Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 293 (21.4.1933)
- Date
- 1933-04-21
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 293 DIE NEUE WELT Seite 5 revisionistischen Minderwertigkeitsgefühls und sentimentaler Fetischismus", den „Schekelankauf als sehr untergeordnetes Problem und Privatangelegenheit für Liebhaber" bezeichnet. Noch in Kattowitz am 20. September 19S3 hat Jabotinsky in den Saal gerufen: „Meine Beziehung zur Zionistischen Weltorganisation ist rein negativ. Ich halte diese Organisation für abgestorben. Auch verachte ich drei Viertel ihres Menschenmaterials persönlich" . . . Sage und schreibe zwei Tage später, am 22. September 1933, erklärt Jabotinsky in einem Aufrufe an alle Revisionisten, daß er, Jabotinsky, den Schekel kauft und in die Zionistische Weltorganisation eintritt. Er fordert von allen Revisionisten den Schekelankauf als heilige Pflicht. Er erklärt, die Revisionisten zum Kongresse der Zionistischen Weltorganisation führen zu wollen! Wer soll da folgen? Wer kann da wählen? Wo sind da Schönheit, Klarheit und Ritterlichkeit, die von Jabotinsky mit Recht aufgestellten Hauptbedingungen des Judenstaats-Zionismus? Noch in Kattowitz sagte er in seiner großen Rede: „Bis jetzt war unsere (der Revisionisten) Position eine reine, klare. Sollte sich in dieser Versammlung jemand finden, der mir sagt, daß Schönheit, Klarheit und Ritterlichkeit nicht in Betracht zu ziehen sind, dann gibt es zwischen mir wnd diesem keine Brücke . . ." Um der Jugend willen, welche die Hauptträgerin des Revisionismus ist, verlangt Jabotinsky die Klarheit, Schönheit und Ritterlichkeit. Aber er erläßt an den ihm unterstehenden Brith Trumpeldor (Betar) einen „Befehl" (Pekudah Nr. 52 vom 26. März 1983), in welchem es mit Bezug auf den Putsch Jabotinskys heißt: „Die Betarim haben sich jeder Diskussion mit Revisionisten, die gegen die Erklärung des Rosh Betar (Jabotinskys) sind, strengstens zu enthalten. Wer den Erklärungen des Rosh Betar und diesem Befehle in Wort oder Tal Widerstand leisten wird, ist kein Betari und sofort aus dem Betar zu entfernen." Taub, blind und stumm müssen sie sein, die Jungen. Wo sind da Klarheit, Schönheit und Ritterlichkeit? Kann eine Sache gut sein, die mit solchen Mitteln gestützt werden muß? * Jabotinsky hat versucht, die von der Weltkonferenz gewählten Führer der revisionistischen Union (Großmann, Soskin,. Machower und mich) von ihren Posten zu entfernen. Männer, die seit dreißig Jahren und länger im Zionismus arbeiten und mit offenem Visier kämpfen. Sie sollen Männern Platz machen, die Wachs in seiner Hand sind. Dürfen wir Platz machen? Bequem wäre es gewiß, in diesem Augenblicke eine schwer erschütterte Organisation Jabotinsky zu überlassen und ihm die Verantwortung für sicheren Fehlschlag anzulasten. Aber wir dürfen, .es nicht tun. Wir dürfen im heutigen Zeitpunkte, da die Welt juden schalt in höchster Gefahr ist und Palästina vor schwerstwiegenden Entscheidungen steht, von unserem Posten nicht weichen und die revisionistische Union, die Trägerin des Judenstaats-Zionismus, widerstandslos in ein Abenteuer Mit dem Scheitel — zurück zu Theodor HerzI! Kaufe! den Herzl-Sdieke! — den Juden* Staats; Scheitel! Ziönisten-Revisionisten und alle Freunde des Judenstaats-Zionismus! Rüstet zur Entscheidung! Kaufet und verbreitet den Schekel, den Stimmzettel für den kommenden Zionistenkongreß. Die Vertreter des „kleinen" Zionismus, die Gegner der Idee von der Masseneinwanderung nach Palästina und des Judenstaatsgedankens haben bis heute die Führung der Zionistischen Weltorganisation inne. Aber das jüdische Volk in seiner Not will nichts mehr von ihrem „Kleln- Ziohismüs", vom Zionismus der „nur-geistigen Erneuerung" und der kommunistischen Experimente wissen. Es drängt nach seiner Heimat! Auf dem letzten Kongreß haben die Ziönisten- Revisionisten einen mächtigen Vorstoß in der Richtung unternommen, in welcher das jüdische Volk gehen will. Aber noch konnten sie das Ziel nicht erreichen. Sie waren ideell die stärkste Gruppe, aber es fehlte ihnen noch die'Zahl. Der Herzl-Zionismus, durch die Revisionisten vertreten, hat den letzten Kongreß nicht erobern können, weil ihm zwanzig, dreißig Mandate fehlten. Aber er hat inzwischen gedanklich die jüdischen Massen erfüllt. Alles, was der letzte Kongreß und die heutige Leitung noch abgelehnt haben, all das will das jüdische Volk: Freie Masseneinwanderung — Pflege der bisher systematisch vernachlässigten Mittelstands-Einwanderung — Ablehnung der heute in Palästina herrschenden, das nationale Werk gefährdenden Klassenkampf-Ideologie — Bekenntnis zum Judenstaat. Ziönisten-Revisionisten und alle Freunde des Judenstaats-Zionismus! Kaufet und verbreitet den Schekel, den Stimmzettel für den Kongreß, den Herzl-Schekel! Das Präsidium der Union der Ziönisten-Revisionisten Oesterreichs; , Robert Stricker, . Leopold. Sitzmann, Dr. D. Bukspan, Fritz Richter. reißen lassen, das schlecht ausgehen muß. Jabotinsky will uns entfernen, um eine führerlos gemachte revisionistische Fraktion, gegen ihren Willen und ihre Ueberzeugung, vom Kongreß und von der Zionistischen Weltorganisation wegführen zu können. Er konnte seine „Unabhängige Zionistische Organisation" auf geradem Wege nicht erreichen. Nun will er auf einem Umwege zu Ihr kommen. Wir, das Hindernis auf diesem Wege, sollen weg. Wir bleiben! Eine Weltkonferenz hat uns legal gewählt. Nur eine Weltkonferenz kann uns legal entheben. Wir schützen Treu und Glauben im Revisionismus. Wir werden in den Kampf zur Eroberung des Zionistenkongresses, der Herzischen Organisation eintreten, mit aufgerollter Fahne und mit offenem Visier. Wir wissen, daß die Zugkraft des Namens Jabotinsky mächtig ist, daß viele Revisionstcn nicht ihrer Ueberzeugung, sondern ihm folgen werden. Aber wir werden unsere Pflicht erfüllen. Der schwer erbitterte und tief enttäuschte Jabotinsky ist vom geraden Wege abgeiirt. Wir werden alles aufbieten, um die revisionistische Organisation vor dem Betreten des ins Leere führenden Irrweges, sie und Jabotinsky vor politischem Selbstmord, den Judenstaats-Zionismus vor größtem Schadcn,.zu bewahren, vor einem Debakel auf dem nächsten Zionistenkongreß. Der Kampf um die Legalität In der Warschauer revisionistischen Zeitschrift „Der najer Weg" schreibt B. Weinstein (Palästina) über Jabotinskys „Putsch": Damals, als auf dem 16. Zionistenkongreß der Plan von der sogenannten erweiterten „Jcwish Agency" durchgeführt werden sollte, hat Jabotinsky klassischlogisch die Interessen der zionistischen Demokratie verteidigt. Der Kongreß hat zwar den antidemokratischen Plan der Agency akzeptiert, aber unser Kampf hat faktisch bewiesen, daß ein starker Wille in der zionistischen Demokratie vorhanden ist. Damals, in unserem Kampf für die Souveränität und Legalität der Zionistischen Organisation gegen die „gemischte" Front der nationalen Zionisten und liberalen Assimilanten, konnten wir nicht voraussehen, daß wir gezwungen sein werden, mit diesen ewigen Argumenten im Kampf gegen die Diktatur in der revisionistischen Bewegung zu stehen. Die revisionistische Bewegung ist erschienen, um die alte Zionistische Organisation zu erneuern und ein nationales politisches Instrument zu schaffen. Wir haben uns an die einfachen Juden, nicht nur an die Intellektuellen, gewendet und gesagt: Die unglückselige Führerschaft in der. Zionistischen Organisation hat euch beraubt, hat euch das elementare Recht, unsere nationalen und politischen Angelegenheiten zu beeinflussen, genommen. Wir Revisionisten nehmen auf uns die Aufgabe, eure ideologischen und politischen Advokaten zu sein, wir kämpfen für euer bürgerliches Recht in der Zionistischen Organisation. Der Zionistenkongreß hat sich in einen Ort eines Parteispiels und einer Büdgetmaeherei verwandelt, das zionistische Beamtentum In einen Ort von Machinationen Von tiefstem Schmerze gebeugt, geben wir hiemit die traurige Nachricht vom Hinscheiden unseres geliebten Oatten, Vateis, Bruders und Onkels, des Herrn Isak BraHti'n Schriftsteller und Bildhauer welcher am 15. April d. J. nach kurzem Leiden im 60. Lebensjahre verschieden ist. Die Beerdigung fand Sonntag, den 16. ds. auf dem Zentrallriedhofe IV. Tor statt. Melanie Brainin als Gattin Rauben Brainin, New York Safman Brainin, New York Sigmund Brainin, Wien als Brüder Ing. Max und Fritx Brainin als Sühne Marie Loubetzky, Wien Ida Springer, New York Dr. Ifta Ortenberg, Montreal als Schwestern sowie sämtliche Schwager, Schwagerinnen, Neffen und Nichten mit Schekalim, von Verfälschungen der öffentlichen Meinung . . . Wir haben unsere demokratischen Institutionen geschaffen und wir können mit Stolz sagen, daß unsere Konferenzen und Parteiräte die besten Kräfte der zionistischen Bewegung in sich konzentriert haben. Auf diesem demokratischen Weg ist es uns gelungen, eine große demokratische Bewegung zu schaffen, die in sich die schönsten Traditionen des alten Herzl-Zionismus mit den Bedürfnissen unserer Zeit harmonisch vereinigt. Anstatt die potentielle Kraft der jüdischen Einwanderung nach Palästina zu mobilisieren und sie zu einem mächtigen Faktor für selbständige politische Arbeit zu verwandeln, anstatt alle judenstaatlichen Elemente zu mobilisieren und auf dem nächsten Kongreß dem Block der linken Monopolisten und Welzmann-Erben den Todesstoß zu versetzen, hat Herr Jabotinsky eine Primatfrage ersonnen und die innerparteilichen Verhältnisse in der. Union künstlich verschärft. Auf der Wiener Konferenz hat man versucht, eine Führerschaft-Ideologie zu schaffen. Der schärfste Bekämpf er dieser Ideologie war Jabotinsky. Noch in Kattowitz hat Jabotinsky die These verteidigt, daß die revisionistische Bewegung souverän ist* Wo ist ihre Souveränität, wenn eine Gruppe von drei oder vier Befehlshabern einen Erlaß herausgibt und die Souveränität der revisionistischen Bewegung untergraben kann? Man hat von der Partei Disziplin gefordert und jetzt bricht man sie; man hat in Calais und Wien Abmachungen getroffen und jetzt bricht man sie. Man spaltet die Bewegung — um wessentwegen? Wegen einer; neuen unabhängigen Zionistischen Organisation? Wegen des Primats? Nein. Herr Jabotinsky und seine Anhänger gehen zum Kongreß und man spricht mit Pathos von dieser „niedrigen" Aktion: sich an dem Knogreß von Verrätern und verkauften Individuen zu beteiligen. Wo ist da die Logik? Wo ist das berühmte 2 mal 2 ist 4?, Unter dem Titel „Ein offenes Spiel" be? schäftigt sich Dr. H. Rosenblum (London) in derselben Zeitschrift mit Jabotinskys Haltung nach dem 'y\ .;t. , . .'. SCHIFFMANN