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Die neue Welt · 1933-04-14 · Heft 292 (14.4.1933) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 292 (14.4.1933)
Date
1933-04-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 292 DDE NEUE WELT Seite 5 AUS PALÄSTINA Stimmung§bilder revisionistischer Chaluzim Briefe an Wiener Freunde (Siehe „Die Neue Welt" Nr. 291) Rechowoth, 21. März. „Klette Chaweroth und Chawerim! Bevor ich in den privaten Teil meines Schreibens eingehe, muß ich euch zwei wenig erfreuliche Mitteilungen machen, die mir soeben zugekommen sind. J. K., ein Frankfurter Revisionist, arbeitete bei dem erwähnten Hausbau in Tel-Awiw. Als er vorige Woche gegen Abend ins Beth Olim (Chaluzheim) ging, wurde er von sechs Linken überfallen und mit Eisenstangen derart zugerichtet, daß er noch immer schwer verletzt im Spital liegt. Ein zweiter Fall: Drei Arbeiter und der Bauherr wurden nach Verlassen des Arbeitsplatzes von ungefähr 40 Linken überfallen. Die drei Betarim wurden blutiggeschlagen, einer von ihnen zog in Notwehr ein Messer und verletzte einen Angreifer. Wief ihr seht, nimmt die Spannung immer mehr zu; niemand weiß, wie das Ende sein wird. Erinnert ihr euch noch an den Chauffeur, der die Berliner Betarim zur Wiener Weltkonferenz brachte? Ärmando Benvenisti! Dieser Junge hat offensichtlich Pech. Vor zwei Wochen brach er sich zwei Finger beim Turnen, ein paar Tage später heiratete er in Tel-Awiw und wieder einige Tage später fuhr er mit seinem Auto eine 70jährige Araberin tot. Jetzt sitzt er im Gefängnis. Da die Untersuchung ergeben hat, daß die alte Frau inmitten der Fahrbahn stehen blieb und daher an ihrem Tod selbst schuld ist, wird Freund Benvenisti bald wieder freikommen ... Was macht bei euch der Schekelverkauf? Warum bekommen wir nicht regelmäßig die „Neue Welt"? Warum erscheinen nicht die Ankündigungen der Jugendgruppen? Informiert uns, bitte, genau über die Generalversammlung, die Vorschläge und alle Vorgänge. Anbei eine Speisekarte. Freitag, den 17. abends: Marinierte Heringe nach Mailänder Art: Lockschen mit Jauch; Guljasch; Karotten, Erdäpfel, Salat; Reisauflauf; Brote nach Belieben. Tee. Samstag, den 18., mittags: Rettich mit Zwiebeln, Nudelsuppe; Braten mit Salat; Meiern-Zimes (Gelbe Rüben), Früchtenkoch. Brote. Tee oder Pflaumenborschtsch. L; Vergeßt nicht, uns Mädels, zu schicken, die gut wirtschaften und jüdisch-wienerisch kochen können. Nachschrift. Ich möchte unseren Vertretern im Palästina-Amt ans Herz legen, bei der Auswahl der Leute, die Zertifikate haben wollen, nur solche zu berücksichtigen,, die körperlich gut entwickelt sind. Die Mädchen müssen Sinn für .Ordnung, Reinlichkeit und Wirtschaft haben. Mit der geistigen zionistischen Ausbildung allein kann man in Palästina nichts anfangen. Es ist hier gut und man. fühlt sich frei, aber man muß jede Strapaz auf sich nehmen." Ein zweiter revisionistischer-Chaluz schreibt aus Rechowoth: Ich berichte euch über unsere neue Wirtschaftsordnung./ Wir haben ein Wirtschaftsbuch, worin jeder sein Konto besitzt. Hier wird eingetragen, bei welchem Arbeitgeber jeder gearbeitet hat, wieviel Stunden und mit welchem Verdienst. Daneben gibt es ein Wirtschaftsbuch, worin alle Ausgaben eingetragen sind. Als drittes figuriert ein kassabuch, das Notizen über alle Bareinnahmen und Barausgaben enthält. Die Verteüung des Geldes geschieht folgendermaßen: Jeder bekömmt wöchentlich so viel ausbezahlt, wie viel er verdient hat, abzüglich 35 Piaster für die Kost, 2,5 Piaster als Reservefonds und 7 Piaster für Zins. Hat jemand weniger als drei Tage in der Woche gearbeitet oder ist er erkrankt, so werden die entsprechenden Beträge vom Reservefonds abgezogen. Dieser beträgt derzeit 8 Pfund. Die Verrechnung findet allmonatlich statt. Während des Monats haben die Chawerim das Recht, einen Vorschuß zu nehmen. Bis jjetzt haben alle Chawerim Arbeit gehabt; es kommt sogar vor, daß es an Arbeitshänden fehlt. Die Löhne sind verschieden, weil hier alles im Akkord gearbeitet wird, es daher auf die Tüchtigkeit des einzelnen ankommt. So haben Chawerim schon % Pfund pro Tag verdient. Gearbeitet wird acht Stunden, am Freitag sieben Stunden. Die gegenwärtige Arbeit besteht im Pflanzen neuer Pardessim, im Graben für neue Röhren zum Bewässern der Pardessim und im Bau von Straßen. Einige Chawerim sind unserer Pluga (Arbeitskolpnie) beigetreten, aber wegen Platzmangel mußten wir noch ein Zimmer mieten und zahlen jetzt 2^ Pfund im Monat — ein für die Dauer unhaltbarer Zustand! Ich mache daher den Vorschlag, Herr Stricker möge einen Brief an Ussischkin wegen Bodens vom K. K. L. für'unsere Plugah schreiben; Ich bin Uberzeugt, daß wir Boden bekommen könnten..." Es folgt eine Reihe von Grüßen und Unterschriften für die Wiener Freunde. 1 Moskau? Vorsicht! Man kennt die Moskauer jiddische Tageszeitung „Emess", das Organ der jüdischen Kommunisten Sowjetrußlands, als die lärmendste Propagandastelle für die sogenannte Judenrepublik in Biro Bidschan. Die europäische Welt, die Uber dieses Kolonisationsdebakel genau informiert ist, mutet die Trommelwerbung des „Emess" und der anderen Faktoren grotesk an. Viele Millionen Dollars jüdisch-amerikanischen Geldes sind vertan, die paar tausend Ansiedler im russischen Osten, gewaltsam hingedrängt, sind teuer bezahlt... Und plötzlich, um das Maß des Bluffs voll zu machen, erhebt der „Emess" vom 28. März d. J. gegen die Rayonsführer von Biro Bidschan den Vorwurf, sie hätten versäumt, Vorbereitungen zur Aufnahme des für April zu erwartenden Stroms (!) von Auswanderern nach Biro Bidschan zu treffen. Wahrlich, eine entzückende Groteske, wenn man diese Meldung mit einer zweiten, am 2. April aus Jaffa kommenden vergleicht, die lautet: „Mit dem russischen Dampfer „Tschitscherin" sind zahlreiche jüdische Flüchtlinge aus Sowjetrußland, unter ihnen vier aus Biro Bidschan, wohin sie vor einiger Zeit aus Palästina ausgewandert waren, nach Palästina zurückkehrende Familien In Jaffa eingetroffen." Wer erinnert sich nicht an das Freudengeheul der russischen Biro-Bidschan-Fropagandisten, wenn ein paar Juden Palästina den Rücken kehrten und nach Sowjetrußland, nach Biro Bidschan, gingen! Mit welcher Schadenfreude erzählte die sowjetrussische Presse, daß es VLASTA BURIAN der berühmte Komiker, in seinen neuen Lustspielschlager Ich und der Kaiser (DER ADJUTANT DES KAISERS) mit GRETL THEIMER, WERNER FÜTTERER, ANNY MAKART TÄ ELITE-KINO, I. gl\ SCHOTTENRING-KINO, I. 1C H. LUSTSPIELTHEATER-KINO, II, PRATER FLOTTEN KINO, VI. Verleih: AUantis Ges, m. b. H., VII. auch in Palästina zu dämmern beginne und daß die dortige Jugend, von der zionistischen Kolonisation unbefriedigt, ihr Heil in Sowjetrußland suche! Mit welchen Verleumdungen wurde das zionistische Palästina bedacht, wenn es galt, Erfolge in der Krimi oder am Amur vorzutäuschen. Jetzt ist Schluß damit. Das sowjetrussische Flüchtlingsschiff in Jaffa, das nach Palästina rück wandernde Familien beherbergt, wird einfür allemal die bramarbasierenden Berichte des „Emess" und der Sowjetmachthaber Lügen strafen. Diese Angelegenheit hat aber auch eine politisch-moralische Seite. Als im Vorjahr ein paar Chaluzim aus Palästina nach Rußland reisten, um sich dort anzusiedeln, wurden sie von den Sowjetoffiziellen mit einem TJeberschwang an Worten und Gefühlen aufgenommen. Weniger als 12 Monate genügten, um unsere Paradiessucher zu heilen. Sie verlassen Biro'Bidschan und wandern zurück. Aber vergessen wir nicht, daß diese Chaluzim, als sie nach Bußland gingen, bereits bolschewistisch infiziert waren; und vergessen wir nicht, daß Moskau nur denjenigen mit Wohlgefallen aufnimmt, der sich ihm mit Haut und Haaren verschrieben hat! Unter diesem Aspekt sind die jüdischen Bückwanderer mit besonderer Aufmerksamkeit zu behandeln. Zuerst Palästina, dann Sowjetrußland und dann wiederum Palästina — dieser Wander- und Wendekreis muß bei größtem Wohlwollen skeptisch stimmen. Wir können die bolschewistischen Methoden des Einschmuggeins, die jesuitischen Machinationen, das scheinheilige Gesicht eines Systems, das über Leichen geht, wenn es sich durchsetzen will. Also Vorsicht! Jüdische Mehrheit in Palästina innerhalb 25 Jahren zu erwarten Aus Jerusalem: Der im Verlauf dieser Woche zur Veröffentlichung gelangende Bericht über die im Jahre 1931 durchgeführte amtliche Volkszählung in Palästina sagt auf Grund der bisherigen Bevölkerungsentwicklung die Schaffung einer jüdischen Bevölkerungsmehrheit in Palästina im Verlauf von 25 Jahren voraus. In dem Bericht wird festgestellt, daß sich die Zahl der jüdischen Bevölkerung Palästinas im Verlauf von je 9, die der arabischen Bevölkerung im Verlauf von je 28 Jahren verdoppelt. Demnach sei, zu erwarten, daß die im Jahre 1931 175.000 Seelen umfassende jüdische Bevölkerung im Jahre 1940 auf 350.000, 1949 auf 700.000 und 1958 auf 1,400.000 Seelen angewachsen sein wird, während die arabische Bevölkerung•< in demselben „,cb wi« vor Kärntnerstraße 45 Neu! mr SIGI-GOUD Ecke Krugerstrafie 2 Katalog gratis! Neu! %m w% ji j iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiBiiuiiii MOSeS Kaill S „Sfat Amenu" Lehrbuch der hebräischen Sprache für Schul- und Selbstunterricht mit Schlüssel und Wörterverzeichnis mit deutscher, polnischer, ungarischer, rumänischer oder englischer Unterrichtssprache / Einzige Methode zur vollständigen Erlernung der hebr. Sprachein Wort u. Schrift auch ohne Lehrer. Der Preis dieses gut ausgestatteten, 400 Seiten starken Lehrbuches beträgt nur S3.60, der englischen Ausgabe Dollar 1.— / Buchhändler, Schulen, Organisationen u. Lehrer erhalten einen hohen Rabatt / Zu beziehen bei: M. Rath, Verlag Jahr nicht ganz 1,2 00.000 Seelen ausmachen wird. Die Tabellen sind auf der natürlichen Bevölkerungsvermehrung und der gegenwärtigen Einwanderungsquote aufgebaut. Das Ergebnis der Volkszählung stellt weiter fest, daß gegenwärtig 37 verschiedene Arten von Juden in Palästina wohnen. Zionistische Flagge auf einem amerikanischen , Dampfer Aus Jerusalem: Der mit einigen hundert amerikanischen Touristen an Bord in Palästina eingetroffene Dampfer „Laconia" führte beim Einlaufen in den Hafen von Haifa die blau-weiße zionistische Plagge. Die arabische Presse Palästinas erblickt hierin einen Bruch internationaler Gepflogenheiten und interpretiert die Führung der zionistischen Flagge durch das amerikanische Schiff dahin, daß der Kapitän des Dampfers demonstrativ den Anschein erwecken wollte, als sei die zionistische Flagge ein palästinensisches Hoheit szeichen. Die Allgemeinen Zionisten Palästinas für Aufhebung jeder Einwanderungseinschränkung Aus Jerusalem wird gemeldet: Die Allgemeinen Zionisten Palästinas nahmen auf ihrer Tagung eine Resolution an, die besagt, daß es nun an der Zeit sei, Jede Beschränkung jüdischer Einwanderung nach Palästina abzuschaffen. Mit der Kontrolle der Einwanderung solle die Jewish Agency betraut werden. Die für die nächste Einwanderungsperiode auszugebenden Zertifikate sollen nicht allein für Ar« beiter, sondern auch für Angehörige des Mitteist a n d e s, die sich in der Landwirtschaft, im Handel und in der Kleinindustrie betätigen wollen, bestimmt sein. Ein gewisser Teil der Zertifikate soll für Einwanderer bestimmt sein, die dem Hechaluz (Sozialdemokratische Arbeiterorganisation), nicht angehören. Die arabische Konferenz beschließt Non-Cooperation mit der Palästina-Regierung Aus Jerusalem: In Jaffa fand soeben eine Konferenz mehrerer hundert arabischer Persönlichkeits statt. Auf der Konferenz wurde prinzipiell Non¬ Cooperation mit der Palästina-Regierung beschlossen. Einzelheiten betreffend Durchführung der Non-Cooperation sollen vorerst nicht bekanntgegeben, werden. Die Konferenz beschloß ferner, innerhalb zwei Monaten einen Kongreß einzuberufen, der eine umfassende Aktion zur Durchführung der Non-Cooperation- Bewegung organisieren soll. Auf der Konferenz kam die scharfe Opposition gegen den Mufti offen zum Ausdruck. Viele Delegierte beschuldigten ihn, ein Agent der Palästina-Regierung zu sein, der die Non-Cooperation-Bewegung zu unterbinden versuche. In einer eingehenden Verteidigungsrede wies der Mufti auf sein Wirken für die arabische Sache hin und Jbot seinen Rücktritt von der Präsidentschaft des Obersten Moslemitischen Rates, sofern dies gewünscht werde. Er konnte seine Ausführungen jedoch nicht beendigen, da die Opposition ihn daran hinderte. Führer der Opposition erklärten später, daß eine Non-Cooperation faktisch Nichtzahlung der Steuern sowie Ausscheiden der arabischen Beamten aus den Regierungsämtern bedeuten würde. Die Konferenz verlief vollkommen ruhig; es waren für alle Fälle besondere polizeiliche Maßnahmen ergriffen worden. Tragen von Waffen soll in Transjordanien verboten werden Aus Jerusalem: Wie verlautet, wird der gesetzgebenden Versammlung Transjordaniens ein Gesetzesantrag unterbreitet werden, der das Tragen von Waffen in ganz Transjordanien verbietet. Nach Annahme des Gesetzentwurfes sollen alle Waffen, die sich im Besitz der Stadt- und Dorfeinwohner sowie der Beduinen befinden, eingezogen werden. Die Entwaffnung soll, wie es heißt, eine der Maßnahmen zum Schutze jüdischer Interessenten in Transjordanien sein. Transjordanien will die jüdische Kolonisation Aus der Hauptstadt Transjordaniens, Amman, wird gemeldet: Das transjordanische Parlament hat in seiner am 31. März abgehaltenen Sitzung, der letzten in der laufenden Session, mit 13 gegen 3 Stimmen ein von der Opposition eingebrachtes Gesetz, durch das der Verkauf oder die sonstige Ueberlassung von Grund und Boden an Ausländer (gemeint sind vor allem Juden) verboten werden sollte, abgelehnt. Der Vertreter der Regierung hatte beantragt, die Beratung des Gesetzentwurfes auf die. nächste Session zu vertagen und so das PjQWwtt, ofibn

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