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Die neue Welt · 1933-03-31 · Heft 290 (31.3.1933) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 290 (31.3.1933)
Date
1933-03-31
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Btfai DIE NETTE WELT Kr. 299 Die Krise im Zionismus-Revisionismus Der Ausgang der am 20. und 21. d. M. in Kattowitz abgehaltenen Tagung des Parteirates der Revisionistischen Weltunion führte zu einer schweren Krise. Auf der über seinen Wunsch einberufenen Tagung legte der Prä* sident der Union, W. Jabotinsky, mehrere Anträge vor, welche seinem Plane, den Austritt der Revisionisten aus der Zionistischen Weltorganisation (Z. O.; und Bildung einer „Unabhängigen Zionistischen Organisation" (U. Z. O.) zu bewirken, den Weg ebnen solten. In der Hauptsache beantragte er: 1. Anerkennung des Primats der revisionistischen Disziplin über die Disziplin der Z. O. durch den Parteirat. 2. Die Revisionisten gehen , wohl zum Zionistenkongreß, fordern aber dort, daß der Kongreß selbst den Primat der revisionistischen Disziplin anerkennt, also ausspreche, daß für Revisionisten nicht das Gebot des Kongresses, sondern das Gebot der Revisionistischen Union oberstes Gebot ist. 8. Wenn der Kongreß diesen Antrag nicht mit Majorität annimmt, sind die Revisionisten verpflichtet, den Kongreß zu verlassen, aus der Zionistischen Weltorganisation auszutreten und eine Unabhängige Zion. Organisation zu gründen. - Den Mitgliedern des Parteirates war sofort Idar, daß diese Anträge keinen anderen Zweck hatten, als den von der großen Majorität der Revisionisten b 1 sher energisch abgelehnten Austritt aus der Z. O. .durch Herausforderung des Zionistenkongresses zu erzwingen. Es war klar, daß der Zionistenkongreß unmöglich sich selbst seine Geltung absprechen; kann. Alle Mitglieder der obersten Leitung (Exekutive) der Union (Großmann, Machover, Soskin und Stricker) sptvie mehr als zwei Drittel des Parteirates erklärten unumwunden, diese Anträge abzulehnen. Jabotinsky sah sich gezwungen, seine Anträge zurückzuziehen und, der.'Parteirat. schloß demgemäß (in. Gegenwart Jabotinskys): mit deri Erklärung, daß alles beim Alten bleibe. . : , 24 Stunden nach Schluß des Parteirates erhielt der Vizepräsident Großmann von Jabotinsky. eine Depesche; worin dieser .die gesamte, vön der revisionistischen Weltkonferenz gewählte Exekutive, d. h. die Herren Großmann, Machower, Soskin und Stricker, für abgesetzt erklärt. Er, Jabotinsky, nehme die ganze Gewalt über die Welt Union in seine Hand. Weitere 24 Stunden später erschien ein Aufruf Jabotinskys gleichen Inhaltes und eine Gegenerklärung der Exekutive, in welcher die DI k t a t u r Jabotinskys abgelehnt und der legale Zustand als fortbestehend erklärt wird. Nachstehend beide Erklärungen im Wortlaut. W* Jabotinskys Aufruf Warschau, 24. März. „Ich, der Präsident der Weltunion der Zionisten-Revisionisten, erkläre, daß ich von heute ab persönlich die faktische Leitung der revisionistischen Weltunion und die Führung aller Angelegenheiten der revisionistischen Weltbewegung übernehme. Die Tätigkeit der bisherigen zentralen Weltinstanzen der Bewegung wird hierdurch liquid.I er t Bis Ende der Woche werde ich ein vorläufiges Sekretariat ernennen, welches provisorisch als Exekutivkomitee der Weltunion funktionieren wird. Während meiner Anwesenheit in Polen wird der Sitz des Sekrerlats in Warschau sein. Gleichzeitig ernenne ich ein provisorisches Kommissariat, welches die Angelegenheiten der revisionistischen Schekelzahler leiten und einen Aufruf an die breiten Schichten der revisionistischen und der betharlschen Bewegung zur Teilnahme an den Wahlen zum 18. Zionistenkongreß erlassen wird. In kurzem werden zwei weitere Aufrufe erscheinen, die den genauen Sinn der in Calais und in Wien angenommenen Beschlüsse Uber Wesen und Recht unserer Weltunion erläutern und die Pflichten der revisionistischen Schekelzahler gegenüber der revisionistischen Union und gegenttber der Zionistischen Weltorganisation festsetzen werden. Indem ich meinen Beschluß als das einzige Mittel zur Sicherung der Einheit der revisionistischen Bewegung in schwerer Zeit und als die heilige Pflicht der Begründer der Bewegung ansehe, fordere ich alle Revisionisten auf, ihren Präsidenten zu unterstützen und durch brüderliche, ruhige und selbstbeherrschte Haltung zu helfen, daß wir In Ehren die heutige Krisis überleben im Namen der hohen historischen Mission unserer Judenstaatsbewegung. gez. W. Jabotinsky.«* Aufruf der Exekutive der Weifunion der Zionisten*Revi§BOini§ten Gegen den „Putsch" Jabotinskys „Revisionisten! Im Namen des Exekutivkomitees der revisionistischen Weltunion erkläre loh» daß Jabotinskys Versuch, das Exekutivkomitee aufzulösen, keinerlei legale Bedeutung hat. Das Exekutivkomitee, die Landesorganisationen, die Ortsgruppen und alle Revisionisten müssen ausschließlieh die einzige von der Weltkonferenz der Zionisten-Revisionisten gewählte Instanz, das lbiekutlvkomltee, respektleren. Ein Präsident der Union bat nach den Statuten unserer Organisation keinerlei Sonderrecht«, er kann bloß Iii Uebereiitflttmmnng mit dem Beschlüsse der Mehrheit des Exekutivkomitees handeln. Herrn Jabotinskys Erklärung Ist für keine Landesorganisation bindend und bedeutet einen unerhörten Bruch der Disziplin. Einige Stunden, nachdem der Parteirat, der auf seinen Vorsehlag hin einberufen wurde, seine Forderungen abgelehnt b»t| iwternabm Herr Jabotinsky den Versuch, durch einen Schritt, wleerlmjüdischenöffentlichen Leben noch nicht erlebt worden ist, seinen Willen der Partei durch einen „Putseh" aufzuzwingen. Dieser Versuch wird vom Exekutivkomitee schärfstens zurückgewiesen. Die leitende Instanz der Partei Wird sich nicht beeinflussen lassen von sich selbst ernennenden „Diktatoren" und wird ruhig ihre Arbelt auf allen Gebieten fortsetzen, in Uebereinstimnaung mit den Beschlüssen der Weltkonferenzen, die in der letzten Sitzung des Parteirates nicht abgeändert worden sind. Es ist notwendig, festzustellen, daß der Parteirat in Anwesenheit von Herrn Jabotinsky und ohne jeden Widerspruch von seiner Seite erklärt hat, daß in der Bewegung der Status quo aufrechterhalten bleibt, d. h., daß in der Organisation, in der Tätigkeit und in der Konstitution der revisionistischen Union keinerlei Aenderung eintritt. v . Jede revisionistische Zentrale, jede Ortsgruppe und jeder einzelne Revisionist, der nicht in voller und unbedingter Uebereinstimnaung mit den Direktiven der Weltexckutive handelt oder der gegen die Beschlüsse unserer Konferenzen verstößt, wird sofort aus der Partei ausgeschlossen werden. Die durchsichtige Absicht, die Oeffentllchke.it durch die Mitteilung irrezuführen, daß Herr Jabotinsky beabsichtige, zum Zionistenkongreß, für den er sogar ein Schekel-Kommlssarlat schafft, zu gehen, muß in ihrer wahren Bedeutungen11arvt werden. Herr Jabotinsky fuhrt seit Jahren eine Propaganda für den Austritt aus der Zionistischen Organisation, für-vollständige Absonderung des Revisionismus von der zionistischen Bewegung und für den unbeschränkten Primat der revisionistischen Disziplin über die Disziplin der Zionistischen Weltorganisation. Alle diese Forderungen hat er eben erst vor zwei Tagen in ultimativer Form vor dem revisionistischen Parteirat in Kattowitz wiederholt, dieser aber nahm die Forderungen'nicht an. Der plötzliche Frontwechsel des Herrn Jabotinsky gegenüber der Zionistischen Organisation hat einzig und allein das Ziel, in indirekter Weise die Eroberung des Z i o n i s t e n k o n g r e s s c.s durch die Revisionisten zu störe nf Der Aufruf .des Herrn Jabotinsky hat; natürlicherweise nichts^-'.zu.-''tttn^ttiit der Bemühung;, " eine ' Einheit des Revisionismus ztoV-fehefferi/ er fet das Gegen- :teil dessen. ' >. .■>'■/'' Das!'-Exek^itivkbMilfe3,',^^oMeTt von jedem Revisionisten die loyale Erfüllung der yom Exekutivkomitee gegebenen Instruktionen, es fordert; einen entschlossenen Wider stand" gegen die Verletzung derjenigen Prinzipien, auf denen die demok rat Ische revisionistische Weltbewegung aufgebaut; ist. Die revisionistische Arbeit muß ruhig und ungestört; auf allen_ Gjebfeterii, d^e?d]|jfe Interessen des jüdischen Volkes und den Aufbau "emes jüdischen Staates in Erez Israel berühren, fortgesetzt werden. ■-, _:-'v>- rVi.ii ge2_: flieh* Großman, Vizepräsident der W.eltexekutive der Monisten-Revisionisten.' Im Namen Sind Auf frag der Exekutive. JUWELIER ÖSTERREICHER hat seine Verkaufsräume nach GRABEN 7 verlegt Im Lokale Wipp'ingerstraße 29 gelangen bis auf weiteres zurückgesetzte Waren zu RÄUMUNGSPREISEN zum Ve»kauf Voraus muß man denken, sich sichern — >, versichern Allgemeine tf erslcherungi-Gef. Wien IX. Bei., Alterplals Nr. 3 Es ist klar, daß der Schritt Jabotinskys zu einer schweren Krise in der Revisionistischen Union, zu ihrer Spaltung führen muß, wenn Jabotinsky nicht auf seine Pläne verzichtet. Gerade in den Kreisen der tüchtigsten und maßgebendsten Elemente des Revisionismus ist nicht die geringste Neigung vorhanden, sich einer Diktatur zu unterwerfen, auch nicht einer Diktatur Jabotinskys, der auf der Wiener Weltkonferenz im September 1982 aus eigenem Antrieb jeder Art von Diktatur feierlich abgeschworen hat. Diese Kreise sind auch nicht bereit, die von Jabotinsky vorgeschlagene Politik gegenüber dem Zionistenkongreß und der Zionistischen Weltorganisation mitzumachen, da sie an sich widerspruchsvoll und unaufrichtig ist. Noch auf der Kattowltzer Konferenz, also 24 Stunden vor seinem Aufruf zur Teilnahme an den Kongreßwahlen .unter seiner Leitung, hat Jabotinsky die Zionistische Weltorganisation für verfault, unfähig der Erfüllung der großen zionistischen Aufgabe, unrettbar verloren, abgestorben erklärt. Einen Tag später fordert er begeisterte Gefolgschaft Im Wahlkampfe um diese „abgestorbene" Sache. Wer soll da folgen, war begeistert wählen? Die Majorität der Union und ihre legal gewählte Leitung will den Zionistenkongreß ehrlich für sich gewinnen, erobern. Sie kann den Weg, den Jabotinsky jetzt gehen will, nicht gehen. Der Schritt Jabotinskys ist geeignet, zu schweren i Komplikationen zu führen. Jabotinskys Plan ist ein un- ( glücklicher. Aber durch die ßedeutttu^ seiner Person j wird das Bild verwirrt. Es ist klar, daß »«'ine große Fuhrerpersönlichkeit viele Mitglieder bewegen wird» mit ihm zu gehen, trotz gegenteiliger Ueberzeugung, trotz heftigen inneren Widerstrebens. Besonders die im Brith Trumpeldor organisierte, auf blinden Gehorsam zum Führer eingeschworene Jugend. Aber kann das von Dauer und von Erfolg begleitet sein? Diese Erscheinung wird wohl die Aufgabe der gewählten Leitung, die zur Weiterführung der Geschäfte und Verfolgung der Herzischen Judenstaatspolitik auf legalem Wege und mit klarem Programm fest entschlossen zü sein erklärt, sehr erschweren. Aber wer wird den Vorteil davon haben, daß sich die gesunde Vernunft und das klare Programm langsamer durchsetzen werden? Weder Jabotinsky und seine engeren1 Freunde noch der Zionismus selbst. Harte Arbeit, ungeheure Anstrengung und ungeheure Enttäuschungen haben einen Führer größten Formats, haben Jabotinsky vom richtigen Weg abgedrängt. Es ist sehnlichst zu hoffen, daß er ihn wieder finde. Das Revisionistische Exekutivkomitee richtet^ ein ■ Kommissariat für Polen'ein v ■ Das Exekutivkomitee des Weltverban'de's der Zionisten-Revisionisten hat beschlössen, in Warschau ein besonderes Büro zu schaffen und Herrn D. Weinstein, Mitglied des Aktionskomitees und des Waad Leumi (Jüdischer Nationalrat in Palästina), zum beson-r deren Kommissär für ganz Polen* zu ^bestimmen. Zu Beisitzern und Mitgliedern des Büros , sind dje Herren Dr. B. Jozund Dr. .M, Markus bestimmt; worden.. y. , . •. .-,-} <,..,.;,*•*'.«•; Alle Mitglieder des. polnischen Parteirates,;<Henaujj[-*- dem Boden der legal gewählten Exekutive stehen,, sind automatische Mitglieder des Büros. , Der bisherige Parteirat ist als auf gelöstzu. be- , trachten. Alle revisionistischen Rayonskomitees und Unterteilungen haben sich in allen Angelegenheiten ausschließlich an den Vertreter der Exekutive zu wenden. Alle Briefe sind an folgende Adresse zu schicken: Egzekutyna Rewizionistyczna p. A. Dr.' B. Joz, Jevorzoliniska 43, Warschau. Das Weltexekutivkomitee der Leitung: Meir Großman (London), Dr. J. Machower (London), Dr. S. Soskin (Genf), Ing. Robert Stricker (Wien).' Die. Zionisten-Revisionisten Oesterreichs für die legale Leitung _ Der Parteirat hat am 26. März folgende Resolution - angenommen: Der Parteirat der Zionisten-Revisionisten Oesterreichs bedauert den von Herrn Jabotinsky unternommenen Versuch, die von der Weltkonferenz legal gewählte Leitung der Weltunion in ihrer für die Weltunion so ersprießlichen Tätigkeit zu stören und sie in ihrem Ansehen herabzusetzen. Die Revisionistische Union ist auf demokratischer Basis aufgebaut. Dies wurde auf der letzten Weltkonferenz, gegenüber Versuchen einer kleinen diktatorisch eingestellten Minorität, feierlich betont, auch von Herrn Jabotinsky. Der Parteirat bekennt sich weiterhin zu diesem Grundsatze, lehnt alle diktatorischen Maßr e g e 1 n, von welcher Seite sie auch kommen mögen, ab und steht daher treu hinter der von der V. Weltkonferenz gewählten Exekutive., , Angenommen mit 34 Stimmen gegen 5 Stimmen. Ferner lag folgender Antrag vor:. Der Parteirat drückt dem Präsidenten der WeM> union sein volles Vertrauen aus, billigt auch seinen, den XVHI. Zionistenkongreß betreffenden Beschluß. Abgelehnt mit 33 gegen 5 Stimmen, Aus Kongreßpolen Aus Warschau wird gemeldet: Der Parteirg,t der Revisionisten Kongreßpolens korinte im Konflikt mit Jabotinsky zu keiner klaren Stellung gelangen. Während er einerseits die Führerautorität Jabotinskys anerkennt und ihm Gefplgschaft beim Kampfe um den Zionistenkongreß verspricht, lehnt er e<3 ab, sich den von Jabotinsky geschaffenen neuen Behörden zu unterstellen. Er fordert die eheste Einberufung einer revisionistischen Weltkonferenz und erklärt sich bis dahin als selbständige Organi-. sation. Er nimmt es auf sich, für die Einberufung der Weltkonferenz Sorge zu tragen; Diese Haltung war aber auch keine einheitliche, denn mehrere führende-Per* sönlichkei ten des polnischen Revisionismus habe», sich Herrn Meir Großmann, dem Vizepräsidenten de,r Weltunion zur Verfügung gestellt. So: Der Präsident der

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