Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 294 (28.4.1933)
- Date
- 1933-04-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 294 DIE NEUE WELT Seite 5 Island-Methoden" in Palästina gesprochen. Nachdem in letzter Zeit wiederholt einzelne Einwände rer und kleinere Touristengruppen an der Landung in palästinensischen Häfen verhindert worden waren, hatte man am Vorabend des Pessach- Festes einer Gruppe von 128jüdischenTouristen aus Rumänien die Landungserlaubnis verweigert, lieber die Bemühungen, die Palästina-Regierung zur Aufhebung dieses Landungsverbotes zu bewegen, wurde oben berichtet. Obwohl ein Uebereinkommen zustande gekommen war, dahingehend, daß diesen Touristen ein dreitägiger Aufenthalt im Lande gegen Erlag einer Sicherstellung von 100 Pfund pro Kopf bewilligt Werden sollte, wurde diese Zusage von der Regierung im letzten Augenblick zurückgezogen. Die Touristen mußten, nachdem sie eine Nacht in den Quarantäne-Baracken von Haifa verbracht hatten, nach Rumänien zurückkehren, ohne auch nur ihre in Palästina lebenden Angehörigen gesehen zu haben. Noch zittert die Erregung über dieses Vorgehen der Behörden in der jüdischen Oeffentilchkelt Palästinas nach, und schon wird eine neue, noch krassere Maßnahme der Einwanderungsabteilung der Palästina-Regierung gemeldet. Die im jüdischen Altersheim zu Jerusalem untergebrachte 7 0jährige G111 Schwiski erhielt wegen illegaler Einwanderung eine Vorladung der Einwanderungsbehörde und wurde bald darauf aus dem Altersheim ins Gefängnis ü b erführt. Die Angehörigen der Greisin sind bemüht, ihre Freilassung gegen Kaution zu erwirken. Abermals jüdische Einwanderer an der Landung in Palästina verhindert Jerusalem, 22. April. Im Hafen von Jaffa sind 80 jüdische Einwanderer eingetroffen. 13 von ihnen wurde von den Einwanderungsbehörden die Landungserlaubnis verweigert. Wieder zu wenig Eimvanderungszertifikate Jerusalem, 23. April. Wie die Jüdische Tele- , graphen-Agentur erfährt, hat die Palästina-Regierung an Steile der von der Jewish Agehcy angeforderten 12.7 5 0 Ein Wanderungszertifikate für das kommende Halbjahr vorläufig nur 55 00 Zertifikate bewilligt. In diese Zahl sind auch die für deutsche Juden ausgegebenen 10 0 0 Zertifikate bereits eingerechnet. In den Kreisen der Jewish Agency ist man wegen dieser starken Reduzierung der Zertifikate-Zahl tief verstimmt. Es werden alle Anstrengungen gemacht, um die Palästina-Regierung zur Bewilligung weiterer Zertifikate zu bewegen. * J .^gestehts . Ateser^' Meldungen ' muß das Verhalten der * Beamten der Palästina-Regierung und des vielgerühmten Oberkommissärs als bösartig und tückisch bezeichnet werden. Während im englischen Parlamente Minister und Deputierte dem verfolgten jüdischen Volke freundschaftliche Teilnahme aussprechen und. aller Welt kundtun, daß das große England gewillt ist, deri Juden überall beizustehen und ihnen die Tore Palästinas zu öffnen, wagen es die kleinen Beamten, welche das große England nach Palästina geschickt hat, die Juden zu brutalisieren. Ohne die leiseste Spur einer sachlichen Berechtigung. Palästina ist im Aufblühen! Es herrscht Arbeitermahgel! Die als zu klein verlästerte ökonomische Aufnahmsfähigkeit Palästinas hat sich als groß erwiesen! Und doch Einwanderungssperre! •, Was tut die zionistische Exekutive? Sie petitioniert und antichambriert — ohne Erfolg. Darf sie . sich so abspeisen lassen? Wenn sie erkennen muß, daß ihre Autorität nicht ausreicht, dann muß sie sich größere Autorität liüt Hilfe des jüdischen Volkes verschaffen. Sie muß das jüdische Volk aufrufen! Das jüdische Volk muß aufstehen und die Palästina-Regierung anklagen und freie Einwanderung ins jüdische Land fordern. Und wieder — Sir Herbert Samuel Sir Herbert Samuel ist eine der traurigsten Gestalten in der jungen Geschichte des politischen Zionismus. Er war der erste Gouverneur im Mandatsland Palästina.. Gewisse englische Kreise glaubten dem jüdischen Volke eine besondere Wohltat damit zu erweisen, daß sie die Ernennung eines Juden zum ersten Regierungschef Palästinas förderten. Die Juden selbst jubelten damals. Dahn erwies sich der Mann mit den herrlichsten Titeln' und der prunkvollen Uniform als Ghettoseele schlimmster i^rt. Hart gegenüber seinen jüdischen Volksgenossen und kriecherisch gegenüber Arabern und Engländern. Zionistische. Patrioten fluchton seiner Regierung und priesen seinen Abgang. Er war es, der offenkundig antisemitische Beamte in Palästina schalten und walten ließ. E r holte den Anstifter des ersten Pogromes in Palästina aus dem Kerker und machte ihn zum Großmufti, zum religiösen Oberhaupt der Araber Palästinas, gab ihm Gelegenheit, unter noch besseren Bedingungen weitere Judenhetzen zu veranstalten. E r war es, der die Frage der Bildung eines Parlaments mit arabischer Majorität aufwarf. E r war es, der die Lostrennung TransJordaniens von Palästina betrieben, jedenfalls gefördert hat. Er Behuf die Einwanderungsbeschränkungen für Juden. Er war es, der den Juden Staatsländereien verweigerte und sie den Arabern zuwies. Warum tat er das alles? Um die arabischen und englischen Antisemiten «versöhnlich" zu stimmen! Die krumme Denkart einer verkrüppelten Ghettoseele. Mauschel im MlnlaterlrackJ , Jetzt ist er wieder hervorgetreten, in einer jüdischen Frage. Als sich in der Vorwoche Sprecher im englischen Parlamente mit den Judenverfolgungen in Deutschland auseinandersetzten und Worte der schärfsten Ablehnung gebrauchten, Hitler-Deutschland an den Weltpranger stellten, meldete sich auch der jüdische Exminister und Abgeordnete Herbert Samuel zu Worte. Was hatte er zu sagen? Einige farblose Phrasen und dann markante Sätze für Deutschland und gegen die Juden. Er hielt es für notwendig, folgendes zu erklären: Er bedauere jede übertriebene Darstellung dessen, was den Juden in diesen Tagen zugestoßen sei . . . Man habe bereits darauf hingewiesen, daß Palästina für eine gewisse Anzahl dieser Menschen einen Ausweg darstelle . . . Trotzdem müsse er feststellen, daß auch die Prosperität eines Landes eine unbegrenzte Einwanderung nicht ermögliche. Er b 111 i g e es, daß die Regierung sicli von dem Grundsatz leiten lasse, daß die Einwanderung der Aufnahmefähigkeit des Landes angepaßt sein müsse ... Er wünsche nicht, führte Sir Herbert welter aus, daß die britische Regierung etwas unternehme, was ihre Beziehungen zur deutschen Regierung trüben könnte. Die entscheidende Lösung der Frage müsse in Deutschland selbst erfolgen ... Er schloß seine Rede mit der Versicherung, daß er niemals für einen antideutschen Boykott eingetreten sei. Unter dem Einflüsse des ungeheuren Geschehens erheben sich Christen und verlangen Maßregelung der hakenkrcuzlerischen Judenverfolgungen, Oeffnung der Tore Palästinas für die Verzweifelten, große Handlungen zugunsten des gehetzten jüdischen Volkes . . . Aber Mauschel steht auf und — bremst. Er setzt sein in Palästina begonnenes trauriges Werk in England fort. Wenn es gegen die Juden geht, ist Mauschel Immer auf der Seite der Verfolger zu finden. Eröffnung eines christlichen Klubs in Jerusalem durch,' Lord Allenby verrate die Tendenz Englands, in Palästina! das Christentum auf Kosten des Islams auszubreiten. Die Kundgebungen machten auf Lord Allenby einen höchst peinlichen Eindruck. Nach Beendigung der Eröffnungsfeierlichkeit äußerte er sich! folgendermaßen zu seiner Umgebung: „Das Land befindet sich in blühendem Zustand. Palästinas Prosperität ist den Anstrengungen der Juden zu verdanken* Sie kommt den Arabern ebenso wie den Juden zugute* Welche Forderungen können unter solchen Umständen die arabischen Politiker erheben? Es ist offensichtlich, daß sie in ihrem blinden Haß so weit gehen, jede günstige Gelegenheit, an der Entwicklung des Landes mitzuarbeiten, vorübergehen zu lassen. Engländer über die arabische Hetze in Palästina Wie aus Jerusalem berichtet wird, fand dort am vergangenen Freitag anläßlich der Eröffnung des Klubs der Young Men's Christian Association (YMCA.) durch Feldmarschall Lord Allenby eine von der arabischen Eekutive inszenierte feindliche Demonstration arabischer Frauen gegen diesen und den gleichzeitig in Jerusalem weilenden englischen Kolonienminister Sir Philip Cunliffe- L i s t e r statt. Die Taktik der arabischen Führer, Frauen im Dienste ihrer politischen Propaganda vorauszuschicken, in der Annahme, daß gegen diese scharfe polizeiliche Maßnahmen nicht angewendet werden können, hat in palästinensischen' '• Regierungskreisen lebhafte Entrüstung hervorgerufen. Bei den Kundgebungen der arabischen Frauen wurden aufreizende Reden gehalten, in denen England vorgeworfen wurde, es habe seine den Arabern gemachten Zusagen gebrochen. Die Jüdisch-arabische Straßenkämpfe in Tanger . Aus Tanger: Während der Pessach-Feiertage kam es in Tanger zu ernsten Unruhen und Straßenkämpfert zwischen Arabern und Juden, in deren Verlauf mehrere Personen schwere Verletzungen erlitten. Mehrere Araber und Juden Wurden verhaftet. Nach Verstärkung der Polizei durch Militär wurde die Ordnung wiederhergestellt. In einzelnen Stadtteilen kommt es noch immer zu kleineren Zusammenstößen. Die Ursache des Konflikts konnte bisher nicht festgestellt werden. „Hotel Smetana Bad Luhacovice Mähren Gegründet 1872 Haus mit 50 gut eingerichteten Zimmern, fließendem Wasser, in zentraler Lage, Cafe und Restaurant im Hause, streng rituelle Verpflegung. Preise für die Vorsaison: Zimmer mit kompletter Verpflegung von Kc 40.— aufwärts Weldie Kms und Badeorte Juden besuchen sollen Leser aus allen Ländern richten an die Verwaltung der „Neuen Welt" die Anfrage, welche Kurorte, Seebäder usw. sie heuer aufsuchen können, ohne in ein antisemitisches Milieu zu geraten. Viele der Anfragenden waren gewöhnt, deutsche Seebäder und Heilstätten zu frequentieren. Sie wollen nun wissen, wohin sie heuer gehen sollen. Unter den jetzigen Umständen scheint es für Juden geboten, alle Länder, Orte und Gaststätten zu meiden,1 wo sie nicht eines ruhigen Aufenthaltes und einer würdigen Behandlung sicher sind. Die Verwaltung der „Neuen Welt'* wird sich bemühen, den Anfragen durch zuverlässige Aus-* kunft gerecht zu werden.