Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 293 (21.4.1933)
- Date
- 1933-04-21
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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ßtke 6 *i- DIE NEUE WELT Nr. 293 VERKAUFSSTELLE |||||||| DIE NEUE WELT IN LETTLAND^ BUCHHANDLUNG L. HIRSCHNAN N LI BAU, HELENENSTRASSE 22 Kattowitzer außerordentlichen Parteirat und zieht die Entwicklungslinie vmo Jahre 1922 bis zum April 1033. Dr. Rosenblum erzählt zunächst von Jabotinskys Austritt aus der Zionistischen Organisation vom Jahre 1932, einer Aktionr bei der er keine Nachfolger fand. Als zweite Etappe bezeichnet er den lS31er Baseler Kongreß, wo Jabotinsky sein« Delegiertenkarte zerriß und die Organisation verließ. Jabotinsky, meint Roscnblum, hat damals an die Wirkung seiner sechsjährigen „Austritts"- propaganda in den Reihen der Revisionisten gettf:vibt. Aber sie ist ausgeblieben. Keiner seiner nahen Freunde ist ihm gefolgt. Nach diesem zweiten Mißerfolg begann Jabotinskys dritte Etappe im Kampf für den „Austritt", die Etappe, die zum jetzigen „Putsch" geführt hat. In Basel, nach dem Frieden des Kongresses, hat Jabotinsky gedroht, er werde sich vom (rev.) Exekutivkomitee zurückziehen, falls Revisionisten ins Aktionskomitee eintreten würden. Aber trotz dieser Drohung hat die Partei in Basel beschlossen ins Aktionskomitee einzutreten — und Jabotinsky ist auf Urlaub gegangen, dann ist die scharfe Austrittsnummer des „Rasswjet" erschienen und allmählich hat der Austrittsgedanke, bisher auf die Führer beschränkt, die Masse zu beschäftigen begonnen — wenn er auch weiterhin bei ihr unpopulär war. Dann ist Calais gekommen. Herr Jabotinsky hat erklärt, daß er nicht einer Partei angehören könne, die als solche ein Teil der Zionistischen Organisation sei, welche er nicht anerkenne. Calais war der Ausdruck des Wunsches der ganzen revisionistischen Gruppe, Jabotinsky abzustoppen; seine „Austritts"konzcption wurde nicht übernommen. Jabotinsky ist auf Calais eingegangen, weil er darin den Anfang des „Austritts" gesehen hat. Die Wiener Konferenz liegt inmitten dieser Linie: Jabotinsky sucht mit allen Mitteln einen Beschluß betreffs des „Primats" durchzusetzen, einen Beschluß, der den „Austritt' erzwingen muß. Die revisionistischen Schekclzahler verstehen das und kämpfen dagegen. Die „Primat•'- Resolution geht nicht durch. Jabotinsky wartet ein paar Monate und drückt die Partei in Kättowitz an die Wand — zwei Monate vor den Kongreßwahlen. Er verlangt hier ultimativ den „Primat". Alle Bemühungen, die Entscheidung der Frage auf die Zeit nach den Wahlen abzuschieben, helfen nicht, jeder Hinweis darauf, daß wir neun Jahre ohne „Primat" gelebt haben und noch zwei Monate ohne „Primat" leben können, wird in den Wind geschlagen. Herr jabotinsky hat in seiner Hand eine gewichtige Waffe — die Kongreßwahlen —, und will hier mit Gewalt das durchsetzen, was er mit Argumenten nicht durchsetzen konnte. Er geht weiter und droht damit, daß er, falls die Partei ihm nicht nachgeben würde, den Betar sprechen lassen werde, d. h. daß er durch eine Pckuda (Order) den Betar zwingen werde, sein politisches Gewissen zu unterdrücken und nur seinem, des Führers, Willon zu gehorchen — ein sehr moralischer Schritt. . . . Aber die Partei blieb fest: Trotz der Drohungen und der Gefahr einer Spaltung vor dem Kongreß hat der Parteirat Herrn Jabotinsky bewogen, seine Resolution zurückzuziehen. Der letzte große Versuch, die Revisionisten aus der Zionistischen Organisation durch das Hilfsmittel des „Primats" hinauszuziehen, ist nicht gelungen.'. \ . Herr Jabotinsky hat daher beschlossen, die Hauptr figuren des Kongreß-Revisionismus zu beseitigen und unschädlich zu machen, um dann die entwaffnete revisionistische Schekelzahler-Masse mitzuschleppen, Das ist der Sinn seines „Putsche»". Austr o * Palä§iinen§i§dier Wirf§cliaft§dien§t Wirtschaftskalender Alle Auskünfte und Informationen, betreffend Palästina, Anbahnung von Geschäftsverbindungen, Beratung für Boden- und Bautransaktionen, Beratung in Speditions¬ und Reiaeangelegenheiten besorgt der ehrenamtlich geleitete Austro-Palästinensi3che Wlrtschaftsdlenst, Wien, IX., Berggasse 16 (Handelsmuseum), -von Montag bis Donnerstag, 4 bis 6 Uhr nachm. (Tel. A-17-5-40). Portalbau-Architekten und Auslagen- Dekorateure haben, gemäß einer zuverlässigen Mitteilung aus Palästina, absolut gute Aussichten. Günstiger Kauf von Orangenboden. Interessenten für den Kaut von Orangenboden steht erstklassiges Material zur Verfügung. Palästinensisches Haus Ubernimmt die Vertretung einiger erstklassiger europäischer Firmen. Speziell gesucht leistungsfähige Werkzeug- und Bogteckfabriken. Zweiter Hebräisch-Kurs Die überaus rege Beteiligung am ersten Hebräisch- Kurs des Austro-Palästinenslschen Wirtschaftsdienstes, an dem zirka 80 Personen teilnahmen, veranlaßte diesen, die Einrichtung eines zweiten Kurses vorzubereiten. Der zweite Kurs wird gleichfalls yon einem ganz hervorragenden Pädagogen, Herrn D. Z. Weinstein, geleitet. Anmeldungen im Sekretariat des Austro-Palästinenslschen Wirtschäftsdienstes, Wien, IX., Berggasse 16 (Handelsmuseum), Montag bis Donnerstag 4 bis 6 Uhr. — Die erste Unterrichtsstunde Montag am 2. Mai um 7 Uhr abends. * Englischer Sprachkurs des Austro-Palästinensischen Wirtschäftsdienstes Einem oft geäuß«rten Wunsch entsprechend wird neben den Hebräisch-Kursen auch ein Englisch-Sprachkurs veranstaltet, der auch unter Leitung des Herrn Dr. N. Samonsky steht. Die EngUsch-Sprachkurse finden Jeden Montag von 7 bis 9 Uhr abends statt und beträgt die monatliche Kursgebühr S 3.—. Der erste Kurs beginnt Montag, den 17. April, 7 Uhr abends, IL, Untere Augartenstraße 88 (Hofgebäude). Anmeldungen beim Austro-Palästinensischen Wirtschaftsdienst (IX., Berggasse 16, Handclsmuseum) oder vor Kursbeginn. * Dritte Studien- und Gesellschaftsreise des Austro- Palästinensischen Wirtschaftsdienstes nach Palästina 16. Mai bis 6. Juni 193 3. Der große Erfolg, welchen die beiden Studien- und Gesellschaftsreisen des Austro-Palästinensischen Wirtschaftsdienstes aufzuweisen hatten, veranlassen diese Institutionen, schon im Monat Mai die dritte Palästina-Reise zu veranstalten. Wie bei den beiden ersten Reisen wird auch diesmal besonders dafür gesorgt sein, daß die Reiseteilnehmer das ganze Land und seine wirtschaftlichen Möglichkeiten kennenlernen. Das Arrangement dieser Reise wurde dem Reisebüro „Compass-Tours" übertragen, als Reiseleiterin wurde Frau Berta Taubes gewonnen, welche zum fünften Male Gesellschaftsreisen nach Palästina führen wird. Die Ueberfahrt erfolgt auch diesmal mit dem 36.000 Tonnen großen Ozeandampfer „V u 1 c a n i a". Die luxuriöse II. Klasse dieses Dampfers wird als Touristenklasse geführt, wodurch es möglich wird, bei billigen Preisen komfortabel zu reisen. Im Anschluß an den Aufenthalt in Palästina kann Aegypten besucht werden. Die Rückreise erfolgt in diesem Falle mit dem Luxus-Expreßdampfer „Ansonia" in der II. Klasse. Der Preis für das ganze Arrangement von Wien bis Wien, alles inbegriffen, beträgt bei Benützung der II. Klasse S 1100.—, bzw. mit Aegypten S 1260.— (nach heutigen Kursen). Anmeldeschluß 4. Mai 1933. Mit Rücksicht auf das große Interesse, welches sich auch für diese Reise kundgibt, und in Anbetracht der Kürze der Zeit liegt es im Interesse der Reiseteilnehmer, die Anmeldungen ras ehestens vorzunehmen, damit die Kabinen reserviert werden können. Gleichzeitig mit der Anmeldung ist mindestens ein Viertel des Pauschalpreises zu erlegen und der für Palästina und Aegypten ausgestellte Reisepaß zwecks Besorgung der Visen zu übergeben. Der Prospekt, welcher außer dem ausführlichen Reiseprogramm auch sonst wissenswerte Mitteilungen für die Reiseteilnehmer enthält, ist bereits erschienen und gelangt über Verlangen kostenlos zur Versendung; mündliche Auskünfte Im Sekretariat des Austro-Palästinenslschen Wirtschaftsdienstes, DC., Berggasse 16 (Handelsmuseum), von Montag bis Donnerstag, 4 bis 6 Uhr nachmittags, sowie bei „Compass-Tours", IX., Spitalgasse 3 (täglich von 9 bis 1 Uhr). Tel'Awi'wdas Stiefkind Von Daniel S i r k i s (Tel-Awiw) Tel-Awiw zählt 60.000 Seelen. Die Stadt , wächst von Tag zu Tag. Juden aus allen Teilen der Welt kommen her und investieren hier K a p i t.a'l und Arbeit. Von dieser Blüte profitiert in erster Linie das Reglerungsbudget, dessen Einnahmen zum großen Teil von Tel-Awiw stammen. In der Welt ist sonst Regel, daß eine im Aufbau begriffene Stadt von der Regierung des Landes unterstützt wird. Insbesondere in einer Zeit, da die andere Welt eine Krise durchmacht. Ein so gesunder Stützpunkt^ wie Tel-Awiw, sollte wie ein Lieblingskind behandelt werden. Wie sieht aber in Wirklichkeit das Verhältnis der Regierung zu dieser aufblühenden jüdischen Stadt aus? Ich glaube nicht zu übertreiben, wenn ich die Behauptung aufstelle, daß die Regierung Palästinas die Entwicklung der Stadt nicht gerne sieht. Das findet seinen Ausdruck in mannigfachen Erscheinungen. Zur Illustration: a) Die Post. Die Einkünfte der Post im benachbarten arabischen Jaffa sind sehr klein. Dort schlafen die Beamten vor Langweile. Im jüdischen Tel-Awiw herrscht ein ungeheuer großer Verkehr. Man stellt sich bei den Schaltern an. Die Post in Tel-Awiw trägt der Regierung viel Geld ein. Der gesunde Menschenverstand gebietet, die Zentrale in Tel-Awiw zu errichten. Nein! Sie ist im arabischen Jaffa. Dort steht ein Monumentalgebäude — leer. Das Haus der Post in Tel-Awiw ist klein. Was hat die Stadt Tel-Awiw verbrochen, daß ihr diese Behandlung seitens der Regierung zuteil wird? Die Antwort: Tel-Awiw ist eine jüdische Stadt. b) Die Grundbuch-Büros. Hier werden die meisten Geschäfte zwischen Juden abgeschlossen. Sie bezahlen den ganzen Apparat. Und trotzdem weigert sich die Regierung, das Büro nach Tel-Awiw zu verlegen. Alte Männer und Frauen müssen nach Jaffa fahren, enge Treppen steigen, um die Dokumente zu unterschreiben. Das Büro bleibt in Jaffa. Weil Jaffa eine arabische Stadt ist. c) Das Bezirksgericht. Auch dieses wird zum großen Teil von Juden besucht, die einander vor dem, Zivilrichter klagen. Das Geld kommt von den Juden. Das Gericht bleibt in Jaffa. d) Bahnhof. Am Bahnhofe erkennt man klar und deutlich das'Verhältnis der Regierung zur jüdischen Stadt Tel-Awiw. Der Bahnhof besteht aus einer kleinen Holzbaracke, welche für eine Wüstenstation genügen würde. In den meisten arabischen Dörfern gibt es größere und schönere Bahnhöfe als in Tel-Awiw mit seinen 60.000 Einwohnern. Das Publikum muß In der glühenden Sonne, im Winter im strömenden Regen stehen, weil kein Gebäude vorhanden ist. Jeder Tourist empfängt einen deprimierenden Eindruck, wenn er in Tel-Awiw am Bahnhof ankommt. Die Regierung versprach, einen Bahnhof zu bauen, löste aber ihr Versprechen natürlich nicht ein. Tel-Awiw hat also noch keinen Bahnhof. Dasselbe gilt in einem erhöhten Maße vom Hafen, Tel-Awiw ist eben eine jüdische Stadt. Man sagt, der derzeitige Oberkommissär sei ein objektiver Mensch, der für gerechte Forderungen Verständnis zeigt. Warum spürt Tel-Awiw nichts davon?, Meiner Meinung nach sind wir Juden selbst daran schuld. Wir fordern nicht. Und wenn, ohne System. Auch in die Gemeindestube muß neuer, kampfbereiter Geist einziehen. Es Ist viel, viel nachzuholen! Das geraubte Land Wie es in Transfötdamen aussieht Unter dem ersten Gouverneur Palästinas — Sir Herbert Samuel uns eil g'en Andenkens — 'wurde von Palästina, dessen untrennbarer Teil es seit führt. Transjordanien, das Land östlich des Jordans, wurde von Palästina dessen untrennbaren Teil es seit biblischen Zeiten war, losgetrennt. Ein Land, mehr als doppelt so groß wie das verbleibende West-Palästina, fruchtbar und fast unbewohnt, wurde dank der Unfähigkeit und Tatenunlust der damaligen Exekutive und Führung Prof. Welzmanns, -von einer antizionistischen und antisemitischen englischen Beamtenkllque Über Nacht den Juden geraubt. Heute, wo hunderttausende Juden für Ueberwanderung nach Palästina bereit sind, ihnen unter dem Vorwande der Kleinheit und begrenzten Möglichkeiten in Palästina alle Hindernisse in den Weg gelegt werden, heute ist es an der Zeit, dem Rufe der Zionistischen Opposition, vor allem der revlsionlstiohen, zu folgen und den Kampf um das leere, fruchtbare, aber brach daliegende Transjordanien aufzunehmen. Einen Kampf, der sich nicht gegen die transjordanischen Araber richtet, denn diese rufen die Juden selbst in das Land; einen Kampf, der sich nur gegen die antlzionlstischen und antisemitischen Elemente In der britischen Palästina-Regierung und gegen die Lauheit und Unwllligkeit der Majorität der heutigen zionistischen Exekutive zu richten braucht. Heute Ist es notwendiger wie je, zu wissen, wie es in dem den Juden vorenthaltenen Transjordanien aussieht. Nachfolgender, der Zeltschrift „Palästina" entnommene Auszug aus einem Berichte des „Palestine and Mlddle East Exonoraic Magazin" gibt Aufschluß über die Verhältnisse in Transjordanien, das mehr als doppelt so groß als Palästina ist und nur ein Viertel an Einwohnern hat. * Im Vergleich mit den erstaunlichen Fortschritten in Westpalästina ist es fast unglaublich, daß dieses und Transjordanien unter demselben Mandat stehen und eine ökonomische Einheit bilden. Selbst der kleine Fortschritt, den TransJordanien nach dem Krieg erfahren hat, ist dem Westen zu verdanken. Die Jordan« grenze hat sich sonst erstaunlicherweise als chinesische Mauer gegen den Zufluß von Kapital und Unternehmungsgeist erwiesen. Nach dem offiziellen Bericht der britischen Regierung für 1931 hat Transjordanien eine Ausdehnung von zirka 20.000 Quadratmellen (rund 52.000 Quadratkilometer), ist also mehr als doppelt so groß als Palästina. Der östliche Teil ist Wüste, der westliche Teil Ist vorwiegend fruchtbar und hat ein gesundes Klima. Schon zur Römerzelt war Trans¬ Jordanien bekannt als das .gesunde" Palästina. Im Westen geht die Wüste stufenweise in einen an manchen Stellen bis zu 50 Meilen breiten Streifen von fruchtbarem Land Uber, welches Im Altertum eine Kette von blühenden und glänzenden Städten aufwies. Vier Flüsse durchziehen das Land, daher Ist Wasser reichlich vorhanden. Die Bevölkerung wird auf 300.000 Köpfe geschätzt (das kleine Palästina zählt heute schon viermal soviel), davon sind 180.000 seßhaft, 120.000 Halbnomaden, 50.000 Nomaden. Ueber die seßhafte Bevölkerung heißt es im englischen Bericht: „Sie lebt in einfachen Häusern in Dörfern, die Halbnomaden In Zelten, von wo aus sie ihre Felder bewirtschaften und Vorratsmagazine für das Getreide bauen. Die Beduinen leben hauptsächlich von ihren Herden von Kamelen, Schafen» Ziegen, zur Nahrungssuche wandern sie oft hunderte von Meilen zwischen der Wüste östlich der Hedjazbahn und den Rändern des kultivierten Landes." Die einzige Stadt, die diesen Namen verdient, ist Amman, die Hauptstadt, an der Kreuzung der Wege nach Jerusalem und Hedjaz, mit zirka 20.000 Bewohnern. Im Jahre 1925 ist das Dorf von Ah aha für Transjordanien annektiert worden, das damit einen Hafen am Roten Meer gewann. Aegyptische Dampfer haben schon nach Akaba Waren gebracht, aber Weg nach Maan ist nicht gut, was die Entwicklung des Handels behindert. Eine Industrie Ist so gut wie nicht vorhanden. Zwei Tabakfabriken und zwei Arrakdestillerlen In Amman sind alles, was existiert. Transjordanien besitzt einige wertvolle Mineralschätze: Lager von Felsphosphaten, bituminösen Kalken. Eisener« — dal