Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 293 (21.4.1933)
- Date
- 1933-04-21
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 DIB NEUE WELT Nr. 203 ^^mmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmk. Möoei-Räumungsverkaun Wegen Räumung meines Lagers, alle Arten moderner MBbeJ, seltene aaiegenhelUklufs »u eensMtloflftfl fellilflen Preist n. Kieaenaiwwahl im MÖBEIH^US WÜHL s$52Ät *«BRHlHkWMBHBMB^! .rkunft finden zu können, bis der Sturm vorüber is. . . , Bin schwacher Trost. Aus Biro Bidsclrjän flüchten jüdische Kolonisten — zurück nach Palästina^ Die argentinische Kolonisation des Baron Hirsch ist in arger Krise. Mehr als 100 Millionen Goldfrancs sind da geopfert worden. Die nationaljüdische Jugend erkennt heute erst, recht, wie gut sie beraten ist; daß der eindringliche Rat,« keiner Lösung sich zuzuneigen, wenn nicht der zionistischen, ein berechtigter war. Und die anderen beginnen sich den Schlaf der Assimilation aus den Augen zu reiben. 4 ,jBr" geht «ach Palästina. Aber er vergesse nicht, daß wir ihm den Weg dahin geebnet haben; ..daß wir gegen seinen Widerstand angekämpft haben, um das Wunder, das man heute „Palästina" nennt, möglich zu machen. Noch vor kurzem ein Spötter oder zumindest ein Skeptiker, ist „er" heute bereit, das, was man die europäische Zivilisation nennt, über Bordzu werfen und nach Palästina zu gehen. Und „er" ist auch schon gut informiert. Er kennt Namen von jüdischen Kolonien, die Begriffe Keren Kajemeth und Keren Hajessod will er sich zu eigen machen, er will beweisen, daß er kein Unwürdiger ist. Und wir? Wir, die wir länger als drei Jahrzehnte in die jüdische Gasse riefen, daß es nur eine einzige Lösung, die zionistische, gibt und mißtrauischen oder hohnlächelnden Gesichtern begegneten, wir Judenstaatzionisten können nun die Genugtuung buchen vom Erfolg in höchster Gefahrstunde. Wir wollen nicht hoffärtig sein. Wir wollen nicht die Besserwisser und Bessermacher spielen, Sondern mit Vertrauen den Weg betrachten, den wir zurückgelegt haben, und den Weg, der noch zu gehen ist. Und ihnen, den Ungläubigen, Skeptikern und Spöttern von gestern, Wollen wir in aller Bescheidenheit des Herzens den Rat geben, auf den Döblinger Friedhof zu gehen und vor dem Grab des prophetischen Führers Theodor Herzl ein paar Augenblicke zu verweilen und Buße zu tun... bevor sie die Reise nach seinem Palästina antreten. Ausschluß der deutschen Juden «WS freien .Berufeil.„•/ , . Die Herren Kollegen. . ' . . v Die deutschen Zeitungen veröffentlichen einen Aufruf des nationalsozialistischen deutschen Aerztebundes> unddes Bundes nationalsozialistischer Rechtsan w ä l't e, :in welchem es heißt: „Die nationalsozialistischen Aerzte und Rechtsanwälte forderndie völlige Entfernung der Juden aus den akademischen Berufen (freien Berufen). Die freien akademischen Berufe sind es, die mit weitesten Kreisen der Bevölkerung in persönliche Berührung kommen und ihren Klienten gegenüber eine gewisse Vertrauensstellung einnehmen, durch die sie Einflüsse auf die Denkweise weitester Kreise gewinnen; - Daß es in einem völkischen Staat aus diesen Gründen undenkbar ist, daß auch nur ein Jude noch in der Lage ist, das Gift jüdischer Denkart auf diese Weise auszustreuen, erscheint uns selbstverständlich. Dazu kommt noch, daß durch die bestehende Ueberjudung die frühere ideale Berufsauffassung in weiten Kreisen der freien Berufe bereits dem jüdischen Geschäftsgeist gewichen ist. Dieser Geist muß aus unseren Ständen hinaus und jede Möglichkeit, daß er wiederkehrt, genommen werden." Kein Nachwuchs für die jüdische Anwaltschaft Aus Berlin: Der „Völkische Beobachter" meldet: Das Preußische Justizministerium plant eine völlige Neuregelungder Ausbildung des juristischen Nachwuchses. Man geht dabei von dem Standpunkt aus, daß ein Nachwuchs der jüdischen Anwaltschaft nicht vorhanden sei, da kein Anspruch auf Zulassung zu Rechtsanwalt schatten oder zu Uebernahme in den Justizdienst besteht. Das geht schon aus dem Gesetz von 1869 hervor. •letzt kommen die jüdischen Patentanwälte dran Aus Berlin: Der Bund nationalsozialistischer Juristen! dem die nationalsozialistischen Patentanwälte angehören, teilt mit, daß von'ihm im Einvernehmen' mit dem Reichspatentamt Schritte in die Wege geleitet worden sind, um die Zulassung der jüdischen Patentanwälte in ähnlicher Weise zu regeln, wie dies bei den Rechtsanwälten geschehen ist. Hinaus aus den Krankenkassen .< Das Reichsarbeitsministerium in Berlin, dem die Entscheidung Uber die Zulassung der Merzte zur Kassenpraxis zusteht, hat die Neuzulassung von Aerzten jüdischer Abstammung durch eine allgemeine Anweisung gesperrt- Die. Regelung der Frage, in welchem Umfang die bisher zugelassenen nlchtariscben Aerzte weiterbin Kasaenpraxir ausüben dürfen, wird, wie vom Rei:baarbeitarainisterlum mitgeteilt wird, auf Grund einer Beratung mit den ärztlichen Berufsorganisationen, insbesondere mit dem Hartmann-Bund und dessen neuem Vorsitzenden Dfi Wagher, getröffen werden. Hiezu erklärt dör „Völkische Beobachter": „Die Grundsätze* des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentumö finden sinngemäß auch auf die Vorschriften Über die Beschäftigung der Aerzte in der Krankenversicherung und in der Fürsorge Anwendung. Entsprechend der Regelung füf die Beamten und Anwälte, werden die jüdischen oder kommunistischen Kassenärzte, soweit für sie die Ausnahmebestimmungen nicht in Beträcht kommen, von der kassenarztlichen Tätigkeit ausgeschlossen. Der Groß -Berliner Aerztebund gibt bekannt, daß mit seinem Einverständnis die Allgemeine Ortskrankenkasse der Stadt Berlin vorübergehend Arztscheine ausstellt, die durch eine großes. „D" mit roter Umrandung kenntlich gemacht sind. Sie werden Patienten ausgehändigt, die bisher in jüdischer Behandlung waren und zu ihren Aerzten njLcht mehr zurückzukehren wünschen. Diese Scheine sind nur für deutschstämmige Aerzte gültig. Der Staatskommissär für den Berliner Stadtschulrat Dr. Meinshausen hat den Oberpräsidenten ersucht, eine Rundverfügung an alle Schulen zu erlassen, derzufolge die Lehrkräfte anzuhalten sind, daß bei Erkrankungen sowie bei Anträgen auf Erholungsurlaub, Pflichtstundenermäßigung usw., nur von nichtjüdischen Aerzten ausgestellte Bescheinigungen eingereicht werden. Union der ZlonUten» Revisionisten Mittwoch, diu 26. A0M 103», '/,9 Uhr abends, Im Htril-StfM «Im Vsrbands* heims, IL, Untere Augartenstrabe 38 Vortrag Gegenstand: Wir und Deutschfand ~ Von dar Jüdischen Volkspartei Referent: Oberbaurai Roberl Slricker Regiebeitrag 20 Groschen Schicksalsfragen des Judentums Samstag, am 22. April, um 19.45 Uhr, spricht Oberbaurat Robert Stricker, Obmann der Jüdischen Volkspartei Oesterreichs, im Festsaale des Jüdischen Rathauses in Prag, Maislova 18. England und HitJer*DeuisdiIand Wieder eine große Judendeballe im englischen Parlament Aus London wird berichtet: In der am Donnerstag, den 13. April, nachmittags, abgehaltenen Sitzung des Unterhauses fand eine ra ehr stündige Aussprache über die Rückwirkung der politischen Neugestaltung in Deutschland auf die dortige jüdische Bevölkerung und die Notwendigkeit von Hilfsaktionen zugunsten derjenigen deutschen Juden, die infolge der gegen sie gerichteten Maßnahmen Deutschland verlassen, statt. Die Aussprache erfolgte im, Anschluß an eine Anfrage des stellvertretenden Vorsitzenden der Labour-Party Major At.t1 e e, der die Regierung fragte, ob sie bereit sei,, sich de^. F1 ii c h 11 i n g e a u s Deutschland anzu n e h mej»,. .eine Aktion des Internationalen , Nansen-AflfU^s, füi| ..Flüchtlingswesen, zu veranlassen und verf olgt.an Ju4on in Palä- *•■''<f . ... .- . . i... j'..*Ttv ** * A£. "r .'.1'. \ * ■ *'. stjna e 1 il». H e.lm,£t ä tfcg|j$Jb>l et;en.„. . it . Nach« ihm ergriff Sir A u st en Oh am b e rla i n das; Wort zu einer großangelegten politischen Rede, in der er u. fl. darauf hinwies, daß es* in Deutschland heute als Verbrechen gelte, für den Frieden zu sprechen oder ein Jude zu sein. Der neue Geist .des deutschen Nationalismus sei das alte Preußen tum, erweitert durch einen exklusiven Rassonstolzf, .■. - v ■'' . '-/ ■ t^''' '. Der liberale jüdische Abgeordnete Barnett Janber wandte sich gegen die Auffassung, wonach jüdische Zeitungen, jüdische Organisationen oder Nachrichtenagenturen übertriebene^ -Darstellungen der Ereignisse in Deutschland verbreitet hätten. Er erklärte, die Wahrheit sei erirst genug, es sei daher Uberflüssig, zu den Tatsachen noch etwas hinzuzufügen.1 Was die zivilisierte Welt am stärksten beunruhige, sei die planmäßige Unterdrückungspolitlk, die einen Bestandteil des nationalsozialistischen Programms ausmache. Man habe jüdische Aerzte aus den Hospitälern, jüdische Rechtanwälte aus den Gerichten entfernt, selbst jüdische K r a n k e n s c hwestern habe man verhindert, ' ihr barmherziges Werk zu tun. Jüdische Sports 1 eute habe -man von der Teilnahme an Wettspielen ausgeschlossen. Dabei umfasse die solchen Angriffen ausgesetzte kleine Gemeinschaft bloß 500.000 bis 600.000 Seelen, etwa 1 Prozent der Gesamtbevölkerung. So klein die deutsche Judenheit zahlenmäßig sei, habe sie doch ihrem Lande hervorragende Männer auf allen Gebieten der Kultur geschenkt. Diese Politik basiere nicht auf vernunftmäßigen Erwägungen. Zum Schluß wies Abgeordneter Janner auf die Beweise der Teilnahme hin, die den Juden in der Stunde ihrer Prüfung allenthalben gegeben werden, und richtete an das Haus den Appell, ebenfalls den Juden beizustehen. Es sei durchaus wahrscheinlich, daß dem Völkerbund na he gelegt werden wur d e, eine Hilfsaktion zugunsten , der . deutschen .Jaden , einzuleiten. Es sei wünschenswert, daß die Initiative hierin von England ergriffen und nicht einem anderen Staate überlassen werde, Abgeordneter Major Nathan erklärte, er würde sich einer Treulosigkeit gegenüber seinem Blute undseinem Glaubensbekenntnis schuldig machen, wenn er in dieser Debatte nicht das Wort ergriffe. Was die Berichte über die Lage der Juden In Deutschland anlange, so seien vielleicht hie und da Uebertreibungen vorgekommen, doch hätten die verantwortlichen Korrespondenten der britischen Presse in Deutschland die Tatsache ziemlich klar dargestellt Auch nach Richtigstellung def Uebertreibungen könne kein Zweifel darüber besteben, daß in Deutschland gegenwärtig die Freiheit als solche auf dem Spiel stehe. De* offizielle nationalsozialistische Programm sei der Beweis dafür, daß die gegenwärtige Politik sorgfältig, von langer Hand vorbereitet worden sei. Dieses Programm sehe vor, daß die Juden ihrer staatsbürgerlichen Rechte verlustig gehen sollten, daß sie keine amtlichen oder halbamtlichen Stellungen bekleiden dürfen. Dies bedeute, daß man den Juden alle staatsbürgerlichen Rechte abspreche. Sie seien ihren steuerlichen Verpflichtungen gegenüber dem Staate nachgekommen, sie hätten die Gesetze des Staates bef olgt, trotzdem sollen sie sich keines der elementaren Rechte erfreuen, die aus der Staatsbürgerschaft fließen. Sie sollen als außerhalb des Gesetzes Stehende behandelt werden. Ich kenne einen Juden, führte Major Nathan aus, dessen Vorahne schon im Jähre 1604 in einer deutschen Stadt gelebt hat. Er war Rechtsanwalt und diente als Gemeiner Soldat in der deutschen Armee an der .russischen Frönt. Jetzt lebt!er 'als F1%. 6 h t'l t'n'^ 1h diesem Lande, aller Mittel entblößt. Einer seiner Freunde, ebenfalls ein Rechtsanwalt aus einer großen deutschen Stadt, der den Weltkrieg als Offizier der deutschen Armee mitgemacht hat, ein Christ, muß heute als Flüchtling in Skandinavien leben, weil einer seiner Größväter Jude war. Sein anderer Größvater und beide Großmütter waren christlichen Glaubens. Was gegen« wärtig in Deutschland vor sich gehe, erklärte Major Nathan, könne in dem freien'England gar nicht verstanden werden. Für ein Eingreifen Großbritanniens in ähnlichen Fällen gebe es jedoch einen Präzedenzfall. Vor zwanzig Jahren, als die Juden in Rußland verfolgt wurden, wandte sich der verewigte König Eduard auf Vorschlag seiner Minister an den Zaren, um ihn für eine Besserung der Verhältnisse, unter denen die Juden lebten, zu gewinnen, und tatsächlich sei eine solche Besserung erzielt worden. Er ersuche daher den Außenminister, bei der deutschen Regierung Vorstellungen zu erheben und sie von dem tiefen Eindruck, den die Vorfälle in Deutschland auf die Öffentliche Meinung machen, zu unterrichten. Colon e 1 Jos iah Wedgwood, der bekannte christliche Freund des Zionismus, erklärte, er würde es begrüßen, wenn dem Lande und der englischen Rasse durch Zulassung der Verfolgungen ausgesetzten .Elemente.aus Deutschland neue Kräfte zugeführt werden könnten. Heute würden Flüchtlinge aus Deutschland, unter ihnen Philosophen, Wissenschaftler, Aerzte, Künstler, Techniker und Kaufleute, die nach England kommen, um eine neue Heimstätte zu suchen, bei der Landung in Harwich zurückgewiesen. Nicht vom Gesichtspunkt der Humanität aus stelle er die Forderung nach Aufnahme der Flüchtlinge; sondern vom Gesichtspunkt der Wahrung des eng- IIschon Vorteils. Im eigenen Interesse Englands Hege es, diese Leute hereinzulassen. So wie man während des Krieges belgische Flüchtlinge in englischen Häusern aufgenommen habe, so solle dies diesmal mit den Juden geschehen. „Wir wollen diese Aufgabe", erklärte Colonel Wedgwood, „nicht den Juden überlassen. Wir Engländer selbst müssen sehen, ob wir nicht diese Leute in unsere Familie aufnehmen und so den preußischen Ariern zeigen können, wie wir .in diesem Lande den WertvonKöp.fenzusch ätzen und die Pflichten der Gastfreundschaft zu erfüllen wissen, was immer auch: jene hinsichtlich. der Juden oder Sozialisten denken und fühlen mögen." Der gegenwärtige Zustand sei für die Engländer beschäm end, fügte Wedgwood hinzu. In allen anderen Ländern nehme man die Juden bereitwillig auf, bloß in Englard habe man noch nichts getan. Er hoffe, daß diese Aussprache unter anderem das Ergebnis haben werde, daß man die Tore des Landes öffne und nicht nur dl«