Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 290 (31.3.1933)
- Date
- 1933-03-31
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 280 DIE NEUE WELT Settel Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens — auch er ist konsequent. Auch er tut, was er kann, vor allem in dem Bemühen, den nationalsozialistischen Staat Goerings und Goebbels' als Staat der Ordnung und der Gesetzmäßigkeit hinzustellen und zu erklären, daß „das Vorgehen gegen die Juden" im Widerspruch stehe zu der allgemeinen Volksstimmung! Das Organ des Centrai-Vereins spricht so nebenbei auch das Wort „ungesetzliche Gewalttaten" aus (wir müssen uns das merken!), meint aber, daß die Reichsregierung jede nicht kommandierte Handlung mißbillige. Man erinnert sich daran, daß die C.-V.-Büros als erste von den zur Macht gelangten Hakenkreuzlern durchsucht und auf Vaterlandstreue untersucht wurden! Welche Ironie, wenn die Hakenkreuzler annahmen, daß der Centrai-Verein, der sich germanisch bis In die marklosen Knochen gebärdete, etwa Hochverrat üben könnte! Aber diese organisierte Assimilation, von den deutschen Pogromantisemiten bespuckt, bedroht, beschimpft und zur Tür hinausgeworfen, hält weiterhin die schwarz-weiß-rote Fahne hoch und ruft frisch-fromm-fröhlich-frei aus: „Die Wünsche der deutschen Juden küngen am Tage von Potsdam mit denen der vaterlandsliebenden Deutschen aller Parteien zusammen." So rufen sie, anstatt zu schweigen und in Würde und ernster Besinnung eine Lösung der Krise abzuwarten. Wir verlangen von dieser Assimilation kein Heldentum, kein Märtyrertum, aber wenigstens ein FUnkchen Scham, das ihnen gebietet, den sich jetzt in Deutschland vollziehenden Umformungsprozeß mit ruhiger Objektivität und loyaler Selbstbeherrschung zu betrachten. v Da und dort... Auch das norddeutsche Assimilantentum meldet sich zum Wort. Unter dem Titel „D e r Geist von Potsdam", schreibt ein Israelitenblatt nach all den Entwürdigungen, die die deutschen Juden .über sich ergehen lassen mußten: > „Nichts kann unserem Anspruch, auch heute, auch unter der neuen nationalen Regierung, als - Gleiche unter Gleichen angesehen und behandelt; zu; werden, größeren Nachdruck verleihen als der Hinweis"... usw. Ifcd nachdem in verschiedenen Varianten von der Notwendigkeit der — Toleranz, der Duldung also, die Rede ist, tut der deutsche Assimilant einen Kniefall, indem er das Sprichwort von der „Heimat" zitiert: „Nicht, daß du uns liebst, ist uns Daseinsnotwendigkeit; aber daß du dir unsere Liebe gefallen läßt: das ist uns Lebensbedürfnis." Wenn man diesen poetischen Spruch seiner rhythmischen Schmockerei entkleidet, so kann man das Knochengerüst der deutschen Assimilation zu sehen bekftnmen. Die Herren Israeliten erklären, daß es für sie Keine Notwendigkeit ist, von den Deutschen geliebt zu werden; es ist ihnen aber Lebensbedürfnis, nicht gestört zu werden, wenn sie mit heißer Inbrunst die Stelle aufsuchen, wo der Zimmermann ein Loch gelassen hat. -iber der Leser möge nicht glauben, daß diese mehr passive Speichelleckerei den Gipfelpunkt der Selbsterniedrigung der judenliberalen Assimilation bedeutet; er möge nicht glauben, daß er bei dem Begriff „Höher geht's nimmer" angelangt ist. Der Verband sogenannter nationalistischer Juden, treudeutscher Semiten aus dem Teutoburger Wald, erläßt im Zusammenhang mit dem Alpscheu, den die Kulturländer dem heutigen Deutschland entgegenbringen, ein Rundschreiben an seine Mitglieder, worin es heißt: „Tretet mit größter Entschiedenheit jenen entgegen, die den verbrecherischen Versuch machen, auf dem Umweg über ausländische Kreise auf die Gestaltung der deutschen Zukunft einzuwirken. Wenn heute fit Amerika, Polen, Holland und in anderen Ländern von jüdischer und nicht jüdischer Seite der Versuch gemacht wird, die nationale Regierung in Deutschland zu irgendwelchen Handlungen oder Unterlassungen zu zwingen, so müssen wir als Deutsche dieser erpresserischen Einwirkung mit derselben Entschiedenheit and Erbitterung entgegentreten wie jeder deutsche . Volksgenosse nichtjUdlschen Stammes." Man braucht kein scharfsinniger Zwischen-den- Zeilen-Leser zu sein, um zu erkennen, was hier am Werk ist: der schamloseste, bodenloseste Verleumdungsvcrsuch, die niederträchtigste Lumperei reichsc|eut8cher Assimilanten, begangen am schwer bedrohten deutschen und am ebensosehr empörten außerdeutschen Judentum. Schweigen wir! Ueberlassen wir diese Gesellen ihrem Schicksal! Wenden wir uns für ein paar Augenblicke der zionistischen Wirklichkeit zu, der deutschen offiziell-zionistischen Wirklichkeit! Dje in Prag erscheinende zionistische „Selbstwehr" läßt den Hamburger jüdischen Publizisten Esriel Carlebach erklären, wie die letzten Ereignisse in Deutschland — zionistisch zu sehen sind. Daß der nicht im zionistischen Raum tätige Schriftsteller Carlebach klarer, tiefer, sachlicher sieht als die „Kulturzionisten" Berlin- Prager Provenienz, ist bei einem Mann seines Talents nicht weiter verwunderlich. Wir konnten schon eingangs konstatieren, daß der rebellisch gewordene deutsche Pogromantisemitismus ein klein wenig Besinnung bei den deutschen Juden, ein Aufflammen Jüdischer Solidarität und Zeichen sachlicher Abwehr hervorgerufen hat. Aber noch eines ist klar geworden, und gerade das muß die Vertreterin des kleinen, braven, stillen, bescheidenen Fondszionismus sich von Esriel Carlebach sagen lassen: daß „der Glaube an die Organisation an sich und in die Organisation als Grenze des zionistischen Hoheitsbezirkes" den Zionismus blutleer gemacht hat; daß der deutsche offizielle Zionismus den politischen Zionismus mißverstanden hat; daß der offizielle deutsche Zionismus in seinem Bereich aus lebendigen, vom Volk ausgelösten Kräften eine starre, dogmatisch orientierte Bürokratie gemacht hat; daß aus der zionistischen Organisation — wie es eben der revisionistischen Mentalität entspricht — wieder eine Volksbewegung werden müsse mit allen Attributen, die solch einer Bewegung zwangsläufig zukommen. Das sind einige der Hauptkonsequenzen aus dem deutschen Judenschicksal unserer Tage... o. r. Deutscher Reichstag jadenrein. — Im preußischen Landtag zwei jüdische Abgeordnete Am Dienstag trat der Reichstag zusammen und gleichzeitig tagte auch der preußische Landtag. Der Reichstag ist wie sein Vorgänger judenrein. Kein Abgeordneter, der sich zum Judentum bekennt, ist in den Listen der großen deutschen Volksvertretung zu finden. Ein einziger, Dr. Mar um, Rechtsanwalt in Karlsruhe, Rasiere dien besser! die einzige schwedische Weltmarke VAN DE VELDE'* sensationeller Tonfilm LIEBE WIE DIE FRAU SIE BRAUCHT URAUFFÜHRUNO HEUTE BOSCH-KIIIO II. GARTENBAU-KINO I. BURG-KINO I. KÄRNTNER KINO I. SCHWEDEN-KINO II. HA9DH-KIH0 Ol. HEIMAT-KINO IX. VOTMPARK-KINOIX. gibt zu, jüdischer Abstammung zu sein. Einige Abgeordnete, wie Dr. Hertz, Frau Sender, Hilferding, entstammen jüdischen Familien, haben selbst aber schon vor vielen Jahren zwischen sich und der jüdischen Gemeinschaft den Trennungsstrich gezogen. Im preußischen Landtag bekennen sich zwei Abgeordnete offen als Juden, Professor C h a j e a und Dr. Hamburger. In einer Anzahl Wahlkreisen waren zwar, insbesondere von der Staatspartei, jüdische Kandidaten aufgestellt, wurden aber nicht gewählt. Progromheipe in Oesterreich Ströme des eklen Saftes Das Organ der Nationalsozialisten Oesterreichs „Deutschösterreichische Tageszeitung" bringt in Verfolg einer Diskussion mit dem sozialdemokratischen Organ das „Kleine Blatt" folgenden Artikel: Der Pogrom Der Wachsamkeit der Münchener Polizei Ist es geglückt, einen Mordanschlag auf den Reichskanzler gerade noch rechtzeitig zu verhindern. Der Polizeipräsident von München, Beichsf ührer-SS. Heinrich Himmler, M.d.B., hat diese Gelegenheit dazu benutzt, die selbstverständliche Feststellung zu machen, daß ein Schuß auf den Reichskanzler, auch wenn er fehlgehen sollte, genügen würde, in Deutschlandväpn größten Pogrom hervorzurufen, den keine Staatsmacht der Welt verhindern könne. Diese Äeußerung, die lediglich eine allgemein bekannte Tatsache festhält, hat in der Judenpresse natürlich große Aufregung hervorgerufen; recht so, das war ja schließlich der Zweck dieser Ankündigung. Das „Kleine Blatt" aber, das vorgibt, die geistige Nahrung des Wiener Proletariats zu sein, das demnach wahrlich über einen guten Magen verfügen muß, stellt dieses Wort des Münchener Polizeipräsidenten in einen Titel, der folgendermaßen lautet: „Der hakenkreuzlerische Polizeipräsident hetzt zu Arbeiterpogromen auf!" Es scheint, daß die Juden im „Kleinen Blatt", voran der Genosse Braunthal, nicht mehr recht wissen, daß Pogrom ein SpezlalaUsdruck für Judenverfolgungen ist. Wir wollen ihr Gedächtnis auffrischen: Pogrom ist die gerechte Abwehrmaßnahme des von den Juden gequälten Wirts Volkes gegen seine Unterdrücker. Pogrome hat es solange und überall dort gegeben, wo Juden schmarotzten. In angenehmer und freudiger Erinnerung ist uns da vor allem der bekannte Pogrom in Kischinew, der so ungemein erfolgreich war. Dieser Kischinewer Pogrom wäre aber nur, wie Polizeipräsident Himmler nur zu wahr feststellte, das reinste „Versöhnungsfest" gegen das große Bluten, das anheben würde, wenn dem Führer des deutschen Volkes auch nur ein Haar gekrümmt würde. Denn das ist der Sinn der Ankündigung des Munchener Polizeipräsidenten: Ein Tropfen des Blutes des Arbeiters Adolf Hitler, den da« Vertrauen des Volkes auf den Stuhl Bismarcks gehoben hat, ist uns tausendmal mehr als ganze Ströme des eklen Saftes der ganzen Million juden, die das lebendige hohnlachende Symbol für Deutschlands Not und Elend sind. * Die österreichische Regierung geht jetzt gegen Zeitungen scharf vor. Unter Berufung auf ihre Pflicht, Aufreizung der Bevölkerung zu verhindern, beschlagnahmt sie täglich Zeitungen. Auch gegen die „Deutschösterreichische Tageszeitung" ist der Staatsanwalt wiederholt vorgegangen, wenn sie heftige Artikel gegen Maßnahmen der Regierung brachte. Es ist wohl bezeichnend» daß in der sonst so scharf beobachteten „Deutschösterreichischen Tageszeitung" eine solche Mordhetzerei erscheinen kann, ohne daß der Staatsanwalt darin einen Anlaß zum Einschreiten erblickt. Bei dieser Gelegenheit sei auch bemerkt, daß diese an Roheit und Bestialität kaum zu übertreffenden Ausführungen nicht etwa nur beim unwissenden Volk Anklang finden. Die „Deutschösterreichische Tageszeitung" ist heute das Blatt des überwiegenden Teiles der deutschen Intelligenz in Oesterreich. Der 100«000*Sdiilling«Haupttteffer wieder beim ssGlficksbauer"! Der Haupttreffer der Klassenlotterie-Ziehung vom 23. März im Betrage von S 100.000 entfiel auf das vom „Glücksbauer" (Bankhaus Albert Bauer, IV., Favoritenstraße 4) verkaufte Klassenlos Nr. 12.457. Außerdem gewannen im März Glücksbauerlose: S 20.000, S 10.000, mehrere zu S 8.000, 6.000, 4.000 usw. Kauf- und Ersatzlose V. Klasse noch erhältlich. Auch Lose erster Klasse (Ziehung 16. und 18. Mai) schon zu haben. 100 Semester Kadimah Aus Anlaß des hundertsemestrigen Stiftungsfestes der A. V. Kadimah finden folgende Veranstaltungen statt: Samstag, 1. April: Halb 5 Uhr Festkonvent (intern). — 8 Uhr Begrüßungsabend. Sonntag, 2. April: 10 Uhr Herzl-Grabgang. Montag, 3. April: 8 Uhr Festkommers (Sophiensäle). Dienstag, 4. April: Halb 9 Uhr Ball (Militärkasino). Einladungen zur Teilnahme an den Veranstaltungen: Kadimah-Bude, L, Biberstr. 26, 3 bis 7 Uhr. Union der Zionisten-Revisfonisten_ Mittwoch, den 5. April 1933, V„9 Uhr abends, im Herzl-Saal des Verbands* heims, II., Untere Augartenstraße 38 Vortrag Dr. Leopold Ehrlich - Hichler liest das Seder - Kapitel aus seinem neuen Roman „Heimweh nach Wien" Regiebeitrag 20 Groschen Wem «Einkauf ist Vertrauenssache! Verlangen Sie ausdrücklich: PflL'fl'STINR-WEINE PROPR. BARON ROTHSCHILD *Die Zusendung von Preislisten erfolgt über Wunsch durch den autor. Vertreter für Oesterreich: Gustav Wilder, Wien IV, Rainerg. 31 Telephon U»42-4>84