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Die neue Welt · 1933-03-31 · Heft 290 (31.3.1933) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 290 (31.3.1933)
Date
1933-03-31
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Kr. 290 DIE NEUE WELT SettftT Es kann nichts Besseres geben... um zu „Pessach" den Festtisch damit zu schmücken und den Gaumen zu erquicken, als die auf höchster Stufe stehenden, in Hygiene der Erzeugung, Geschmack, Bekömmlichkeit und Kaschruth unübertrefflichen Seit 40 Jahren sind „Schmidl-Mazzoth" als das beste und bezüglich Kaschruth durchaus einwandfreies Erzeugnis bekannt und beliebtl Ein Versuch wird Sie begeistern! Erzeugt unter streng orthodoxer Aufsicht Sr. Ehrwürden Herrn Oberrabbiner Babath — Die Mazzoth werden aus dem leinsten Mehl erzeugt! Schmidl-1 Mazzoth! Verlangen Sie die neue* besonders schmackhafte SPEZIAL« MARKE i*NL B«<Ä grU« V%arv*Z! Zßfi: nie: N.Brodetzki» 11, Leopoldsgasse 43 Tel. A.46-1-90 A-GO-2-63 A-41-9-32 In allen besseren Geschafften erhältlich I »Links« und »Redit§« Prof. Josef Klausner, der bekannte Gelehrte, schreibt in der Jerusalemer Zeitschrift „Bethar": Es war am in. Zionistenkongreß. Die Opposition gegen HerzI war stark. Die Mitglieder der Opposition, zu der ich auch gehörte, verlangten, daß gleichzeitig mit der politischen Arbeit auch die kolonisatorische Tätigkeit in Palästina unterstützt werde, damit das Gerede von einem anderen Lande als Palästina als Ziel für den Zionismus endlich aufhöre. Als David Trietsch mit Zustimmung Herzls die Insel Cypern als Kolonisationsland vorschlug, da erhoben sich der verstorbene Schenkin und ich und drängten ihn von der Tribüne weg. Am dritten Tage des Kongresses veranstalteten die Zionisten Rußlands, die fast alle zur Opposition gehörten, eine Beratung, in der man gegen die Exekutive (lies: Herzl) scharf loszog — ganz im Stil einer oppositionellen Partei. Inmitten dieser Debatte erschien unerwartet Herzl im Saal. Alles wurde stumm. Die Opposition erhob sich von den Plätzen und Dr. Könen Bernstein stellte die Fraktion dem Führer Herzl wie folgt vor: „Gestatten Sie mir, Herr Präsident, Ihnen die rechte Opposition vorzustellen." Darauf erwiderte Herzl: „Sie meinen wohl die extrem Unke Opposition. Sie sind ja die Maximalisten, also die Revolutionären, daher die linke Opposition/' ' An' diese Episode erinnere ich mich, wenn die heute herrschenden „Linken" im Zionismus und ihre „demokratischen" Helfer die Revisionisten als „Rechte" und „Reaktionäre" bezeichnen. Das ist nicht bloß falsch, es ist sogar eine Verdrehung. Ich gehöre der revisionistischen Partei nicht an. Ein wahrheitsuchender Schriftsteller darf sich nicht einseitig parteiisch binden. Aber ich möchte wissen, was bei uns das Kriterium für Rechts und Links ist; wodurch wir, d. h. jene, die den Primat der Politik anerkennen, die die Auswüchse des Klassenkampfes perhorreszieren, „Rechte" sind. In der Welt sind die Rechten — die Konservativen, die jede Neuerung Ablehnenden. Wir jedoch wissen, wie sich die zionistischen Arrivierten zu uns verhalten. Sind wir gegen die Arbeiter? Keine Spur. Wir sind vielmehr für hundertprozentige jüdische Arbeit. Die Zahl der nationalen Arbeiter wächst von Tag zu Tag. Das ist kein Zeichen von Arbeiterhaß. Oder vielleicht sind wir „Rechte", weil wir gegen die Herrschaft der antidemokratischen, dlckbörsigen Juden im Zionismus sind! Wem verbietet die Regierung die Einreise nach Palästina, Jabotlnsky oder dem Revolutionär Locker? Wer sind also die Radikalen, die Revolutionären im zionistischen Sinne? Wir, die wir in die Kerker gehen, oder die personae gratae der gegenwärtigen Regierung In Palästina? Und noch eine Frage an die Arbeiter: In allen Ländern, wo es Unterdrückung gibt, sind es die Arbeiter, die für Freiheit kämpfen, die sich den Anordnungen der Regierung nicht fügen. Warum sind ausgerechnet die „linken" Kundgebung fUr den Jüdischen Weltkongreß in Paris Aus Paris: Maitre Henri Tor res, der bekannte Anwalt, war Hauptredner auf der großen Kundgebung, die am 6. März in Paris zur Unterstützung des Gedankens eines Jüdischen Weltkongresses vom repräsentativen französischen Kongreßkomitee einberufen wurde. Als zweiter Redner appellierte der bekannte französische Staatsmann Senator Justin Godart, Präsident des Komitees France-Palestine, als Franzose an die französischen Juden, sich mit den Juden der ganzen Welt in einem Kongreß zusammenzuschließen; dieser Zusammenschluß würde keineswegs Veranlassung geben, an ihrer Loyalität gegenüber Frankreich zu zweifeln, im Gegenteil, er würde die Achtung,, die das französische Volk für sie hegt, noch erhöhen. Es sprächen dann noch General Weiller, der Dichter Andre" Spüre, Leönce Bernheim und Mme. Yvonne Netter für den Gedanken des Kongresses. Eine judenfeindliche Anfrage im englischen Parlamente Aus London wird berichtet: E. Doran, konservativer Abgeordneter für den Bezirk Tottenham; richtete im Unterhaus an den Minister des Innern Sir John Gilmour die Frage, ob er im Hinblick auf die gegenwärtige Lage in Deutschland Maßnahmen ergreifen wolle, um die Einwanderung von Juden aus Deutschland nach England zu verhindern. Innenminister Sir John Gilmour erwiderte: Es ist in den englischen Gesetzen nicht vorgesehen, daß in der Behandlung von Ausländern Unterscheidungen nach Religion und Rassezugehörigkeit gemacht werden. Das Fremdengesetz gibt uns die Befugnis, unser Land vor unerwünschtem Zufluß von Fremden zu schützen. In der Anwendung dieses Gesetzes lassen wir uns einzig und allein von der Rücksicht auf die Landesinteressen leiten. bor an fragte weiter: Weiß der Innenminister, daß Hunderttausende Juden jetzt Deutschland verlassen und, da andere Länder ihnen verschlossen sind, sich England zuwenden? Buchanan (Arbeiterparteiler) ersuchte den Minister, definitiv zu erklären, daß bei Einwanderungsbewilligungen keine Sonderbeschränkungen für Juden gemacht werden würden. Während der Innenminister die zweite Frage Dorans unbeantwortet Heß, gab er auf Buchanans Frage die Erklärung ab, es sei in keiner Weise beabsichtigt, eine Sonderbeschränkung gegen einwanderungswillige Juden Platz greifen zu lassen. Chorkonzert des „Wiener jüdischen Oesangvereines". Am 22. März absolvierte der „Wiener jüdische Gesangverein" unter der Leitung seines Cfrormelsters I, Brandmann sein diesjähriges Chorkonzert, Zun Arbeiter die ruhigsten, die „mit der gegenwärtigen Lage" Zufriedenen? Allerdings, wo es um ihre Klasseninteressen geht, berücksichtigen sie die Wirklichkeit am wenigsten. Es fehlt eben die Logik. Professor Br\ Jo§e( Klausners Jubiläum In diesen Tagen feiert Dr. Josef Klausner, Professor an der Hebräischen Universität in Jerusalem, das vierzigjährige Jubiläum seiner literarischen, wissenschaftlichen und publizistischen Tätigkeit. Klausner ist eine der glänzendsten Gestalten der jüdischen Moderne. Reinste Wissenschaft, gründlichste Kenntnis der Weltkultur und der Kultur des Judentums sind bei ihm in wundervoller Harmonie verschmolzen. Er begann seine Tätigkeit im „Hameliz" vor 40 Jahren. Seither ist er unermüdlich tätig. Dutzende Bücher und Broschüren sind seiner Feder entsprungen. Seine Werke Jesus", „Die Epoche des zweiten Tempels" genießen Weltruf. Seine „Geschichte des jüdischen Volkes"; und , #ie „Geschichte der neuhebräischen Literatur"' sind unerläßliche Quellen zum Studium des Judentums. Klausner' schrieb auch naturwissenschaftliche Werke, die trotz ihrer populären Form immer auf exakt wissenschaftlicher Höhe blieben. Er gehört zu den glänzendsten Erneuerern der hebräischen Sprache und ist so zum Lehrer; Erzieher und Wegweiser der jungen Generation geworden. Er ist aber nicht nur Gelehrter und Schriftsteller geblieben. Er wurzelt tief im Leben, und als solcher nimmt er Anteil am öffentlichen Leben. Er ist Judenstaatler par excellence. Diese seine Einstellung bekundet er stolz und würdig an der mit brith-schalomistischem Geist infizierten Universität in Jerusalem. Er ist der Liebling der nationalen Jugend Palästinas. Erst vor wenigen Monaten begann er mit der Herausgabe einer wissenschaftlich-literarischen und politischen Monatsschrift „Bethar", welche alle Erscheinungen des jüdischen und nichtjüdischen Lebens behandelt. Klausners Wirksamkeit kann nicht gelegentlich seines Jubiläums erschöpfend dargestellt werden. Es ist auch zur Zeit nicht aktuell. Der Dank des zum neuen Leben erwachten jüdischen Volkes ist ihm gewiß. Möge er weiterhin die Festung „Bethar" im jüdischen Palästina bleiben. Letjte Nachrichten Gegen Jabof faikys Pufsdi Au9 Kaunas (Litauen) wird der „Neuen Welt" unterm 29. März gedrahtet: Das revisionistische Zentralkomitee Litauen« verurteilt Jabotlnskys eigenmächtiges, einem Putsch gleichkommendes Vorgehen. In der Sitzung vom 28. d. wurde beschlossen, ausschließlich die bisherige, legale Exekutive der Weltunion (Großman, Machover, Sosldn, Stricker) anzuerkennen. Aus Jugoslawien Aufruft Der provisorische Ausschuß zur Gründung einer Gruppe des Sonderverbandes der Zlonisten-Revisionisten in der Zionistischen Weltorganisation in Jugoslawien, demnach Im Rahmen des Jugoslawischen Zionistischen Landesverbandes, meldet allen Zionisten In Jugoslawien, daß sich der Ausschuß konstituiert hat und daß davon das Arbeitskomitee des Jugoslawisch-Zionistischen Landesverbandes, verständigt wurde. Wir fordern alle Zionisten in Jugoslawien auf, die Interesse für unsere Arbelt haben, Ihre Adresse zwecks Herstellung eines Kontaktes gleich an die Adresse: Alfred Platzner, Zagreb, Klaoniöka ul. 11/UI., mitzuteilen. FUr den Provisorischen Ausschuß des Sonderverbandes der Zionisten-Revisionlste» in Jugoslawien David Spitzer. Alfred Platzner. Aufführung gelangten Werke von Mendelssohn, Alman„ Brandmann und Goldmark. Nach der Pause exekutierte die ausgezeichnete Bratschistin Lotte Hammerschlag, über die bereits an dieser Stelle berichtet wurde, die Rhapsodie von A. Weprik und „Aus dem Hohen Lied" von G. Hamburg. Als Uraufführungen waren „Unter die grininke Bäumelech" von Alman und drei palästinensische Hirtenweisen von I. Brandmann vorgesehen. Alman verarbeitet jüdische Motive, die sehnsüchtigen Weisen unseres Volkes, zu einem kunstvollen Chor, der großen Beifall fand. Brandmann schöpft seine I drei Chöre aus dem Volke, aus der einfachen Psyche des palästinensischen Menschen. Es sind Originalmelodien, ein Hirtenlied, Lied des Kameltreibers und Lamm und BÖcklein. Die Melodik ist einfach, ihre Akzente ohneweiters verständlich, die Harmonik interessant, o'hne aufdringlich zu sein. Die chortechnische Verarbeitung ist mit großem Geschick durchgeführt und verrät ein starkes Talent und einen echten Musiker. Neben den vollkommen abgerundeten Darbietungen des ausgezeichneten Chores wären noch die Solisten lobend hervorzuheben. Dr. I. Mann. udifdie Sport* und iiiiiliiiiliii Turnbewegung Hakoah in Abstiegsgefahr Gegen W. Ä. O. 4 :0 verloren Nach den empfindlichen Niederlagen gegen Wacker und Rapid wurde Hakoah auch von W.A. C. überlegen geschlagen. Die ältesten Anhänger des Vereines können sich nicht erinnern, daß jemals eine Haköah-Mannschaft derart leichtsinnig Punkte vergeben hatte wie die derzeitige Formation. Der W. A. C. war ohne seine zwei besten Spieler, Hiden und Sesta, angetreten, und ein Sieg der Hakoah wäre keine Heldentat gewesen. So aber ließen sich die Blau-Weißen überlegen abfertigen, wobei die eigenen Verteidiger dem Gegner den Sieg besonders leicht machten. Was nützt der beste Tormann, wenn ihn seine Backs stets nervös machen und er davor zittern muß, daß ihm die Verteidiger jede Abwehrmöglichkeit rauben. Das Match hätte vielleicht einen ganz anderen Ausgang genommen, wenn nicht die Backs drei schwerwiegende Fehler verursacht hätten, die dem W. A. C. ebensoviele Treffer eintrugen. Die Deckung arbeitete wie immer verläßlich, während die Stürmer systemlos kämpften und jede Schußfertigkeit vermissen ließen. Der rechte Flügel versagte vollständig. Stern wurde gut abgedeckt, Heß ist zu langsam und Weißkopf ließ sich zu sehr auf Spielereien ein. Trainer Dittrich wird den Krieauern eine Spur von Mannschaftsspiel beibringen müssen, sonst werden sich keine Erfolge einstellen. Durch diesen Mißerfolg ist Hakoah auf den letzten Platz zurückgefallen und in die Gefahr des Abstieges geraten. — Kommenden Sonntag spielt die jüdische Mannschaft im Stadion gegen Admira und wird alles daransetzen müssen, um wenigstens einen Punkt zu retten. Handballmeisterschaftsentscheidung Am kommenden Samstag findet um 17 Uhr auf dem Hakoah-PIatz das Handballmeisterschaftssplel Hakoah I—Siemens I statt, in welchem die Hakoah auf den Tabellenführer Siemens trifft, welcher derzeit zwei Punkte vor der Hakoah liegt. Im Falle eines Sieges tritt die Hakoah an die Spitze und hat ihre Aussichten auf die Erstklassigkeit verbessert. Die Hakoah hatte in den letzten Spielen sehr stark unter Spielerverletzungen zu leiden und wird dieses Spiel wieder in bester Aufstellung bestreiten und nichts unversucht lasesn, um ihre Chance auszunütezn. Es wird von besonderer Bedeutung sein, wenn ein großer Anhang dem Spiele beiwohnt. Die ganze jüdische Sportwelt sollte es sich 'zur Pflicht machen, auch einmal die Handballer der Hakoah in ihrem schweren Kampf zu unterstützen, und hat die Sektionsleitung durch niedrige Eintrittspreise dafür Sorge getragen, daß jeder dem Spiele beiwohnen kann. Der Einheitseintrittpreis beträgt bloß 60 Groschen. * Das Pflichtspiel Hakoah I gegen Gymnastik I endete 3 :1 zugunsten der Gymnastiker. Die Hakoah trat nur mit der halben ersten Mannschaft an und benutzte den Anlaß zu einem scharfen Training und zur Erprobung junger Kräfte, welche sich jedoch nicht bewährten. * Am 9. April treffen die vier Erstplacierten der Handballmeisterschaft auf dem Hakoah-Platz aufeinander. Um 10 Uhr spielen Siemens gegen Venus und um 11 Uhr Hakoah gegen Austria. Um 9 Uhr spielt die Hakoah« Reserve gegen Austria»

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