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Die neue Welt · 1933-05-12 · Heft 296 (12.5.1933) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 296 (12.5.1933)
Date
1933-05-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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185 Titl. Universitätsbibliothek Preis 35 Groschen Jahrgang 7 freilag/ den!*♦ Wien, I. V* b* b* rerleger versendet „jonrnai expeJuS par V&Mteinr« REVUE BEZUOSBEDINOUNOEN: Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Lei 40.-, vierteljährig Lei 120.-; Deutschland i Lewa 120.-»; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig jährig Schweizer Francs 4.50 S 4.20, ganzjährig S IG.— {Polen monatlich Zloty 2.—, vierteljährig Zloty 6.— rlen monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—: Rumänien monatlich " " " Bulgarien monatlich Lewa 40.—, vierteljährig — - - - Francs 1.50, viertel- ' Kc 15.—: Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, v monatlich Mark 1.-, vierteljährig Mark 3.-: rig Lire 14.—; Sehwelz und die übr igen Län der monatlich Schweizer HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung: Wien IX, Universitätsstr. 6-8, 7eL B-48-504 — Erscheint jeden Freitag, Spannungsvolle Wochen für die Juden Oesterreichs Wien, Mitte Mai. In den letzten Wochen hat sich die Span* nung rings um die österreichische Judenschaft in unheimlich raschem, drängendem Tempo ver* dichtet. Ursache: hievon war nicht allein der \om nachbarlichen Hakenkreuz?Deutschland auf die österreichische Republik ausgeübte Druck; auch das österreichische Gesicht an sich zeigt ein verändertes Profil. Die Regierung hat näm* lieh unter dem Zwang der Tatsachen sich ent* schlössen, durch entscheidende Schritte, auf dem Wege von Notverordnungen, Maßnahmen zu treffen, die auf „demokratischem" Wege nicht zu erzielen gewesen wären. Der Beruhigung des öffentlichen Lebens und der klaglosen Weiter* führung der. Wirtschaft sollten Versammlungs* und Auf marschverbot, Begrenzung einer miß* brauchten Pressefreiheit, Entwaffnung gewisser Parteienverbände, dienen. Daß diese Maß* nahmen der Ausdruck einer sich kräftig fühlen* den St a at s au t o r itä t waren und eine äußerliche Entspannung" brachten, wird kein objektiver Betrachter bezWeifeln/ : ' Aber 'gleichzeitig mii,/diefe Erscheinung kpnute.,-man.. <Jie. Versuche beobachten* diese StälÄtöi?ii;ät zu :ünt6r^raben,: ibre Verord* nürigeri;'zu'. sabotieren,1 sich' in offenkundigen Gegensatz zu stellen 'gegen die Bestrebungen, die Hie österreichische Regierung unter Führung desvchristlichsozialen Bundeskanzlers Dr. D o 11* f u ß. zur Befriedung der Republik forcierte, Ver* suche, deren Urheber die: Österreichi* sehe h Nationalsozialisten waren, purch' die . Erfolge in Deutschland geblendet, ivon tollwütiger Machtgier berauscht, über die .wirklichen Machtverhältnisse im unklaren, gjäubten sie, den durch die Gesetze, die Ver* nunft, die Kultur aufgerichteten Wall über* rennen und die Hakenkrieuzfahne auf Oester* reichs Trümmern errichten zu können. Und in diesem Wahn bestärkte, sie der Umstand, daß die Regierung die linken Parteien scharf an* gefaßt, ihnen selbst aber eine allzu lange wäh* rende Schonzeit gewährt hatte. j. In diesem Strom des Geschehens schwamm die österreichische Judenheit wie eine trostlose Insel, den Wellen von allen Seiten preisgegeben. Es waren nur geringe Ansätze einer geschlos* senen Organisation vorhanden, bis die national* bewußten Mähner, die Führer der Österreichs sehen Juden,' eine Aktivität entfalteten, die "auf die Schlagkraft der bereits ein Jahr bestehenden „J ü d i s c h e n V o 1 k s p a r t e i" hinzielte. Die Juden horchten auf. Sie sahen die Chance, sich aus dem Machtstreit der Parteien loszulösen und ein politisches Eigendasein im Rahmen der österreichischen Lebensnotwendigkeiten zu führen. ' Da wurde plötzlich die Situation ein weni£-erhellt. Die Regierung gab Samstag, den 6.. Mai;-anläßlich des c h r is 11 i c h s o z i a 1 e n P a r tjedvt a g e s in Salzburg eine Art Rechen* Schaftsbericht über ihre Maßnahmen und Rieht* linieh -ihrer weiteren Politik in derart präziser Form, Maß ihr Kurs nun endlich klare Defini* tiohen fand." Der Regierungschef deklarierte, daß seine Regierung und.seine Partei nur eine F r o nt kenne und daV sei die Österreichs sehe F/r.'b n t; er deklarierte ferner, daß das Volksinteresse dem Parteiinteresse vor* angehe .und daß die wirtschaftspolitischen Aktionen im Vertrauen auf den Völker* bund vorgenommen würden. Solch ein Programm war geeignet, die österreichischen Juden in bezug (auf die Inte* grität ihrer staatsbürgerlichen Rechte zu beruhigen. Dies um so mehr, als zum erstenmal von öffentlicher Tribüne aus die Regierungspartei erklärte, daß sie mit allen Machtmitteln den nationalsozialistischen, die Selbständigkeit Oesterreichs untergrabenden Terrormethoden entgegenzutreten gewillt sei. Im Sinne dieser Erklärung ist auch die in Vorbereitung befindliche V e r f a s s u n g s* reform zu verstehen. Die österreichische Judenheit braucht im Zusammenhang mit den geplanten Reformen der Verfassung nicht wiederum darauf hinzu* weisen, daß sie hier nur das eine Ziel kennt: Mitarbeit an allem, was der Rühe, dem (Wohl* ergehen, dem guten Ruf und der unabhängigen Existenz des österreichischen Staates zu dienen geeignet ist. Darum wird sie, die österreichische Judenheit, alle dieses Ziel gewährleistenden Maßnahmen begrüßen. : «,eBw*1" „GUK bie bereits toett über 50 äDliUtonett Sdjtttittß an $IaffenIotterie*®etoirmen au3{je3atjlt Jfjfet. äieljmta föott ttädtfen SiettStag, 16. Mal gür sßoftbeftcHuttfl genüfit «ßofttatte. (Sin Stotel . ßoä S 6.-, einSStcrtctS12.-,ein©anjegS48;-. JMffafäalter ünunterörodöen öon 8 Ufjr früf) bis 6 Ut)r aBenbä geöffnet. £et. U-21-5-45 ©erie. üdfteUe ©tetn", Sötett, I., SBipptittger jUafc e 21, an ber „&of)eit 8 x ü d e", giltale: X., Saborttenftra&e 101. ^Ä«.^' Der Bundeskanzler hat, wie gesagt, auf der Salzburger Tagung erklärt, daß es für ihn ' nur eine Front gebe, und zwar . die öster* reichische; daß er den Staat der Partei voran* stelle; daß er die umstürzlerischen Pläne des militanten Hakenkreuzes mit allen gesetzlichen Mitteln bekämpfen werde; daß er Vertrauen habe zum Völkerbund. Die Juden Oesterreichs wissen diese Haltung zu würdigen. Unbeschadet ihrer inner jüdischen Divergenzen bekennen sie sich einmütig zu dem \yunsch, daß sowohl klassen* wie rassenkämpferische Aspirationen im staatsbürgerlichen Leben ausgeschaltet werden. Sie wünschen wirtschaftliche und politische Beruhigung und werden dieser Aufgabe alle ihre Alle im redaktionellen ,Teil befindlichen entgeltlichen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet BEHANDLUNG VON RHEUMATISMUS GICHT, ISCHIAS UND FOLGEN VON SPORT¬ VERLETZUNGEN AUF MODERNSTE All (SCHNELLKÜREN, JONTOPHORESE, ORIGINAL PISTYANER SCHLAMMPACKUNGEN ETC.) IN DER KURANSTALT DIANABAD FÜR; ALLE PHYSIKALISCHEN HEILMETHODEN GRÖSSTER KOMFOR1 ZEITGEMÄSSE PREISE Kräfte zur Verfügung stellen. Denn es geht ihnen nicht etwa um eine Demokratie, die sich in parlamentarisch * technischen Methoden äußert, sondern um eine Lebensform, in. der sjch alle ihre staatsbürgerlichen Pflichten, uhd-'I&ch^^^;"r'r'!'; Trotz alledem gibt sich die jüdische Be? yölkerung der österreichischen Republik nicht der trügerischen Hoffnung hin, daß ob der vorausblickenden Maßnahmen einer energischen Regierung alles in Ordnung sei. Zerstörerische Triebe, die da und dort unter der Oberfläche glimmen, lassen sich nicht durch formale Ge* setze und Verordnungen im Zaume halten. Hier ist eine geistige, intellektuelle, kulturelle Er* ziehung notwendig, die nicht von heute auf morgen bewerkstelligt werden kann. Der Re* spekt vor dem seelischen Leben des Neben* menschen und Mitbürgers, die Wahrung von Traditionen, die sich bewährt haben, die Siehe* rung eingeborener Menschenrechte, das sind Dinge, die über Gesetzesparagraphen hinaus* gehen. Das sind Verpflichtungen, die in den sittlichen Grundsätzen des Völker* lebens verankert sind'. Die Juden Oesterreichs können in dieser Hinsicht das Vertrauen teilen, das die öster* reichische Regierung zum Völkerbund hat. Als nationale" und religiöse Minder* h e i t wurde ihnen im Vertrag von St. Germain die Unantastbarkeit ihrer Rechte garantiert. staatsbürgerlichen Ihre bürgerlichen und politischen Rechte genießen also dieselbe Behandlung und die* selben Garantien — rechtlich und fak* tisch —, wie die der anderen österreichischen Staatsangehörigen. Wenn wir bei dieser Gelegenheit von der Garantie der jüdischen Rechte Oesterreichs durch den Völkerbund sprechen, so geschieht das nicht etwa aus dem Grunde, um die Me* thoden der österreichischen Regierung zum Schutz des bedrohten inneren Friedens als un* zureichend hinzustellen.. Nein. Wir wollen bei dieser Gelegenheit den J u d c n in Erinnerung rufen, daß sie den völkerrechtlichen Schutz — im Gegensatz zur Ohnmacht der deutschen Juden — den Führern der jüdisch*nationalen Bewegung verdanken und daher verpflichtet wären, die Wahrung dieses Schutzes M M. HM IST MUTTERTAG! RIESENAUSWAHL IN SCHÖNEN, PRAKTI¬ SCHEN UNO PREIS¬ WERTEN GESCHENKEN BEI uiufnih IL BEL. IHU

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