nationalsozialistischen Antisemitismus auf Oesterreich der Völkerbundrat auf Grund des Friedensvertrages von St.-Germain berechtigt und verpflichtet ist, die jüdische Minderheit in Oesterreich zu schützen. Im Zusammenhang mit diesen Ausführungen hatte der Vertreter unseres Blattes in Genf eine Unterredung mit dem Vertreter der polnischen Bepublik beim Völkerbunde, Grafen Raczynski. Er telephoniert uns aus Genf: Graf Eduard Raczynski, außerordentlicher Gesandter und bevollmächtigter Minister, ständiger Delegierter der R e p u b 1 i k P o 1 e n b e i m V ö 1 k e r b u n d, gewährte Herrn Zevi Aberson, unserem Vertreter in Genf, am 16. Mai eine Unterredung. Herr Aberson machte den Vertreter der polnischen Republik auf die Unruhe auf« merksam, die in jüdischen Kreisen über das Los der jüdischen Minders heit in Oesterreich herrscht., Nach Herrn Aberson hat die a n t i s^tö ft i s c h e P r ö p a gand a in diesem JLande letztens große Fortschritte gemacht. Herr Aberson erinnerte auch Graf Raczynski daran, daß Oesterreich in den Artikeln 62 bis 69 des Vera träges von St.sGermain Verpflichtungen ein* gegangen ist, welche völkischen, r e 1 u giosen oder sprachlichen Mins derheiten die rechtliche und tatsächliche Gleichheit gar ans t i e r e n. Herr Aberson gab der Hoffnung Ausdruck, da diese Verpflichtungen unter die Garantie des Völkerbundes ge* s t e 111 s i n d, daß die Mitglieder des Völkers bundrates nicht verfehlen werden, eine ges eignete Haltung anzunehmen, sollten die Bes Wir sind überzeugt, durch unsere Anregung zu dieser Aeußerung eines hohen Diplomaten der österreichischen Regierung und der österreichischen Judenschaft einen guten Dienst erwiesen zu haben. Die einziq ntöglidie Lösung der deulsdien JiidenfraSe Ob sich nun das Hitler-Regiment in Deutschland erhält, ob es sich ändert, ob es verschwindet, — die deutsche Judenfrage bleibt in schrecklicher Form bestehen. Hitler hat den im deutschen Volk immer, vorhanden gewesenen, nur gebundenen Judenhaß ausgelöst. Dieser Prozeß kann in absehbarer Zeit nicht mehr rückgängig gemacht werden. Bestenfalls in vielen Jahrzehnten, in einer Zeit, die so lang ist, daß das bis ins Innerste getroffene deutsche Judentum sie nicht überstehen kann. Die Juden müssen aus Deutschland fortgeschafft werden. Sonst werden sie moralisch und körperlich verkommen. Unter den in Deutschland gegebenen Bedingungen muß die deutsche Judenschaft sich selbst zu höchster Qual und der gesamten Judenschaft zu höchster Gefahr werden. Ein fressendes Geschwür am jüdischen Volkskörper. Bs handelt sich also •Alle im'redaktionellen Teil befindlichen entgelt* liehen Notizen sind durch ein beigefügtes' E bezeichnet darum, einige hunderttausend Menschen an einen anderen Ort und unter andere Bedingungen zu versetzen. Eine Aufgabe von riesiger Größe! Als Schüler Theodor Herzls habe ich immer für die Anschauung gekämpft, daß ein Zionismus, der nur mit den kleinen Mitteln der Sammelfonds und des unorganisierten Privatkapitals arbeitet, das große Ziel nicht erreichen, Judenmassen nicht nach Palästina überführen kann. Die Fonds und das unorganisierte Privatkapital leisten nützliche, vielfach unentbehrliche Arbeit. Aber sie bringen nicht die Lösung. Großzügige Maßnahmen unter ausreichender politischer Garantie hat Herzl gefordert. Internationale Anleihe. Die Liquidationsbank, welche das Vermögen der Juden in der Diaspora erfaßt und organisiert überleitet. Alles unter dem Schutz und unter der Kontrolle der Regierungen der europäischen Großmächte. BEHANDLUNG VON RHEUMATISMUS GICHT, ISCHIAS UND FOLGEN VON SPORT¬ VERLETZUNGEN AUF MUßTE IUI (SCHNELLKUREN, JONTOPHORESE, ORiGlNAL PISTYANER SCHLAMMPACKUNGEN ETC.) IN DER KURANSTALT DIANABAD FÜR ALLE PHYSIKALISCHEN HEILMETHODEN '^ÖSäfEFrOMEÖRl ZElTGEMASSE PREISE Vor acht Jahren habe ich an die Leitung der Zionistischen Weltorganisation die Forderung gerichtet, endlich ah die Erfüllung; der He^zlsciten Pläne ku schreiten. Ich habe den Einsatz aller politischen Kräfte und Mittel verlangt, um eine vom Völkerbund garantierte große Anleihe für den Aufbau des jüdischen Palästina zu erlangen und so Palästina für die Aufnahme von Judenmassen bereit zu machen. Damals konzentrierte die zionistische Leitung ihre Kräfte auf die Heranziehung nichtzionistischer reicher Juden als „Spender". Mein Antrag fiel unter den Tisch. Ich nehme ihn wieder auf. Der Völkerbund hat Millionen von Griechen aus Kleinasien nach Griechenland und Türken aus Griechenland nach der Türkei gebracht,. weil diese Menschen in einer Atmosphäre des Hasses nicht länger leben konnten. Der Völkerbund soil jetzt eingreifen, um Judenmassen aus DeutschlandnachPalästinazubrin gen. Die Not der deutschen Juden ist nicht geringer, als es die Not der Griechen und Türken war, und die Bedingungen für eine Ueberführung sind nicht schlechter, sie sind besser! Zwei Aufgaben hat der Völkerbund. Er muß die große Anleihe schaffen. Dann aber hat er die Ueberführung des noch in Deutschland vorhandenen jüdischen Kapitals zu sichern. Das jüdische Kapital in Deutschland ist arg bedroht. Wenn die heutige Situation noch länger andauert, werden die zur Arbeitslosigkeit verurteilten Juden das ihnen noch verbliebene Kapital aufessen müssen, statt es in Palästina produktiv zu machen. Außerdem besteht die Gefahr, daß die deutsche Regierung in irgend einer Form dieses Kapital konfisziert oder zumindest seine Liquidation unmöglich macht. Die Freigabe des jüdischen Kap i t als in Deutschland'zu •iM^^/N SonneSjf^ in^SröSSTö^eTthT!^^ ff Kartenvorverkauf; Sekretariat, IX, Bergg. 16, Tel. A-17-5-40, Klappe 23: Buchhandlung*Rath, H,Tabbrstr.20 u. an der Tageskasse des Konzerthauses ei