Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 294 (28.4.1933)
- Date
- 1933-04-28
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 DIE NEUE WELT Nr. 294 SIEGM. KORNMEHL QROSSFLEISCHHAUERE) Zentrale: IX., Berggasse 19. Irl. A-I7Ö-99 ti. A-lö-9-34 ■■■^■■MMWHMMHMMMMMHaUtaaMHHH^ Lieferant für Heilanstalten Abteilungen »ilr «>«»»'««.c<ttSsfh unter Aufsicht des Ehrwürdigen ftahhinats der lsr Kultusgemeinde Wien AutoZustellung Kostenlos;; IX. BerggasselS - XVII;., Währinger tr. £7!MM.......................»........•.........*....... Aus der zionistisch? revosmnsstssdien Bewegung Zur Klärung der Situation, welche durch den Ver- S»"".h des Herrn V. Jabotinsky, im Zionismus-Revisionismus eine Diktatur zu schaffen und mit Hilfe dieser die Zionisten-Revisionisten gegen ihren Willen aus der Zionistischen Weltorganisation hinauszuführen, verwirrt wurde, hat der Leiter der legalen Exekutive der Union, Vizepräsident Meir Großmann, der Presse nachstehende Erklärung abgegeben: London, 24. April (J. T. A.) In einer der Jüdischen Telegraphen-Agentur übergebenen Erklärung stellt der Vizepräsident der Revisionistischen Weltunion, Meir Großmann, im Namen des Exekutivkomitees fest, daß Bowohl in Polen als auch in Palästina die verantwortlichen Führer der Revisionisten den Standpunkt des Exekutivkomitees teilen. Nichts könne die Tatsache bemänteln, daß Jabotinsky aus Gründen, die ihm selbst sehr wohl bewußt seien, ' seinen Kollegen den Rücken gekehrt und im Laufe von acht Stunden das von Ihm ursprünglich als das einzig möglich erachtete Programm vollständig umgestoßen hat. Das Exekutivkomitee setze seine Arbeit gemeinsam mit den besten Männern der Bewegung fort und kümmere dch nicht um irgendwelche Aktionen von Putschisten. Die Behauptung, drei Viertel der Revisionistischen Union hätten Jabotinskys Disziplinbruch gebilligt, entbehrt jrdor Begründung. Die Zentralkomitees der größeren Organisationen haben sich nicht nur hinter das Exrkutivkamitce gestellt, sondern auch Jabotinskys Sehritt ausdrücklich verurteilt. Was das sogenannte Plebiszit anlange, das Jabotinsky auf eigene Faust organisiert habe, um seinen Schritt nachträglich als legal und gerechtfertigt erscheinen zu lassen, so habe die Exekutive erkllirt, daß diese Abstimmung unrechtmäßig sei, niemanden binde und nicht den geringsten juridischen oder moralischen Wert hat. Ein Plebiszit unter seinen Freunden könne jedermann organisieren. Ebenso könne jeder Jabotinskys Beispiel befolgen und eine eigene „Exekutive" einsetzen. Die Majorität der Revisionisten habe es abgelehnt, sich an dieser Komödie zu beteiligen. Das Exekutivkomitee der Union werde ein Plebiszit dieser Art niemals anerkennen. Jabotinsky habe, bevor er seinen Sehritt tat, eine glänzende Gelegenheit gehabt, ein Plebiszit als Ausweg aus dem Konflikt innerhalb der Partei vorzuschlagen. Aber Jabotinsky wußte allzu gut, daß er bei einer offenen Entscheidung darüßer, ob man innerhalb der Zionistischen Organisation verbleiben oder diese verlassen; solle; sicherlich auch jene Anhänger verloren hätte, die ihn jetzt unterstützen. Jabotinsky scheine zu glauben, daß nicht nur die Zukunft der revisionistischen Bewegung ausschließlich von ihm abhänge, sondern auch, daß die Zusammenstellung einer gemeinsamen Liste für die Kongreßwahlen, in der die Namen der Exekutive-Mitglieder neben seinem eigenen Namen enthalten sein sollen, einzig und allein von seiner Entscheidung abhängig sei. Jabotinsky könne nicht von den Mitgliedern der Exekutive erwarten, daß sie sich seinem Diktat beugen, sei es hinsichtlich der Stellung der Exekutive oder hinsichtlich der Anerkennung des Primats der revisionistischen Disziplin, was gleichbedeutend sei mit Ausscheiden aus der Zionistischen Weltorganisation. Das Exekutivkomitee bedaure, in einem füy die Judenheit so tragischen Augenblick die Oeffentllchkeit mit so untergeordneten Angelegenheiten beschäftigen zu müssen- Es sei in Uebercinstimmung mit den von der letzten Weltkonferenz gefaßten Beschlüssen fest entschlossen, die Partei zum Kongreß zu führen und auf ihm gemeinsam mit befreundeten Gx-uppen die Verantwortung für die Führung der zionistischen Politik zu übernehmen. Es sei nun die Zelt gekommen, daß die Revisionisten unmittelbaren Anteil an der konstruktiven Arbeit füi den Aufbau Palästinas nehmen. Das Exekutivkomitee werde binnen kurzem eine Parteikonferenz einberufen, auf der die Lage endgültig geklärt werden soll. * Die Erklärung der legalen Exekutive kommt zur rechten Zelt. Sie stellt alle gewissenhaften Revisionisten vor die unbedingt notwendige klare Entscheidung. In einer- Zeit der fürchterlichsten Judennot, in welcher das gequälte jüdische Volk in seiner Verzweiflung nach dem Judenstaate ruft, unternimmt Vladimir Jabotinsky den Versuoh, die Revisionistische Union, heute die einzige entschlossene Trägerin der Herz l'schen Judengtaatsidee, aus der zionistischen Weltorganisation herauszureißen und zu spalten. Das ist der Tatbestand, über den man mit noch so gutgemeinten Reden von Frieden, Eintracht usw. nicht hinwegkommt. Jetzt heißt es, klare Entscheidung treffen. Jabotinsky will den Austritt aus der zionistischen Weltorganisation und Bildung einer „Unabhängigen zionistischen Organisation", Die legale Exekutive will die zionistische Weltorganisation, die geniale Schöplung Theodor Hcrzls und einzige legale Trägerin der in der Balfour-Deklaration und im Palästina-Mandat niedergelegten zionistischen Rechte, nicht zerstören, sie nicht verlassen. Sie will sie und den Zionistcn- Kongreß für den Herzl-Zionlsraus erebern. Hier gibt es keinen „A u s g 1 e i c h", hier gibt es nur eine Entscheidung. Jabotinsky betrachtet die Herzlschc Weltorganisation als verfault und abgestorben, den Zionistenkongreß, den er das letzte Mal ostentativ verlassen hat, als unerträglich. Und jetzt will er dip Revisionisten zum Kongreß führen. In Wirklichkeit will er vom Zionistenkongreß wegführen. Die Männer der legal gewählten Leitung wollen dieses unheilvolle Abenteuer, das die revisionistische Organistion und den Ziontatsnkongrcß in Gefahr bringt und, entwürdigt, verhindern. Das ist der Tatbestand. Hier muß man klar entscheiden. Bisher 500 deutsche Juden in Palästina eingetroffen Aus Jerusalem: Bis zum 20. April waren in Palästina etwa 500 Juden, die infolge der jüngsten Entwickungen in Deutschland zur Auswanderung genötigt waren, eingetroffen. Eine große Zahl deutscher Juden ist noch nach Palästina unterwegs. Fast mit jedem Schiff treffen in den palästinensischen Häfen neue Gruppen jüdischer Einwanderer aus Deutschland ein. 1932 # W Wirtschaffcfdtenst Wirtschaftskalcnder Alle Auskünfte und Informationen, betreffend Palästina. Anbahnung von Geschäftsverbindungen, Beratung für Boden- und Bautransaktionen, Beratung in Speditionsunrt Reiscangrlr-^enh^iten besorgt A?r ehrenamtlich geleitete Austro-Palästinensische Wirtschaft s d i e n s t, Wien, IX., Berggasse 16 (Knndelsmus'Uim), von Montag bis Donnerstag, 4 bis 6 Uhr nachm. (Tel. A-l 7-5-40). * Zweiter H^bräidch-Kurs - Die überaus rege Beteiligung am ersten Hebräisch- Kurs des AustroPal'lstinenslschen Wirtschaftsdienstes, an dem zirka 60 Personen teilnahmen, veranlaßte diesen, die Einrichtung eines zweiten Kurses vorzubereiten. Der zweite Kurs wird gleichfalls von einem ganz hervorragenden Pädagogen, H^rrn D. Z. Weinstci n, geleitet. Annl",l Hungen im Sekretariat des Äüstro-Palästine.nsiseheh Wirtschaffcartienstes, Wien, IX-, Berggasse 16 (Handclsmusflura\ Montag bis Donnerstag 4 bis 6 Uhr. — Die erste Unterrichtsstunde Montag am 2;' Mai um 7 Uhr abends. ■ * Englischer Sprachkurs dos Austro-Palästinensischen Wirtschaftsdienstes Einem oft geäußerten Wunsch entsprechend, wird neben den Hebräisch-Kursen auch ein Englisch-Sprachkurs veranstaltet, der auch unter Leitung des Herrn Dr. N. Samonsky steht. Die Englisch-Sprachkurse finden jeden Montag von 7 bis 9 Uhr abends statt und beträgt die monatliche Kursgebühr S 3.—. Der erste Kurs beginnt Montag, den 17. April, 7 Uhr abends, H., Untere Augartenstraße 33 (Hofgebäude). Anmeldungen beim Äustro-Palästinensischen Wirtschaftsdienst (LX., Berggasse 16, Handelsmuseum) oder vor Kursbeginn. * Dritte Studien- und Gesellschaftsreise des Austro- Palästinensischen Wirtschaftsdienstes nach Palästina . 16. Mai bis 6. Juni 1 933. Der große Erfolg, welchen' die beiden Studien- und Gesellschaftsreisen des Austro-Palästinensischen Wirtschaftsdienstes aufzuweisen hatten,, veranlassen diese Institutionen, schon im Monat Mai die dritte Palästina-R^ise zu veranstalten. Wie bei den beiden ersten Reisen wird auch diesmal besonders dafür gesorgt sein, daß die Reiseteilnehmer das ganze Land und sKne wirtschaftlichen Möglichkeiten kennenlernen. Dhp Arrangement dieser Reise wurde dem Reisebüro „Compass-Tours" übertragen, als Reiseleiterin wurde Frau Berta Taubes gewonnen, welche zum fünften Male Gesellschaftsreisen nach Palästina führen wird. Die Ueberfahrt erfolgt auch diesmal mit dem 36 000 Tonnen großen Ozeandampfer „V u 1 c a n i a". Die luxuriöse II. Klasse dieses Dampfers wird als Touristenklasse geführt, wodurch es möglich wird, bei billigen Preisen komfortabel zu reisen. Im Anschluß an den Aufenthalt in Palästina kann Aegypten besucht werden. Die Rückreise erfolgt in diesem Falle mit dem Luxus-Expreßdampfer „Ansonia" in der II. Klasse. Der Preis für das ganze Arrangement von Wien bis Wien, alles inbegriffen, beträgt bei Benützung der II. Klasse S 1100.—, bzw. mit Aegypten S 1260.— (nach heutigen Kursen). Anmeldeschluß 4. Mai 1933. Mit Rücksicht auf das große Interesse, welches sich auch für diese Reise kundgibt, und in Anbetracht der Kürze der Zeit liegt es im Interesse der Reiseteilnehmer, die Anmeldungen raschestens vorzunehmen, damit die Kabinen reserviert werden können. Gleichzeitig mit der Anmeldung ist mindestens ein Viertel des Pauschalpreises zu erlegen und der für Palästina und Aegypten ausgestellte Reisepaß zwecks Besorgung der Visen zu übergeben. Der P r o s p e k t, welcher außer dem ausführlichen Reiseprogramm auch sonst wissenswerte Mitteilungen für die Reiseteilnehmer ent-; hält, ist bereitä erschienen und gelangt über Verlangen kostenlos zur Versendung; mündliche Auskünfte im Sekretariat des Austro-Palästinensischen Wirtschaftsdienstes, IX., Berggasse 16 (Handelsmuseum), von Montag bis Donnerstag, 4 bis 6 Uhr nachmittags, sowie bei „Compass-Tours", IX., Spitalgasse 3 (täglich von 9 bis 1 Uhr). * Bodenkauf in Palästina Dem Austro-Palästinensischen Wlrtsehaftsdienst stehen ausgezeichnete Informationen bezüglich des Ankaufs von Boden (für Bauzwecke, Orangenboden usw.) zur Verfügung. » ein Rekordjahr des palästinensischen Außenhandels Aus Jerusalem: Wie aus der soeben veröffentlichten neuen Nummer des von der Palästina-Regierung herausgegebenen „Commercial Bulletin" hervorgeht, war das abgelaufene Jahr 1932 ein R e k o r d j a h r für den palästinensischen Außenhandel. Der Gesamtimport im Jahre 1932 belief sich auf 7,768.920 Pfund, der Export auf 2,381.491 Pfund. Beide Ziffern sind höher als die entsprechenden in irgend einem Jahre seit Beginn der britischen Okkupation und selbstverständlich weitaus höher als die Export- und Importziffern der Vorkriegszeit. Die Steigerung des Exports betrifft zum überwiegenden Teil den Orangenexport, während die Vermehrung der Ausfuhr palästinensischer Industrieprodukte 70.000 Pfund betrug. Der Orangenexport ist in dieser Saison um mehr ajls 800.000 Kisten größer als 1931/3 2. Die diesbezüglichen Erwartungen der palästinensischen Orangenpflanzer haben sich voll erfüllt. Sieg des Misrachi bei den Kultuswahlen in Tel-Awiw Dienstag, den 28. März, fanden nach einer Pause von sieben Jahren Neuwahlen des Vorstandes der ein-, h e i 11 i c h e n Kehilla in der ersten rein-jüdischen Stadt Tel-Awiw statt. Acht Listen sind eingereicht worden. Die linke Arbeiterschaft hat die Wahl boykottiert, weil sie die Verschmelzung der Kehilla mit der Irija (Munizipalität) wünschte. Der Misrachi hat trotz, mangelhafter Agitation bei dieser Wahl einen imposanten Erfolg errungen. Von den 21 Vorstandsmitgliedern sind acht auf der Liste des Misrachi und des, Hapoel-Hamisrachi gewählt worden, und zwar fünf von Misrachi und drei von Hapoel Hamisrachi. Die fünf von Misrachi sind: Daniel Sirkis, M. D. Groß, Adolf Pinkas, Sch. Ch. Kuk und Zwi Schaechtermann. Es wurden ferner gewählt: drei Allgemeine Zionisten, drei Sefardim, drei von der Liste „Organisation Polnischer Juden" (darunter wieder zwei aktive Misrachisten), zwei von der Liste der unparteiischen Orthodoxen und drei Yemeniten. Von „A.gudas Jisroe 1" ist in Tel-Awiw keine Spur vorhanden, auch sind dort keine Austrittler. Die überwiegende Mehrheit des neugewählten Kehillavorstandes ist eine ausgesprochen orthodoxe, und zwar: zehn Misrachisten, zwei unparteiische Charedim, zwei Yemeniten, zwei Sefardim, also 16 von 31! Gr. Ein deutsches Blatt über das „Wirtschaftswunder" Palästina Die in Berlin erscheinenden „Grünen Briefe für Politik und Wirtschaft" veröffentlichen einen Bericht über den wirtschaftlichen Aufschwung in Palästina, in dem rückhaltlose Anerkennung für die Leistungen der jüdischen Kolonisationsarbeit zum Ausdruck kommt. Es neißt dort: Die jüdische Einwanderung in Palästina, besonders nach der erst wenige Jahre vor dem Krieg gegründeten Stadt Tel-Awiw und den schnell aufblühenden Orangen-" iPflanzungskolonien, belief sich in der zweiten Hälfte des Jahres 1932 im Monat auf rund 1000 Personen, Sie' ist noch ständig im Steigen begriffen ' -oo wird im laufenden Jahre wohl 20.000 bis 30.000 Juden ins Land bringen^ Während die ganze Welt Uber Wirtschaftskrise klagt, vollzieht sich infolge des unablässig zuströmenden jüdischen Kapitals in der jüdischen Siedlung Palästinas ein „Wirtschaftswunder". Die Bautätigkeit '.st außerordentlich groß, im letzten Jahre wurden in Tel-Awiw für 600.000 Pfund Häuser gebaut, eine Reihe neuer Industrien gegründet, bestehende erweitert. Das laufende Jahr scheint dieses Wachstumstempo noch bedeutend steigern zu wollen. Ebenso prosperiert die jüdische Landwirtschaft sowohl in ihrem auf die Ausfuhr berechneten Zweig, dem Orangenbau, wie auch in den anderen landwirtschaftlichen Kolonien, die für den inländischen Markt arbeiten. Durch den außerordentlichen Kapitalszustrom unterstützt — die jüdische Kapitaleinfuhr nach Palästina in den letzten zehn Jahren wird auf eine Milliarde Franken geschätzt —, haben die Juden mit großer Energie, vorzüglicher Vorbildung, nationaler Organisation und außerordentlicher nationaler Disziplin und. Hingabe inmitten eines dürftigen, sehr armen, kapitallosen und rückständigen Landes eine vorbildliche Wirtschaft von europäischem Niveau geschaffen. Das einströmende jüdische Kapital gibt den einwandernden jüdischen Arbeitern hinreichend Beschäftigung, so daß im jüdischen Wirtschaftsgebiet Palästinas als vielleicht dem heute einzigen Gebiet der Erde keine Arbeitslosigkeit herrscht oder zu befürchten ist. Die jüdsche Kolonisation in Palästina, die noch vor zwei Jahren sich in einer schweren Krise befand, ist heute in einem raschen und ununterbrochenen Aufschwung begriffen, der ihre Basis außerordentlich befestigt und erweitert. Diese Wendung ist durch die stark erhöhte Einwanderungan Kapital zu erklären, die Ihrerseits wieder auf die Erschwerung der wirtschaftlichen un<| politischen Lage der Juden in Polen, Amerika un4 Deutschland zurückgeht.