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Die neue Welt · 1933-04-07 · Heft 291 (7.4.1933) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 291 (7.4.1933)
Date
1933-04-07
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 DIB NEUE WELT Nr. 291 I Möbeigeschaft Gut eingeführtes j mit großem Warenlager und großem Kundenstock, 500 ma Geschäftslokalitäten, auf belebter Straße, krankheitshalber abzugeben. Angebote an J. Wühl, IV, Schleifmtthfgasae 3 Familien, die Im letzten Jahre auf die Halbinsel kamen, baben 100 das Siedlungsgebiet wieder verlassen. Die jüdische Besiedlung der Halbinsel Tschangar begann im Jahre 1928. Es wurden für die Kolonisation 9000 Hektar zur Verfügung gestellt, auf denen 5 Kollektivfarmen errichtet wurden. In den ersten drei Jahren wurde die Siedlungsarbeit unter der Aufsicht von Agro- Jolnt durchgeführt. Später, als A g r o-J o i n t seine Tätigkeit auf die Krim beschränkte, ging die Leitung der jüdischen Kollektivbetriebe auf Tschangar an die örtlichen e Behörden über, denen die Schuld an der vollständigen Zerstörung des in den Vorjahren Geleisteten zuzuschreiben ist. Unter der neuen Leitung wurden die fünf Betriebe 1930 in eine Biesenfarm verschmolzen. Dem Betrieb wurden Uberhaupt keine Traktoren zur Verfügung gestellt. Die Dreschmaschinen wurden in betriebsunfähigem Znstand geliefert, auf 200 Hektar konnte die Ernte Überhaupt nicht eingebracht werden. Von 300 Pferden sind nur 80 am Leben geblieben. Es wurde auch festgestellt, daß das Mißlingen des Kolonisationswerkes und die Landflucht der Immigranten zu einem wesentlichen Teil darauf zurückzuführen sind, daß der Obmann und die Vertreter der Kommunistischen Partei im Rayons-Komitee zu den antisemitischsten Mitgliedern der Kommunistischen Partei gehörten. Die Siedlung soll nun unter neue Leitung kommen, die sich bemühen will, den Schaden wieder gutzumachen. Ein Teil des Landes wird aus dem Koloidsationsbereich ausgeschieden, da selbst eine neuerliche Entsendung von 140 Familien durch „Komzet" in diesem Jahre den Bedarf an Arbeitskräften für das Gesamtgebiet nicht decken könnte. Die Kommission drückt ihr Bedauern darüber aus, daß man für die Abtrennung vom Kolonisationsgebiet nicht unkultiviertes Land, sondern bearbeiteten Boden nebst Wohnhäusern und landwirtschaftlichen Gebäuden bestimmt habe. Ein solcher Anfang, wird erklärt, sei keineswegs erfolgversprechend. .'• * Und dafür hat der jüdische Agro-Joint viele Millionen Dollars ausgegeben. Der vor kurzem in Ghikago verstorbene Rosenwald allein mehr als 10 Millionen Dollars. Ungefähr zwanzigmal soviel hat das jüdische Amerika für den Sowjetschwindel von der Judenkolonisation gegeben,. als es für den Aufbau Palästinas gab. Alles für nichts! Die Hebräasdie Universität und wir In den acht Jahren seit dem Tage, da der Grundstein lür die Jerüsalemer Universität gelegt wurde, ist diese oft genug der Brennpunkt des zionistischen Interesses gestanden. Nicht so sehr der positiven wissenschaftlichen und erzieherischen Leistungen wegen als vielmehr ob der Haltung, die die Herren am Skopus, vornehmlich der Bektor Magnes, nationaljüdischen Dingen gegenüber bekundet haben. Niemand in der informierten zionistischen Welt bestritt die Wichtigkeit einer Universität im Rahmen der jüdischen Wiedergeburt. Niemand, der Respekt hat vor geistigen Werten, hegte Zweifel an der Notwendigkeit, eine akademische Jugend im jüdischen Nationalheim für große Aufgaben heranzuziehen. Aber unter all denen, die mit Aufmerksamkeit, Innerer Teilnahme und wahrem Verantwortungsgefühl die Entwicklung der Hebräischen Universität begleiten, gibt es keinen einzigen Menschen, der nicht die Empfindung hätte, daß „dort oben" etwas nicht in Ordnung geht. Wie oft in diesen Jahren wurden diesbezügliche Klagen laut. Auf Kongressen, Tagungen, Studentenversammlungen, in einem Teil der zionistischen Presse wurde das Problem der Hebräischen Universität zur Debatte gestellt. Aber Dr. Magnes blieb nach wie vor absoluter Herrscher. Er erklärte ganz offen, daß er nicht gewillt sei, Rechenschaft abzulegen über die Angelegenhelten seiner Universität. Denn er konnte sich darauf berufen, daß ja die Gelder zur Aufrechterhaltung des Universitätsbetriebes aus den Taschen seiner reichen amerikanischen Verwandten und der amerikanischen Freunde der Hebräischen Universität stammen. Wer konnte dem widersprochen? Wer konnte gegen einen Mann Stellung nehmen, durch dessen Beziehungen 90 Prozent des Budgets einflössen? Dr. Magnes konnte ruhig erklären, daß er Herr der Universität sei, er, der Geldaufbringer. Er holte sich zwar eine Schlappe: Auf dem 17. Zlonlstenkongreß wurde eine von revisionistischer Seltne eingebrachte Resolution gegen den Brith-Schalom-Gelst des Skopus angenommen, die gleichbedeutend war mit einem Mißtrauensvotum gegen die rektorale Führung, Aber nach Wie vor dominierte Dr. Magnes. Denn noch immer kam Celd aus Amerika. Die Zelten ändern sich und mit ihnen die Rektoren. Dr. Magnes muß zugeben, der amerikanische Dollar-Regen sei so schütter geworden, daß er zur Welterführuug des Betriebes in vollem Umfang nicht mehr ausreiche. Und Dr. Magnes tritt nun endlich aus seiner acht Jahre lang geübten (nicht sehr) splendid Isolation und appelliert an das Herz, der Weltjudenhelt. Jetzt endlich entschließt er •leb ra einer Geste« die gewiß unterblieben wäre, hätt^ Amerika weiterhin für sein Budget gesorgt. Jetzt endlich sieht Dr. Magnes ein, daß die Hebräische Universität eine Sache des ganzen jüdischen Volkes und nicht das Privileg einer Clique; daß die Hebräische Universität, wie er in einem Gespräch sagt, „in die Lage gebracht worden müsse, die Bedürfnisse der jüdischen Studierenden aus allen Ländern der Galnth zu befriedigen" — eine Forderung, die der Revisionismus seit jeher aufgestellt hat. Herrn Dr. Magnes' Appell ist ernst. Wir fühlen den Ernst der Stunde und das Bewußtsein der Pflicht, ein Institut, das ein Gipfel jüdischer Kultur sein kann, nicht dem Untergang preiszugeben. Aber Herr Dr. Magnes vergesse nicht, daß schwer gesammelte zionistische Gelder zur Vervollkommnung des jüdischen Schulwerkes in Palästina besser dienen können als zur Stützung eines Systems, das der aufrechte .Zionismus längst schon ablehnt und dessen Tage — wenn auch unter dem Druck der Not — hoffentlich gezählt sind. Zwei Pes§adi* Befrachtungen Sklavenmoral und Herren moral Von Dr. J. Z. Kanner Zwei Völker wohnten in Mizrajim: Aegypter und Juden. Das eine verehrte einen Menschen als Gott .— knechtische Unterwürfigkeit. Das andere kannte nur ein die ganze Welt umfassendes Wesen und zollte nur diesem Achtung — würdigen Respekt. Kriecherei erzeugt Sklavengesinnung, Angst und Schrecken. Respekt: Ritterlichkeit, Ordnung und Disziplin* Der erste Tag der Befreiung von der Knechtschaft Pharaos wurde noch im Lande der Unterdrückung gefeiert. Die Juden verließen. Mizrajim erst am zweiten Pessachtag. Ihre Feinde sollten sie noch in ihrem Jubelrausch sehen und erkennen, daß die Jüden nicht, wie sonst Sklaven, nach Erringung der Freiheit sich zu terrorwütigen Unterdrückern aufwerfen und ihre Gegner vernichten. Was sahen die Aegypter? Die Juden übten keine Rache, sie eigneten sich nichts wider-das Gesetz an, kurz, sie hatten trotz so vieler Jahre von Knechtschaft nichts Knechtisches behalten. Aber in etwas anderem zeigten sich die Juden rührig, nicht getrieben von der Peitsche des Aufsehers, von der Geißel des Vogtes! Während in Aegypten innere Verwirrung herrschte, kümmerten sie sich um die Vorbereitung zum Auszug, rüsteten sie zum Zug. in. die neue Heimat.. In. Aegypten, dem Lande der Leibeigenen, und in der Wüste, :wo, kein Fronvogt sie bedrückte, feierten sie die Freiheitstage, auf daß von zwei Seiten das große Werk vollendet werde-— der Auszug aus der Galuth. Den Juden schloß sich bei ihrem Auszug aus der Galuth Pöbel an, Leute, die ihre knechtische Gesinnung auch ins neue Land verpflanzen wollten. Eine vierzigjährige Wanderung durch die Wüste war notwendig, um diese Minderwertigen aussterben zu lassen. Das heilige Land war für freie Leute bestimmt und hatte keinen Platz für Pestbeulen. Leider müßte auch ihr Führer Moses, dieser Mahner in der Wüste, mit ihnen zugrunde gehen — Tragik des Retters. Ordnung, Disziplin herrschten beim Zug durch die Wüste. Da trat Mephisto in der Gestalt Korachs auf. Dieser Korach wollte die Einheit des jüdischen Volkes zertrümmern, indem er den Begriff des „Klassenunterschiedes" prägte. Durch Aufhetzung des Volkes gegen seine ehrlichen Führer suchte er die Massen zu verhetzen. Und die Massen? Soweit sie sich nicht von Moses und Aron überzeugen ließen, wurden sie samt ihren Anführern vom Erdboden verschlungen. Wieder hat der Aufbruch nach Palästina begonnen, wieder werden wir Pessach feiern und wieder zieht Pöbel mit uns mit, Menschen, die nicht als Herren für ihre eigenen Ideale kämpfen, sondern als Weggenossen und „SHEMEN Zu nDD benützt man in Jedem jüdischen Haus ff feinstes Palästina- Olivenöl-i? rw noc ura zum Kochen, Braten, Backen- und Salat sehr ausgiebig, leicht verdaulich, in 25-, 5-, 21/,-, 1-, Vi-kg* Dosen „ADIN'1- Luxus-Olivenölseife „HAOAR-HACARMIL", Carmel Flowers, Gallil, Babyseife „O R A" - Oüvenöl-Seifenflocken Generalrepriisentanx und Alleinvertretung für Oesterreich nur S. RABINOWiTSCH Wien II, Zirkusgasse 10, Telephon R-47-0-5Q ACHTUNG I Frisches Olivenöl piDD bv ist mit speziellen Hechscher-Zettein und einem besonderen Hechscher des Palästina-Rabbinats versehen und nur an meine Firma geliefert worden ^llllllllllllll» Seder*Abende im Restourant Tonello, 11, Lillenbrunngnssß 2 i Telephon A-47-4-50 am 10« und II« April 1931 Kompl. Nachtessen inkl. Wein, Mazzes u. Mokka S 8.— | Schluß der Voranmeldung für den 1. Seder Sonntag, § 9. April, für den 2. Seder Montag, 10. April | Den Seder hält in uneigennütziger Weise Herr Cheff redakteur Eugen Fi H 6 r. Heller Wegbereiter im Dienste fremder Gesinnung stehen. Sie ziehen in das Land nicht, um der jüdischen Sache zu helfen, sondern um sich auf die Seite der nationalen Feinde Israels, unter dem Scheine des Klassenkampfes, zu stellen. Nichts hat sich seit der ersten Besiedlung des Landes geändert. Die Stämme Rüben, Gad und halb Manasse, die sich nur mit der einen Seite des Jordanflusses begnügen wollten, sind wieder erwacht. Sie wollen keinen Judenstaat, sondern eine Judenherberge. Sklaven machen den Schutz dos jüdischen Landes zu einer jüdisch-fremdländischen Angelegenheit, statt ihn zu einer rein jüdischen auszubauen. Aber lernen aus unserer Geschichte, daß Sklaven, die nur ein halbes Wollen kennen, in der Wüste zugrunde gehen müssen. Solange wir nicht selbständige Macht über Palästina haben, sind wir zum Gespött für die unabhängigen und freiheitgewohnten Völker. Zwölf Kundschafter waren ausgezogen, um das Land zu prüfen. Das Volk war von ihrem Bericht entsetzt. Das Land war fruchtbar, das Land war groß, aber kämpfen müßte man, um die ansässige Bevölkerung zu verdrängen. Und dennoch gab es in diesen Stunden seelischer Verzweiflung ein Bild sittlicher Größe, Josua und Kaleb nahmen es auf sich, das Volk dahin aufzuklären, daß man durch mutigen Kampf alles, durch Knechtseligkeit nichts erreichen könne. Unser Befveuingsfest Von Rabb. Prof. Dr. Bernhard Templer. Es gibt leider viele in unserer Mitte, die, bar jedes nationalen Bewußtseins und nationalen Empfindens, davon überzeugt sind, daß wir überhaupt kein Recht haben, Befreiungsfeste zu begehen; daß unser altes Volk an eine Wiedergeburt nicht mehr denken dürfe; daß Israel dem völligen Verfall preisgegeben sei. „Unsere Knochen sind verdorrt", sprachen einst die Verbannten in Babylon, und auch heute gibt es allenthalben Juden, die hoffnungslos ihr Schicksal betrachten. Tatsächlich ist für den Augenblick die jüdische Lage trostlos und hoffnungslos. Wellen von Haß umbranden uns und drohen Vernichtung. Der Ruf „Juda, verrecke!". bildet für viele Millionen das Losungswort. Aber trotz alledem ergeht ein Mahnruf an unsere Stammesgenossen: Bleibt fest! Gilt das Wort unserer Weisen doch so viel wie das Gerede und die Drohungen unserer Feinde! Wiederholt haben Thora und Propheten uns der Unzerstörbarkeit Israels versichert, die göttliche Verheißung der messianischen Zeit verkündet. Und Mosis' Strafrede ob der Außerachtlassung der göttlichen Gebote, schließt mit dem Satz: „Aber auch dann noch, wenn sie sein werden im Land ihrer Feinde, werde ich sie nicht unterwerfen und sie nicht verschmähen, sie zu vernichten, meinen Bund mit ihnen zu brechen; denn ich bin der Ewige, ihr Gott." Im übrigen benötigt man nur, den geschichtlichen Verlauf unseres Volkes einer Betrachtung zu unterziehen, um sich von der unwiderleglichen Richtigkeit dieser Verheißung zu überzeugen. Wenn wir die Geschichte unseres Volkes aufschlagen, so finden wir fast auf jedem Blatt bestätigt, wie wahrheitsgetreu der Verfasser der Haggada geschildert hat, wenn er behauptet: „In jedem Zeitalter erhob man sich wider uns, um uns zu verderben,, allein der Heilige, gepriesen sei Er, rettete uns aus ihren Händen." Insbesondere aber kommen wir zu dieser Ueberzeugung, wenn wir die Vorgänge während unseres Aufenthaltes in Aegypten in Augenschein nehmeu. Wahrlich, kein zweites Volk auf Erden hat je eine derartige Leidenszeit durchgemacht, wie unsere Vorfahren in diesem Ursprungsland des Judenhasses. Mit barbarischer Unmenschlichkeit und mit wohlbedachtem Raffinement — wie es heißt: Wohlan, lasset es uns überlisten — war das Ziel darauf gerichtet, uns zu verderben. Schreckte man doch selbst davor nicht zurück, jedes neugeborene hebräische Knäblein lebendig im Nilfluß zu ertränken! Das Endergebnis aber war, daß all diese Anschläge zu nichts wurden und wir in die Freiheit zogen. Und zum Ruhme unserer Frauen, der jüdischen Frauen, sei es gesagt, daß sie einen Hauptanteil an diesem glücklichen Ausgang hatten. Waren sie es doch, die ihren verfolgten, verzweifelten, von der schweren Last der Arbeit gebückten Männern Trost zusprachen, Mut einflößten, in der Hoffnung auf die Hilfe Gottes auszuharren. Sie verstanden meisterhaft, das heilige Feuer des nationalen Gedankens anzufachen und ihre Männer vor dem Aufgehen im Aegyptertum zu bewahren. Im Hause fanden die gequälten Seelen, die zermürbten Körper Erholung und schöpften die Kraft, auszuharren. In gebührender Würdigung dieser Tatsachen bemerken unsere Weisen: Dem tatkräftigen, zielbewußten Eingreifen der frommen, gottgläubigen Frauen ist die Erlösung Israels aus Aegypten zu verdanken. Wohlan denn, ihr Frauen Israels, an euch ergeht die Aufforderung, würdige Nachkommen eurer Ahnen zu sein, in ihren Fußstapfen zu wandeln. Uebt euren ganzen Einfluß aus, und der ist nach wie vor ganz beträchtlich groß, euer Haus wiederum zu einem echt jüdischen zu gestalten. Erziehet eure Kinder im Geiste unserer Religion, bildet sie zu selbstbewußten nationalen Juden heran. Unterlasset es auch nicht, wie eure Mütter in Aegypten, auf eure Männer mit Nachdruck in diesem Sinne einzuwirken. Schließlich ergeht an uns Männer die Mahnung, uns dieser schweren Zeit gewachsen zu zeigen. Bekunden wir durch unser männliches Verhalten, daß in unseren Adern noch echt jüdisches, opferfreudiges Blut rollt. Jeder einzelne stelle seinen Mann. Dann wird an uns das prophetische Wort in Erfüllung gehen: „Wie in den Tagen, da du aus dem Lande Aegypten zogest, will ich es Wunder sehen lassen,"

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