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Die neue Welt · 1933-04-28 · Heft 294 (28.4.1933) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 294 (28.4.1933)
Date
1933-04-28
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seile 2 DIE NEUE WELT Nr. 294 Nöoei-Räumungsverkaurs Wesen Räumung meines Ug*W, alle Arten moderner MÄbel, Seltene O'iegenheltafcgtife tu sentatlonSl! Illlflen Preisen. Kiesenauswahl im MÖBELHAUS WÜHL " s5i!S!tJ«j ^pjpjpjBjpjpjpjHKBjpjpjp^ Henri de Toledo und Albert Meyer, dem evangelischen Konsortium einen Dankbesuch ab. « Eine Reihe hervorragender Schweizer Intellektuellen hat an die verschiedenen evangelischen Gemeinschaften der romanischen Schweiz folgenden Aufruf gerichtet: Erschüttert angesichts der gegenwärtigen Lage der deutS6heü Juden, glauben die Unterzeichneten,- die es nicht fassen können, daß sonst auf die Wahrung sittlicher Werte bedachte Behörden sich der Anerkennung des Rechtes jedes menschlichen Wesens auf Gewissensfreiheit, Arbeit und Sicherheit verschließen, daß es noch immer Zelt sei, die Aufmerksamkeit der Christen auf die Bedenklichkeit einer Haltung hinzulenken, die eine Verneinung des Liebe, Unabhängigkeit und gegenseitige Hilfe bedeutenden evangelischen Geistes darstellt. Sie erwarten von den Kirchen, daß diese ihre Stimme erheben, um für die Juden dieselbe Gerechtigkeit zu fordern, die sie für jede andere zurückgesetzte Minderheit verlangen müßten. Was idi in Deutediland gesehen habe Bericht einer englischen Beobachterin Ans London wird der „Neuen Welt" unter dem JB2. April geschrieben: Auf einer kürzlich., abgehaltenen Arbelterkonferenz« fax London ergriff auch die bekannte ScHriftstellerlri Und gewesene Deputierte: 3B!toü''EUen vW^'1-kX'ri.'s o n das Wort. Sie berichtete über die Lage in Deutschland, wohin sie sich begeben hatte, um aus eigener Anschauung feststellen zu können, was vorgefallen ist. Frau Wlrklnson erklärte nach der Meldungenglischer Blätter, folgendes: . ' „Ich habe junge Menschen geseheii,; denen man die Augen mit Stahlruteh' zerschlagen hät... Ich habe gesehen ,* ." hier brach Frau Wilkinson m Schluchzen aus und konnte nicht, weiterreden. Eminem Pressevertreter gegenüber . äußerte sie sich : „leb inrecbe. vor Menschen nicht zusammen, abe^ea Ist jetzt eine Zejfc wo es unmöglich ist,, , sieb,;zu, Jbeherr-. sehen. Ich rede nicht davon, was ich gehöjrt^;h nur davon, was ich mit eigenencA habe nicht übertrieben. Jm Berliner.,. BezÄ'7W.'^'a^lr^ habe ich gesehen, daß junge Arbeiter in ihren Wohnungen geschlagen wurden. ■ . Gewöhnlich schlägt man auf,die Schultern, aber In Deutschland praktiziert man eine neue Methode: man sehlägt über das Oes ich t., Die, zum Prttgeü} Bestimmten hat man zuerst an den Händen gebunden und dann mit Stahlruten geschlagen, die mit Leder umwunden Waren. In zwei Fällen hat man die Augen der Geschlagenen mit den Ruten gepeitscht. Es gibt noch eine weitere Methode des Peinigens: Man gibt Reyolverschüsse gegen das Gesicht ab. Vielen, die lange Nasen hatten, hat man das Nasenbein zerquetscht. Kann man ruhig Uber diese Dinge reden? Und dabei verübeln es einem noch die nationalsozialistischen Machthaber, wenn man; von begangenen Greueltaten in Deutschland spricht, und wollen der Welt Vorlügen, daß Greuel nicht begangen wurden." So lautet der Bericht einer nicht jüdischen Beobachterin. 6000 jüdische Aerzte vom Verbot der .Kassenpraxis betroffen . Aus Berlin: Wie der „P., G. Z." berichtet, erstrecken sich die Aufgaben des ins. Reichsarbeitsministerium berufenen Dr. Haedenkamp vom Verband der Aerzte Deutschlands nahezu ausschließlich auf die Reorganisation des Aerztewesens innerhalb der. Kränke nkdsse.n und sonstigen Sozialversicherungst r äg e r. Bis zur Durchführung der Regelung auf Grund des Berufsbeamtengesetzes v^urde die Zulassung zur Kasaenpraxis generell gesperrt. Bei der Ueberprüfung sollen die jüdischen und kpmmunisti- SchenKassenärzte von der kassenärztlichen Tätigkeit ausgeschlossen werden. Für die jüdischen Aerzte wird wahrscheinlich eine Reihe von Ausnahmen gemacht werden, während diejenigen Aerzte,. die sich kommunistisch betätigt haben, ausnahmslos, ohne Berücksichtigung der Konfession und Rassenzugehörigkeit, ausgeschlossen bleiben. Bemerkenswert ist die Stelle im Bericht des.„P. G. Z.", in der. davon die Rede ist, daß. in jenen Fällen, in denen es sich entweder um Frontkämpfer oder um Aerzte handelt, die ihrer ärztlichen Betätigung während des Krieges an der Front und in den Lazaretten nachgegangen sind oder die sich bereits am 1. August 1914 in Deutschland, niedergelassen hatten, Ausnahmen für die jüdischen Aerzte „zulässig" sind. (Das Beamten- und das Anwaltgesetz stellen nämlich solche Ausnahmen nicht als bloß zulässig, sondern als obligatorisch bin.) Insgesamt dürfen beute in Deutschland etwa 50,000 Aerzte amtieren, von denen .^.bj)0;>uf die Kassenpraxis entfallen. Die Gesamtzahl der jUdisehen Aerzte in Deutschland beträgt etwa 7000, von denen ungefähr 6000 kaasenärzlich tätig sind. Die letzte Entscheidung über Absetzung öder weitere Amtierung der unter die Ausnahmeklauseln fallenden jüdischen Aerzte steht — ebenso wie die Prüfung etwa eingehender Beschwerden — dem Reiehsar^beitsmlnistef 2Uv Die Anzahl der aus der Kassenpraki^ ausscheidenden jüdischen Aerzte wird sich erst br.eftjra einem Vierteljahr tibersehen lassen. " tr-1-—1- Minister Göbbels spricht von unverdienter Milde! Köln», 25. April. Ii Reichsminister . Dr. G ö b b e 1 s führte gestern in einer Rede im Gürzenich aus: Es ist wohl zu verstehen, daß eine Presse sich dagegen verwahrt, der Tendenz einer Partei untergeordnet zu werden. Was aber die "RelcBsregierüng will, ist 'nicht die; Angelegenheit einerv Partei, sondern Sache des ganzen Vo 1 kes. Jeder muß heute zugeben: Die neue Regierung tut etwas, sie schreckt vor nichts; zurück, sie macht Ernst. Nach der Machtübernahme hat man dem Judentum gegenüber.eine Milde walten lassen, die es gar nicht verdient hat. Es ist jetzt allgemein offenbar geworden, daß die Juden ihre Verbindungen über die ganze Welt haben und in der Lage sind, die Greuelpropaganda . einzuschränken. Göbhels wandte sich dann Fragen der Wirtschaft zu und erklärte: Die Wirtschaft muß in sich reformiert werden. Kapital darf nicht mit Kapitalismus gleichgesetzt werden. Der Kapitalismus ist Mißbrauch des Kapitals. den und unbeachtet im Rahmen deutscher Gesetz« seinem Gewerbe nachzugehen. Er danke es nur der staatsklugen Leitung Hitlers und der Disziplin, wenn ihm im großen und ganzen nichts passiert sei; Aber es solle keine f a 1 sehe Objektivität zum Schaden des Volkes vorwalten. Das Judentum habe in-Deutschland für Jahrhunderte ausgespielt. Die Abrechnung mit dem Judentum Unter der Ueberschrift „Die Abrechnung mit dem Judentum" Veröffentlicht der Oberpräsideht der Provinz Brandenbürg, Wilhelm K u b e, der zugleich der Führer der nationalsozialistischen Landtagsfraktion ist, einen Artikel, in dem u. a. ausgeführt wird, das Judentum sei in Deutschland der zäheste Verteidiger des sch'warz-rot-goldenen Systehis gewesen. Das Kaisertum der Hohenzollern sei an seiner- J ü d'&n f r 6ü n-d I i c h k e" lt-~ Jimgruride 'gegangen.; rDie Republik Von Weimar sei judenhörig gewesen und :sel darum noch schneller zugrunde gegangen; Das Dritte Reich Adolf Hitlers lehne das Judentum ab und werde darum dauern.; ^> Die nationalsozialistische -Revolution .sei notwendig gewesen, um das Volk vor dem Untergang zu bewahren. Der Jude möge sich wieder daran gewöhnen,' besche;i- Uniöii der Ziom's eVf**dW4stenf Mittwoch, den;i*. Möl/1933, ^9 •tfbrj; abends, im HershSaal des: Verbands*^ heims, IL, Untere Augartenstraße 38 ■«/. Gegenstand: jRQflM-^uiin |fc.(*lonl»toiikonareß Referenten: Dr. Bukspan . Oberbaurat Robert Stricker Regiebeitrag. 20 Groschen . ,, . Ausscheidende jüdische Professoren ■ Aus Berlin: Auf Anordnung des Reichskommissärs'ftir das preußische Kultusministerium, Dr, Rust, ist der an Professor Theodor L e s s i n g an der Technischen s Hochschule in Hannover erteilte Forschungsauftrag, zurückgezogen worden. Die Lehraufträge der Professoren Chajes und Holde an der. Technischen Hochschule in Charlottenburg wurden widerrufen. Die Professoren Fritäs Frank und Igel von der Technisphen Hochschule in Charlottenburg sind von ihrer Lehrtätigkeit, vorläufig beurlaubt worden. Das „Recht" unter dem Hakenkreuz Aus Berlin: In den als. Beilage zur „Deutschen Arbeitgeberzeitung" herausgegebenen „Blättern für' Arbeitsrecht" untersucht Amtsgerichtsrat Doktor Theodor Rohlfing die Frage, welche''Rechtsfolgen'1 aus der .Zug eh ör igk e i t'zu r. jüdischen Rasse im Arbeitsrecht ergeben. Der Verfasser kömmt zu dem Schlüsse, daß sich für den Arbeitgeber bei fristgemäßer Kündigung von Arbeitnehmern wegen ihrer" Zugehörigkeit zur jüdischen Rasse k e 1 ri e S c h w 1 e r i g k e i t e ri ergeben, da' zwar Organisatiönsf reiheit und politische Meinungsfreiheit gesetzlich gesichert seien, eine gesetzliche Beschränkung in der Ri'cntu'ng, daß die Kündigung wegen des Motivs, Angehörige jüdischer Rasse aus dem Betrieb entfernen zu wollen, nichtig sei, im Gesetz jedoch nicht enthalten sei. Mit Rücksicht auf die von deutschen Arbeitern und ' Arbeitgebern getragenen Anschauungen verstoße eine Kündigung wegen Zugehörig"» keit zur jüdischen Rasse auch nicht gegen die guten Sitten. Fristlose Kündigung jüdiseher Angestellter sei dort, wo Arbeitgeber oder Geschäftsleitung selbst der jüdischen Rasse angehören, nicht zulässig, da sich hier die Abwehr der Kunden nicht gegen die Tätigkeit der jüdischen Angestellten, sondern dagegen, daß der Betrieb sich in jüdischen Händen be-i. finde, richte. Dagegen sei f r i s 11 o s e E nt.La s s u n g i n deu t s ch fft>ä m in i g 6 n B e triebe n möglich, weil dort' dein Arbeitgeber nach-den obwaltenden Verhältnissen die Fortsetzung des-Arbeitsverhältnisses mit den jüdischen, Angestellt» laicht zugemutet werden' könne. Einer Ein-;SprueliskS&ge>^wegeii*-' -Verdachtes; ,daß. die ^Kündigung- . wlagen^Zugehörigkeit-^. zu ^eüien*, konfessioneUen^VerhandU erfölgtej^ist nach Ansicht des Verfassers nicht atattzu» geben, da-die Kündigungen jüdischer Arbeitnehmer .nicht wegen ihrer Zugehörigkeit zur jüdischen Religion, sondern' 'zur Semitischen Rasse -erfolgen. Die Rassenzugehörigkeit aber, werde durch das -Gesetz nicht geschützt. Besondere Ladezeiten für Juden Die „Pfälzische Jfcun.dschau/4 meldet aus Speyer: Im Interesse der öffentlichen Ruhe und Ordnung hat der kommissarische, zweite Bürgermeister von Speyer angeordnet, daß im Sommer in den städtischen Badeanstalten b e s o n d e r e , Badezeit e n ,f ü r Juden eingerichtet werden. die # MM cn t Sftörungsvefsudie Wien, Ende April. Auch in Oesterreich ist die polltische Entwicklung soweit gediehen, daß sich die Jfudenschaft darüber Rechenschaf t,abgeben müßte, wo, sje steht, ob sie Subjekt oder;sOb Jek-t; im. Ma.c-htjkampf de* Par teiein sein will. Die sich für das Schicksal der österreichischen Judenschaft verantwortlich fühlenden Männer sahen den Entwicklungsweg schon lange voraus und versuchten, durch eine Organisation und Konzentration aller jüdischen Kräfte ein Bollwerk gegen drohende Gefahren zu schaffen. Schon zu einem Zeitpunkt, da die nüchternsten Betrachter der politischen Lage einen ^Sieg des Hakenkreuzes in Deutschland als absurd bezeichneten, schon damals ging Von ,jbürgerUch"-zionlstischer Seite, die Parole für einen Zusammenschluß der österreichischen Juden In einer Organisation aus, in der alle j ü d 1 s c h e n E1 emente des österreichischen Staates den .ihnen .zukommenden Platz zu finden hätten. Vor allem war es die Assim 11 ation, die diesen naturlichen Prozeß aufhalten wollte, um noch möglichst lange das Schauspiel vom. sterbenden Sehwan des Liberalismus genießen' zu können. Dieser Wunsch fand wenig Nahrung. Als es hieß, wem die Wiener Juden die Führung Ihrer Gemeinde anvertrauen sollen, zeigte'sich zum erstenmal der Niederbruch der Wiener Assimilation. In der Wiener Judengemeinde hat seit den letzten Kultusratswahleii das natlonalbewuß.te, ziö.nlstlsphe Judentum die Führung. Unter diesem Aspekt schien wieder einmal die Möglichkeit gegeben, eine geschlossene jüdische Front .den diversen antijüdischen österreichischen Parteientendenzen gegenüberzustellen. Diese Aufgabe hatte die bereits > ein Jahr -bestehende „J.ü d 1 s q h e Volkspartei" zu übernehmen. Abgesehen von allen Inner jüdischen Fragen hatte nämlich diese Partei eine Chance, die alle anderen jüdischen Gruppen nicht hatten: die Chance nämlich, endlich einmal eine Klärung zu schaffen im politischen Raum Oesterreichs, in welchem es bisher zwar jüdische E1 e in e n t e, aber keine rein jüdisch orientierte Formierung gab. Das jüdische Volk in Oesterreich konnte im Rahmen dieser Partei sich ideologisch Und faktisch von allen anderen Parteien abgrenzen. Im Grunde genommen — zumal vom zionistischen Standpunkt — die einfachste,' selbstverständlichste und reinlichste Sache der Welt. Unter den in Deutschland heraufsteigenden Wolken, die zu einem fürchterlichen Gewitter niederbrachen, hat die „Jüdische Volkspartei" Werbearbeit geleistet, und siehe: Juden, die politisch teils indifferent, teils parteimäßig gebunden waren, strömten zu, schriftliche Zustimmungen, Beitrittserklärungen aus allen Ständen, Berufen und Schichten gaben der „Jüdischen Volkspartei" die Legitimität ihrer Aspirationen. Es zeigte sich etwas, was sich in der politischen Geschichte immer wieder erweist: daß das Im gegebenen Augenblick Notwendige, Naturgegebene allen Hemmnissen zum Trotz Fuß faßt und plötzlich Ausdruck des Unbewußten in der Volksseele wird. Das Zwangsläufige geschah. Die in der. „Jüdischen Volkspartei" niedergelegten Tendenzen brachen sich Bahn und es kam der Augenblick, daß sie den ihr innewohnenden Sinn auch äußerlich dokumentieren sollte. Nichts natürlicher, als daß die in der Jüdischen Volkspartei konzentrierte jüdische Gemeinschaft die Gelegenheit nicht außer, acht ließ» den üi Oesterreich regierenden Faktoren ihre Entscheidungsgründe und politischen Aspirationen in der jüdischen Gasse und im Staate kund» zugeben und auf eben jene Klärung hinzuzieleu, die.

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