Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 291 (7.4.1933)
- Date
- 1933-04-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis 35 Groschen Jahrgang 7 Freitag/ den 7* April 193t (86 Nr. 291 v*b*k Zeitung vom Verleger versendet «Journal expedie par räditenr*« Thl. Universifätebibliothck Wien, BEZUOSBEDINQUNQEN: Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S 4.20, ganzjährig S16.-; Polen^monatUch Zloty 2.-, vlerteHährig Zloty 6.-, Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—. vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—: Rumänien monatlich Leii 4&-rv°S Mark 3.-J Bulgarien monatlich Lewa 40.- vJerteliährig Lewa 120.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schwefe und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.59, vierteljährig Schweizer Francs 4.50 HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion «. Verwaltung: Wien IX, Universitätsstr. 6-8, lel B-48-504 — Erscheint jeden Freitag REVUE Eine verlorene Schlacht Und eine Warnung an alle! Hitler-Deutschland hat eine Schlacht verloren. — Aber die unglückliche Judenschaft Deutschlands, gegen welche Hitler-Deutschland zu Felde zog, hat die Schlacht nicht gewonnen. Deutschlands Judenschaft liegt zertreten, tödlich verwundet auf dem Boden. Gewonnen haben andere... * Nach der Machtergreifung durch Hitler war die außenpolitische Situation Deutschlands keine schlechte, eher besser als zuvor. Die Hoffnung der Gegner des Nationalsozialismus, daß die großen Mächte — Frankreich, England, Italien, U. S. A. und andere — die Verbindung mit dem auf die Gflwalt schwörenden Hitler- Deutschland lockern oder lösen würden, hatte sich als trügerisch erwiesen. Die Weltpresse blieb ruhig und objektiv. Sie behandelte im allgemeinen die Umwälzung in Deutschland als den Versuch, ein in. politische und wirtschaftliche Not geratenes großes Reich durch Anwendung neuer Methoden aus dieser Not zu retten,. Man behandelte die Gesandten und politischen Agenten Hitlers mit dem gleichen Respekt wie die Vertreter seiner Vorgänger. Man brachte der Forderung Hitler-Deutschlands nach , Revision der Friedensverträge Verständnis entgegen. Man sprach gerade jetzt von der Aufnahme Deutschlands in den engeren Verband' der Groß-' mäehttf... ...... * Das alles ist vorbei. Die Weltpresse hat wie mit einem Sehlage die Besprechung des weltpolitischen Verhältnisses zu Deutschland abgebrochen und füllt ihre Spalten mit der Behandlung ei n e s Gegenstandes: Deutschlands Judenpolitik! Wieder und wieder wird von Barbarei der Deutschen gesprochen, wie im und nach dem großen Kriege. Deutschland wird auf geraume Zeiten seine ganze diplomatische Kraft verbrauchen müssen, um den Begriff von einem barbarischen Deutschland zu zerstreuen, auf Kosten aller anderen großen diplomatischen Aufgaben. Deutschland hat also eine politische Schlasht verloren. <•> Aber auch eine wirtschaftliche Schlacht hat Hitler-Deutschland verloren! Es hat seine Juden der Existenz beraubt, aber dabei seine eigene wirtschaftliche Position in der Welt lebensgefährlich erschüttert. Hitler-Deutschland wird boykottiert. Das ist eine Tatsache, an der beschönigende und beschwichtigende Worte — mögen sie von jüdischer oder nichtjüdischer Seite kommen — nichts ändern können. In Amerika, Europa, Afrika und Asien stoßen die Wirtschaftsagenten Deutschlands auf oft leidenschaftlich-brutalen Widerstand. Man lehnt deutsche Waren brüsk ab. Nicht nur die jüdischen. Interessenten handeln so, auch nichtjüdische. Das vollzieht sich unerbittlich. Daß sich da und dort zum Mitgefühl für die beleidigte Judenschaft die Gier des Konkurrenten gesellte, macht die Sache für Hitler-Deutschland noch schlechter. Auf den Tischen der mit den vorziigl. Salonschiffen des Lloyd Triestino Abfahrten jeden Mittwoch um 13 Uhr Ferner: Wöchentliche Expreßlinie nach Istanbul; wöchentliche LtixusellUnie nach Alexandrien; - zweimal monatlich LuxuselUlnle nach Bombay; monatliche Expreßlinie nach Ceylon, SInganore, Shanghai; PostlTnien nach der Levante, Schwarzes Meer, Indien, China, Japan Auskünfte: Lloyd TrIestino,Wien I, Kärntnerrfno6 Tei.u-47-5-60 deutschen Gesandten und Konsuln häufen sich die Klagen boykottierter deutscher Firmen. An einem Tage verliert Hitler-Deutschland auf dem Wirtschaftsmarkte der Welt mehr, als alle deutschen Antisemiten durch Verdrängung der jüdischen Konkurrenz vom deutschen Wirtschaftsmarkte in Jahren gewinnen können. Auch die wirtschaftliche Schlacht hat Deutschland verloren. Wie wird /Hitler-Deutschland boykottiert? Die Machthaber Deutschlands gehen von der falschen Annahme aus, daß der Kampf gegen die deutschen Waren von zentralen jüdischen Stellen anbefohlen wurde, daher auch von diesen Stellen her eingestellt werden kann. Das Märchen von einer Judehschaft, welche vom allmächtigen und geheimen Rate der „Weisen von Zion" dirigiert wird, spukt in ihren Köpfen. Aus dieser Vorstellung heraus glauben sie durch noch brutalere Peinigung der deutschen Juden diese jüdische „Zentralstelle" zur Einstellung der Abwehrbewegung zwingen zu können. Das ist ein wahuwitziges, zur Wirkungslosigkeit verurteiltes Beginnen. . . . Die Zurückweisung der deutschen Waren durch Juden ist nicht von irgend^ welchen Stellen befohlen worden, kann daher riieht von solchen Stellen aus beendet werden. Dessen mögen die Machthaber Deutschlands und alle jene, Juden und Nlchtjuden, welche sich in dieser falschen Richtung bemühen, eingedenk sein. , Hier handelt es sich um eine elementare, aus der Tiefe und Breite kommende Bewegung. Die jüdische Hausfrau, welche beim Einkaufe deutsche Waren ablehnt, handelt nicht über Weisung, sondern selbständig als ein in seinen heiligsten Gefühlen, in seinem Stolze und in seiner Menschenwürde gekränkter, tief empörter jüdischer Mensch. Ebenso der jüdische Arzt, Ingenieur, Kaufmann und Gewerbetreibende: ■ TJeber all M TIE FPARTERRB täufes und billiges eschi'rr * Steingut-Teiler, weiß, tief und flach . . S —.39, Desseit ..................S -.29 Dekorierte Teller, lief und flach S —.49, Dessert S —.39 Kaffeetassen, modern dekoriert, per Stück . . S —.85 Große Kaffeeschalen, neueste Dekore . S —.69, S —.59 Email-Töpfe und Kasserollen: ui Va Liter »/t Liter 1 Liter 2 Liter 2. Wahl s _ 69 S -.89 S 1.10 S 1.70 Omelette- und Schnitzelpfannen, geschliffen . . S 1.75, S 1.40 Alpaka-Eßlöffel 3 - .69, Alpaka-Kaffeelöffel S -.49 Eßlöffel, verzinnt S -.29, Kaffeelöffel, verzinnt S -.19 Schneidbretter, Ahorn.......S -.98, S —.75 Ahorn-Kochlöffel, per Bund.....S -.59, S -.39 Tortenform, dreiteilig .....:....... S 1.98 Mohn-und Nußmühlen . . . . . . . . . . S 2.20 Kaffeemühlen......... . . S 2.90, S 1.98 Fleischmaschine, Marke „Standard", Nr. 5 . . S 4.80 Staubschaufel, lackiert. . . ......... S —.49' Aluminium-Töpfe und Kasserollen, mit zwei schwarzen Isoliergriffen, 2 Liter S 2.75, 1'/, Uter.................S «.- Aluminium-Eierpfannen, 16 Zentimeter . . . S 1.25 Aluminium-Omelettenpfannen, 20 Zentimeter . S 2.40 Glas« und Porzellanwaren jeder Art in reichster Auswahl, besonders billig SCHIFFMANN /.Q II TAB0RSTR.4Ö s BEHANDLUNG VON RHEUMATISMUS GICHT, ISCHIAS UND FOLGEN VON SPORT- VERLETZUNGEN AUF MDDERI1STE ART (SCHNELLKUREN, JONTOPHORESE, ORIGINAL PISTYANER SCHLAMMPACKUNGEN ETC.) INDER KURANSTALT DIANABAD FÜR ALLE PHYSIKALISCHEN HEILMETHODEN GRÖSSTER KOMFORT* - .. -; ZEITGEMÄSSE PREISE Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgelt« liehen Notizen, sind durch em beigefügtes g bezeichnet diesen Menschen waltet kein Kommandant, der ihnen befehlen oder verbieten kann. Und alle diese jüdischen Menschen handeln auch aus dem Triebe der Selbsterhaltung und Notwehr. Niemand braucht ihnen den Sinn der Abwehrbewegung zu deuten. Jeder fühlt, daß widerstandslose Hinnahme einer Vergewaltigung der Juden, wie in Deutschland, auf andere Völker und Staaten in verderblichem Sinne wirken könnte. Was heute in Deutschland geschieht, kann morgen bei ihm zu Hause geschehen, wenn die Juden es rullig mitansehen, wie in Deutschland das primitivste Recht des Juden zerstampft wird. Jeder dieser einfachen Menschen will dokumentieren, daß die Juden kein Freiwild sind, daß es auch für himmelschreiendes, an Juden verübtes Unrecht eine Strafe gibt. Hitler - Deutschland ist empört, daß „Greuel« meidungen" kolportiert werden von ausgestochenen Augen, abgehackten Händen, gefolterten Gefangenen. Es schreit in die Welt, daß es Lügen sind. Was nützt das? Ist die amtlich betriebene und amtlich gemeldete Vertreibung der Juden von jedem Erwerb, ihre Aushungerung kein „Greuel"? Ist es ein kleinerer Greuel, wenn man hunderttausend Juden dem Hungertode preisgibt, als wenn man einige hundert erschlägt?. Die Warnung au alle In einzelnen Ländern finden sich Gruppen, welche geneigt sind, Deutschlands Beispiel nachzuahmen. Die Männer, welche das Geschick dieser Länder lenken, sollen aus den Geschehnissen die Lehre ziehen. Kein Volk ist verpflichtet, sich widerstandslos vernichten zu lassen. Auch nicht das jüdische! Das jüdische Volk ist in all seinem Unglück friedliebend geblieben. Es nimmt vieles ruhig hin, was andere sich nicht bieten lassen. Aber eine widerstandsunfähige und willenlose Horde von Sohlachtvieh ist das jüdische Volk nicht! Deutschland hat heute schon seinen unmenschlichen, grausamen Vernichtungskampf gegen die Juden schwer zu büßen in seiner Politik und Wirtschaft. Wohl hat es seine Juden zertreten, aber es blutet selbst aus schweren Wunden. Das große, starke Deutschland! Möge sein Erlebnis den anderen als Warnung dienen! 1581 jüdische Einwanderer kamen im Februar 1938 nach Palästina Aus Jerusalem: Die „Palestine Official Gazette" teilt mit, daß im Februar d. J. 1581 Juden nach Palästina kamen, um hier ihren ständigenWohnsitz zu nehmen. Die Gesamteinwandererzahl während des Februar; w.ar 1713.