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Die neue Welt · 1933-05-05 · Heft 295 (5.5.1933) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 295 (5.5.1933)
Date
1933-05-05
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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' Seite t ÖIE NEUE WELT Nr. 295 Räumungsverkauf tffiSEij äSfö» tloneli billigen Preisen. Riesenauswahl im MÖBELHAUS WÜHL "••fflSSW 13.000 nur 5500 Arbeitereinwanderungszertifikate aar Verteilung gelangen sollen, einen scharfen Kampf zu eröffnen. Die Exekutive der Hlstadruth weist darauf hin, daß die Forderung nach Ausgabe von 18.000 Zertifikaten auf Grund einer von der Hlstadruth auf allen Arbeitsplätzen des Landes durchgeführten höchst genauen Kontrolle erhoben wurde. Die Hlstadruth könne auf Grund ihrer Untersuchungen nachweisen, daß sofortige Arbeltsmöglichkeiten für 13.000 neue Einwanderer vorhanden seien. In den nächsten Tagen wird die .Hlstadruth Haowdjm in allen voit JüdVfr bestedelten Städten und D^rterH " des Landes große Versammlungen der palästinensischen Arbeiterschaft abhalten, in denen gegen die ungerechtfertigte willkürliche Beschränkung der jüdischen Alijahnach Palästina Einspruch erhoben werden soll. Union der ZionUien-RevhionUten Mittwoch, dan 10. Mal 1938, 7,9 Uhr abends, im H«rit*Saal d«s Verbandsheims, II., Untere Augartenstraße 38 Gegenstand: , Von meiner Palästinareise — Wirtschaftliches und Polltisches Referent:! ' Dr. D. Bukspan Regiebeitrag 20 Groschen RUNDSCHAU Zu früh frohlockt — umsonst | gebremst Die Nachricht, daß in Deutschland die jüdischen Frontkämpfer verschont und nicht aus ihren Berufen i hinausgejagt werden, hat in verschiedenen Zeitungen „freudiges" Echo .gefunden. Man begann schon auszurechnen, * Wieviel Existenzen hiedurch gerettet sind,. und nahm, die . Sache zum Anlaß, um den Sturm gegen Deutschland ab-! eublasen. Es sind übrigens dieselben Zeitungen, welche die; Einstellung der Proteste und Bpykotterklärungen, im : Interesse der deutschen Juden forderten und ■ die Dinge so darstellten, als wäre die Judenverfolgung In Deutschland zum Teil als Antwort auf,die feindselige Haltung des Auslandsjudentums gegenüber f, Hitler-Deutschland aufzufassen, und daß die Einstellung dieser Feindseligkeiten eine Besserung der Lage der . deutschen Juden zur-Folge haben werde. Nun stellt es sich . heraus— wie übrigens zu erwarten war —, daß die großmütige Pose gegenüber den jüischen Frontkämpfern eben! nur eine Pose war und daß auf die Stimmen des Auslandslj Judentums gar kein Wert gelegt wird. Die jüdischen j Frontkämpfer werden nicht nur verjagt, wie alle anderen lj Jaulen? sondern überdies v e ivh ö h: n t .^ u n d b ej s o h i m p:f ,t. Und; in;der Judenverfogung wird; fort-! gefahren, ob-nun das Ausland lobt oder tobt. | . - . Aus Berlin wird berichtet: Der Vorsitzende der \ vom - Staatskommissar für die Berliner Anwaltskammer •. grammpunkte bedeuten. Justizminister Dr. Frank erklärte u. a.: „Wir haben nicht vierzehn Jahre gekämpft, um uns in unseren Programmpunkten schließlich, das eine oder andere abwinden zu lassen." Die jüdische Schule muß kommen Vor wenigen Wochen gab es in der Wiener Judengemeinde eine grundsätzliche Schuldeuatte. Die Vertreter der liberalen und sozialistischen Judenassimilation zogen gegen die Zionisten lös, weil diese die Ausgestaltung des jüdischen Schulwesens forderten. Noch heftigere Kämpfe um die jüdische-Schule spielten sich aber vor einigen Monaten in der Berliner- Judengemeinde ab. Dort gingen die liberalen Sieger daran, das von der früheren zionistischen Majorität <; ausgestaltete jüdische Schul werk zu vernichten. Alles unter der Parole: „Die jüdische Schule "ist reaktionär, bedeutet Ghetto." ij eingesetzten Kommission zur Auswahl jener jüdi- ' pohen Anwälte, denen das weitere Auftreten vor Ge- rieht gestattet werden soll,- Rechtsanwalt Dr. D eu ts c hmann, veröffentlicht im Berliner- „Beichswart" unter dem Titel „J ü 1cbp Frontsoldaten?" einen Artikel, in dem er davor . - Magwort des Centraivereines * deutscher Juden" von den jüdischen Frontkämpfern zu beachten. Er he- | hauptet, wirkliche Frontkämpfer seien nur jene wenigen Juden gewesen, die arische Blutbei mischung hatten. Nach den e i n s 11 mm i g-e n Ansicht der Kommission habe deren Arbeit den Beweis erbracht, daß eine generelle Bevorzugung jüdischer Frontkämpfer völlig unberechtigt wäre. Die Tatsache, daß auch Judert gefallen sind und an der Front standen, sei kein besonderes Verdienst der judischen Basse. Im übrigen sei die Kommission der Ansicht, daß auch eine prozentuale Beteiligung der Juden? an öffentlichen Aemterh und öffentlichen Berufen, zu denen auch die Pflege der Volksgesundheit und des Rechtes im Volk durch Aerzte und Rechtsanwälte'' zu gehören habe, nicht tragbar sei. Denken wir, schreibt der Vorsitzende der Kommission zur Auswahl jüdischer Rechtsanwälte am Schluß seines Artikels, lieher an die Millionen arbeitsloser äeuts'cher Frontkämpfer, an die Zehntausende deutscher Assessoren und Referendare, die nicht heiraten, keine Kinder in die i Welt setzen' können, 'sondern warten sollen, bis alle die ' »alten jüdischen Frontkämpfer" ihr Wohl-; leben zu Ende geführt und zu den dem deutsehen Volk entzogenen Reichtumern noch weitere gehäuft und ins Ausland gebracht haben. Im,Zusammenhang mit dieser Aeußerung des Berliner Kommissionsvorsitzenden verdient ein Passus in der; auf dem Münchener Juristentag gehaltenen. Rede des : bayrischen Justi.zmjnisters .Dr. Frank , Er-;' wähnung. Dr. Frank erklärte, es werde ihm nicht mögi lieh sein, die rechsgesetzllche Verordnung über die Zu-; lassung des Judentums zür Rechtspflege . sofort restlos j durchzuführen, denn er fürchte, a u f g e r e g t e- V o i k s- '< müssen würden dann in die Gerichtssäle eindringen. Dem ' Bericht des offiziösen Wolff-Büros zufolge hat Justiz-! ministers Frank in seiner damaligen Rede ausdrück- ( lieh sein, die reichsgesetzliche Verordnung über die Zulassung des Judentums zur Rechtspflege sofort restlos . wurde, auf feindliche Aktionen des ausländ;| s c 1| e, i| J U d e n t u m s zurückzuführen. sind, sondern die Erfüllung nationalsozialistischer Pro- Die Umwälzung Iii Deutschland hat mit einem Schlage die Situation geändert/ Jetzt ruft alles naen der jüdischen Schule. Das Berliner Zionistenorgaii „JUd 1 sc he}K.u n| sxs h a u^Mh|eil(t:( \>V: ,,Nb'fch 'Vor ,-'eiin^^^OT^-'':^fflli"re wäre es der großen Mehr;heit der dentsw?he,n, J,udVflun absurd, erschle- «•■ t .•: '• '! J. ■ .j J ) /.* fitiU. ii;> «7: T S. ', .V .' , . ' nen, wen« man ihnen gesagt hätte, es bestehe die Notwendigkeit, ein jüdisches Bildun gs wesen aufzubauen. Die. Vorkämpfer des Gedankens der jüdischen Schule, stießen tiberal* auf / Verständriislosigkeit und -oft SDgar auf aktiven 'Wlde^and. Jene r selbstsichere' Indolenz, die überhaupt j^ür das jüdische Bürgertum charakteristisch vvari z^iijg^|sich^aü^^lijr» diesem;' Gebiete. 'Galt es doch ais",,rücks#äriäig", seih Km"din die jüdische Schule < zu schicken,, .wollte) man doch mit einem Lächeln sich über die Zeichen der Zelt hinwegtäuschen. Nun steht deutsche Judentum ra-tlos und hilflos da. Denn abgesehen davon, ^daß 41$. jüdischen. Kinder -zum Teil gar nicht in die Schulen zugelassen werden, muß man auch bedenken, daß eine grundlegende Umgestaltung ,)des, gesamten Erziehungswesens und der Lehrpläne im Geiste der neuen Zeit unmittelbar bevorsteht. Für uns Juden ist die fatale Tatsache zu verzeichnen, daß die deutsche Revolution von 1933 im Zeichen einer Weltanschauung steht, deren integrierender Bestandteil die antisemitische Rag- < i. i ' s en theorie ist... Das .Unglück der deutschen Juden besteht darin, daß die deutsche Revolution, nachdem der Bolschewismus in Deutschland, vernichtet ist, sich den Juden zum Gegenpol ihres Weltbildes genommen hat. Während aber der Kampf gegen den Bolschvvismus sich wirklich gegen ein Programm richtet und insofern ein politischer. Kampf ist, ist die Gegnerschaft gegen den Juden geradezu eine metaphysische. „Der Jude", ist die Verkörperung aHes. dessen^ w a s :> e 1 n; D e.u ts c h e r j nicht sein sp 1J... Der {Nationalsozialismus kann viel-1 leicht in. bestimmten politischen oder taktischen Fragen > entgegenkommen, aber er kann (nicht seine metaphysische; Grundlage ändern. Diese Erkenntnis macht .unsere Lage, so schwierig. . . ... , ■ ,! ....... ...(... % ... | Die Schulen in Deutschland' werden vonnun' an nicht' nur national■-J~- Was sich von selbst versteht -*-\ seih, sondern sie werden sicherlich auch der spezifischen, Art des neuen deutschen Nationalismus, der vdm Anti;semitlsmus ntffht 'zti trennen ist, Rechnung\ tragen.... Man kann annehmen,' daß eine kultivierte i Lehrerschaft jüdischen Schülern gegenüber mit Takt und Schonung vorgehen wird; edeldenkende und pädagogisch j empfindende Lehrer können hier gewiß viel tun, um die: schwersten seelischen Nöte zu" mildern. Aber auch Ira< besten Falle kann man nicht erwarten,' daß die Rücksichten des Lehrers auf jüdische Schüler so'weit gehen, daß sie eine PliontVerletzung gegenüber seinem Auttrag und seinem Lehrstoff bedeuten würden. Ausge-! sprachen oder unausgesprochen wird das jüdische Kind in der deutschten Schule die lehre vonderMl n d e r- . Wertigkeit der,. jüdischen Basse und des Judentums in sich aufnehmen. Er wird hier-' durch entweder zu' einer verzweifelten Mimikry getrieben t werden (ein nutzloses Beginnen in einer Zeit, wo selbst ein jüdischer Großelternteil einen längst getauften Abkömmling zum Juden stempelt — aber das weiß das Kind nicht), oder aber es empfängt einen seelischen Bruch, der nur durch starke Gegenwirkung wieder geheilt werden kann. Für das jüdische Kind ist im neuen Deutschland kein Platz mehr in der allgemeinen Schule... In dem vergangenen Zeitalter ist die jüdische Bildung von den deutschen Juden gröblich vernachlässigt worden. Nunmehr stehen wir aber vor dem Problem, daß wir auch von den Quellen der allgemeinen Bildung abgeschnitten werden sollen. Dies ist ein Moment, der dazu herausfordert, die ganze geistige und kulturelle Position des Juden in unserer Welt von Grund auf neu zu überprüfen .... Dem deutschen Judentum ist es in den letzten sechs Jahrzehnten materiell gut gegangen, aber sein geistiger Habitus war alles andere als befriedigend ... Das Bewußtsein des Zusammenhanges mit jüdischer Vergangenheit und jüdischer Zukunftsaufgabe war kein lebendiger Bestandteil des Denkens liberaljüdischer Bourgeoisie. Und nun steht diese Bourgeoisie mti leeren Händen da. Es hilft nichts, sich die Augen zu reiben. Man muß endlich zu sich selbst kommen. Niemand kann sich heute mehr der Notwendigkeit der Gründung jüdischer Schulen entziehen. Aber der Aufbau dieses Schulwerks muß in kundige Hände gelegt werden... Unsere Schulen müssen so sein, daß sie den Namen „j ü d 1 s c h" verdienen. Jüdische Schulen in dieser Zeit sind kein bloßes Notstandswerk und keine bloße Verwaltungsaufgabe, sondern eine kulturelle und moralische Sache ersten Ranges. Sie müssen daher von. einerIgeistige n Autorität geleitet werden, und durch entsprechende Vorkehrungen und Einrichtungen muß Sorge dafür getragen1 werden, daß Erziehung und Unterricht auch in entlegene, isolierte Orte gelangen, wo jüdische Familien noch mehr als anderswo auf innere Stütze und seelischen Rückhalt angewiesen sind. Wenn wir von dieser Aufgabe reden, so sprechen wir nicht im Namen einer jüdischen „Partei*', sondern wir sind überzeugt, daß wir die elementaren Bedürfnisse aller deutschen -Juden vertreten." ■' ■;__ ■, -T. Tatsachen und Phrasen Der Zionismus steht in Blüte. Sein Nährboden wird von Tag. zu .Tag kräftiger. Der Zusammenbruch der -deutsch-jüdischen Wirtschaft und Ideologie kann nur als Bestätigung der alten zionistischen These „TJnmorg,|,ität djes jüdischen Dä^tfins'^n der Galu^fh, da he r N p t w e n d'i g'k e i/fc e ine rUmschichtu n g" angesehen werden. Daß der Zionismus durch die deutsche Situation neue Impulse erhalten hat, ist hur ''mehr ein weiterer Meilenstein auf seinem Wege. . Das sind Tatsachen. - Tatsache ist der Zusammenbruch der These von; der Internationalen Solidarität -der " „Werktätigen", die jedem Ansturm trotzen könne; Tatsache ist die Onmacht der sozialistischen- Systeme in ajl^r Welt. Tatsache ist die Unmöglichkeit der Lösung der Judenfrage innerhalb der Galuthländer. Das ist den radikalen Kaffeehausumstürzlern, die das deutsche Hakenkreuz; nach Prag und Wien 'gespült, höchst unangenehm;" vpr allem den „jüdischen" Intellek- ":. i .' ) i » ■ r •' tuellen, die so. leidenschaftlich beim Mokka die Weltr r 'i ■"■ ." ■ revolution vorausgesagt haben. Ja, die prosperity des Zionismus ist ihnen höchst unangenehm. In der „W. e 11bühn e" schlägt ein Herr Wilhelm Stefan wild um sich. Er versieht die„Renaissance des Zionismus"mit einem Fragezeichen. Und damit der naive Leser ihm glaube, damit er vor dem Linksliteraten nicht allen Respekt v.erliere, stellt der Autor den Tatsachen — Phrasen gegenüber. Phrasen und Lügen. Die bekannten Moskauer Verfälschungen. Wir hören plötzlich, daß die sozialistische Jugend Palästina verlasse, daß im März .1933 .1000 deutsche Großkapitalisten mit mindestens 1000 Pfund pro Kopf Palästinafahrer geworden sind, kurzum, daß die plötzlich entflammte jüdische Solidarität eine — „F a b r i k a,n t e n s o 1 i d a r i t ä t" sei. Der junge Jude verläßt; in Scharen die „sozialistische Front", die versagt, ihm ein Traumbild vorgegaukelt hat. Er reiht sich ein in die nationale Front des Palästina-Aufbaues. Die Herren von der „Weltbühne" müssen diesem Prozeß hilflos zusehen. Sie sind keinerlei Instanz mehr für die jüdische (auch intellektuelle) Jugend. Bald werden sie allein in den Kaffeehäusern der europäischen Großstädte sitzen. Darum ihr Aerger, ihre Verzweiflung, . ihr Verfälschungsversuch. Die Unentwegten Aufstrebende Bewegungen bedienen sich gerne jüdischer Hilfe. Jüdisches Geld und jüdische Agitationskraft sind im Anfang höchst willkommen. Nach Ablauf einer gewissen Periode aber werden die jüdischen Parteigenossen zur Last. Man schüttelt sie langsam oder rasch, sanft oder unsanft ab. Die Juden aber kommen gewöhnlich sehr spät darauf, daß man sie nicht mehr will. Und wenn sie schon etwas merken, tun sie so, ais wenn nichts geschehen wäre. Sie glauben, durch Wegsehen* durch Schließen der Augen dem Hinauswurf zu entgehen. Sie nehmen Demütigungen in den Kauf, nur um noch bleiben zu können. Wenn man ihnen ins Gesicht spuekt, tun sie so, als hätte es geregnet/-Sie 'entwickeln eine Beharrlich-

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