Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 291 (7.4.1933)
- Date
- 1933-04-07
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. 201 Juden und Jüdinnen Oesterreichs! Sollen wir tatenlos das Schicksal der unglücklichen Juden Deutschlands über uns kommen lassen? Nein! Nein I In der Stunde höchster Gefahr rufen wir euch zu gemeinsamer/ organisierter Abwehr! Acti oi >g Möbelkäufer! Entsetzt blickt die österreichische Jadenschaft auf das eng benachbarte Deutschland, wo mit unerhörter Grausamkeit ein vor kurzem noch bürgerlich und wirtschaftlich blühendes Judentum zermalmt wird. De* Trost, daß Kultur und Zivilisation ständig fortschreiten und dieser Fortschritt den Judenhaß mm Schwinden bringt, hat sich wieder als nichtig erwiesen. Nicht in irgend einem kulturell rückständigen Lande, sondern in dem Lande höchster Kultur und Zivilisation, In dem Lande, das dl© gewaltigsten geistigen Leistungen hervorgebracht hat, im großen Deutschland, hat der Antisemitismus in seiner brutalsten Form die Herrschaft über das eich und die Herrschaft über die Gemüter an sich gerissen. Ein Antisemitismus, der — jede Umschreibung und Verhüllung verschmähend — einfach die Entrechtung, Vertreibung und Vernichtung der Juden betreibt. Roher und vernichtender als früher das jEaristisphp Rußland.und die östlichen Pogromländer, r ' ' Nichts^ Wäre verfehlter als zu glauben, daß die fürchterliche Entwicklung an den Grenzen Oesterreichs haltmachen wird, wenn wir österreichischen Juden nicht alles daransetzen, die Gefahr abzuwehren. Nichts wäre verfehlter als zu glauben, daß fremde Parteien uns Juden .schützen werden, weil sie Gegner der Hakenkreuzler sind. Diese Parteien werden Ihre eigenen Postulate verteidigen. Für die Juden wird sich in der Gefahr keine fremde Hand rühren. Im Gegenteil! Der Eintritt der Juden in fremde Parteien hat. sie in Deutschland ins Unglück gestürzt, er hat die Juden in Oesterreich der größten Gefahr ausgesetzt. Trotz jahrelanger Warnung haben sich die Juden nicht jüdisch-politisch organisiert, sondern haben , sich in die Reihen fremder k 1 a s s e n-, und k u 1 tu rkämpferischer Parteien begeben! Jetzt, in der Stunde der Katastrophe, hat es sich erwiesen, daß diese Parteien weder fähig noch gewillt sind, die , Juden zu schützen. Dagegen werden mit Hinweis auf die Zugehörigkeit der Juden zu diesen Parteien die Schlagworte „Jüdischer Marxismus", „Jüdische Kirchenzerstörer", „Jüdische Kulturschänder", „Jüdische Volksverführer" als Feuerbrände in die Massen geschleudert. \ Darum: Hinaus aus den frem.den pqlt-r Jfcisehen Parteien! Hinein In die jüdische. Örgari'lsäilon!';:!,';;:">'-" *; Verzweiflung oder Rüstung zur ' Selbshilfe? Die Entscheidung wird jetzt getroffen werden oder nie. Wehe uns, wenn, wir verzweifeln, uns widerstandslos zum.. Abgrund treiben lassen! Das jüdische Volk hat in den Jahrtausenden seiner Existenz schwerste Bedrängnis überwunden, dank des unerschütterlichen Glaubens an seinen Wert und an seine Kraf t. Wir, Söhne des alten, leidgewohnten, bisher nie verzagten Volkes, dürfen das. Erbe Hunderter jüdischer Generationen, den 'Willen zur Selbsterhaltung, nicht preisgeben. ' Blicket In dieser Stunde nach Pa 1 ästina und ihr .werdet Trost und Glauben an die jüdische Kraft gewinnen! Der Wiener Jude Theodor Herzl hatte das jüdische Volk zur großen 'tat aufgerufen und viele Juden hatten Uber das „Hirngespinst" gelacht. Heute beugen sich die Ungläubigen reuig vor der Größe des Gedankens, vor der Größe der Tat in Palästina. Juden und Jüdinnen! Macht euch von alten Feldern frei! Glaubet jetzt an die Kraft einer geeinten, organisierten Judenschaft! Jüdischer Wille hat in Palästina Großes geschaffen. Er wird auch in Oesterreich segensreich wirken, wenn ihr helfen werdet, ihn zum Ausdruck zu bringen! Inentscheidender Stunde fordern wir euch, Juden und Jüdinnen Oesterreichs, auf, der Jüdischen Volkspartei beizutreten. Die Jüdische Volk spart ei; die einzige unabhängige jüdisch-politische Organisation in Oesterreich, umfaßt alle Stände und Klassen, alle, die sich dem jüdischen Volke zugehör 1 g fühlen. Ihre Aufgäbe nach Innen: Stärkung des' Gefühles Da§ große CilAdc aWrimals bei Sdielhammer! Die'Ziehtmg, aW > mit v-e'S' wieder bewiesen, daß Schelhämmer-Lose von besonderem Glück begünstigt sind. Die große Prämie der 28. österreichischen' Klassenlotterie:- von ';; WÖvQOO Sdutliiig, aufwelche' Hunderttausende von Loskäufern im Stüleh!gehösft! haben, ist wieder* wie schon so oft, mit einem welches-in vier Anteilen, verkauft würde, gewonnen worden. Das Glückslos hat die Nummer 801.; Aber auch der erste Haupttreffer: der TV. Klasse von S 100.000.—, <de&> mi^erf^psnumjner 6080, und einer der V. Klasse von 'S 130.000.—fä&r mit der Ldsnlim^^^ auf Sehe* hainmer-Losei- .'"•<•:•-:- Außerdem' wurden bei; dieser Lotterie noch viele Gewinne <von- '2&000.—I£h000^ 8000—, 6000.— 40Q0— und 2000.— Schilling mit Losen vom ■ ■ . . "t Bank- und Wediselhaus Sdhelhamftier & Sdtattera Wien, I., Stephansplatz Nr. 11, gewonnen. E Wegen Räumung meines Lagers alle Arten moderner Möbel, seltene Gelegenheitskaufe zu «ensatlonelf billigen Preisen. Kiesenauswahl im MÖBELHAUS WÜHL '*•»SSL«!", der ZusatnmengehOrigkcit. Gegenseitige politische/ rechtliehe und wirtschaftliche Hilfe. Ihre Aufgabe nach außen: Repräsentanz der bewußten Judenschaft gegenüber der Außenwelt, gegenüber Regierungen und Parteien. Kampf für das gleiche Recht der jüdischen Staatsbürger und Ihre Sicherheit überall dort, wo jüdisches Recht und jüdische Sicherheit bedroht werden: In den parlamentarischen und sonstigen öffentlichen Vertretungen, vor Verwaltungsbehörden und G er 1 o h t e n, in der Presse, auf der Straße. Wo ein Jude bedroht und in seiner Ehre und in seinem Recht gekränkt wird, sollen alle Juden für ihn eintreten. Der Ausdruck dieses Strebens ist die Jüdische Volkspartei. Tretet der Jüdischen Volkspartei bei! Für die Jüdische Volkspartei: Oberbaurat Ing. Robert Stricker, Obmann. Dr. Oskar Grünbaum, Obmannstellvertreter. Zentralausschuß: Ingenieur Eugen Buchbinder, Kultusvorsteher; Karl Franz Bondy; Doktor David B u k s p a n; Dr. Jakob Ehrlich, Kustusvorsteher; Dr. Desider Friedmann, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien;. Hans Kandl; Julius Katz; Ingenieur Otto Krasny; Dr. David Kreppel; David Nebenzahl; Emil NImhäuser; Prof: Moses Rath, Kultusvorsteher; Fritz Richter; Dr. Dagobert R y b a c z e w s k y, Kultusvorsteher} Max Schiffmann, Kultusvorsteher; Dr. Abraham Schm.erler; Hermann Schwarz; Leopold Sitzmann; I. H. Waltuch, Kultüsvorsteher; Dr. Gottfried Weidenfeld; Peisach W u h I. Mindest-Jahresbeitrag: 1 Schilling. — Um allen den Beitritt zu ermöglichen, wurde der Mindest-Jahresbeitrag so niedrig festgesetzt. Aber alle jene, die größere Beiträge zu leisten imstande sind, werden aufgefordert, sich nach Maßgabe ihrer Verhältnisse zu größeren Beiträgen zu verpflichten. Denn jetzt heißt es, der großen Aufgabe große Mittel zur Verfügung zu stellen. Regelmäßig und einmalig. Beitrittserklärungen (unter Angabe der Höhe des Jahresbeitrages) schriftlich an das Sekretariat der Jüdischen Volkspartei, Wien, H., Untere Augarteristraße 88. Auch telephonisch unter Tel.-Nr. A-45-6-84 (in der Zeit von 10 bis 2 Uhr). Dörtselbst werden auch Auskünfte über den „Widerstandsfond s" erteilt und Spenden entgegengenommen. Mitgliedsbeiträge und Beiträge für . den politischen Fonds sind »nf.das PHqstsparliassenkonto B 152.164 zü überweisen. Einzahlungen'itemhen 'auch die Vertrauensmänner gelgeh Quittung " entgegen: ' ' Achtung! Freiwillige Mitarbeiter für alle Bezirke melden sich bei der Jüdisdien Volfc§paftd/ Wien, IL, Untere Augartenstraße 38. Täglich von 10 bis 2 Uhr, auch telephonisch A-45-6-34. AUS DEUTSCHLAND •ymmmmmammmmmmmKm^mmmmmmammammmmmmmmmtm^mmummammmtm Nach dem Judenboykoil Der von der nationalsozialistischen Partei für Samstag, den 1. April, angesagte und durchgeführte Boykott wurde nunmehr definitiv abgeblasen. Die Weltpresse beschäftigt sich nach wie vor mit den näheren Umständen dieser Maßnahme. Allgemein wird angenommen, daß der •brutale Boykott die deutsche Wirtschaft empfindlich geschädigt habe und als Fehlschlag anzusehen sei. Die Vernichtung der jüdischen Existenzen durch behördliche Maßnahmen auf allen Gebieten geht weiter. Diesbezüglich liegen nachstehende Meldungen vor: Antideutsche Propaganda in Paris Paris, 3. April. In Paris sind die Häuserwände von neuem mit Boykottaufrufen gegen deutsche, Waren beklebt. f , Dieschärfen englischen. Blätterstimmen gegen die deutsche Reichsregierung werden hier mit Genugtuung •veröffentlicht-. Anderseits findet das Verhalten" v. Papens •und Hugenbergs, die sich den Meldungen der französischen ^Korrespondenten aus Berlin aufolge gegen ein? Fortsetzung des. Boykotts ausgesprochen haben, allgemeine |An»rkennung. Die französischen Juden an Hitler , X'aris, 3. April. Die Internationale Liga gegen den rAntisemitismus, das französische Komitee für die Aufnahme der flüchtigen Juden, das französische Komitee für den jüdischen Weltkongreß und' die Vereinigung ehemaliger : Jüdischer Kriegsfreiwüliger haben an den deutschen Reichskanzler ein Telegramm, ^eriqhtet, worin sie .erklären, entschlossen zu sein, alle erdenklichen wirtschaftlichen und finanziellen R e p r e ssfa'l i e n ins Werk zu setzen und insbesondere den planmäßigen Boykött deutscher Waren weiterzuführen ünd zu verallgemeinern, wenn nicht den deutschen Juden alte Garantien für eine normale Existenz wiedergegeben und die deutschen Juden nicht als vollberechtigte Mitglieder in die Gemeinschaft der deutschen Staatsbürger wieder aufgenommen werden. Die Stimmung in Amerika New York, 3. April. (United Preß.) In der Beurteilung der Lage in Deutschland ist eine unverkennbare Beruhigung zu verzeichnen. So wird von den Leitern des jüdischen Kongresses selbst mitgeteilt,.-daß sie in Uebereinstimmung mit einem vom Staatsdepartement geäußerten Wunsche , sich einer weiteren Stellungnahme zur Lage der Juden in Deutschland "enthalten werden. Wie United Preß aus Washington meldet, beobachtet die ■ amerikanische Regierung größte Zurückhalt^ung. Jm Staatsdepartement wollte, man nicht einmal zugeben, daß der jüdische Kongreß in New York um Mäßigung ersucht worden sei. Die Berliner amerikanische Botschaft ' hat auf rädio telephonischem Wege über den Verlauf der Demonstrationen des Samstags berichtet. . , Ein jüdischer Kriegsrat New York, 3. April,' In den Vereinigten Staaten hat der bekannte Staatsanwalt Sapiro die Bildung eines Kriege rat es bekanntgegeben, der die Aufgabe haben soll,, einen die. ganze Welt umfassenden Boykott der deutschen Waren durch die jüdischen Zwischenhändler herbeizuführen. Zahlreiche jüdische Organisationen haben in. den Vereinigten Staaten zugunsten der in Not geratenen deutschen Juden große Sammlungen in die Wege geleitet. Das empfindliche Griechenland Athen, 3. April. (United Preß.) Alle von den jüdi- Alt werden und bleiben möchtejeder. So schwierig es scheint, es ist dennoch leicht erreichbar durch ständige, sorgsame Körperpflege. ß\n hervorragendes Mittel dazu ist FRANZBRANNTWEIN mit Menthol Mässagen 'Einreibungen) mit Diana-Franzbranntwein erfüllen mit verjüngender Kraft. Ebenso wertvoll zur Hund« und Haarpflege. Und dabei te.hr billig. Nehmen Sie nur Diana und weisen Sie wertlose Nachahmungen energisch zurück, lieberall erhaltlich! _Hotel Smetana Bad Luhacovice Mähren Gegründet 1 8 7 2< I Haus mit 50 gut eingerichteten Zimmern, fließendem Wasser, in zentraler Lage, Cafe und Restaurant im Hause, streng rituelle Verpflegung. 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Das Blatt beklagt es gleichzeitig, daß England von seiner diesbezüglichen Tradition abgegangen ist. In London liegen Nachrichten vor, denenzufolge die .tschechoslowakische und die jugoslawische Regierung nach Vorsprache jüdischer Delegationen sich bereit erklärt haben, jüdischen Auswanderern aus Deutschland das Asylrecht zu gewähren. Deutsche Juden treffen in Dänemark ein London, 2. April. Reuter meldet aus Kopenhagen, daß alle am 1. April in Dänemark eingetroffenen Züge von Juden aus Deutschland überfüllt; waren. In Kopenhagen allein landeten viele Hunderte deutsche Juden, die auf dem Seeweg eingetroffen waren.