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Die neue Welt · 1933-03-31 · Heft 290 (31.3.1933) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 290 (31.3.1933)
Date
1933-03-31
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 290 DIE NEUE WELT Seite 5 polnischen Revisionisten Dr. Kahn, der berühmte hebräische Schriftsteller, Dr. Joz, Dr. Markus, Herr Lippmann u. a. Das Zentralorgän der polnischen Revisionisten, „Der neue Weg", hat sich der legalen Exekutive zur Verfügung gestellt. Der polnische Brith Trumpeldor hat sich in seiner Gänze seinem Führer Jabptinsky unterordnet. Dagegen hat sich die 600 Mitglieder zählende Jugendorganisation „Menorah" nach einem Referat des Vizepräsidenten der Weltunion, G r o ß m a n, für die legale Exekutive erklärt. Ebenso die Studentenorganisation „Galilia". Westgalizien und Schlesien für die legale Leitung Aus Krakau wird gemeldet: Die Zentrale der Zionisten-Revisionisten für Westgalizien und Schlesien hat eine Resolution angenommen, in welcher sie feststellt, daß die Union der Zionisten-Revisionisten für Westgalizien und Schlesien auf der Basis der 5. Wiener Weltkonferenz steht, sie .anerkennt nur die legal gewählten Partelbehörden, untersteht, ohne Vorbehalt der gewählten Exekutive, zur Fortsetzung der aufgenommenen Tätigkeit auf und beauftragt gleichzeitig alle Organisationen und ruft und beauftragt gleichzeitig alle Organisationen und Lokalbehörden, ihre Tätigkeit fortzusetzen. Für die Exekutive der Union für Westgalizien und Schlesien unterfertigten diese Resolution der Präsident Jakob Dam und der Sekretär Dr. Abraham Rosenmann. Das revisionistische Ostgalizien für die legale Leitung Aus Lemberg wird gemeldet: Hier fand eine außerordentliche Sitzung des Zentralrates der Zionisten- Revisionisten Ostgaliziens statt, welcher sich mit dem Versuche Jabotinskys befaßte, die legale Leitung der Weltunion zu beseitigen und die Union unter sein Diktat zu stellen. Nach einer bewegten Debatte beschloß der Zentralrat mit 8 gegen 4 Stimmen, den Versuch Jabotinskys abzulehnen und sich hinter die legal gewählte Exekutive zu stellen. Unter den 4 Gegenstimmen waren drei Betharim, welche dem Befehle ihres Führers Jabotinsky unterstehen. Die hebräi§che Uiu'ver§iiäf in Gefahr! " Von B. Blankenfeld (Student an der Universität . Jerusalem) Vor acht Jahren wurde auf dem Skopus die hebräische Universität eröffnet. Und gerade in diesen Tagen des Jubiläums hat die „Jüdische Presse" ein Interview mit dem Rektor Magnes veröffentlicht, worin dieser erklärt, daß die Universität vor der Gefahr der Sperre stehe. Und die Ursache? Daß die Weltjudenheit kein Interesse an diesem Institut habe und es weder finanziell noch moralisch unterstütze... Welche Ironie! Hat sich denn die hebräische Universität mit Dr. Magnes an der Spitze um die Weltjudenheit gekümmert, um die Lage des jüdischen, in der ganzen Welt gejagten Studenten? Wer, wenn nicht Dr. Magnes, hat die Schuld daran, daß die Universität zu einem Forschungsinstitut gestaltet wurde und damit zugleich die Tore für die breite jüdische Studentenschaft geschlossen hat! Jetzt, da die amerikanischen Millionäre mit ihrer Geldsubvention aufgehört haben, wendet sich der geehrte Herr Rektor an das Weltjudentum, an die Volksmaasen und an die jüdische Studentenschaft... Und man muß sagen, daß für die Judenheit jetzt der Augenblick in der Stunde der Krise gekommen ist, die Universität aus ihrem finanziellen und geistigen Bankrott zu retten. Jetzt schon kann die Studentenschaft, wenn sie rastlos arbeitet, viel Erfolg haben und es dahin bringen, daß die Tore auf dem Skopus geöffnet werden für die Aufnahme breiter Studentenmassen. Was gibt es zur Zeit in der Hebräischen Universität? Man muß konstatieren, daß die jüdische Welt diesbezüglich nur höchst mangelhaft informiert ist. Zwei güte Fakultäten sind vorhanden: die eine für humanitäre (geistige) Wissenschaft mit Unterteilungen für Orientalistik, Philosophie und Judaica; und die zweite für Biologie. Das sind gut fundierte Fakultäten mit stufenartig aufsteigendem Programm, aufgeteilt auf acht Semester, wobei der Titel mag. art. (Magister artium) und mit Hinzufügung von vier Semestern der Doktortitel vergeben wird. Vor einem Jahre foaben die ersten 13 Kandidaten mit dem Titel mag. art. absolviert. Außerdem ist ein Katheder für Mathematik und Chemie vorhanden. Laut der letzten Statistik studieren an beiden Fakultäten 171 Hörer, darunter zwei Araber und ein Litauer. (Die größte Zahl stammt aus Palästina selbst, dann kommt Polen, Rumänien, Rußland, Amerika, Lettland usw.) Es fragt sich nur, welche Mehrausgaben würden erforderlich sein, wenn an Stelle 171 Studenten beispielsweise 1000 Studenten die Kollegien für Mathematik und Philosophie hören sollten! Wenn wir schon von Mehrausgaben reden — so fragen wir, wozu im Vorjahr der neue Lehrstuhl für Weltfriedenskunde so notwendig war für die „brennenden Interessen des Weltjudentums", an das sich Herr Dr. Magnes jetzt wendet. Vielleicht war dieser Lehrstuhl notwendig für den einen, einzigen Studenten — ja, bei der letzten Vorlesung war e i n Student anwesend — der scheinbar aus speziellem Interesse für Prof. Bentwichs Ausführungen erschienen war. (Anm. d. Red.: Norman Bentwich wurde bekanntlich, nach seiner Absägung von der Stelle eines Generalstaatsanwalts, von Rektor Magnes ein- ■ geladen, den Lehrstuhl für Weltfriedenskunde einzunehmen und ist zur Zeit auf Urlaub, den er, wie bereits berichtet, in Sowjetrußland verbringt.) Wenn schon Dr. Magnes von Ersparungen spricht, die die Universität durchgeführt hat, so fragt es sich, wozu heute noch gegen zahlreiche Proteste des Jischuw große Summen ausgegeben werden — für die Herstellung eines Lexikons arabischer Poesie. Sollte dieses Werk vielleicht auch einer Notwendigkeit des Weltjudentums entsprungen sein?!... Wir, die revisionistische Studentenschaft, die als erste von allem Anfang an die Gefahr gesehen haben, dürfen gerade jetzt nicht abseits stehen. Wir müssen vielmehr am Jubiläumstag der Eröffnung der Hebräischen Universität dessen eingedenk sein, daß die jüdische Studentenschaft von uns konkrete Taten, von uns eine Intervention erwartet. Vorlesung Dr* EhrliduHidiler Anläßlich der Pessach-Feiertage wird am Mittwoch, den 5. April, um halb 9 Uhr abends im Heime, IL, Untere Augartenstraße, Herr Dr. Leopold Ehrlich- H i c h 1 e r dks Seder-Kapitel aus seinem neuen Roman „Heimweh nach Wien" lesen. — Regiebeitrag 20 Groschen. Zum Taube§-Jubiläum Die Freunde von Löbl Taubes werden auf diesem Wege vom Komitee zum Bankett, welches Samstag» den 1. A p r i 1 d. J., im Heim, II., Untere Augartenstraße 38, um 8 Uhr abends stattfindet, eingeladen. I. A.: S. Picker. Dieses Siegel bürgt... daß Kunerol streng rituell erzeugt wird und daher auch für Strenggläubige ohne Bedenken für die Zubereitung von Oster« speisen verwendet werden kann. Kunerol ist ein völlig reines Pflanzenfett, nahrhaft, leicht verdaulich und fast unbegrenzt haltbar. KuneroI wird unter ständiger Aufsicht des' Herrn Bezirksrabbiners S. Ehren fei d zu Mattersburg hergestellt KUNEROL 100% REINES KO KOS NUSSFETT Sünden bödee ♦ ♦ ♦ Die „Freiheit", das Blatt der in der österreichischen Regierung vertretenen Heimwehr-Partei, schreibt unter dem Titel „Was die österreichischen Juden aus den Ereignissen in Deutschland lernen sollen" wie folgt: Jenem großen Teil der Wiener Judenschaft, der im Lager der ö s t e r r e i c h 1 s c he n 'Sozial d e m okratie steht, gaben die Ereignisse der letzten Tage in Deutschland genügend Gelegenheit, zu (erkennen, welch geringen Wert die Sozialdemokratie als „Jude nschutztruppe" besitzt. Denn, sagen wir es offen heraus, als Judenschutztruppe hat die Sozialdemokratie nicht nur bei ihren Gegnern, sondern vor allem auch in den Augen der Wiener Juden selbst gegolten und nur dieser ausgefallenen Idee, diesem phantastischen .Hereinfall der sonst so klar denkenden Juden hat die österreichische Sozialdemokratie einen großen Teil ihrer Machtstellung zu verdanken. Auch ein Großteil der deutschen Juden hat in dieser Einbildung gelebt und förderte nach Kräften das „Reichsbanner" und viele sozialdemokratische Organisationen. Nun hat sich erwiesen, daß diese sonderbare Judenschutztruppe nicht einmal sich selbst schützen konnte und daß sie, die auf dem Papier viele Hunderttausende zählte, zusammenbrach, ehe sie überhaupt den Mut zur Aktion fand. Es ist keineswegs sicher, daß es in Oesterreich anders sein wird. Man kann es eher als feststehend annehmen, daß auch in Oesterreich die sozialdemokratischen Schutztruppen nicht einmal sich selbst werden schützen können, geschwelge denn die Juden... Aber dieser Umstand ist nicht so sehr wesentlich wie die Frage, ob die österreichischen Sozialdemokraten überhaupt eine Judenschutztruppe sein wollen. Tatsache ist: Sie tun offiziell - nichts, um die Legende von der Judenschutztruppe zu zerstören, sie belassen einen Großteil der Wiener Juden in der närrischen Einnbildung, daß sie ihre Schutztruppe wären, aber wenn Verfolgungen ausbrächen, würde auch nur ein arischer Schutzbündler seine Knochen riskieren, um den „JudenschUtzler" zu spielen, würde General Körner seine Armee mobilisieren) um den Schutz seiner lieben Juden zu bewerkstelligen? Schon der Gedanke daran ist lächerlich. Nein, diesen Schutz der Juden überläßt die Sozialdemokratie neidlos der Wiener Polizei und begnügt sich mit den zahllosen Tributen an Geld und Einfluß, den ihr so viele leiethgläubige Juden gerne bringen. Die Idee, daß der sozialdemokratische Schutzbund Ein chrisflfdies Blaft zur Judenfrage je eine Judenschutztruppe sein sollte, ist lächerlich1 genug, aber noch widersinniger erscheint die Tatsache der jüdischen Durchsetzung der austromarxistischen Partei aus folgenden vier Gründen: Erstens: Sind denn die Juden so sektenmäßige P a z i f i s t e n, wie es die Wiener Sozialdemokraten heute zu sein vorgeben? Die österreichischen Juden sind im Weltkrieg zu Zehntausenden gefallen und haben heute viele Tausende; mit Tapferkeitsmedaillen aller Grade Dekorierte in Ihren Reihen und scheinen sich dessen keineswegs zu schämen, wie der „Bund jüdischer Frontkämpfer Oesterreichs" '. beweist. Hier fehlt also jede innere Verbundenheit zwischen, dem staatstreuen österreichischen Juden und dem berufsmäßigen sozialistischen Kasernenaufwiegler. Zweitens: Sind denn die Juden Wiens so zahlreich im Proletariat vertreten, daß ihre große Anteilnahme an der österreichischen Sozialdemokratie erklärlich wäre? , Hier ist Tatsache, daß die proletarisch lebenden: , Teile der Wiener Judenschaft entweder orthodox oder ■ zionistisch sind, und groteskerweise ist nur der ziemlich j bürgerlich lebende Teil des jüdischen Mittelstandes sozialdemokratisch organisiert. Der Grund, der diese Juden in die Reihen der proletarischen Partei getrieben hat, ist ihr Wunsch, ihre bürgerliche Lebensführung zu bewahren. Das ist heiter, aber wahr! Drittens: Kennen die Sozialdemokraten überhaupt religiöse oder nationale Toleranz den Juden gegenüber? Ein Vergleich sagt alles: Während in der Monarchie der Jude sich erst taufen lassen mußte, wenn er — Minister werden wollte, muß er unter der toleranten Sozialdemokratie schon auf den Glauben seiner Väter verzichten, wenn er — sozialdemokratischer Bezirksrat werden will! Das ist nicht Parteivorschrift, sondern Usus, nicht offene Bedingung, sondern stillschwelgende Voraussetzung! Das ist der offizielle Standpunkt der Sozialdemokratie ihren jüdischen Funktionären gegenüber, wie wohlwollend sie aber sonst den Juden gegenüberstehen, bewies die anläßlich von Studentenschlägereien an der Wiener Universität in der „Arbeiter-Zeitung" aufgedruckte Ueberschrift „Hakenkreuzler gegen Haken-, näsler". Kein Rassen- und Berufsantisemit träfe das besser, , „Hakenkreuzler gegen Hakennäsler!" das ist die Quittung für. alles, was von Viktor Adler und Karpelet *

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