Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 295 (5.5.1933)
- Date
- 1933-05-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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18?;*&t^o^ck ttfk ****** Wien, 1. RralS 35 GrOSCheil Jahrgang* Freitag, den «♦ V-**h **** *f**Bre" Zeitung vom Verleger versendet . - Journal expedie par l*6iltcmni REVUE _...........slJL_.0 _......._________________ ... . t Lewa 120.-; Italien monatlich Lire 5.-, vierteljährig Lire 14.-; Sehwelz und jährig Schweizer Francs 4.50 monatlich Zloty 2.—, vierteljährig Zloty 6.— eijährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Ijährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 40.—» vlerteljährlf die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, viertel- H(E'R'Ä US GEB ER: ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung: Wien IX, Universitätsstr* 6-8, Tel. B-48-504 — Ersdieint jeden Freitag Das deutsche Indens sdmksal an einem tofen Punkt? Die letzten Wochen haben im Rahmen des tragischen Geschehens zunächst eines gezeitigt: die Notwendigkeit, klar zu sehen und das Ende des Versuches, sich um die Judenfrage herumdrücken zu können. Insbesondere die letzte Tatsache vermag sich für die nächste Zukunft fruchtbringend auszuwirken. Die deutschen Juden wurden hart angepackt. Man ließ ihnen auch nicht die geringste Chance, ihrem Schicksal bei der Umgestaltung der Verhältnisse durch den „Aufbruch der Nation" eine erträgliche Wendung zu geben. Die Handlungen und Taten der nationalsozialistischen Machthaber waren unzweideutig, und die Beteuerungen gewisser unbelehrbarer Elemente, wie z. B. der sogenannten national deutschen Juden, daß sie zumindest so gesinnungstreu und völklich-patriotisch seien wie die unbestrittenen Rassedeutschen, wurden mit eisiger Verachtung aufgenommen. Die Klärung ist da: Die Ausschaltung der deutschen Juden aus dem sozialen und wirtschaftlichen Leben nimmt ihren Lauf. Gleichzeitig mit dieser unbarmherzigen Tatsache ka' ian eine zweite verzeichnen, die im Rahmen des |k ieri Geschehens wie ein L i c h t b 1 i c k erscheint: den; iewetei daß in Stunden gefahrvoller. Bedrohung die In 'die Welt verstreuten jüdischen Volksteile spontan reagieren und sich zü einer Art, Schicksalsgemeinschaft "ym^i^enScMeäen.'- Die deutscher! Juden* - in; ihrem Lebensnerv getroffen, sind dieser jüdischen ^Solidarität" teilhaftig geworden. Losgelöst von den anderen Teilen des jüdischen Volkes, selbst mitschuldig an dem ganz losen .Zusammenhang mit diesen Teilen, eingebettet scheinbar lin die deutsche Gemeinschaft, haben die deutschen! Juden seitens ihrer Volksgenossen soviele Beweise von Sympathie, Hilfsbereitschaft, seelischer Teilnahme und physischer Opferfreude erfahren, daß ihnen all das Halt ] geben könnte in den kritischesten Stunden ihres deutschen „Aufenthalts". t ,. Das jüdische Herz sprach laut. In allen Galuthländern hörte man kräftige Worte. Von New York bis Warschau demonstrierte man . gegen die rohe Gewalt des Hakenkreuzes. Hilfskomitees traten in Aktion. Das jüdische Palästina öffnete, soweit es möglich war, seine Tore. Kurzum, das jüdische Herz bewährte sich. Daneben fand zugunsten der bedrängten, bedrohten, malträtierten deutschen Judenheit die Solidarität des Kulturgewissens von öffentlichen Tribünen Ausdruck, ebenfalls „spontan und unvermeid- . lich'V wie der englische Außenminister Sir John Simon es nannte. Er erklärte den Deutschen, es wäre ein tiefer Irrtum, anzunehmen, daß das Gefühl der Verurteilung und des Abscheus bloß die Mitglieder der jüdischen Gemeinschaft ergriffen habe oder von ihr hervorgerufen Worden sei. „In dieser Beziehung", rief der Lenker des Mmit den vorzögl. Salonsthiffen des Lloyd Triestino Abfahrten jeden Mittwoch um 13 Uhr 1 Ferner: Wöchentliche Expreßllnle nach Istanbul; wöchentliche Luxusellllnie nach Alexenzweimal monatlich Luxusellllnie nach Bombay; ' monatliche Expreßllnle nach Ceylon, Slngapore, Shanghai; Postünlen nach der Levante, Schwarzes Meer, Indien, China, Japan Auskünfie:LloyflTrIestino.Wienl,HarntnßrrIng6 Tei.u-47-5-60 -i Alle im redaktionellen Teil befindlichen entfielt» Hohen Notizen eind durch ein beigefügtes E bezeichnet britischen Imperiums aus, „gibt es keinen Unterschied innerhalb des britischen Volkes". Fügt man noch die Aeußerungen der anderen Männer in der klassischen Unterhausdebatte hinzu, die imposanten Proteste aus Amerika, die Sympathiebezeugungen seitens aller demokratisch regierten Länder, die Bereitwilligkeit, die aus Deutschland vertriebenen Gelehrten mit allen Ehren aufzunehmen, so steht man vor der Tatsache, daß das Schicksal der deutschen Judenheit zu ihren Gunsten alle edlen Instinkte der Kulturvölker mobilisiert hat. Inzwischen aber ist viel geschehen. Die Verzweiflung der deutschen Juden, die Unmöglichkeit, die vernichteten oder untergrabenen Existenzen wieder aufzubauen und das seelische Gleichgewicht herzustellen, der Schauder vor den kollektiven oder individuellen Zusammenbrüchen — all das ist in eben denselben Wochen Alltag geworden. Das nicht zu empfinden, ist äußerst gefahrvoll. Es sieht fast aus, als hätten die deutschen Juden sich an den gegenwärtigen Zustand gewöhnt, als hätten sie ihn als unabwendbar hingenommen, als ginge das Leben unveränderbar weiter. Und wir selbst? Haben wir für unsere in Deutschland lebenden Brüder die nötigen Konsequenzen gezogen? Haben wir ihnen außer den ad hoc:ins Werk gesetzten Hilfsmaßnahmen einen zweckmäßigen, ehrenvollen und jüdischen Weg gewiesen? Allenthalben hat man das Gefühl, daß man in der deutschen Judenfrage zu|einem toten Punkt gekommen ist;: daß man;;si^^.^dal...^ur^)lt die.HerstßUungo normaler Lebensbedingungeifö^ür. /die deutschen Juden '■ .unmöglich ist, mit eben diesem Zustand abfltidtm muß. Solch eine Haltung birgt — wie gesagt — schwere Gefahren in sich. Es geht darum, die fragwürdige Lage, der jüdischen Volkssplitter in den Galuthländern als solche zu erkennen und diese Erkenntnis'der einzigen Realität, der Wiedererrichtung des jüdischen Volkes und dem Wiederaufbau des jüdischen Nationalheims, dienstbar zu machen. Nur unter diesem Aspekt, nur bei BEHANDLUNG, VON RHEUMATISMUS GICHT, ISCHIAS UND FOLGEN VON SPORT¬ VERLETZUNGEN MF MODEn MI : (SCHNELLKUREN, JONTOPHORESE, ORIGINAL PISTYANER SCHLAMMPACKUNGEN ETÖ.) INDER KURANSTALT DIANABAD FÜR ALLE PHYSIKALISCHEN HEILMETHODEN GRÖSSTER KOMFORT ZEITGEMÄSSE PREISE . den weltpolitischen Tendenzen. Der 18. Zionistenkongreß, der die Bilanz aus dreißigjähriger Arbeit ziehen wird, fordert höchste Kraft und höchste Bereitschaft. Es gilt» den zionistischen Radius zu erweitern, alle Energien nach' innen und außen zu mobilisieren. Die Scheke 1 - A ktion hat begohnen, , Aus der deutschen Judennot gibt es, nur eine Bettung: Hinein in die Zionistische Wei^. Organisation! Der tote Funkt in der deutschen Judenfrage kann nur durch die Kraft des Scheitels Überwunden werden. Den Schekel erwerben und zum komknen« den 18. Zionistenkongreß Vertreter entsenden, welche den} reinen Herzl-Zionismus, dem Judenstaats-Zioqismus zum Siege verhelfen wollen! ES GEWINNEN SO VIELE LEUTE BEI MIR. - DER DEN HAUPTTREFFER GEWINNTJ DIE „GLOCKSTELLE STEIN" HAT WEIT MEHR ALS 50 MILLIONEN SCHILLING AN GEWINNEN BEREITS AUSGEZAHLT, BESTELLEN SIE NOCH HEUTE PER POSTKARTE IHRE KLASSENLOSE BEI DER GLUCKSTELLE STEIN AN DER „HOHEN BROCKE" WIEN, f. WIPPLINGERSTRASSE 21 FILIALE: X. FAVORITENSTRASSE 101 ZlEiMUNÖ 16. u. 1& MAI Durchsetzung dieses Resultats hat das tragische Geschehen In Deutschland seinen historischen Sinn. Das jüdische Palästina hat, trotz der Hemmnisse der Einwanderung, den deutschen Juden schon vom ersten Tag ihrer Bedrängnis 1000 Plätze bereitgestellt — eine an und für sich nicht nennenswerte Zahl, aber als Symbol jüdischer Solidarität bedeutungsvoll. Aber man vergesse nicht: „Welch geringen Anteil haben die 600.000 deutschen Juden, die doch kräftig an Energie, Disziplin und Kapital waren, an dem jüdischen Palästina genommen! Hätte die deutsche Judenschaft entsprechend ihrer Zahl und Stärke sich für den Zionismus entschieden, dann wäre , unser Palästina in der Lage gewesen, ein Vielfaches für eben diese Judenschaft zu leisten. Mit diesem Zustand muß ein Ende gemacht werden. Es muß die Erkenntnis popularisiert werden, daß nur eine mächtige zionistische, auf der Judenstaats-Idee fußende Organisation den Gesamtwillen des jüdischen Volkes allen Faktoren gegenüber repräsentieren kann. Die zionistische Judenstaats-Organlsation als legale und autoritative Repräsentantin des jüdischen Volkes — das sei die Krönung aller Bestrebungen, die rund um den Vernichtungsfeldzug gegen die deutsche Judenheit begonnen wurden. Der Prozeß, der sich in allen Galuthländern mit der Richtung nach Palästina vollzieht, steht in Einklang mit Palästinazltegierung behindert die jüdische Einwanderung Aus Jerusa 1 em wird berichtet: ' Das Immigrations-Departement der Palästinaregie* rung hat beschlossen, nicht alle für das kommende Halbjahr bewilligten Zertifikate auszugeben, sondern 850 Zertifikate als Reserve zurückzubehälten'. Die Erregung der jüdischen Bevölkerung Palästinas über die ungenügende Berücksichtigung, der jüdischen Forderungen bei der Festsetzung der Zahl der für das nächste Halbjahr auszugebenden Zertifikate wurde durch diesen Beschluß •der Immigrationsabteilung noch gestei g e r t* High Commissioner Sir Arthur W a u o h o p e hat die mit der Prüfung der Gesuche' um Erteilung von Einreisevisen für Palästina beauftragten Stellen dahin instruiert, daß Gesuche von Handwerkern und1 Gewerbetreibenden mit einem Eigenkapital von mindestens 2 50 Pf und berücksichtigt werden mögen. Dagegen hat der High Commissioner einen Vorschlag der Jewish Agency, eine neue Kategorie von Einwanderern mit einem Eigenkapital von-150 Pfund zu schaffen, abgelehnt. Die Exekutive der Histadruth Haowdim (allgemeine jüdische Arbeiterorganisation Palästinas* hat beschlossen, gegen die Entscheidung der Palästinaregierung, daß füf das nächste Halbjahr anstatt der angeforderte^