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Die neue Welt · 1933-05-12 · Heft 296 (12.5.1933) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 296 (12.5.1933)
Date
1933-05-12
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE NEUE WEIA Nr. 296 nvD «i»d | Wiedereröffnung! Restaurant-Hotel II, Taborstraße 12 UntarMItwIrkung das baftbakannt «n Reftaürateur-Fachmanncs W. SPRITZER Vollständig, den-modcrnsten Verhältnissen entsprechend, neu umgebaut. Volkstümliche Preise Mittags- und Abendmenüs, bestehend aus: 4 Gängen S 1.60, 5 Gängen S 2.—, 5 Gängen mit Geflügel S 2,50 jebenfalls ihnen und sonst niemand j dem — weder rechts noch links — anzuver» trauen haben. i . ^- . Die nationalsozialistischen Ueberfälle auf Jüdische Hochschüler am Dienstag, den 9. Mai, im Anatomischen Institut geben der „Re* gierung der österreichischen Front" Gelegen* Reit, ihren Kurs praktisch zu betätigen. Die Maßnahmen, die die Regierung hier zu treffen, Und die Energie, die sie hier aufzuwenden hat, sind das Barometer für die Stärke i H r. e r E n t s c h 1 u ß.f äh i g-J^.e i't.{1; Wenn es def itegierung Ernst damit ist,'1 mit''dem, was man in der konservativen Terminologie „Schutt der Revolution" nennt, aufzuräumen, dann müßte sie o h n e Z ö g e r n einen Modus schaffen, der das reibungslose, ungefährdete Studium der jüdischen Hochs schüler, den Schutz ihrer Ehre und ihres Lebens gewährleistet. Ob die Regierung zum Mittel der Auf* hebung der Hochschulautonomie oder zu einem die gleiche Wirkung verbürgenden greift, ist un> wesentlich. Entscheidend ist die, r jenie d u r, ,( Schon mehren sich im Ausland die Stimmen, die d^'r österre'chischen Republik das Schicksal des L rutschen Reiches voraussagen. Der J u d e .n p u n k t ist. nicht das letzte Symptom, das sie ins Treffen führen. Aber die Judehheit Oesterreichs hat nicht das geringste Interesse daran, daß ihre Behandlung zum Au s* g a n g s p ü n k t. p o 1 i t i s c h e r P r o g n 0 s e n werde. _ 0. r. Blutige Hakenkreuzexze§§e Schwerverletzte Studenten im Anatomischen Institut. - Wien, 11: Mai. In den Mittagsstunden des Dienstag, den 9. Mai, kam es im Anatomischen Institut (Währingerstraße) ' zu tumultiösen Exzessen nationalsozialistischer Studenten gegen jüdische Hörer und Hörerinnen. Nach alter Manier überfielen Hakeiikreuzler einzelne in den Hörsälen und auf den Stiegen befindliche Studenten und Studentinnen, von denen zahlreiche schwer verletzt wurden, z. T. aus den Parterrefenstern über Leitern zu Boden klettern mußten. Mehrere Studenten, ausländische (amerikanische, polnische und. ungarische) Staatsbürger,• haben die Interventionihrer-Konsulate in Anspruch genommen. Es verlautet, daß die Regierung entschlossen ist, zur Vermeidung weiterer Exzesse die Autpnomle der österreichischen Hochschulen aufzuheben. Tränengasbomben in der Technik Mittwoch, den 10. Mal, warfen im Verlauf starker Studentenansammlungen und Demonstrationen nationalsozialistische Studenten Tränengasbomben in die Aula der Technik. Außerdem wurden jüdische und Heimwehr- Studenten verprügelt. Die Behörden haben eine genaue Recherche unternommen und die strengste Bestrafung der Exzedenten in Aussicht gestellt; '* Der Bund jüdischer Frontsoldaten sandte an den Bundesminister für Unterricht -ein Schreiben, worin es u. a. heißt: . r s ' Der „Bund jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs" hat mit seiner Eingabe vom 3. d. M. auf die Gefahr neuer Ausschreitungen an den Hochschulen zu Beginn' der Vorlesungen hingewiesen und gebeten, mit Rücksicht auf die ehrlose, gewalttätige Einstellung gewisser derzeit an den Hochschulen das große Wort führender Kreise Vorsorge zu treffen. Zu unserer und aller anständigen Menschen heilster Empörung war heute wieder der akademische Boden der Schauplatz widerlicher und blutiger Rauf- und Radauszenen. Wir Frontsoldaten haben für unser Vaterland schwere :Blutopfer erlitten und haben nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, darüber zu wachen, daß diese Opfer niclu) umsonst gebracht wurden. Unsere Jugend ist unter den Äugen des Rektors, der für dies?..-Vorfälle die gesamte Verantwortung trägt, schutzlos '• gemeinsten und feigsteh Angriffen ausgesetzt. ' . ^' . i i; . Mir lehnen die! Vorrechte., 4A9.. .'ft k S.d. e.ml- chen" Bodens ab; wenn Studenten wie infame Rowdies und Wegelagerer auf diesem hausen und mit vielfacher Uebermacht, feig; und hinterlistig, jüdische Studenten überfallen. Wir fordern die Auf hebung der Vorrechte, den akademischen «Boden 'betreffend, -mit sofortiger-Wirksamkeit und ersuchen, an sämtlichen Wiener' Hochschulen ständige Sicherheitswächstuben einzurichten, wie sie bereits in vielen öffentlichen Gebäuden bestehen. Wir sind der festen Ueberzeugung, daß das hohe Unterrichtsministerium sich den hier angeführten Argumenten nicht verschließen wird und bitten um sofortige und vollständige Abstellung dieser Mißstände. gz. Der Bundesführer: Generalmajor Sommer m. p. Englisdi-judi'idie Hills» aklion für deutsche Juden Aus London wird berichtet: Hier wurde in den letzten Tagen ein Zentralkomitee gebildet, dem die Wahrnehmung und Durchführung aller im Interesse der wirtschaftlichen und sozialen Wohlfahrt der deutschen Juden gelegenen Maßnahmen obliegen soll. Dem Komitee gehören an: Der Oberrabbiner Großbritanniens Dr. J. H. Hertz, Lionel Cohen, Sir Robert Waley-Cohen, der frühere Präsident des Board of Deputies O. E. Dawid D'Avigtor Goldsmid, Neville Laski, Simon Marx, der liberale Abgeordnete Major H. L. Nathan, Anthony und Lionel Rothschild, Otto Schiff und der frühere Präsident der Jewish Agency und jetzige. Präsident der engiisch-zionistischen Föderation Pr,öf. Dr. Chaim Weizmann: Iß einem in der Londoner „Times"- veröffentlichten \0riefwechsel wurde den beiden' Brüdern Rothschild das Präsidium des Komitees angeboten, das die beiden auch annahmen. «.raoi Vom 28. Mal bis P. Juni ■ ' (ohne Paß- und Visagebühr, n) : veranstaltet von der Landsmannschaft „BuchenLand" und dem „Czernowitzer MorBenblatt" ab S 40. ■ aufwärts. An- BChluBrelse nacH Biejitz und Mähr.-Ostrau. Näheres Prospekt. Anmeldungen und Auskünfte.durch „Buchenland", Kanzlei R. A. Dp. Poras 1, Singerstiaße 27, Telephon R-25-702 „Universal", I, Kärntnerring 12, Telephon aus der iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiinn JUDISCHEN WELT Für die deutschen Juden Das Von dem vor kurzem angehaltenen Kongreß der jüdischen Gemeinden und' Organisationen in Polen 'il.^''. *."' '1'• w V* * '?*" ' 'kiSa * ' *■} tJ '« \i '\ *t V i* * ' * eingesetztef, Z en\&a 1 hilf^komi t eV; hat eine Reihe von Hilfsaktionen zugunsten notleidender deutscher Juden beschlossen. Die Mittel zur Durchführung dieser Aktionen sollen durch eine volkstümliche Sammelkampagne, die alle von Juden besiedelten Ortschaften und alle Schichten der jüdischen Bevölkerung erfassen soll, aufgebrächt werden.- 'Nach' dem Muster-^er/m zahlreichen», Provinzstädten bereits bestehenden „Vereinigten' Komitees", in denen Vertreter aller-jüdischen Organisationen und Richtungen sitzen, wird nunmehr'auch in der Hauptstadt Warschau ein Lokalkomitee zur Leitung der Hilfsarbeit geschaffen. , , ' ' Aus den erstatteten Berichten ging hervor, daß an vielen Orten .die -Hüteleistüng ,.an .die in; Polpn bereits eingetroffenen jüdischen Auswanderer aus Deutschland in Form! von Aussp, eisungen, Quartierzuweisungen usw. jgufr organisiert ist. Besondere Bedeutung wird dem Beschluß des .Zentralhilfskomitees beigelegt, überall im Lande juristische Beratungsstellen für die jüdischen Flüchtlinge aus Deutschland einzurichten. Die Errichtung der Rechtsschutzstelle in Warschau wurde dem Verband jüdischer Advokaten übertragen. Eine besondere politische Aktion wird bei den maßgebenden Stellen zugunsten der staatenlosen Flüchtlinge eingeleitet. Einen breiten Raum in den Verhandlungen des Komitees, nahm die Beratung..über die Frage der im. Hinblick auf die Lage der deutschen Juden einberufenen jüdischen We 1tkorife'reriz, die in einiger Zeit in Genf stattfinden soll, ein. Schließlich wurde beschlossen, am 10. Mai eine Massenversammlung jüdischer Intellektueller nach Warschau einzuberufen, auf der die Leistungen der Juden auf dem Gebiet der geistigen Kultur gewürdigt werden sollen. In dem an die jüdische Bevölkerung Polens gerichteten Aufruf des Zentralhilfskomitees wird betont, daß das polnische Judentum eine besondere Ehrenschuld gegenüber den deutschen Juden abzutragen habe. Es wird daran erinnert, daß die Juden Deutschlands stets hilfsbereit auf jeden Notschrei des Ostjudentums' geantwortet haben. Noch niemals im Verlauf der letzten 150 Jahre habe das deutsche Judentum die Hand nach Hilfe ausgestreckt, sondern im Gegenteil stets selbst den jüdischen Gemeinschaften anderer Länder geholfen 30.000 jüdische Auswanderer aus Deutschland In Paris fand eine durch die Leitung des Verbandes jüdischer Organisationen für Auswandererhilfe, HIAS- JCA-EMIGDIRECT (HJCEM), einberufene Konferenz statt, an der Delegierte der durch HJCEM in verschiedenen Ländern eingesetzten Hilfskomitee» für jüdische Auswanderer aus Deutschland teilnahmen- Aus den von den Delegierten der einzelnen Länder erstatteten Berichten ging hervor, daß derzeit etwa 30.000 Juden, die in den letzten Wochen aus Deutschland ausgewandert sind, in den 'betreffenden europäischen Ländern sich aufhalten. Alle Delegierten berichteten mit „tiefster.Anerkennung und Dankbarkeit von der freundschaftlichen Hilfsbereitschaft, die von den Regierungen ihrer Länder den jüdischen Auswanderern gegenüber an , den Tag gelegt wurder " 'vi; - Die HJCEM-Leitung informierte die Teilnehmer der Konferenz über die von ihr unternommenen Schritte, eine Weiterleitung der Auswanderer an solche Länder, die für neue Einwanderer noch Platz haben, durchzuführen, und erwähnte in diesem Zusammenhang insbesondere die mit Kanada und verschiedenen südamerikanischen Staaten geführten Verhandlungen. Die Regierung von Chile hat bereits 50 Familien die Einwanderungserlaubnis erteilt. Die Frage der Erleichterung der Einwanderung beschäftigt gegenwärtig die Immigrationskommission des amerikanischen Kongresses. In Spanien wurde im Hinblick auf die Erfordernisse der neuen jüdischen Wanderung das HJCEM-Büro in Barcelona reorganisiert und ein erweitertes Aufnahmekomitee ins Leben gerufen. Besondere Aufmerksamkeit wendet HJCEM neben der Auswanderung in überseeische Länder der Äusfindigmachung: von Erwerbsmöglichkeiten für jüdische Auswanderer in europäischen Ländern zu. Es lieatehen gute Aussichten, in einer Reihe von Kolonien europäischer Staaten jüdische Arbeitskräfte, auch Intellektuelle, unterzubringen. Forderang nach freier Einwanderung jüdische Intellektueller aus Deutschland nach Palästina Das Zentralexekutivkomitee der jüdisch-akademischen Vereine in Polen hat an den High Commissioner von Palästina Sir Arthur Wauchope ein Schreiben gerichtet, in dem die Forderung nach Oeffnung der Tore Palästinas für die aus ihren Berufen verdrängten jüdischen Intellektuellen aus Deutschland erhoben wird. Der Verband der jüdischen Akademiker beabsichtigt, dieselbe Forderung demnächst der englischen Regierung und dem Völkerbund zu unterbreite Keine Teilnahme von Ukrainern an den judenfeindlichen Unruhen in Gzernowitz London, 5. Mai. (J.T.A.) In einer an die jüdische1 Zeitung „Jewish Chronicle" gerichteten Zuschrift tritt das Ukranische Büro den Nachrichten entgegen, denen zufolge Angehörige der ukrainischen Minderheit in der Bukowina gemeinsam mit rumänischen Anti* semiten an den vor einiger Zeit stattgefundenen judenfeindlichen Ausschreitungen in Czernowitz teilgenommen hätten. Diese Nachrichten, heißt es in der Zuschrift des Ukrainischen Büros, seien vermutlich durch Persönlichkeiten verbreitet worden, die daran interessiert seien, Unfrieden zwischen den verschiedenen Minderheitenzu stiften. Juden und Ukrainer hätten in der Bukowina in ihrem Kampf um Währung ihrer Rechte als Minderheiten viele gemeinsame Interessen. Numerus-clausus-Forderung in Oesterreic. Der Verband der steirischen Aerzte hat die Forderung nach Einführung des Numerus clausus für das ärztliche Studium von Juden aufgestellt. Syotnpathieerldärung der holländischen Quäcker für; die deutschen Juden, Die: holländische Quäckervereinigung hat. dem geschäftsführenden Auss.Ghuß;des aschkenasischen Gemeindebundes Hollands eine . Erklärung übergeben, in der sie ihr Mitgefühl mit den deutschen Juden zum Ausdruck bringt und alles in ihrer Macht Stehende zu tun verspricht, um eine Ausbreitung des Antisemitismus in Holland zu verhindern. ' . '; Ein „jüdischer Tag" auf der Chicagoer Weltausstellung. Im Rahmen der Chicagoer Weltausstellung wird am 3. Juli ein „jüdischer Tag" veranstaltet werden, an dem zahlreiche jüdische Organisationen ihre JahresT Versammlung in Chicago abhalten werden. Man erwartet die Teilnahme einer. Reihe hervorragender jüdischer Persönlichkeiten aus allen Ländern an den Veranstaltungen des „jüdischen Tages". Auf dem Soldier Field zu Chicago wird an diesem Tage vor 100.Q00 jüdischen Besuchern die Freilichtaufführung eines. Ausstattungsstückes „Romanze eines Volkes" stattfinden. Asylrecht in Polen. Eine- Abordnung des polnischen Zentralhilfskomitess für Juden aus Deutschland hat unter Führung-des Abgeordneten Wiszlicki im-Innenministerium vorgesprochen und mit den führenden Beamten der zuständigen Abteilungen längere Besprechungen betreffend die Lage der Flüchtlinge aus Deutschland abgehalten. In diesen Besprechungen wurde vereinbart, daß das Innenministerium demnächst ein Rundschreiben an die-Verwaltungsbehörden im ganzen'Land ergehen lassen wird, in dem diese aufgefordert werden, deutschen Bürgern, die aus, politischen Gründen aus Deutschland nach Polen kommen, keine Schwierigkeiten beim Grenzübertritt und bei Erteilung der Aufenthaltsbewilligung zu machen. Ebenso soll in der Frage der Zuerkennung der polnischen Staatsangehörigkeit an solche Personen verfahren werden, die die ' Voraussetzungen für das polnische Staatsbürgerrecht besitzen1, aber infolge ihres bisherigen' dauernden Aufenthaltes in Deutschland als staatenlos geführt werden. Zollfreiheit für die Objekte der Londoner Palästina- Ausstellung. Der Abgeordnete. Sir Nichoias Grättan-Doyle fragte im Unterhaus den Minister für die Kolonien, Sir Philip Cunliffe-Lister, in welcher WeSse das A nsuohen des High Commissioners für Palästina, Sir Arthur Wauchope, die für die bevorstehende an gl o-palästinensische Ausstellung in London bestimmten Objekte aus Palästina zollfrei einführen zu lassen, beantwortet worden sei. Der Kolonienminister gab auf diese Anfrage bekannt, daß dem High Commissioner mitgeteilt wurde, seinem Ersuchen sei unter gewissen Bedingungen stattgegeben worden. Der Oberkommissär von Cypern lehnt das Einwanderungsverbot für Juden ab. Wie aus Cypern berichtet Wird, hat der durch seine antisemitische Einstellung bekannte griechisch-orthodoxe ErzbischofvonCypern dem englischen Oberkommissär eine Denkschrift Übersandt, in der er unter Hinweis auf die Ereignisse in Deutschland ein Verbot der Niederlassung von Juden auf der Insel sowie die Veräußerung von Grund und Boden ah Ausländer fordert. In seinem Antwortschreiben hat der Oberkommissär die judenfeindliche Forderung des Erzbischofs abgelehnt und gleichzeitig mitgeteilt, daß in letzter Zeit in Cypern von Juden bloß 176 Dunam Boden erworben wurden. .Die. Purchführung einer großzügigen jüdischen Kolonisation in Cypern wurde vor. ungefähr 30 Jahren vpu Davis Trietsch angeregt, kam jedoch hl z.\t zur Ausführung, da Herzl ein entschiedener Gegner di< :Jeg Planes war.

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