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Die neue Welt · 1933-04-07 · Heft 291 (7.4.1933) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 291 (7.4.1933)
Date
1933-04-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Mr« 291 DIE NEUE WELT ., Settel RUNDSCHAU Der ewige Jude am Ziel So betitelt sich de« Franzosen Albert Londres weitverbreitetes Buch, das vom Judenschicksal handelt. Londres hat Meere und Länder bereist, Staaten und Rassen gesehen, und Überall auch den — Juden; den nirgends seßhaften, nirgends verwurzelten, nirgends beheimateten Juden, den juif errant, den ewigen Juden, der doch endlich nach jahrhundertelanger Wanderschaft am Ziel sein sollte. Aber auch das Ziel hat der kluge Londres gesehen: Palästina! Es ist noch nicht lange her, daß wir von einem polnischen Juden jungen erzählen konnten, der als Schwarzfahrer von Warschau nach Palästina kommen wollte und in Wien abgefangen wurde. Der arme Aaron aus Warschau! Er ist kein Einzelfall. Heute gibt es allein im großen Deutschland tausende Aarons; nicht gerade fünfzehnjährige Jungens, sondern gerade erwachsene Menschen, Kaufleute, Aerzte, Rechtsanwälte, Richter, Ingenieure, die gerne mit Weib und Kind als „Schwarzfahrer" nach Palästina reisen möchten. Noch vor kurzem waren sie fest auf die Sicherheit in ihrem deutschen Vaterland; seit ein paar Wochen möchten sie davon, aber man hält sie an der Grenze auf. Fürchterliches Schicksal! Das kleine, vielgelästerte Palästina, die freiwillige, vielbefehdete zionistische Organisation steht seit kurzer Zeit im Zeichen der Hausse. Tausende Briefe fliegen auf die Schreibtische der Palästina-Büros, unzählige schriftliche und mündliche Anfragen werden beispielsweise an den von der österreichisch-revisionistischen Union errichteten Austro-Palästinensischen Wirtschaftsdienst gerichtet. Unser kleines, aber wackeres Palästina soll zum Heim der bedrohten Juden werden! Dreißig Jahre rufen wir den deutschen Juden zu: Kommt zu uns, jüdische Brüder, helft uns den Judenstaat bauen, ein Heim auch für euch, wenn die Stunde kommt! Sie wollten von uns nichts wissen. Heute ist die Stunde gekommen. Der Waad Leumi (Jüd. Nationalrat für Palästina) fordert Zertifikate für die vorm Hakenkreuz flüchtenden Juden. Palästina nimmt sie auf. Der ewige Jude am Ziel... Juden — eure Blätter! Seit einigen Wochen wetteifert die Wiener Presse in der Kunst, sich für spätere Tage ein Alibi zu konstruieren — durch wohlwollende Behandlung des deutschen Nationalsozialismus und dessen österreichischen Ablegers; durch Verschweigen und Vertuschen; durch Sichblindstellen und durch Versuche, den Leser blöd zu machen. Einzelne Zeitungen, bisher riesengroßdeutsch oder altösterreichisch oder liberal, tun so, als hätte ihnen eine gütige Fee das Hakenkreuz in die Wiege gelegt. Die Nachfolger des flachköpfigen Schönerer-Antisemitismus sudetendeutscher Prägung haben sich völlig demaskiert. Zu ihren neuesten Nachrichten gehört die Legende, daß der Schrei der jungen, von politischem Analphabetismus beseelten Burschen, der Schrei „Juda, verrecke!" nichts anderes sei, als der Schrei der kochenden Volksseele nach Neuwahlen. Die Herren, über die der politische Strom zur Tagesordnung übergeht, sichern sich heute schon die Anwartschaft auf ein warmes Plätzchen am Herd der Hakenkreuzler. Das tangiert uns nicht. Mögen die Nationalsozialisten und ihre großdeutschen Anbeter sich das untereinander ausmachen. Aber, Juden, eure Blätter! Die sieben koscheren cüabre sind vorüber, innerhalb deren die Wunderrabbis interviewt und der Antisemitismus mit dem Salböl der Humanität und der jüdisch-christlichen Nächstenliebe bekämpft wurde; wo der Herausgeber nur den einen Wunschtraum hatte, Trauzeuge bei der Hochzeit der Bischofstochter mit dem Oberrabbiner zu sein; die Klagemauer an der Stephanskirche angeklebt zu sehen. Vorbei, vorbei«.. Die. Blätter, die nur die Nacht der langen Scheren kannten, sympathisieren heute mit der Nacht der langen Messer ... Altösterreich und eure Heroen, die Kaiser, Könige, Fürsten, Erzbischöfe, Oberrabbiner und Bankdirektoren, wohin seid ihr entschwunden? Aber, Juden, eure Blätter! Seit mehr als sechzig Jahren schoekelt ihr eure mit mehr oder weniger Stirnlocken gezierten. Köpfe über dem täglichen Leitartikel, der euch aus der liberalen Zeit über die Lueger-Aera bis in die Republik und bis zur heutigen Stunde begleitet. Ihr dachtet, es seien eure Blätter! Euer die Sorge um die Gesittung, um die Regierung, um die Mehlpreise und Börsenkurse! Euer Großvater in Drohobycz oder In Olmütz hat siph bei den Klageliedern an die Brust ge- Moses Raih's Lehrbuch der hebräischen Sprache für Schul- und Selbstunterricht mit Schlüssel und Wörterverzeichnis mit deutscher, polnischer« ungarischer, rumänischer oder englischer Unterrichtssprache / Einzige Methode zur vollständigen Erlernung der hebr. Sprachein Wort u. Schrift auch ohne Lehrer. Der Preis dieses gut ausgestatteten, 400 Seiten starken Lehrbuches beträgt nur S3.60, der englischen Ausgabe Doilar 1.— / Buchhändler, Schulen, Organisationen u. Lehrer erhalten einen hohen Rabatt / Zu beziehen bei: M. Rath, Verl«« ÄfcÄ&tfc ,Sfat Amenu" schlagen, an den Freudentänzen „benachezt". Eure Blätter! Eure Blätter, so oft die bösen Antisemiten erklärten, daß die Juden eigentlich keine Deutschösterreicher seien! Eure Blätter, so oft die Wiener Israeliten in den Wahlkampf zogen — gegen die bösen Nationaljuden, die Zionisten! Eure Blätter schon damals, als sie die Existenz des Zionismus und seines Führers Theodor Herzl unterschlugen. Eure Blätter, als es galt, zu singen, daß Habsburgs Krone mit dem Geschick Oesterreichs ewig vereint bleibe. Und eure Blätter zu jeder Stunde, da es galt, Goethes Bekenntnis: „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut", und Lessings Parabel von den drei Bingen auf den Welhnachts- oder Sedertisch des braven Bürgers zu legen. Juden, eure Blätter! Versteht ihr zu lesen? Spürt ihr den Wind, der seit einigen Wochen durch die Spalten eurer Blätter weht? Seht ihr die Verbeugung, die die Schöpfer eurer Blätter vor dem Pogromantisemitismus machen? Merkt ihr nichts, Juden? Dir Großhändler und Kleinhändler, ihr Konfektionäre und Importeure, ihr Aerzte und Rechtsanwälte, ihr Häuseragenten und Korrespondenten, ihr Banken, Wechselstuben und Versicherungsgesellschaften? Merkt ihr nicht, wie sich die in der österreichischen Republik noch freie Presse, eure Presse, prostituiert? Soll diese Presse immer noch euer Blatt sein, Juden? Wir warten eure Antwort nicht ab, Juden! Wir geben euch nur den einen Rat: Leset da« jüdische Blatt, wenn ihr Herz und Hirn befriedigen wollt, wenn ihr wissen wollt, wie die Judenfrage, eure Frage, in der Welt betrachtet und behandelt wird. Kundmachung Die Wiener Molkerei bringt auch heuer Pesaach-Koschermilch in allen ihren Filialen zum Verkauf. Die Pessach-Koschermilch wird in ihren Meiereien in Niederösterreich unter streng ritueller Aufsicht der von Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner Dr. ML Rosenmann bestellten religiös verläßlichen Organe DT! WD erzeugt. Jede Kanne und jede Flasche ist mit einer Plombe resp. einer Schleife versehen mit dem Aufdruck nos St&?. 2bn Vom 10. April bis 18. April in allen Verkaufstellen erhältlich WIENER MOLKEREI Eine „jüdi§die" Schottin abgelehnt Vor einem Wiener Gericht, einem aus Schöffen besiehenden Senat, sollten sich dieser Tage ein paar Nationalsozialisten verantworten, die vor einigen Monaten in einem Wiener Warenhaus ein Tränengasattentat verübt hatten. Unter den Schöffen, den Laienrichtern, gab es auch eine Frau namens Dr. Käthe Leichter. Eine an und für sich belanglose Person — bis zu dem Augblick, wo sie das Gelöbnis (als richterliche Funktionärin) abzulegen hatte. Dieses Gelöbnis legte die Schöffin durch Handschlag ab, ein Zeichen, daß sie konfessionslos sei. Konfessionslos heute, mosaisch gestern. Der Verteidiger der Hakenkreuzler erklärte, die Schöffin als befangen ablehnen zu müssen, well sie offenbar jüdischer Abstammung sei, und ein zweiter Verteidiger bezweifelte, ob die Schöffin, die sich durch ihr mit Handschlag abgegebenes Gelöbnis gegen die christliche Weltanschauung stellte, gegen Angehörige einer christlichen Konfession mit der nötigen Unparteilichkeit Recht sprechen könne. Der Antrag auf Ablehnung der Frau Dr. Leichter drang durch. Die ausgetretene Jüdin durfte nicht Recht sprechen. Denn sie ist befangen; befangen, weil sie eine Jüdin ist. Die Nationalsozialisten glauben annehmen zu müssen, daß sich eine Jüdin, d. h. auch eine gewesene Jüdin, eine Ausgetretene und Konfessionslose, eine Freidenkerin und Sozialdemokratin, für die hakenkreuzlerischen, pogromistischen Exzesse revanchieren und gegen die Angeklagten voreingenommen Recht sprechen werde. Die Linkspresse tobt. Noch nicht dagewesen! Einen Menschen wegen seiner Abstammung für befangen erklären! Was heißt denn hier Abstammung? Wollte sieh Frau Leichter nicht selbst aus der jüdischen Gemeinschaft ausschließen? Wollte sie denn nicht durch ihren Austritt dokumentieren, daß sie mit dem Judentum nichts gemeinsam habe? Nur keine Aufregung, meine Herren Freidenker und Freirechtler! „Wenn die Verteidiger erklärt hätten, daß sie Frau Dr. Leichter als eine politisch tätige sozialdemokratische Funktionärin ablehnen, so hätte ein derartiger Einwand immerhin Sinn", schreibt die „Arbeiter- Zeitung". Da« stimmt zwar nicht ganz, aber hier liegt Leopoldstadt XI Albert Bauer, das alte Bankhaus mit den berühmten Glütfcsklassenlosen eröffnet am 10. April in der Leopoldsgasse Nr. 25 (Ecke Große Pfarrgasse 1) eine Filiale. / Das Glück kommt Ihnen entgegen — wählen Sie jetzt persönlich IhrGlücksbauerlos! wieder der Beweis vor, daß aus einem „ausgetretenen" Linksfall eine jüdische Affäre gemacht wird. Wir wollen zwar dem ablehnenden Gerichtshof kein Kompliment machen, haben aber auch für Frau Doktor Leichters Märtyrertum nichts übrig. Ein bißchen seelische Feinfühligkeit hätte ihr gebieten müssen, in einem unappetitlichen Hakenkreuzprozeß sich selbst abzulehnen. Aber woher soll solch eine ausgetretene Jüdin diese seelische Feinfühligkeit nehmen? Marxistiidie Judenfc®loni§afion Bankrott des jüdischen Siedlungswerkes in Sowjetrußland Die marxistische Irrlehre hat im Judentume nicht nur seelische Verheerungen angerichtet, nicht nur viele Tausende Juden, insbesondere junge Juden, ihrem Volkstume entfremdet und zu Feinden alles Jüdischen gemacht. Sie hat auch Vergeudung jüdischer Volkskräfte und jüdischen Volksvermögens verursacht. Um das nationale Werk des Zionismus in Palästina zu stören, haben die jüdischen Marxisten die kommunistische Judenkolonisation in der Krim und Ukraine begonnen. Sie haben mit einer grandiosen Lügenpropaganda gegen Palästina und für die „Jüdische Republik in Sowjetrußland" die ganze Welt überzogen. Es ist ihnen gelungen, das antizionistisch eingestellte jüdische Großkapital, insbesondere in Amerika, für ihren Schwindel zu gewinnen. Viele Millionen Dollars wurde von den Juden der russischen „Judenkolonisation" geopfert. Unter der Parole: „Für die fruchtbare Krim gegen das steinige, arme Palästina". Zehntausende russischer Juden wurden teils überredet, teils gezwungen, in die Krim abzuwandern und dort in tiefstes Elend zu versinken. Während das jüdische Palästina aufblüht, zerfällt der sowjetistische Kolonisationsschwindel in nichts. Auch die Moskauer Regierungspresse macht keinen Versuch mehr, das Debakel zu verhüllen. So wird aus Moskau gemeldet: Eine aus Vertretern des Zentralexekutivkomitees der Ukraine, der staatlichen Siedlungskommission „Komzet" und der jiddischen Tageszeitung „S t e r n" zusammengesetzte Untersuchungskommission hat festgestellt, daß das jüdische Kolonisationswerk auf der zwischen der Ukraine und der Krim gelegenen Halbinsel Tschangar fast völlig zusammengebrochen ist. Von den ursprünglich auf der Halbinsel angesiedelten 500 jüdischen Familien sind nur 170 zurückgeblieben. Von 140 Wein ff Einkauf ist Vertf auen§§ache! Verlangen Sie ausdrücklich: PflL'fl'STINR-WEINE PROPR. BARON ROTHSCHILD "Die Zusendung von Preislisten erf olgt über Wunsch durch den autor. Vertreter für Oesterreich: Gustav Wilder/ Wien IV/ Rmnerg* 31 Telephon U-42-4-84

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