Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1933-05-12 · Heft 296 (12.5.1933) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 296 (12.5.1933)
Date
1933-05-12
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2711613-2711899-2711918--3703-2717105
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

BS Nr. 296 DIE NEUE WELT Seite 7 Palästina * Visa für deutsche Auswanderer mit Eigenkapital Aus London wird berichtet: Im Unterhaus richtete der Abgeordnete Janner an den Minister für die Kolonien Sir Philip Cunliffe- Lister die Frage, wie vielen Juden aus Deutschland entsprechend der vom Außenminister Sir John Simon im Vormonat dem Unterhause gemachten Mitteilung, es seien dem britischen Paßamt in Berlin 300 Einwanderangszertiftkate für Juden mit einem Eigenkapital von mindestens 1000 Pfund zur Verfügung gestellt worden, bisher Palästina-Visa ohne Einholung der Genehmigung durch die Jerusalemer Einwanderungsbehörden erteilt worden seien. Welters fragte Abgeordneter Janner, ob auch nach erfolgter Ausgabe der bewilligten 200 Zertifikate die Praxis unmittelbarer Visaerteilung in Berlin an Juden dieser Kategorie beibehalten werden würde. Kolonienminister Sir Philip Gunliffe-Lister erwiderte, in bezug auf den ersten Teil der Anfrage des Abgeordneten Janner stünden, wie ihm seitens des Außenamtes mitgeteilt werde, bisher keine detaillierten Aufstellungen zur Verfügung. Indessen werde das Außenamt diesbezüglich Erkundigungen einziehen und ihr Ergebnis dem Abgeordneten Janner bekanntgeben. Was den zweiten Teil der Anfrage betreffe, so sei dies eine Angelegenheit, die dem Ermessen des High Commissioner für P al ä s t i n a anheimgestellt sei. Auf die Frage des Abgeordneten Janner, ob es möglich sein werde, Auskünfte betreffend den ersten Teil seiner Anfrage binnen kurzer Zeit zu erhalten, erklärte Sir Philip: Ich weiß es nicht bestimmt. Dies ist eine in den Bereich des Außenamtes fallende Angelegenheit. Dieses wird sich hierüber mit der Botschaft in Berlin ins Benehmen zu setzen haben. Ich nehme an, daß der angeforderte Bericht im Laufe einiger Tage eintreffen wird. Anschließend fragte der Abgeordnete Viscount Lymington den Innenminister, ob er die Zahl jüdischer Ausländer bekanntgeben könne, die seit dem SO. Jänner 19 3 3 nach England gekommen seien. Der Innenminister verwies auf seine am 18. April dem Abgeordneten Doran gemachte Mitteilung, daß den Statistiken Uber die nach England kommenden Fremden die Staatsangehörigkeit zugrunde gelegt werde und daß besondere Aufstellungen betreffend jüdische Einwanderer nicht vorlägen. Die Probleme Tel-Awiws Tel-Awiw ist zum Zentrum des jüdischen Palästina geworden. Der Aufbau der Stadt macht tagtäglich größere Fortschritte. Eine im Jahre 1909 gegründete Siedlung ist zum Hauptplatz des gesamten wirtschaftlichen und kulturellen Lebens des Landes geworden. Hier ist das Zentrum der jungen palästinensischen Industrie, des Handels und der Kultur. Welche Entwicklung die Stadt genommen hat, kann man am besten aus den folgenden wenigen Zahlen ersehen. Ende des Jahres 1932 zählte Tel-Awiw 4472 Häuser. Die Länge der Straßen beträgt 38.547 Meter. In den letzten zehn Jahren wurden S% Millionen Pfund in Bauten investiert. Der Gesamtwert der Stadt wird auf nahezu 12 Millionen Pfund geschätzt. Diese Entwicklung geht sprunghaft vorwärts. Die Einnahmen der Gemeinde im Jahre 1982 überstiegen die Ausgaben um 10.000 Pfund. Der Budgetvoranschlag für das Jahr 1933 beträgt 167.000 Pfund, welche Summe durch die Einnahmen sicherlich voll gedeckt sein wird. Diese Entwicklung, so wie die an sich weniger erfreuliche Tatsache, daß der Großteil der Einwanderer in Tel-Awiw seinen dauernden Aufenthalt nimmt, stellt die Gemeindeverwaltung vor eine Anzahl schwieriger Probleme, deren Lösung heute das dringendste Gebot der Stunde ist. Eines der wichtigsten und brennendsten Probleme bildet die Frage der billigen Wohnungen. Allerdings ist die Bautätigkeit in Tel-Awiw sehr groß. Alle Bauunternehmen arbeiten in zwei Schichten. Allein in den ersten Monaten dieses Jahres hat das Bauamt 507 Baubewilligungen auf 1933 Zimmer und 54 Geschäfte erteilt. Aber diese Bauten kommen für den neuen Einwanderer kaum in Betracht. Der Bauboden ist sehr teuer. Die Errichtung von Häusern mit zwei bis drei kleinen Wohnungen steht daher in gar keinem Verhältnis zu den Kosten des Bodens, ist daher für den Besitzer unrentabel. In den letzten Jahren werden deshalb fast ausschließlich große Bauten mit allerdings sehr komfortablen Wohnungen gebaut. Der Zins für eine solche Wohnung ist sehr hoch. Die Mehrzahl der Neuankommenden kann diesen hohen Zins nicht bezahlen. Diese Erscheinung erklärt die Tatsache, weshalb neben den großen, .wunderschönen Palästen kleine Holzbaraken stehen, welche nicht nur das Bild der Stadt verunstalten, sondern auch das sanitäre Niveau der Stadt bedrohen. Das aktuellste Problem Tel-Awiws ist also der Bau von Kleinwohnungen. Der Lösung dieses Problems widmet nun die Gemeinde die größte Aufmerksamkeit. In vielen europäischen Staaten greift die Regierung helfend ein; in Palästina ist das von der Regierung vorläufig nicht zu erwarten. Auch die Jewish Agency ist machtlos. Die ganze Sorge lastet daher in Palästina auf Tel-Awiw und esinen Einwohnern. Die Voraussetzung für die Verwirklichung dieses Planes liegt in der Schaffung einer großen Bodenreserve und eines. Hypothekarinstituts, welches zu billigen Zinsen langfristige Baukredite gewährt. Die Erfahrungen in der Vergangenheit lehren, daß die Darlehensempfänger ihre Schulden pünktlich bezahlen. Die Gemeinde Tel-Awiw ist nun intensiv damit beschäftigt, eine solche Bodenreserve zu schaffen. Die Verhandlungen sind im vollen Zuge, und man darf wohl hoffen, daß es dem Bürgermeister Dizengoff gelingen wird, sie zu einem erfolgreichen Abschluß zu bringen. Was die Schaffung der Hypothekarbank anbetrifft, ist hier die Unterstützung der Einwohner unbedingt erforderlich. In den palästinensischen Banken Hegen große Kapitalien mit minimaler Verzinsung. Trotzdem hat sich bis nun noch niemand gefunden, der die Initiative zur Schaffung einer großen Hypothekarbank auf sich genommen hätte. Die Zinsen für die Darlehen dürfen allerdings 3 Prozent nicht übersteigen. Gerade hier wäre Platz für eine solide Kapitalsanlage. Nach Ansicht des Bürgermeisters Dizengoff könnte solch ein Institut auch die finanzielle Unterstützung der Regierung erlangen. Die Initiative muß jedoch von den Juden ausgehen. Der Verwirklichung dieses Planes Rechnung tragend, hat die Gemeindeverwaltung den Entwicklungsplan der Stadt so festgelegt, daß die neu zu gründenden Siedlungen ihren direkten Anschluß an das Zentrum der Stadt finden. So zum Beispiel wurde eine Straße im Norden der Stadt gestochen, die bis zur Herzlia-Brücke am Jordanfluß führt. Eine andere führt nach Petach Tikwah, eine dritte nach Mikweh-Israel. Dies zweite Problem der Stadt bildet die Errichtung von Parks, öffentlichen Anlagen, öffentlichen Gebäuden und den Ausbau des Meeresstrandes. Der neue Plan sieht die Umwandlung der meisten Stadtteile in eine Erholungsstätte vor. ** Viele Häuser am Ufer des Meeres müssen niedergerissen werden. Am Strande werden neue Badeanlagen errichtet. An wichtigen Knotenpunkten werden Gärten gepflanzt. Das städtische Krankenhaus genügt nicht mehr den wachsenden Anforderungen, weshalb ein neues großes städtisches Krankenhaus gebaut werden muß. Mit dem DIESER WOCHE H#£%l"l |"V I#lftkl4% f, Wollzeile 17 KREUZ-KINO Telephon R-24-2-16 Vom 12. bis 18. Mai. Der spannende sensationelle Film SALON DORA GREEN mit Starbesetzunir! Mady Chilstlans, Paul Hartmann, Alfred Ab»l, Betty Birk, Kurt Westermann Sonn- und Wochentags: 4, 5.45, 7.30, 9.15 Uhr SCHWEDEN - KINO"T b0 1 Vom 12. bis 14. Mai: LACHKABINETT mit Sran Laurel u. Oliver Hardy Persönliches Aultreten Hermann Leopold) und Belja Mllslcaja Tel. A-49-0-60 Vom 15. bis 18. Mai: TOCMPIf < m. Dorothea Wieck, , I ncnOIV oiga Tschechowa, Hans StOwe. Paul HOrblger und Theoder Loos.—Bühnenelnlagt: Der große Magier Chevalier Arcano Wochentags: 5, 7, 9 Uhr, Sonntags ab 3 Uhr Vom 12. bis 15 Mai: Brennendes Geheimnis VI, Mariahilferstr. 37 Telephon B-20-203 Vom 16. bis 18. Mai: Der Kavalier der Steppe mit Willy Forst mit Georjr O'Brlen und Hilde Wag er und Victor McLaglem Sonn- und Wochentags: 3.30, 5.15, 7.15 und 9 Uhr Bankgründungen in Palästina' In letzter Zeit wurden in Palästina einige neue jüdische Bankinstitute gegründet. So wurde vor kurzem in Jerusalem ein kleineres Bankinstitut, die Manufacturers' Bank, eröffnet. Mit Unterstützung des Palestine Economic Board in London wurde eine Kolonistenbank gegründet. Sir Robert Waley-Cohen und Herr Walter Cohen haben anläßlich ihres vor kurzem erfolgten Besuches in Palästina die weitere Hilfe des Board beim Ausbau der Kolonistenbank zugesagt. Der Verband der Allgemeinen Zionisten hat beschlossen, eine eigene Bank zu eröffnen, die zur Förderung der Ansiedlung von Mitgliedern des Verbandes Allgemeiner Zionisten bestimmt ist. „Erlösung des Wassers" — Eine neue Jüdische Gesellschaft in Palästina Unter dem Namen „Gesellschaft zur Erlösung des Wassers" wurde eine neue jüdische Vereinigung gegründet, die in allen Teilen Palästinas Wasserbohrungen vornehmen und moderne Brunnenanlagen schaffen ws^ß^mssm nach wie vor Kärntnerstraße 45 mr sigi-gold -m Ecke Knigerstraße 2 Katalog gratis! Neu! Bau wird demnächst begonnen werden. Auch das Haus der Irijah (Stadtverwaltung) muß neu gebaut werden. Vorläufig sind die einzelnen Departements in verschiedenen Häusern untergebracht. Es fehlen Schulgebäude. Die Mehrzahl der Schulen ist in Gebäuden untergebracht, die dem Zweck nicht entsprechen. Dazu kommt die Forderung an die Regierung, ihre öffentlichen Gebäude wie Post, Zollhaus. Gerichte usw. nach Tel-Awiw zu verlegen. Besondere Aufmerksamkeit widmet die Gemeinde dem Wasserproblem. Dank der Entwicklung der Industrie und des Baugewerbes ist der Bedarf an Wasser stark gestiegen. Auch der Qualität des Wassers wird die größte Aufmerksamkeit geschenkt. Das Wasser Tel-Awiws wird in wenigen Monaten dem besten der europäischen Städte gleichgestellt sein. Das schwierigste und bis nun nicht verwirklichte Problem ist die Kanalisation. Der Plan zur Kanalisation ist von der Regierung schon bestätigt worden. Die dazu nötigen Mittel sind zum Teil gesichert. Die Verhandlungen mit der Stadt Jaffa sind noch nicht abgeschlossen. Dies ist wichtig, weil das Kanalisationsnetz für beide Städte gemeinsam ausgearbeitet und durchgeführt wird. Gelingt es in der nahen Zukunft, diese für die Stadt so wichtigen Pläne zu verwirklichen, dann wird die erste jüdische Stadt auch für europäische Begriffe eine moderne, gesunde und schöne Stadt werden. Weitere 2000 Palastinazertifikate? Einer Meldung des Pariser „Hajnt" zufolge »oll es der Exekutive dor Jewish Agency gelungen sein, die Palästina-Regierung zur Ausgabe von weiteren 2000 Arbelterelmvanderungszertiflkaten für das kommende Halbjahr zu bewegen. Von den demnach zur Ausgabe gelangenden 7500 Zertifikaten sollen 2000 für Juden aus Deutschland reserviert bleiben. Wie die Londoner Exekutive der Jewish Agency auf eine Anfrage der Jüdischen Telegraphenagentur mitteilt, ist ihr von einer derartigen Verfügung der Palästina- Regierung vorläufig noch nichts bekannt. will, die an die Bevölkerung der einzelnen Ortschaften verkauft oder verpachtet werden sollen. Die erste Tiefbohrung soll in Af uleh, das unter starkem Wassermangel zu leiden hat, vorgenommen werden. Eine neue Kolonie der Bne Benjamin Die Hanotaja-Gesellschaft hat einen Vertrag mit einer Gruppe von Kapitalisten aus England und anderen ^Ländern, die 40.000 Pfund in Bodenkäufen investieren wollen, abgeschlossen. Dieses Kapital ist zum Erwerb des Bodens für eine neue Kolonie der Organisation Bne Benjamin bestimmt. Die neue Siedlung, die fünfte der von Bne Benjamin gegründeten Kolonien, wird zu Ehren des Vorsitzenden des palästinensischen Kolonistenverbandes, Mosche Smilanaky, Kfar Mosche benannt werden. je raaftnannien der PaSä§ti^asKe9ieruitg gegen Bewegung Die Palästina-Regierung hat eine neue Verordnung erlassen und in einer Sonderausgabe des palästinensischen Amtsblattes veröffentlicht, durch die die Anstiftung zur Nichtzahlung oder zur Verzögerung dor Zahlung öffentlicher Abgaben unter schwere Strafsanktiou gestellt wird. Welche Abgaben unter dem Schutz dieser neuen Verordnung stehen, soll jeweils im Amtsblatt bekanntgegeben werden. Als Anstiftung sollen entsprechende Auflorderungen durch Wort oder Schrift, ja selbst durch Zeichengcbung verstanden werden. Die Bestimmungen des neuen Gesetzes sind so gefaßt, daß sie nicht nur bei ausdrücklicher Aufforderung zur Steuerverweigerung, sondern auch bei einer irgendwie implicite geschehenen Anstiftung zur Steuerverweigerung angewandt werden können. Als Strafe für Zuwiderhandelnde ist Gefängnis bis zu sechs Monaten oder eine Geldstrafe von 5 bis 50 Pfund vorgesehen. Geld- und Gefängnisstrafen können auch gleichzeitig verhängt werden. JÜDISCHE VOLKSPARTEI ÖSTERREICHS Donnerstag, 18. Mai, Uhr abend», im Restaurant „Grüner Baum", Wien VII, Mariahilferstr. 56 GROSSER VORTRAGSABEND »Die Vorgänge in Deutfdiland und die öflerreidiifdien Juden« REFERENTEN: DR. DES1DER FRIEDMANN / 1N0. ROBERT STRICKER

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.