Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 293 (21.4.1933)
- Date
- 1933-04-21
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 293 DIE NEUE WELT Seit« 7 schon in den Zelten der Kreuzfahrer verarbeitet wurde — und einige Kupferrainen sind vorhanden, abgesehen von den wertvollen heißen Mineralquellen im Norden. All dies Ist heute unausgebeutet, ebenso wie der Fischreichtum im Golf von Akaba. Dieser 150 Kilometer lange Golf ist ein idealer Fischgrund. Die Ausbeute wird verhindert durch den schlechten Zustand der Zufahrtsstraßen. So ist der Ackerbau fast der einzige Beschäftigungszweig der Einwohner. Der Bericht der Regierung für 1927 gibt folgende Ernteziffern für die wichtigsten Kulturen (in Tonnen): Weizen 35.000, Gerste 12.000, Linsen 3200, Erbsen 1000, Trauben 100, Mais 220, Sesam 20. Im Jahre 192D nahm die Regierung für drei Jahre vom Zehent aus: Flachs, Baumwolle, Erdntlsse und Kartoffel, um den Anbau dieser Gewächse zu ermutigen. Im Jahro 1931 wurden auch 26 Tonnen Tabak geerntet, der hu Lande verbraucht wurde. Der Ackerbau zeigt keinen Fortschritt. Erst in letzter Zeit sind von der Regierung hydrologische Untersuchungen Im Lande gemacht worden, um die Möglichkeit bewässerter Kulturen auf den Hochebenen zu studieren. Diese könnten auf die zukünftigen landwirtschaftlichen Aussichten umwälzend wirken. Jahr für Jahr wird der Bauer von Katastrophen heimgesucht und Infolge seiner Primitivität ist er gegen Unbilden der Natur empfindlicher als sein mehr fortgeschrittener Bruder in Palästina. Der abnormale Regcnmangel 1925 verursachte eine schwere Mißernte, 1926 gab es wieder Regelmangel und versengende Ostwinde, ferner auch noch Viehkrankheiten, 1927 gab es die Hcuschreckeninvaslon, 1928 hat der allzu spärliche Regen die Ernte geschädigt, 1929 neue Heuschreckeninvasion, 1930 kam die Feldmausplage dazu, 1931 blieben die Spätregen aus, außerdem brach plötzlich ein Hcuschreckenschwarm ein, der innerhalb von 33 Stunden das südliche Grasland und die Ernten von Maan und Kerak vernichtete. Der Bericht sagt: „Diese Plagen, ferner die niedrigen Getreidepreise und die allgemeine Geldnot hatten viel Unglück zur Folge. Es wurde ein Hilfswerk organisiert, 12.178 pal. Pfund Steuern ererlasscn und 10.000 pal. Pfund Agrardarlehen gewährt." Transjordanien war einst als Handelsdurchgangsland berühmt und die moderne Entwicklung gäbe Gelegenheit, diesen Ruf zu erneuern. Die neuen englischen Land- und Luftwege nach Indien kreuzen Transjordanien und die Oellinie von Mossul, sowie die projektierte Bahn Haifa—Bagdad desgleichen. Damit diese Linien ausschließlich durch britisches Gebiet ziehen, wurde ein zirka 100 Kilometer breiter Korridor geschaffen, der Transjordanien mit Irak verbindet und die britische Reichslinie nach Indien sichert. Schon jetzt $£>t es regelmäßige Kraftfahrlinien von Jerusalem nach Bagdad über Amman und die Luftfahrzeuge fliegen auf ihrem Weg nach Indien gleichfalls über diese Stadt. All dies wird sich erst in Zukunft im täglichen Leben von Transjordanien fühlbar machen. Gegenwärtig bat der Handel Transjordaniens einen sehr bescheidenen Umfang. Eine ausreichende Handelsstatistik existiert nicht. Die Schätzung von 1931 des Wertes der zollpflichtigen Güter, die über Palästina und Syrien, mit welchen Ländern Transjordanien in Zollunion steht,-war 470.000 pal. Pfund oder 1,4 pal. Pfund per Kopf der Bevölkerung gegen 7 pal. Pfund in Palästina. Es ist interessant, daß der Import über Syrien ständig zurückgeht und jener über Palästina steigt. Der Exportwert war 1931: 25.125 pal. Pfund nach Syrien und 8879 pal. Pfund nach Palästina, hauptsächlich für Korn, Wolle, Häute und Trauben. Ein Zweig der Hedjazbahn, 323 Kilometer lang, zieht durch Transjordanien von Nassib an der syrischen Grenze bis nach Maan. Es gibt noch eine andere verfallene Linie nach der Grenze von Hedjaz, doch diese ist seit dem Krieg nicht mehr instandgesetzt worden. Nur drei Züge fahren per Woche in jeder Richtung und die Linie zeigt ein ständiges Defizit, das von der Palästina- Sektion der Hedjazbahn getragen wird (Haifa-Zemach). Die Staatseinnahmen für 1931/32 wurden mit 848.690 pal. Pfund geschätzt, davon zirka ein Drittel, 119.150 pal. Pfund, aus Hilfsgeldern Englands stammend. Jene Schätzung ist um 20 Prozent höher als für 1924/25, aber etwas geringer als 1930/31 wegen des Nachlast*»« von Agrarsteuern. Von jener 20prozeutigen Steigerung entfallen aber 60 Prozent auf Erhöhung der englisohen Hilfsgelder infolge Aufstellung der Grenzmacht, so daß die wirklichen Mehreinnahmen gegenüber 1924/25 nur zirka 25.000 Pfund betragen werden. Von jener Schätzung entfallen auf Lizenzen und Taxen 118.000 pal. Pfund, Zölle und Akzise 64.000, Gerichtsgebühren und öffentlicher Dienst 24.700, auf Post und Telegraph 12.000 usw. Die Einnahmen betragen per Kopf 0.800 pal. Pfund, in Palästina 2.100 pal. Pfund. Die einzigen Steuern sind Zehent, Werko (Grund- und Gebäudesteuer) und Wegeabgabe. Sie belasten die Bevölkerung ungleich und, nach langjährigen Vermessungen und Schätzungen der Länderelen, wird eine Landsteuer an Stelle obiger drei Steuern treten. Sio beträgt 6 Prozent der jährlichen Bruttoeinnahme, die auf der niedrigen Grundlage von 860 bis 400 Müs per Duuam bebauten Landes veranschlagt wird. Dadurch wird die Steuerlast anders verteilt werden. Dio Ausgaben werden auf 357.028 pal. Pfund gegebätzt, um 7000 höher als im Vorjahr. Dem Emir sind 67.000 Dunara Staatsland gesetzlich zugeteilt worden. Seine Zivilliste beträgt 14.020 Pfund, wozu 3000 Pfund Sondcrbewilllgung kommen. Veranschlagt sind ferner für Polizei und Gefängnis 111.000 pal. Pfund, Grenzmacht 30.909. Die produktiven Ausgaben steigen langsam. Für Erziehung wurden 1931/32 : 21.000 pal. Pfund ausgesetzt Die Regierung erhält 50 Knaben- und 10 Mädchenschulen, eine Handwerksschule, in die 4558 Knaben und 953 Mädchen geschickt werden. Außerdem gehen 2526 Knaben und 744 Mädchen in Gemeinde- und moslemische Schulen. Gesundheitswesen: 11.580 pal. Pfund, d. h. zirka 37 mit per Kopf, gegenüber 153 in Palästina. Die Kindersterblichkeit ist sehr hoch, 20 Prozent! Die sanitären Verhältnisse sind sehr primitiv. Es gibt ein einziges Rcgleirungsspital in Amman mit 2 0 Betten. Die Ausgaben für öffentliche Arbeiten werden auf 18.000 Pfund geschätzt. Das Amt dafür verwaltete 891 Kilometer Straßen, weitere 525 Kilometer müssen nach dem Regen ausgebessert werden und 1931 wurden 69 Kilometer neu gebaut. Das Land wird durch - einen gesetzgebenden Rat, der im April 1929 das erstemal tagte, regiert. Eine Agitation gegen die Eintragung der Wähler war entfacht worden mit dem Bemerken, daß diese nur zu Konskriptionszwecken erfolgen solle. Der Bericht für 1929 bemerkt über die Session des Rates von 1929: „Viel Zeit wurde durch den Rat verschwendet und wenig geleistet." 1931 wurde der Rat aufgelöst, weil er sich weigerte, das Budget zu verabschieden. Außer der Zuweisung der 67.000 Dunam Bodens an den Emir hatte er wenig Arbeit geleistet. Das Volk stimmte der Auflösung bei, dio abgesetzten Beamten machten Schwierigkeiten. In der Frage der Bodenverpachtung an Juden sollte er wieder einberufen werden, aber es kam nicht dazu. Jüdisch-arabische VerbrUderungskiindgebttng in Jerusalem Aus Jerusalem: Am 9. April fand im Hotel King David in Jerusalem ein gemeinsames Frühstück der Mitglieder der Jewish Agency und des Waad Leumi (Jüdischer Nationalrat) statt. An dem Frühstück nahm auch Dr. Chaim Weizmann teil. Den Vorsitz führte Dr. Arlosoroff. In den von beiden Seiten gehaltenen Reden — im Namen der Exekutive sprachen Dr. Arlosoroff und Emanuel Newman — wurde die Versicherung aufrichtigen Willens zu gegenseitiger Freundschaft und Zusammenarbeit zum Ausdruck gebracht. Dr. Weizmann hielt das Schlußwort, in dem er erklärte, Juden und transjordanische Araber seien nun daran, von zwei Seiten aus einen Tunnel zu bohren; er hoffe, daß der Tag nicht fern sei, ai^eni die Bohrungen von beiden Seiten .aufeinanderstoßen und Juden und Araber einander in dem fertiggestellten Tunnel die Hände reichen würden. jkjf w% Ii | mniTTTTTnmmiirrTmnmMiiinniniNHm MOSeS Kam S »Sfat Amenu- Lehibuch der hebraftchen cprache für Schul- und Sei t unten Icht mit Schlüssel und Wörterverzeichnis mit denilcher, po nUcher, ungarischer, iami* n icher oder engificher Unterrichtssprache / Eir zig« Methode zur vollständigen Erlernung der hebr. Sprache in Wort u. Schrift auch ohne Lehier* Der Preis dieses ßut ausgestatteten, 400 Seiten starken Lelir^ucnes beträft nur 63 6 •, der englischen Aus abe Dollar i. r / Bucbhändle , Schulen, Organisationen u. Lehrer erhalten einen hohen Rabatt / Zu beziehen bei: M. Rath,Verlag SÄ HitlersDeutsdafand und die PaIä§tinavOrange Aus Tel-Awiw: Die arabische Zeitung „Falas11 n" hatte gemeldet, daß die deutsche Regierung den Import von J a f f a-O rangen künftighin nur zulassen werde, wenn den Sendungen eine vom deutschen Konsulat ausgestellte Bescheinigung bei« gegeben werde, daß die Waren arabischen oder deutschen Ursprungs seien. Diese Meldung wurde vom deutschen Konsul in Jaffa auf eine Anfrage der Herren Tolkowsky und Kikles von der Jaffaer Fruchtbörse energisch de m e ri 11 e r t. Es wurde eine Untersuchung zwecks Feststellung der Quelle, aus der diese völlig unautorisierte Mitteilung geschöpft wurde, eingeleitet. Es verlautet, daß der Herausgeber der Zeitung „Falastln" eine Richtigstellung der Irreführenden Meldung In seinem Blatte zugesagt habe. Anmerkung der Redaktion. Der „Neuen Welt" sind Berichte zugegangen, welche In teilweisem Gegensatze zu der oben stehenden Meldung der I. T. A. stehen. Nach diesen Berichten nehmen die deutschen Früchtehändler, deren Mehrzahl hitlerisch eingestellt ist, der Palästina-Orange gegenüber eine ablehende Haltung ein und verweigern Bestellungen. Palästina für die deutschen Juden Aus Jerusalem wird gemeldet: Die Landsmann« schaft der deutschen Juden hat eine außerordentliche Versammlung abgehalten, um Maßnahmen zur Versorgung der neuen Einwanderer aus Deutsc hland zu treffen. Es wurde beschlossen, daß jeder aus Deutschland stammende jüdische Einwohner Palästinas zumindest einem Neueinwanderer Unterkunft und Verpflegung gewähren solle, bis der Betreffende eine Erwerbsmöglichkeit gefunden habe. An die palästinensische Judenhelt wurde der Appell gerichtet, sofort 20.000 Pfund zur ersten Hilfeleistung an die neu Eintreffenden aufzubringen. Mit Jedem Schiff kommen Juden aus Deutschland in stetig wachsender Zahl an. Viele von ihnen sind mittellos. Biskirit Frumui* Gewicht und Gegengewicht Von Meiw Großmann/ (London-Tel-Awiw) Es ist natürlich, daß in einem Land wie Palästina, das gebaut wird durch eine nationale Massenbewegung und unter schweren Bedingungen, die Arbeitenden dominieren müssen. Die Jungen und Mädels mit den ledernen Röcken auf den Schultern sind ein unzerbrechlicher Teil der heutigen palästinensischen Landschaft. Ohne sie wären die Dörfer und Städte traurig und langweilig. Sie verleihen Farbe und Duft. Ihnen kommt nicht nur die Pflicht zu, das Land zu bauen, sondern auch das Recht, unter menschlichen Bedingungen zu leben, für sich das Ihrige auszukämpfen und zu bekommen: Bessere Löhne und Arbeitsbedingungen, größeren Schutz gegen Unglücksfälle, eine Versicherung gegen Krankheit und Altersversorgung. Es muß natürlich hiebe! ein gewisser menschlicher Kontakt mit dem Arbeitgeber geschaffen werden, der hier im Land ebenfalls eine heilige Funktion erfüllt. Wozu, wenn dies nicht der Fall ist, so viel Gerede wegen Opfern und Zurückhaltung? In der Wirklichkeit aber geschieht etwas anderes. Vor unseren Augen — und was das allererste ist — mit unser aller Mitteln wird eine mächtige Festung errichtet, ein hoher Torrn, von dem aus man diktatorisch das Land beherrschen will. Vou dort aus wird das Leben des Jischuv kontrolliert. Das friedliche Bild des „schaffenden Landes" verwandelt sloh plötzlich in die Vorbereitung einer sozialen Revolution. Man stelle sich nur vor: unzählige kleine Kanäle durchschneiden das ganze wirtschaftliche und politische Leben des Jisohuv und ergießen sich InelnelnzlgeaReservoir; hunderte Unternehmungen, wie professionelle Vereine, Arbeitsbüros, Banken, Engros- und Endetaii- Geschäfte, Autoverbindungen, Zeitungen werden von Parteibeamten zu einem Zentrum hin geführt; fast ein völliger Staat mit allen seinen Erscheinungen. Wirklich, es entwickelt sich zu einer natürlichen Angst vor eben diesem sozialistischen Stlnnes, der sich wie eine mächtige Aktiengesellschaft auf das ganze Land gelegt hat. Die Hlstadrutb (sozialdemokratische Arbeiterorganisation) ist nicht bloß eine sozialistische politische (Schluß.) Partei und lücht einfach ein Bund professioneller Vereine wie in anderen Ländern. Sie ist ein Trust kommerzialisierter Politiker. Und dieser Trust macht alles. Vor allem diktiert er: Welche jüdischen Arbeiter koscher und welche trete sind; wann reine jüdische Arbeit und wann eine Kooperation mit den Arabern sein darf; von welchen jüdischen Wirtschaften z. B. Milch übernommen werden darf und von welchen nicht; bei welchem Fabrikanten man einen kleineren Lohn nehmen darf und bei welchem einen größeren; wann man zu streiken, wen man zu boykottieren, wen man zu schützen und wen zu vernichten hat» Und nicht das allein. Die Histadrutw tritt auch als Fabrikant auf, als Kaufmann, Unternehmer, Verleger — kurz als Arbeltgeber Man hört im Land ständig Idagen Uber sohlechte Löhne in den „Kooperativen" der Histadruth und Uber die scharfe Preiskonkurrenz, die sie gegen andere Unternehmer führt. Der sozialistische Stinnes gründet Gesellschaften und kauft die Produkte bei ihnen allein zu niedrigen Freisen. Er Ist gleichzeitig Arbeltgeber und Arbeitnehmer. Was gibt's da zu leugnen? Wir haben es mit einer selten gut organisierten Kraft zu tun, die auf Ihrem Konto große Verdienste fürs Land hat, aber die letztens sich in einen Kulak (Großbauer) venvandelt hat, der sich eben über das Haupt des Jisohuv herunterlassen und alles zerstören wird. Das kann mal sogar ohne böse Absicht geschehen — genau so wie Staaten oft durch die bloße Existenz gut bewaffneter Armeen und ungeladene Kanonen, die sich langweilen, herausgefordert werden* Wenn man in der Lage ist, binnen 84 Stunden den Verkehr im Land abzustellen, die Arbeit in den Fabriken und Pflanzungen, die Zustellung von Produkten — und all das durch den Druok auf einen Knopf —, dann ist nicht schwer vorauszusehen, was durch einen Zufall passleren kann. Und wenn auch noch dio Praktik körperlicher Beleidigungen und mörderischer Ueberfälle auf den Gegner dazukommt, kann jeder Konflikt entsetzliche Formen annehmen. Zu viel Macht ist oft der Grund von Unglück. Jd% it^lj» bMpKts dto t<v*io Welt bereist und