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Die neue Welt · 1933-04-28 · Heft 294 (28.4.1933) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 294 (28.4.1933)
Date
1933-04-28
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 294 DIE NEUE WELT Seite 7 nacB wie tot Neu! Eche Kragerstraße 2 Katalog gratis! Kärntnerstraße 45 mr SIGI-GOLD TW Neu! Das jüdische Palästina baut Arbeifermangel — Die Bodenbewegung Ein führender Architekt aus Haifa übersandte einem ihm befreundeten Wiener Bauingenieur einen Brief, den wir in ein wenig ver änderter Fassung nachstehend wiedergeben. Die objektive Darstellung und der Gegenstand als solcher rechtfertigen die Veröffentlichung. Wenn Sie auch im ganzen und großen durch die „Neue Welt" über das Geschehen hier informiert Bind, so wird Sie immerhin als Architekten die Bau bewegung und der Run nach Boden interessieren. Es gibt eine derartige Bautätigkeit im Lande, daß jeder neue Bauarbeiter, der das Land betritt, inner halb weniger Tage einen Posten findet. Die Löhne sind In den letzten Wochen bereits zweimal gestiegen. Nichtsdestoweniger herrscht Arbeitermangel, hauptsäch lieh an gelernten Speziallsten, wie Betonarbeitern, Ver putzern, Fliesen- und Plattenlegern, Malern, Anstreichern, Elektrikern, Wasserinstallateuren usw. Gleichzeitig ist auch die Zahl der Baubüros gestiegen. Jeder, der einen Bleistift halten kann, hält sich zum Architekten oder Bauingenieur berufen. Unter diesen Umständen, das muß gesagt werden, leidet die Qualität der Arbeit. Allein in Haifa ist die Zahl der planbearbeitenden Büros in den letzten Monaten von dreißig auf ungefähr sechzig ge Btiegen, wobei einzelne Architekten bis zu 20 Bauaufträge haben. Dem außerpalästinensischen Menschen könnte das leicht als Uebertreibung erscheinen. Die Verhältnisse sind hier so, daß jeder infolge der neuerlich gesenkten und erleichterten Hypothekarbedlngungen sich mit ernstlichen Bauabsichten trägt. Der Hypothekarzinsfuß steht auf *ty2 und ist bis 60 Prozent des Bauwertes sogar bis zu 20 Jahren zu haben. Eine weitere Folge dieser Umstände ist das erwachende Interesse für Kapitalsanlagen auf dem Baumaterialienmarkt. Insbesondere sind es polnische Einwanderer, die neben den Anlagen in Pardessim, Häusern und Hypotheken auch für die Erzeugung von verschiedenen Baumaterialien im Lande Neigung verspüren. Was die Bodenbewegung anlangt, habe ich bereits eingangs das Wort Run gebraucht, ein anderes Ist nicht zu finden. Die Parzellenpreise sind, insbesondere In Tel-Awiw, ganz enorm gestiegen und ängstliche Gemüter glauben schon den Krach in den Gliedern zu spüren. Wenn die weitere Einwanderung auch nur einigermaßen anhält, eine Einwanderung, die alle Voraussetzungen weit hinter sich gelassen hat — es kommen pro Woche seit mehr als vier Monaten etwa 1000 Touristen und Einwanderungslustige, d. h. solche, die sich hier nach Niederlassung umsehen — und wenn die Nachfrage das Angebot an Parzellen in derartigem Maße übersteigt, dann läßt sich ein Krach schwer voraussehen. Immerhin gibt es in Tel-Awiw Parzellen, dio noch vor einigen Monaten mit 80 Piaster per Quadratfuß unanbringlich Sparen und derzeit bereits drei Pfund erreicht haben. In Haifa ist zum Glück für die Stadt die Aufwärtsbewegung eine etwas solidere. Doch werden auch hier schon Parzellen mit 50- bis 80prozentigem Gewinn gegenüber dem Herbst verkauft. Auf dem Hadar Hak arme 1, dem jüdischen Zentrum zwischen der Stadt Haifa und dem Berge Karmel, mit einer lokalen Bewohnerzahl von über 10.000 Juden (gegenüber 170 im Jahre 1923; ist besserer Baugrund nicht mehr zu haben oder aber nur noch an der Peripherie. Langsam geht daher die Kaufbewegung in die eigentliche Stadt selbst Uber und ebenso auf den Karmel, welcher das Oottage von Hai f h zu werden verspricht. Ein Landesgesetz vertreibt jetzt die Pächter von Baracken, auf fremden Parzellen — bisher waren diese kaum wegzubringen — und auch das ist ein Mehranreiz, Boden zu kaufen. Einzelne Agenten beschäftigen sich speziell mit dem Erwerb größerer Komplexe aus arabischer Hand, um sie dann, parzelliert, mit 100 bis ISOprozentigem Gewinn an Einzelparzellenkäufer zu verkaufen. Soloher Komplexe gibt es unmittelbar an den Hadar Hakarmel angrenzend noch einige, und es wäre ganz zweckmäßig, eine G. m. b. H. zum Ankauf solchen Bodens zu gründen. So sind an einer Stelle 40.000 pie für etwa 5000 Pfd., an anderer Stelle 50.000 pio für etwa 9400 Pfd. zu haben. Wenn mau die politische Lage der Juden in Mitteleuropa ernstlich in Erwägung zieht, so kann nicht genug zugeredet werden, so schnell als technisch möglich hier bei einem oder zwei Treuhändern Geld zu deponieren, mit dem Auftrag, raschest Boden zu erwerben. Wir sehen hier, außerhalb stehend und weniger befangen, die polltische Lage in Europa sehr düster. Ich nehme an, daß man heute lelcbter Ohr für solche Vorschläge findet, wie ich sie angedeutet habe. Ich jyüxde mich zur Verfügung stellen, wenn, ernstes Das Cottage am Karmel — Die Spekulation Interesse an solchen Transaktionen bestünde. Denn bei der gegenwärtigen Ueberflutung des Landes kann man nicht einmal eine Option auf eine einzige Woche erhalten. Der Treuhänder hier müßte schon freie Hand und die Vollmacht vom englischen Konsulat bestätigt haben. Was Geldtransaktionen, d. h. Ueberweisungen hierher anlangt, so gibt es legale Wege, über die ich Details anzugeben in der Lage bin, wenn es sich um eine ernste Angelegenheit handelt. Die Hauptsache ist ein rascher, energischer Entschluß. ITINOPR OGRAMME DIESER WOCHE KREUZ-KINO ' w""'tULn 2. Uraufführung vom 2<. April bis 4. Mai: MADONNA, WO BIST DU! mit LIANE HAID und FRITZ SCHULZ Sonn- und Wochentags: 4, 5.45, 7.30, 9.15 Uhr SCHWEDEN-KINO VÄ'T1 Vom 28 JV.-4/V : LIANE HAID und FRI<Z SCHULZ in MADONNA, WO BIST DU? Wochentags: 5, 7, 9 Uhr. Sonntags ab 3 Uhr VI, Marianilferstr. 37 Telephon B-2J-2u3 Vom 2 bis 4 Mai: HARRY PIEL in Die Resimentsfortiter Spuren im Schnee Sonn- und Wochentags: 330, 5.15, 7.15 und 9 Uhr Vom 28. April bis 1 Mai: ANNY ONORA in Kiduidi Hasdiem Wilnaer Schauspieler in den Jüdischen Künstler- 1 spielen. Großes, aufwühlendes Geschehen mit historischen; Perspektiven in einen engen BUhnenraum pressen, aus einem weitläufigen Roman das szenisch zu Bestehende herauslösen — das sind gewichtige Aufgaben für einen, dramatischen Bearbeiter und für einen Regisseur. Dr. Weichert. der Dramaturg, und Josef Kamen, der Regisseur, bewiesen viel Verständnis für solch ein Werk und darum kam durch die Wilnaer Schauspieler in den „Jüdischen Künstlerspielen" eine Aufführung zustande, die schon ihrer künstlerischen Aspirationen wegen sehenswert ist. Man kennt Schalom Asch' Roman ,Kidusch Haschern" (Geheiligt Sein Name), das etwas derb hingepinselte Gemälde der polnischen Judenverfolgungen unter dem berüchtigten Hetman Chmelniczky, man kennt di» Manier Asch*, durch krasse Nebeneinanderstellungen — auch im gesunden Sinne — zu wirken. Das von den Wilnaern gespielte Stück, 18 Bilder, in viel Farbe getaucht, mit elegisch betonter Chormusik, ergreift durch den Inhalt genau so wie durch die einzelnen Figuren. Daß Jakob W e i ß 1 i t z eine symbolhafte, dem Hang zur Mystik zugeneigte Figur, das „heilige Schneiderl", mit der Inbrunst der eigenen Seele auszustatten vermag, daß Josef Kamen als Rendar alle Register seines starken Temperaments anzieht, wurde dem Publikum neuerlich bestätigt. In hoher Form befanden sich Israel K a m a y als Kosak und der junge Mosche Schnatmann, der allmählich zu einem „geistigen" Schauspieler ansteigt. Auch die anderen Mitglieder des heimischen Ensembles, die Herren Tunis und Bell, leisteten Wertvolles. Der große Erfolg von „Kidusch Haschern" in den Jüdischen Künstlerspielen dürfte noch lange anhalten: Wünschenswert ob des Ernstes, mit dem gearbeitet wird, und ob der schicksalsschweren Tage, in denen die Juden sich an Chmelniczkys Hetmahschaft erinnern können. o. r. Das ralästlna-Amt Wien teilt mit: Infolge der großen Zahl der beim Palästina-Amt eingelangten Anmeldungen zur Auswanderung nach Palästina auf Grund von Zertifikaten werden bis auf weiteres keine Anmeldungen für Zertifikate entgegengenommen. Neuanmeldungen können erst ab 15. Mai 1933 eingebracht werden. Gleichzeitig wird mitgeteilt, daß Auskünfte nur Montag, Mittwoch und Freitag in der Zelt von 1/älO Uhr bis 12 Uhr vormittags beim Palästina-Amt, I., Kärntnerstraße 28, erteilt werden. — Dienstag, den 26. April 1933, treffen auf der Durchreise nach Palästina etwa 600 Chaluzim aus Polen am "Wiener Nordbahnhof gegen 8 Uhr früh ein. Die Weiterfahrt nach Triest erfolgt gegen ^9 Uhr früh vom selben Bahnhof. Die arabische Frage Von J* Benan (Paris) IV. Es kam der Weltkrieg, an dem auch die Türkei teilnahm, und damit öffneten sich den Ententemächten die Wege zur Befriedigung der kolonialen Aspirationen im Orient. Während des Krieges wurde in Paris eine Konferenz einberufen, an der England, Frankreich, Italien und Bußland teilnahmen und wo Uber das Schicksal des Orients und des Türkischen Reiches entschieden wurde. Laut dem Beschluß der Konferenz sollte Rußland nach dem Kriege die Dardanellen und Konstantinopel bekommen. Der Orient sollte in drei Einflußzonen geteilt und unter dem Protektorat der Ententeländer sollten mehrere arabische Staaten gegründet werden. Ferner sollte das Kalifat von der Türkei abgetrennt werden. Das war das Orientprogramm Frankreichs und Englands. Der Sultan, der zu gleicher Zeit Kalif war, proklamierte auf Deutschlands Rat hin einen „H eiligen Krieg" der mohammedanischen Welt gegen Europa. Diese Waffe war gegen Frankreich und England gerichtet. Nach Deutschlands Meinung sollte dieses Losungswort die Mohammedaner von Indien, Marokko, Tunis und Algerien begeistern und Frankreich und England viel Unannehmlichkeiten bereiten. Diese Auffassung hat sich als falsch erwiesen. Die Idee des „Heiligen Krieges" begeisterte niemand. Die Idee des „Pan-Islams" machte Bankrott und bewies, daß sie nicht realisierbar war. Das gab nach dem Kriege Kemal Pascha, dem türkischen Realpolitiker, die Möglichkeit, den Kalifen und das Kalifat als nutzlosen politischen Ballast Uber Bord zu werfen. Als während des Weltkrieges das Schicksal des Orients Betrachtungen unterzogen wurde, hörte man die Stimme der Araber nicht. Negyb-Azoury, dieser „Pere du nationalisme arabe", der Führer des Arabischen Komitees, ist im Orient als französischer Agent und Auskundschafter tätig. Am 29. November 1914 riet er der französischen Regierung zu einer Unterredung mit Scherif Pascha, dem türkischen Armeeführer im Orient. Scherlf Pascha war bereit, die Türkei zu verraten, Bagdad zu erobern und auf die Seite der Entente Uberzugehen; dafür verlangte er die Unabhängigkeit der Kurden als Preis. Negyb-Azourys Vorschlag war unannehmbar. Er widersprach der Pariser Konferenz. Die Autonomie der Kurden anzunehmen, würde den Verlust der an Petroleum reichen Gegenden von Mossul bedeuten. Im Jahre 1916 wurde die englische Armee in Mesopotamien geschlagen, und daraufhin änderte England seine Politik. MacMahon, der Führer der englischen Armee in Mesopotamien, ging Unterhandlungen mit dem Scherif von Mekka ein. Er versprach ihm die arabische Unabhängigkeit, wenn er einen Aufstand der Araber gegen die Türkei organisiere. Die Engländer wiederholten Napoleons Fehler und vergaßen, daß da-j arabische Nationalbewußtsein »ein leerer Platz in der Politik" ist. Es genUgt, das Buch „Der Aufstand in der Wüste** von Golonel Lawrence, dem Regisseur der arabischen Aufstände, zu lesen, um zu begreifen, daß die arabische Nationalbewegung sich auf Aufstände weniger Stämme beschränkte, die ein paar türkische Militärzüge in die Luft sprengten. Dies geschah unter der Oberhoheit von Feysal. All das ging selbstverständlich auf englische Kosten. In der Periode von 1917 bis 1919, in welcher alle unterdrückten Völker ihre Stimme in Europa haben ver* nehmen lassen, 'ist keine arabische zu vornehmem Der Friedenskongreß in Sevres, auf dem über das Schicksal des Orients entschieden werden soll, wird ohne Einfluß der Araber abgehalten. Die Friedensverträge teilen die Türkei und führen .das Mandatssystem ein, das seine Endformulierung auf der Konferenz in San Remo bekommen hat. Laut diesen Beschlüssen erhält England das Mandat über Palästina und den Irak, Frankreich das über S y r i en und das Protektorat über Silizien, und Italien soll Smyrna erhalten. Aber San Remo löst das Orientproblem nicht;, es hält den Zusammenstoß der europäischen Interessen nicht auf. Die türkische revolutionäre Bewegung des Kemal Pascha hat die Frage noch komplizierter gemacht und einen scharfen Kampf zwischen England, Frankreich, Italien, Griechenland und der Türkei hervorgerufen. Frankreich unterstützte die türkische Bewegung In ihrem Kriege mit Griechenland. England wollte die Türkei mit einem Kranze von Ländern einschließen,' die unter seiner Herrschaft standen, und unterstützte Griechenland. Italien wiederum fürchtete ein „großes und mächtiges Griechenland" und half deshalb Kemal Pascha mit Munition. Das Ende von alldem war, daß Frankreich gezwungen wurde, Silizien zu verlassen, und mit dieser Tatsache verschwand die Idee, ein großes Armenien zu schaffen. Italien wurd<* gezwungen, Smyrna zu verlassen, und England verlor Mossul. In diese Zeit fällt in Syrien der Aufstand Felsals, der sich als Kalif der Gläubigen proklamierte. Nichtsdestoweniger war es für Frankreich eine Leichtigkeit, den Aufstand niederzuschlagen. Feisal wurde gezwungen, im Irak Unterkunft zu suchen, wo ihn die Engländer nach dem Aufstand der Nomadenstämme im Jahre 1919 mit majestätischer Ehre empfingen und zum König von Irak ernannten. Das waren die Aenderungen im Orient nach San Remo, und damit endete die „Kampf- und Sturmperiode". Die europäischen Mächte fingen an, die Aufgaben, die ihnen durch die Mandate auferlegt wurden, zu erfüllen. Wir werden die Länder, die uns geographisch näherliegen und uns für unsere politischen Bestrebungen interessieren, besonders beschreiben. Zunächst Syrien. Als die Franzosen die Macht in Syrien auf Gi'U<a|

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