Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 296 (12.5.1933)
- Date
- 1933-05-12
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 3 DIB NEUE WELT Nr. 296 Gesellschaft sreise tu Pfingsten. 38 Mai bü 6. Juni 1933 veranstaltet von der Landsmannschaft „Buchenland" in Wien, in Gemeinschaft mit dem „Czemowitztr Moigenblatt'\ nach Cxernowitz und retour mit den Z\cischemlati(ynen L*mbe>g. Stanitläu usw. Teilnehmerpreis einschließlich Paß-und Siditvermerkgebührm. III. Klasse Schnellzug Wien—Czernowits—Wien S 104.—, für kürzere Strecken entsprechend abgestuft Anmeldungen und Platzreservierungen durch ,.Buchenland", Wien I, Singerstraße 37, Telephon Nr. R-85-702 und „Universale". Wien I, KSmtnerring J2, Telephon Nr. U-40 4-42 AUS PALÄSTINA Agudah fordert Soiideranerkennung in Palästina Die palästinensische Organisation der Agudath Israel hat soeben der Palästinaregierung ein Memorandum, betreffend die Frage der Anerkennung der Agudath Israel als religiöse Sondergenie i n s c h a f t, mit der Bitte um Weiterleitung an die Permanente Mandatskommission des Völkerbundes überreicht. Das Memorandum enthält die Bemerkungen und Einwände der Agudah gegenüber dem letzten Bericht der Mandatskommission zur Frage der Regierungsverordnung über die Organisation der religiösen Gemeinschaften in Palästina und die nachdrückliche Forderung nach offizieller Anerkennung einer gesonderten orthodox-jüdischen Religionsgemeinschaft in Palästina. Vorarbeiten zur Gründung des Kfar Hamakkabi Der vor kurzem in Palästina eingetroffene Vizepräsident des Makkabi-Weltverbandes, Dr. A. Rosenfeld, hat Verhandlungen mit dem Vorsitzenden des Keren Kai^meth M. M. Ussischkin betreffend die Zuteilung von Land zur Errichtung der jüdischen Sportsiedlüng Kfar Hamakkabi, sowie mit Vertretern der Einwanderungsabteilung der Jewish Agency betreffend die Zuteilung von Einreisevisen an Mitglieder des Makkabi- Weltverbandes aufgenommen. Auf der am 28. August stattfindenden palästinensischen Landeskonferenz des Makkabi wird Dr. Rosenfeld über seine Arbeit für Kfar Hamakkabi in verschiedenen Ländern berichten. Ein Bade- und Kurort am Toten Meer eröffnet. Am Toten Meer wird gegenwärtig ein Bade- und Kurort angelegt, dessen erste öffentliche Einrichtungen, ein großes Restaurant am Seeufer mit Badeanstalt, soeben in Anwesenheit von Vertretern der Behörden und Interessenten jüdischer und arabischer Gesellschaften feierlich eröffnet würden. Baumfrevel in einer jüdischen Kolonie. In der vor einiger Zeit in der Nähe von Tel Mond zur Erinnerung an den verstorbenen belgischen Zionistenführer Jean Fischer gegründeten jüdischen Kolonie Kfar Jona, in der durch die Gesellschaft Hescharon unter der Leitung des holländischen Bankiers und Zionistenführers Jakobus H. Kann große Pflanzungen angelegt werden, haben unbekannte Täter 500 junge Orangenbäume entwurzelt. Der Schaden wird auf etwa 1000 Pfund geschätzt. Vorbereitungen zur Aufnahme der Auswanderer aus Deutschland in Palästina. Der Verband der deutschen Juden in Palästina (Hitachduth Ole Germania) hat umfangreiche Vorbereitungen zur Aufnahme der Flüchtlinge aus Deutschland getroffen. Mitglieder des Verbandes tun in den Häfen von Jaffa und Haifa ständigen Dienst und übernehmen die Führung der eintreffenden Auswanderer aus Deutschland. Eines der wichtigsten Probleme ist die Unterbringung der Ankömmlinge in billigen Quartieren. Der Verband hat zu diesem Zwecke im Arbeiterviertel von Haifa einige Häuser gemietet, außerdem werden dort Baracken zur Unterbringung von 500 Personen errichtet. In Tel-Awiw wurde eines der Ausstellungsgebäude zur Unterbringung von Einwanderern aus Deutschland hergerichtet. Aehnliche Vorbereitungen wurden in Jerusalem getroffen. Vergrößerung von Beth Chanan. Die Siedlung bulgarisch er Juden Beth Chanan wird vom Juni d. J. ah bedeutend erweitert werden. Zugelassen werden neue Siedler mit einem Eigenkapital von mindestens 300 Pfund. Der Verkauf der Kolonieerzeugnisse wird auf kooperativem Wege vorgenommen. Beduinen auf Haifa-Bay-Bodeu. Hirten des Beduinenstammes, AI Ramel haben ihre Herden auf bearbeiteten Boden, der zum Arbeiterviertel an der Haifa Bay gehört, zur Weide getrieben. Jüdische Wächter wurden beim Versuche, die Beduinen zum Verlassen des Weidelandes zu bewegen, von diesen angegriffen, wobei einer der Wächter am Kopfe; ein anderer an den Armen verletzt wurde. Auch einer der Beduinen wurde verwundet. Die später eintreffende Polizei verhaftete zwei Beduinen. Die Zusammensetzung des Palästinensischen Zentralhilfskomitees für deutsche Juden. Das Zentralhilfskomitee hat unter dem Vorsitz von Emanuel Neuman seine konstituierende Sitzung abgehalten und sich die Bezeichnung „Vereinigtes Komitee für die Ansiedlung deutscher Juden in Palästina" gegeben. Es wurde eine Reihe von Subkomitees eingesetzt, die ihre Arbeit sofort aufgenommen haben. Mit der Organisierung wird demnächst begonnen. Von allen Teilnehmern der Beeiner Sammlung unter der palästinensischen Judenheit ratung wurde der Befriedigung darüber Ausdruck gegeben, daß sich in der Aktion für die deutschen Juden alle Kreise und Parteien des Jischuw zusammengefunden haben. Ein städtisches Komitee für Einwanderung«- und Touristenwesen in Tel-Awiw. Bei der Stadtverwaltung wurde ein Komitee für Binwanderungs« und Touristenwesen eingesetzt, dem Vertreter des Stadtrats, der Verbände der deutschen und der polnischen Juden und anderer Vereinigungen angehören. Das Komitee wird sich insbesondere mit dem Empfang der Einwanderer und Touristen im Hafen von Jaffa, mit der Beschaffung billiger Quartiere u. ä. befassen. Feierlicher Empfang eines französischen Gelearten in Tel-Awiw. In Anwesenheit des französischen Konsuls in Jaffa fand in Tel-Awiw ein feierlicher Emp^angsafcend fUr den berühmten Pariser Mathematiker Professor Hadamar, der sich auf einer Reise durch Palästina befindet, statt. Eine Reihe von Rednern, unter ihnen Bürgermeister Meir Dizengoff, Maxa Nordau, die Tochter Mak Nord aus, und Professor Sloush, feierten den' Ehrengast und baten ihn, Frankreich die Freundschaftsgrüße der palästinensischen Judenheit und ihren Dank für Frankreichs Haltung gegenüber dem jüdischen Problem, wie sie erst jüngst durch Errichtung eines neuen Lehrstuhls für Professor Einstein am College de France zum Ausdruck gekommen sei, zu überbringen. Ruhiger Verlauf der Maifeier in Palästina. Die Maifeier wurde in Palästina durch allgemeine Arbeitsruhe der jüdischen Arbeiterschaft begangen und ist vollkommen ruhig verlaufen. In Haifa haben sich Hunderte von Arabern der jüdischen Maifeier angeschlossen. Auf einer Massenversammlung traten auch zwei Araber als Redner auf. Für Proportionalwahlen zum Jerusalemer Stadtrat. Als Vertreter der Jewish Agency sprach Herr Emanuel Neuman zusammen mit dem Vertreter des Waad Leumi Ben Zwi beim Distriktskommissär von Jerusalem vor, um ihm die Forderungen der jüdischen Bevölkerung, betreffend die kommenden Wahlen zum Stadtrat von Jerusalem zu überbringen. Die jüdische Delegation verlangte Maßnahmen zur Sicherung einer ihrer zahlenmäßigen Stärke entsprechenden Vertretung der Judenheit von Jerusalem in der künftigen Stadtrepräsentanz. Ein Chaluz aus Bessarabien im Jordan ertrunken. Beim Baden im Jordan ist der 22jährige Chaluz Kaiman Ben Israel, der erst vor zwei Monaten aus Bessarabien nach Palästina eingewandert war, vor den Augen von fünf Kameraden, die ihr vergeblich zu retten versuchten, ertrunken. Der Verunglückte war Mitglied der Jugendorganisation „Gordonia". Verlegung der Aemter der Agency-Executive und des Waad Leumi. Die Exekutive der Jewish Agency und der Waad Leumi haben ihre Amtsräume in ein neues, auf Nationalfondsboden in der Nähe des Verwaltungsgebäudes des Keren Kajemeth errichtetes Gebäude in dem neuen Jerusalemer jüdischen Viertel Rechawia verlegt. Zeitschrift „Palästina" (Redaktion (i. E): Adolf Böhm, Wien. In Nr. 3/4 schreibt Dr. Walter Preuss, Tel- Awiw, über „Die Lehren der Einwanderung des Jahres 1932". M. Nemirovski, Tel-Awiw, schreibt über „Streiks und Aussperrungen in Palästina im Jahre 1931/32". Agr. Josef Weitz, Jerusalem, schreibt über „Die neuen Formen der Arbeiteransiedlung auf KKL.-Boden". Von Regierungsingenieur J. Dawson, Shepherd, werden Ausführungen über „Bewässerungsfragen" abgedruckt. Der -Autor stellt fest, daß die Frage von Irrigationsanlagen in Palästina lediglich eine solche nach ihrer wirtschaftlichen Rentabilität sei. Dr. Siegfried Hirsch, Rechowoth, schreibt über „Kleintierzucht" und deren Bedeutung für die palästinensische Wirtschaft. Chefgeologe G. S. Blake schreibt über „Die Mineralindustrie von Palästina und Transjordanien". Er rühmt die gute Entwicklung dieses Produktionszweiges. Ein Artikel über „Transjordanien" orientiert über dieses heute im Vordergrund des Interesses stehende Land. „Nachrichten und Daten", im Umfang von 30 Seiten, schließen das Heft. — Verwaltung: Rudolf Langer, Wien, XDC, Weimarerstraße 90. Bezugspreis: Oesterreich 14 S; Uebersee 3 Dollar. Ausfro-paläsfBneiisasdter Wirtfsdhaftsdleiisi Wien, IX., Berggasse 16 Von nun ab finden die Sprechstunden bis auf weiteres Montag und Donnerstag von 4 bis 6 Uhr abends Statt. Hebräisch-Kurs am Nachmittag Dem Wunsche vieler entsprechend, entschloß sich der Austro-Palästinensische Wirtschaftsdienst, einen Hebräisch-Kurs am Nachmittag zu eröffnen. Der Kurs wird von Herrn Dr. Nahum Samonsky geleitet. Kursbeginn Montag, den 15. Mai, 4 Uhr nachmittags im Revisionistenheim, II., Untere Augartenstraße 38. — Anmeldungen täglich von 7 bis 9 Uhr abends oder vor Kursbeginn. Hiemit gebe ich bekannt, daß ich im 2. Bezirk, Krumbaumgasse 8, 1. Stock, zwei hebräische Kurse für Jugendliche und Erwachsene, für Anfänger und Vorgeschrittene, gegen einen Kursbeitrag von S 5 monatlich eröffnet habe. — Rasche und gründliche Erlernung der Sprache in Wort und Schrift. Einschreibungen finden Montag und Donnerstag von 7 bis 9 Uhr abends im Unterrichtslokale statt. Auch telephonisch: R-48-7-83. D. Z. Weinstein. Dipl. Kaufmann, bis März 1933 Vertreter größter Industriekonzerne, der unter Zurücklassung von Frau und Kindern aus Deutschland fliehen mußte, bittet um Beschäftigung als Stundenbuchhalter, deutscher, französischer, englischer Korrespondent (stundenweise), alle modernen Systeme, oder als Vertreter in gutem Artikel. Zuschriften unter „Jüdische Pflicht" an die Exp. d. Bl. auch für Kinder jeden Alters ohne Begleitung (eventuell in Gruppen), auf Schloßgut in Niederösterreich, 670 Meter See» ijöhe. Eigener Fichtenwald, eigene Meierei und Wiesen, Obstgarten und Parkanlagen, drei große Teiche für Bad, Fischerei und Rudersport, Tennis-» platz. Große, helle Zimmer. Erstklassige Kost, Kinder stehen unter Aufsicht und Leitung bewährter Pädagogen. Auch Nachhilfe in sämtlichen Mittelschulfächern. Französische und englische Konversation. — Auskünfte unter „Sommerfrische": Wien, IL, Taborstraße 18/312, Hotel National, Tel. R-43-Ö04. Worte eines deutschen Kulturmenschen Durch die europäische Presse geht ein Aufsatz« den der bekannte Gelehrte und Leiter des Psychologischen Instituts der Berliner Universität, Professor Wolf gang Köhler, in der „Deutschen Allgemeinen Zeitung", dem deutschnationalen Organ, veröffentlicht. Prof. Köhler erwähnt die Besorgnisse mancher; national gesinnten Deutschen, ob die siegende Partei auch im einzelnen, auf jedem Sachgebiet, die besseren Männer zu stellen vermag. Diese Sorge betrifft auch dl« Rassenpolitik. Diesbezüglich erklärt der deutsche Gelehrte: „Meine Freunde wollen der These nichtzust im« men, daß je der Jude als Jude eine niederere, minderwertige Art von Menschentum dar« stellt. Sie verweisen auf die Psalmen und sagen! „Kaum hat je ein Deutscher Menschenherzen tiefer er« schüttert und getröstet, die in Not sind; und dies Ist von den Juden zu uns gekommen." Ein anderer erinnert mich, daß niemals ein Mensch reiner um Klä« rung seiner Welt gerungen habe, als der Jude: Spinoza. Er scheue sich nicht, zu verehren, wo es Goethe getan habe. Ueberdies hätte Leasings saubere Feder gewiß den „Nathan" nicht geschrieben, wenn menschlicher Adel unter Juden nicht vorkäme. Von den Deutschen, die jetzt abseits stehen, sind viele Lehrer an deutschen Hochschulen, und manche sind Naturforscher. Es scheint, daß keiner an das kurze Leben und das große, Schaffen von Heinrich Hertz denken kann, ohne daß eine fast zärtliche Bewunderung in seine Augen kommt. In Hertz aber war jüdisches Blut. Einer hat mir gesagt: Der größte deutsche Experimentalphysiker der Gegenwart heiße Franck; Manche glauben, er sei der größte Experimentator dieser Wissenschaft, den die' Welt besitzt. Dieser Franck ist Jude, ein gütiger Jude, ein gütiger Mensch, wenn je einer in Deutschland war. Bis vor wenigen Tagen war er Professor in Göttingen, ein Ruhm Deutschlands, um den uns draußen die wissenschaftliche Welt beneidete. Ein deutsches Gesetz hat nicht dem Wortlaut nach, wohl aber durch seinen inneren Sinn diesen guten und großen Menschen so schwer getroffen, daß er aus unseren Reiben scheidet. Haben Sie gelesen, mit welchen Worten er seine Stelle aufgibt? Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, daß Juden vornehme Menschen sein können, dieser Mann hat ihn erbracht. Vielleicht ist hier der ernsteste Grund zu sehen, weshalb alle diese Leute beiseite stehen: sie fühlen den Grund und Baden ihrer moralischen Welt tangiert. Sie glauben, daß nur die wirkliche Beschaffenheit eines Menschen über ihn zu entscheiden erlaubt und daß geistige Bedeutung, Vornehmheit der Gesinnung und evidentes Verdienst um die deutsche Kultur bleiben, was sie sonst sind, wenn sie an einem Juden gefunden werden. Meine Freunde denken, daß es unentbehrliche Träger im Hause der deutschen Kultur gibt, welche von Juden stammen, und jeder Stoß, der eben durch dieses Haus geht, macht sie für das Haus und seine Zukunft zittern." Unleugbar ein ehrenvolles Zeugnis aus dem Munde eines Mannes, der Anspruch darauf erheben kann, für die deutsche Kultur zu sprechen. Aber es wäre verfehlt, daraus allgemeine Schlüsse zu ziehen. Die Mentalität der deutschen Machthaber hat sich nicht geändert. Darum keinen Optimismus! Prof. Köhlers offenes Wort — eine Schwalbe, die keinen Sommer macht. BadfLuhacovice Bad-Luhacovice besitzt zahlreiche Einrichtungen* welche als wichtige Hilfskuren in Betracht kommen. So eine moderne Wasserheilanstalt, die unter ärzt« licher Leitung steht, in der auch elektrische Bäder und Massagekuren verabfolgt werden, eine Anstalt für Moorbäder und Moorpackungen und schließlich auch noch Schwefel- und Melassebäder. , Diese gleichfalls neurenovierten Anstalten bringen; Erleichterung und schließlich Heilung den an Rheuma und Ischias leidenden Kranken. Das mit Mineralwasesr verdünnte Moor wird hier zu Voll- und Teilbädern sowie Umschlägen benützt. In unmittelbarer Nähe dieser letztgenannten Anstalten befindet sich ein Schwimmbad, verbunden mit Sonnen- und Sandbad. Weiters besteht ein F r e i 1 u f tb a d; dieses wird von einem Turnprofessor geleitet und bildet eine des Hauptattraktionen (Atemübungen nach speziellen Systemen, Turnübungen in freier Natur). Für Unterhaltungen aller Art ist reichlich; gesorgt. Kinderspielplätze, fünf neue Tennisplätze, verbunden mit einem Klubhaus, stehen den Kurgästen zur Verfügung. Das erstklassige Orchester der Kurkapelle ver« schafft durch seine Darbietungen den Kurgästen einen: nicht geringen Genuß. Im Kurtheater treten dann jährlich als Gäste her* vorragende Künstler der Musik, des Balletts etc. auf. In' den Sälen des Kurrestaurants finden oft Reunionen, Ger» sellschaftsabende, Modeschaueo, Wettanzen usw. iWtt» i