Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 294 (28.4.1933)
- Date
- 1933-04-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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186 Titt. Universitätsbibliothek Wien, I. Preis 35 Groschen Mitsang 7 twttomg, dtn 3S+April ttll Nt* 294 V,b<tn Zeitung tom Verleger versende! «Journal exp&Ue par l'editeur« R E VU E BEZUOSBBUINQUNQBN: Le|C*4&—vierteljährig Mark 3.—; Bulgärletf monatlich Lewa 40.—, vierteljährig Lewa 120.—; Italien monatlich Lire 5.—. vierteljährig Lire 14.—; Sehwels und die ubr igen Länder monatlich Schweizer Francs IJSKK viertetiährig Schweizer Francs 4.90 HERAUSGEBER ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung: Wien IX, Universitatsstr. 6*8, leL B-48-504 — Erscheint jeden Freitag //Neue Welt" in Deutschland verboten—weil sie das Martyrium der deutschen Judenkmder schilderte Bei aller Entschlossenheit, den Kampf für die unglückliche deutsche Judenschaft und das beleidigte und bedrohte Judentum in aller Welt zu führen, hat es die „Neue Welt" immer vermieden, den Gegner zu schmähen. Sie hat es grundsätzlich unterlassen, die derzeitigen Führer Deutschlands zu verunglimpfen. Das Blatt hat auch bisher anstandslos die Grenzen Deutschlands passiert. Jetzt ist die „Neue Welt" in Deutschland verboten worden. Den Anlaß gab ein Artikel in der letzten Nummer, betitelt: „Das Martyrium der deutschen Judenki nder", in welchem die unsäglichen Qualen der jüdischen Jugend, und auch der aller jüngsten, geschildert wurden. Im Kindergarten, in der Volksschule, in der Mittelschule werden die Seelen und Leiber der Judenkinder gemartert. Den Krieg einer großen Nation gegen Kinder, dieses ungeheuerliche Unternehmen hat die „Neue Welt" geschildert. Nicht die Worte des Blattes, die Tatsachen haben die Herzen tausender Mütter und Väter in aller Welt erzittern lassen. Darum wurde die „Neue Welt" in Deutschland verboten. Ist der deutschen Nation damit gedient? Es ist tief bedauerlich, daß die „Neue Welt" bis > auf weiteres von ihrem großen treuen Leserkreis in Deutschland getrennt wird. Aber diesen jüdischen Lesern möge es zum Tröste gereichen, daß das Blatt ihre Sache weiter und unbeirrt in der großen Welt vertreten wird. Und das Blatt glaubt aus diesem Anlaß, an alle seine Freunde und Leser außerhalb Deutschlands die Bitte richten zu dürfen, für seine Verbreitung noch eifriger zu wirken. Die Bitte entspringt nicht kleinlicher Interessiertheit, sondern dem Bedürfnis, die Schlagkraft eines für die schwer bedrohte Existenz des jttdisjehen Volkes* wirkenden Organes zu erhöhen. JÜDISCHE VOLKSPARTEI ÖSTERREICHS ZWEI GROSSE VORTRAGSABENDE üb«, » MM MM M. « REFERENTEN: OBERBAURAT ROBi Sf RIGRER'/1R ÖSKAR GRÜNBAUM Y;• "> , ■ '•• •.. ., . ' "- , : . '■ - - p-'v,r•• •-•-'<■'.....;...>., T . . , ■ . ■ . } •■. |, •„)>' V H V ., ■;. . Donnerstag, den 387* Apjril Donnerstag, den 4* May .um :V29 Uhr abends im großen Saal des um Va9 Uhr abends ini flötel Continental, ICafö;Mariahüf,-.VI, /M^iahilfersteaße 89 a II, Taborstraße 2 \ ■ Welfboykoll gegen Deutschland Vom Londoner Berichterstatter der //Neuen Welt" i: ' ' London, 25. April. Die Frage, ob der Boykott deutscher Waren ein richtiges und zulässiges Mittel ist, Hitler-Deutschland zur Einstellung der unerträglichen Judenverfolgungen zu bewegen, ist hier noch immer diskutiert worden, sowohl in der jüdischen als auch in der nichtjüdischen Fresse. Während in den jüdischen Massen der Boykottgedanke sofort populär und in die Tat umgesetzt wurde, verhielten sich gewisse Kreise zuwartend. In diesen Kreisen versprach man sich viel von der Wirkung der Kundgebung der Minister und Politiker im englischen Parlament. Nun ist ersichtlich geworden, daß diese Kundgebung wohl in der ganzen Kultur weit die größte Beachtung gefunden, aber nicht hingereicht hat, Deutschland zu einer Aenderung seines Verhaltens gegenüber seinen jüdischen Bürgern zu bewegen. Jetzt wird der Boykott allseits als wirksamstes Mittel angesehen. In den großen Londoner Tageszeitungen ist heute nachstehende Meldung erschienen: „London, 25. April. Kapitän W. J. Webber, der Präsident der britischen Liga zur Bekämpfung des Antisemitismus, machte gestern Vertretern der Presse Mitteilung über eine mit den vorzügl. Salonsdiiffen des H Lloyd Triestino Abfahrten jeden Mittwoch um 13 Uhr Ferner: Wöchentliche Expreßlinie nach Istanbul; wöchentliche Luxuselllinie nach Alexanzwelmai monatlich Luxuseillinie nach Bombay; monatliche Exprettlinie nach Ceylon, Singapore, Shanghai; Postumen nach der Levante, Schwarzes Meer, Indien, China, Japan Auskünfte: Lloyd TTiestino,Vrfien i.Kärntnerrlng6,Tei.u 47-5-60 Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgelt« liehen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet bevorstehende, int er nationale1 Auktion; zugunsten der deutschen Juden. Es ist beabsichtigt, in allen Staaten, die einen antideutschen Warenboykott eingeführt haben, also vor allem in England, Frankreich, in den Vereinigten Staaten, Holland und Po I e n, Beschwerdeschriften über die nationalsozialistischen Judenverfolgungen einzusammeln und der Reichsregierung eine internationale Denkschrift zu überreichen, in welcher sie aufgefordert wird, den Boykott gegen jüdische Geschäfte unverzüglich auf zuheben und alle aus ihren Stellungen verdrängten Juden wieder in ihre alten Positionen einzusetzen.. Sollte die Reichsregierung diese internationale Beschwerdeschrift unbeantwortet lassen oder .einen "abschlägigen Bescheid erteilen, so wird der Boykott gegen deutsche Wären in allen Ländern, die sich an dieser Aktion beteiligen,;neuerlich und mit aller Macht zur Durchführung, gelangen." ■U Der römische Großrabbiner bei Mussolini Rom, 25. April. Die Agenzia Stefani teilt mit: Der Chef der Regierung hat heute den Großrabbiner von Rom empfangen, der ihn im Auftrag des Verbandes der jüdischen Gemeinden von Italien über die bitteren und besorgten Empfindungen der' jüdischen Bevölkerung Italiens über die schwierige Lage, in die ihre Glaubensgenossen in Deutschland geraten sind, unterrichtete und ihm die diesbezügliche, vom Rate der jüdischen Gemeinden Italiens gebilligte Tagesordnung überreichte. Der Chef der Regierung' hat seiner Zuversicht Ausdruck gegeben, daß die b e k 1 a g t e' Lage rasch zur Norma 1 i.t ä t zurückkehren. werde. Die Mussolini überreichte Tagesordnung hat. nach der „Tribuna" folgenden Wortlaut: „Im Namen deritalienischen Juden, ■ die sich in dieser traurigen Stunde'; den so schwergeprüften Juden in Deutsah» 1 a n d n a h e f ü h 1 e h, drückt der -Verband der jüflsoheja Gemeinden Italiens den aufrichtigen Wunsch aus, daß f#r sie schnellstens wieder normale Lebensbedingungen hergestellt und ungerechte Beschränkungen aufgehoben werden und daß ihnen die Parität der Rechte mit allen Bürgern wiedergegeben werde. Der Verband der jüdischen -Gemeinden Italiens wünscht daß sich alle Kulturvölker BEHANDLUNG VON RHEUMATISMUS GICHT, ISCHIAS UND FOLGEN VON SPORT¬ VERLETZUNGEN M INDERM ABT (SCHNELLKUREN, JONTOPHORESE, ORIGINAL PISTYANER SCHLAMMPACKUNGEN ETC.) IN DER KURANSTALT DIANABAD FÜR ALLE PHYSIKALISCHEN HEILMETHODEN GRÖSSTER KOMFORT ZEITGEMÄSSE PREISE zu einem bindenden Vertrag bekennen mögen, ' der die W i e d e r hol u n g b r u t a 1 e r A u s s c Ivr e i t u n g e n "unmöglich macht und die Juden vor unge» •iüifä^HbW&teü Verfolgungeä' -j>e-scb-ÜtzVi Massenpetitiön amerikanischer Juden an die Regierung; Aus'New York: In New York fand eine;vom American Jewish Congress einberufene Kon» ferenz statt, an der 1500 Delegierte von 6 0 0. jüdisch e n Organisationen teilnahmen. Es wurde beschlössen, eine Unterschriftensammlung für eine der Regierung der Vereinigten Staaten und dem V ö 1 k e r b und zu überreichende Massenpetition einzuleiten, in der die Regierung der Vereinigten Staaten, resp, der Völkerbund aufgefordert werden, ihren Einfluß dahin geltend zu machen, daß den deutschen Juden Ge« rechtigkeit widerfahre. Am 10. Mai, dem Tage, an dem in Deutschland Bücher jüdische r A ut&ren verbrannt werden sollen, werden in allen amerikani« sehen Städten Demonstrationszuge als Protest gegen die in Deutschland gegen die Juden ergriffenen Maßnahmen veranstaltet. Tod zweier Juden in Wiesbaden Wiesbaden, 25. April. Zwei Ueberfälle auf jüdischeEinwohner mit tödlichem Ausgang wurden am Samstagabend hier verübt. Nach dem amtlichen Polizeibericht wurde der 59jährige Milchhändler Kassel tot in seiner Wohnung aufgefunden. Die Leiche wies eine größere Zahl Revolverschüsse auf. Nach der amtlichen Feststellung sind mehrere Personen durch Ein» schlagen der Türfüllung in die Wohnung eingedrungen und haben den nach dem Fenster flüchten den Mann niedergeschossen. Daß ein Raub beabsichtigt war, haben die polizeilichen Feststellungen nicht ergeben. Es dürfte sich um einen Racheakt handeln. Der zweite Ueberfall geschah zwei Stunden vorher auf den 58jährigen Kaufmann Salomon Rosenstrauch. Zwei junge Leute fragten in der Wohnungstür nach Rosenstrauch. Als er erschien, hielten sie ihm einen Revolver entgegen. Er flüchtete ins Zimmer und fiel vor Aufregung nieder. Die Burschen entfernten sich eiligst, ohne sich der Haushälterin gegenüber über den" Grund ihres Erscheinens auszulassen» Die alarmierte Polizei brachte Rosenstrauch ins; Krankenhaus.' Auf dem Transport ist er einem Herzschlag erlegen. Die Täter sind bis jetzt noch nicht ermittelt. Die evangelische Kirche in der Schweiz zur Lage der Juden in Deutschland Aus Genf wird berichtet: Die Delegierten der evangelischen Kirchen Briquet und Wible haben dem Genfer.Oberrabbiner Salomon Meyer einen Besuch abgestattet. Sie erklärten namens der evangelischen Kirchen, daß sie die Zurücksetzung der Juden in Deutschland mißbilligen, und versicherten die Jüdische Gemeinde ihrer Sympathie. Am folgenden Tage statteten die Mitglieder des Rates der Jüdischen Gemeinde Genf,