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Die neue Welt · 1933-04-21 · Heft 293 (21.4.1933) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 293 (21.4.1933)
Date
1933-04-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Pfftis 35 droschen Jahrgang 7 Freitag, den £!♦ April 1#3* ffr* 293 18? V*|*fc» «—versende! T'«. UnivenlttfcbiMj^^ Wien, f. R E V U E vierteljährig Zloty 6.*, RttmSnlen monatlich ewa 40.—, vierteljährig " "* " viertel» jährig Schweizer Francs 4.50 HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung: Wien lXtUnwersitätsstr.6-8,1 et. B-48-504 — Erscheint jeden Freitag Das Martyrium des deutschen Judenkindes Kämpfe! für Judenkinder! „leb weiß nicht, was ich tun, was ich mit meinen zwei. Kindern beginnen soll. Die Schule ist eine Hölle geworden. Sie können die Leiden nicht mehr ertragen. Der Knabe will nicht mehr in die Schule gehen. Er sitzt brütend da oder wandert ruhelos in der Wohnung und im verödeten Laden hin und her. Die Tochter geht noch in die Schule. Die Lehrerin tut wenigstens nicht mit, wenn die Mitschülerinnen sie peinigen. Sie blickt sie manchmal freundlich an. Deshalb geht sie noch in die Schule. Meine Frau und ich zittern, wenn sie am Morgen weggeht und Wir zittern, wenn sie nach Hause geschlichen kommt. Sie erzählt nicht mehr und wir fragen nicht mehr. Wir wissen nicht, Was wir unseren Kindern sagen sollen. Wie sollen wir sie trösten? Wir wissen überhaupt nicht mehr, was wir unseren Kindern sagen sollen. Was wird aus ihnen wej^en/.wenn die Leiden nicht aufhören . . ." Das ist der Bericht eines jüdischen Kaufmannes, i|er in;; einer mittelgroßen' deutschen Stadt ansäßig tat. Vor drei Monaten saß er noch zufrieden in seinem Laden, Btolz auf sein deutsches Bürgertum, stolz1 auf sein ehrenfcaftes und einträgliches Gewerbe, stolz auf seine gut geratenen Kinder. > _ •■ ' \- >; : i .-.. . : : .. „• :; .. Vor einigen Tagen .brj^hteih .Zeittmgen^dle Meldung; jtaß ein katholischer .friester^in Süddeutschland angesichts der' Quallen;der Judenkinder an den deutschen Schulen Aufgeschrien hat. 1 . Er' hat einen Aufruf hiriausgegobe»: „Peinigt doch nicjit Kinder! Christen, denket an die Worte eures Erlösers, der gesagt hat: Lasset die Kinder zu mir kommen!". Ein katholischer . Priester'. in : Deutschland protestiert,., in Deutschland, wo doch der Katholizismus seinen'Frieden mit dem. Hakenkreuz gemacht, sich unterworfen hat. Was muß '. da vorgehen, daß dieser Priester nicht mehr schweigen. kann? Sie fUhren. einen Krieg gegen. die Kinder, sie, die Von des deutschen Volkes Mut und RitterMchkeit nicht ge* nug zu sagen und zu dichten wissen.. Sie fuhren Krieg gegen Kinder offen und ohne jede Scham. Sie scheuen nicht davor zurück, in a m 11 i chen Dokumentenniederzulegen und festzuhalten, daß die große deutsche Nation auszieht gegen kleine Judenkinder, daß die große Nation gewillt ist, den Krieg gegen diese kleinen „Feinde" mit allen Mitteln zu fuhren, auch mit dem Mittel der Hungerb 1 ock ade. Im jüngsten Erlasse des Staatskommissars für die Wahrnehmung der Geschäfte des Stadtschulrates in Berlin -— Dr. Meinhausen heißt der hohe staatliche Funktionär — Wird, allen Berliner Bezirksämtern folgender Befehl übermittelt; " „Solange der Prozentsatz der jüdischen Schüler an den Vo 1 ksschulen den Prozentsatz der Juden an der - Gesamtbevölkerung-•' des Deutschen Reiches Ubersteigt, >y' dürfen den jüdischen Schülern keine Wirtschaftsbeihilfen gewährt werden." Ja, ja, Das große Deutsche Reioh kämpft um seine. E h;| e<, und seine v Existenz. Darum reißt es .verhungerten. Judenkindern das Armen-Frühstück vom Munde weg,, reißt, tuberkulösen und rachitischen Mädels und Jungen, die \ Medizinflasche, aus der Hand. Im heiligen Krieg um d^s jTieiiige j dritte Deutsche Reich, ist eben alles erlaubt e und geboten, auch Hungerblockade gegen kleine Kindchen aus dem verfluchten Stamme der Juden. .Gar nicht,zu reden von- Veruntreuung "jüdischer Steuergelder. Sie lassen Judenkinder verhungern und körperlich verkommen. Kein Wunder,, wenn"in gequälten Köpfen ein toller Gedanke aufsteigt: „Ist es nicht besser zu vVerhungern7 und zu verkommen, als aus diesen Händen einen Bissen zu nehmen?" ' :-"' : X , Dabei ist der Greuel der Aushungerung der jüdischen Kinder noch lange nicht der größte Greuel. Deutsche Alle im redaktionellen Teil befindlichen entfielt, liehen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet Juden und Juden im Auslande können und werden Geld »isammenkratzen, sei eis: auch das letzte Geld, um jüdischen Kindern Milch und Medizin zu geben. Aber'wie .schützt man sie vor seelischer Verstümmelung und Ermordung? Der Lehrer verhöhnt sie, die Mitschüler yer-, höhnen und quälen sie. Die kleinen Märtyrer müssen stündlich anhören, daß ihre Volksgenossen, ihre Eltern Pestbeulen der menschlichen .Gesellschaft sind, deren Ausrottung ein Gebot der Sittlichkeit ist.' Was Soll aus Kindern werden, denen es fort und fort in den Ohren klingt: „Dein , Stamm ist verflucht. Dein Vater ist ein Verbrecher, deine Mutter eine Verbrecherin, -du bist ein geborener Verbrecher!"^ Die - verzweifelt nach Hause kommen, zu verzweifelten Eltern, die ihnen nichts sagen, die 'ihnen nicht: helfen könnend Stumpfe Sklaven oder verzweifelte Verbrecher." ' '' " " - " ' , . . .... Die harten Vollstrecker des Todesurteiles am deutschen Judentum verstehen es aber auch, wehleidig zu sein. Sie klagen und Jammern. Warum? Weil sie sich beim Zuschlagen auf Hand* etwas' verletzt haben. Die Machthaber;i'Ä»vprfi|lto:,^elto führen laute bewegliche Klage darüber,. 'd«B 'die Juden imi7?Awi|l#ttde; aufschreien ,'. und;- isich . zihr 'Wehr -'setzen. ■ Tgpiicltft-'' s*ch 1 ecHt tt'b^^r:~:b^%^,hianK^''"imd wüT Hßefne tffefeWn-w^ jüdische Mutter, inr London, Paris,; Wien; Warsöhau; Prag und überall, sie wollen nicht /das Werk* kaufen, das von Händen stammt, die Judenkinder quälen. Sie wollen,keine Gemeinsamkeit des Handels - mit' den Peinigern ihrer Brüder und der Kinder ihrer Brüder. Ueber der deutschen Ware schweben die abgehärmten Gesichter der deutschen Judenkinder, traurige Kinderaugen. Da wenden sich jüdische Mütter und Väter entsetzt ab« Aber die harten Machthaber führen bewegte Klage, weü'die heüiitückischen BEHANDLUNG VON RHEUMATISMUS GICHT, ISCHIAS UND, FOLGEN VON SPORT¬ VERLETZUNGEN AUF MODEMSIE MI (SCHNELLKUREN, JONTOPHORESE, ORIGINAL PISTYANER SCHLAMMPACKUNGEN ETC.) IN DER KURANSTALT DIANABAD FÜR. ALLE PHYSIKALISCHEN HEILMETHODEN GRÖSSTER KOMFORT ZEITGEMÄSSEPREISE Auslandsjuden Waren aus dem Dritten Reich nicht kaufen' wollen* * Hitler-Deutschland hat dem jüdischen: Volke den. Krieg erklärt, und zwar den. grausamsten alle^ Kriege»; den Krieg auch gegen Kinder. Das jüdische Volk muß sich stellen. Es muß in allen Ländern ungesäumt eine Samm« hingaller Kräfte vollziehen, die Organisierung der Juden auf der Basis des jüdischen'Volkstumö. Wenn das Judentum diesen Krieg bestehen soll, dann darf kein, Jude seine Kraft in fremden Diensten nutzlos vergeuden, wie bisher. Ein in fremde Lager zerstreutes Judentum wird weggefegt werden. Ein national'geeinte« Judentum wird bestehen. Ein jüdisches Volk, das leben will, wird leben. Darum heraus aus den fremden politischen Lagern, hinein ins jüdische Lager! Er geht nadi Palä§fina ♦ ♦ > .- , .,..».*....... (... ■ Die Zeiten sind schlecht.?t. Man rückt zusammen , und tauscht . Sorgen,, und Kümmernisse aus. Was. soll , werden, wenn auf dem Horizont kein Lichtstrahl erscheint!, Wenn „das -mit Deutsch-, land" weiter andauert oder, gar übergreift! . Die ältere, Generation hat sich einer stillen Resignation hingegeben. Sie sieht ihre Ideologie zerronnen — dahin der Liberalismus,, die Freizügigkeit, die bürgerliche und soziale Gleich-. Stellung,. vorbei der Wahn, sich restlos eingliedern zu können ... Aber die Jüngeren? Erinnert euch noch, wie um ihre Lippen ein Lächeln spielte, wenn das Wort „Palästina" fiel? Mit welchem Unglauben sie vom Zionismus sprachen?-Wie sie über uns Idealisten lachten, ja-uns verspotteten V * Wie ^sie^ die Sicherung ihrer ökonomischen ■ und geistigen Existenz Im Direkte Eillinie mit denlzps|lyor SaloösdifffeD des Lloyd Triestino Abfahrten jeden Mlttwpch um 13 Uhr "Ferner:• '' ' Wöchentliche Expreßllnle ijach Istanbul t wöchentliche Luxuseillinie nach Alexandrien;- ' - ■■• '-■ ■• zweimal monatlich , Lttxuseillinie nach D.«Li« i, J , _________r______, nach, Ceylon, Singapore, Shanghai; ' Postumen nachher <Levante, Schwarzes Meer, Indien,, China,4Japan ... :LIoydTries!ino.Wi9ni.KarntnßrrInn6 Tei.u-47-5-60 Anschluß an eine* der gerade dominierenden Parteien 'sahen? Vorbei! Das Wort Palästina ist salonfähig, ge« worden. Man lächelt nicht mehr, man spottet nicht mehr* Man liest in der Weltpresse von diesem ' sonderbaren;Laiid, das ein paar tausend Idealisten aufzubauen sich unterfingen. « Was' macht der Bruder? Er geht nach Palästina/ Hat sein Geschäft verkauft und fährt hinunter» Was macht der Vetter? Er gibt das Studium auf und fährt hinunter. Was macht der Sohn? Er nimmt seine paar Maschinen und fährt hinunter. Nach Palästina — in das . verleumdete, verspottete, gelästerte Land. Hinein in das jüdische, Nationalheim, Allerdings... so war es nicht gedacht. Es lag nicht im zionistischen Plan, daß Juden da und dort, plötzlieh entwurzelt, plötzlich erkennend, von ihrem Wohnort in einen anderen Ubersiedeln, mit dem ganzen Ballast ihrer sozialen, intellektuellen und seelischen Vergangen-; heit. Es lag nicht in der zionistischen Idee, daß Juden* angefüllt mit den Schlacken der Galutb; auf der Suche nach einem Nachtasyl sich in Palästina niederlassen und. dort wiederum ein Ghetto schaffen. Herzls Konzeption ist eine andere. Herzls Konzeption Ist der Judenstaat. Die Organisation aller Kräfte /des* jüdischen Volkes auf * dem '1 uralten^ nleniaUf aufgegebenen;' durch historisches Recht für. alle Ewigkeit una( zukommenden Territorium Palästina. , Von'.*diesem" Palästina, von dieser Einstellung wissen nichts' all die,',; welche heute „hinuntergehen". Bs ist ein Zwang, der sie treibt. 'Aber'die suggestive Kraft des zionistischen Judenstaatsgedankens, die Ausstrahlung jüdischen' Geiistes von; Tel-Awiw, Haifa; Jerusalem, dem Eraek\ und' all: den Kolonien' ist so stark, daß die Hoff» nung berechtigt ist auf Umformung aller, die heute eine« Nachtasyls wegen nach Palästina gehen. Von den vier Enden der Erde brechen sie auf. Chaluzim, Mittelstähdler, „Kapitalisten41, viele nur aus dem Grunde, weil sie in ihrer Europamüdigkeit kein' anderes Land sehen. Die deutschen Juden mar» schieren. Tausende glauben noch in den NacubMwtaatel

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