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Die neue Welt · 1933-03-24 · Heft 289 (24.3.1933) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 289 (24.3.1933)
Date
1933-03-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 289 DIE NEUE WELT Seite 9 AUS DEUTSCHLAND Erklärung der ,/Ziom§tischen Vereinigung für Deutschland" Berlin, 17. März. Die Zionistische Vereinigung für Deutschland erläßt die folgende Erklärung: „Im Hinblick auf die Veröffentlichungen in der nationalsozialistischen Presse, in denen die deutschen Juden einer gegen Deutschland gerichteten Propaganda im Ausland beschuldigt werden, und insbesondere im Hinblick auf Versuche, das Zentralorgan der „Zionistischen Vereinigung für Deutschland", die „Jüdische Rundschau", mit dieser Propaganda in Verbindung zu bringen, erklärt die „Zionistische Vereinigung für Deutschland", daß alle Behauptungen dieser Art unrichtig sind und jeder Grundlage entbehren. Jede Nachprüfung wird ergeben, daß — soweit versucht wird, solche Vorwürfe auf Aeußerungen der zionistischen Presse in Deutschland zu stützen — diese Aeußerungen Artikeln entnommen sind, die überhaupt keine Stellungnahme zu den Fragen der inneren deutschen Politik enthalten. Die von der nationalsozialistischen Presse in diesem Zusammenhang aus den ausländischen Zeitungen 2itierten Aeußerungen von jüdischer Seite sind aus der Besorgnis um das Schicksal der deutschen Juden zu erklären, die durch judenfeindliche Propaganda in jedermann zugänglichen Presseartikeln . und Broschüren entstanden ist. Die Beruhigung der Verhältnisse in Deutschland, die auch den deutschen Juden das Gefühl der Sicherheit wiedergibt, wird zweifellos auch in der ausländischen Presse ihren Ausdruck finden." Mitteilung der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Berlin, 20. März. (J. T.-A.) Die Zionistische Vereinigung für Deutschland teilt mit: „Am Sonntag abend erschien eine Gruppe von Leuten in SA.-Uniform in den Räumen der Zionistischen Vereinigung für Deutschland sowie in der Wohnung eines führenden Zionisten und nahm Durchsuchungen vor. Die sofort durch uns unternommenen Schritte ergaben, daß es sich nicht um behördlich autorisierte Maßnahmen handelt. Wie man uns zusicherte, ist Vorsorge dafür getroffen, daß sich ein derartiger Vorfall nicht wiederholen wird. Unser Bürobetrieb ist in keiner Weise gestört. Unsere Arbeit geht unverändert weiter. Um von vornherein unrichtige Meldungen im In- und Ausland zu verhüten, legen wir Wert darauf, den Sachverhalt durch vorstehende Mitteilung authentisch klarzulegen. Zionistische Vereinigung für Deutschland." Sterbendes deutsches Judentum Unter der Ueberschrift „Der Untergang der deutschen Juden" führt Sanitätsrat Dr. Max Maschke in der Frankfurter wissenschaftlichen Zeitschrift „Die Umschau" aus: „Wenn es nicht zu einer umwälzenden Einstellung in der Mentalität der Menschen kommt, werden die deutschen Juden allmählich aussterben, nicht durch äußere Einflüsse, vielmehr nach eigener Wahl, kraft eigenen Entschlusses, nicht mit dem Willen zum Untergang, aber als. Folge ihres Tuns und Lassens. Das Ein¬ Kinder- und Keinkinder-System bringt eine Umschichtung und Verminderung der Bevölkerung zuwege; und die Juden sind der Vortrab einer Bewegung, die zunächst die westliche Kulturwelt Europas und Amerika ergriff, sich aber schon anschickt, auch die slawischen Völker im Osten zu beeinflussen. Wir haben auf der einen Seite Verringerung der Geburten, durch freiwillige Geburtenbeschränkung, durch Ueberalterung, geringere Besetzung des Heiratsalters und dadurch hervorgerufene Verminderung der Ehen und damit auch gleichzeitig wieder der Geburten bedingt; wir haben auf der anderen Seite die Erhöhung der Sterbeziffer nicht nur im Verhältnis zur übrigen Bevölkerung, sondern auch absolut. Dazu kommt, daß den Juden weitere Bestandteile verlorengehen durch Mischehen, deren Kinder nur zu einem Viertel etwa dem Judentum erhalten bleiben. Zu Anfang des Jahhrunderts war jede zwölfte von einem Juden geschlossene Ehe eine Mischehe, heute ist es bereits jede vierte. Und in den Mischehen ist die Kinderzahl noch geringer als in den rein jüdischen. So muß das Judentum binnen absehbarer Zeit bis auf geringe Reste verschwinden." „Deutscher Vortrupp" Am 25. und 26. Februar erfolgte in Kassel die Gründung des „Deutschen Vortrupp" (Gefolgschaft deutscher Juden). Aus Kreisen der Gründer wird der J. T. A. mitgeteilt: „Der ^Deutsche Vortrupp" besteht aus nationaldeutsch gesinnten jungen Juden. Die politische Richtung entspricht der des Naumannschen Verbandes nationaldeutscher Juden, mit dem der „Deutsche Vortrupp" viele Berührungspunkte hat. Er unterscheidet sich von dem Verband aber durch seine bündische Einstellung. Der „Deutsche Vortrupp" wird versuchen, gemeinschaftlich mit anderen, deutschen, rechtsgerichteten, bündischen Kreisen an der Wiedererstarkung des Vaterlandes mitzuarbeiten." Der „Deutsche Vortrupp" erläßt einen Aufruf, worin es heißt: „Wir, am 25. und 26. Februar in Kassel versammelten jungen Deutschen jüdischer Abkunft und jüdischen Glaubens fühlen uns in dieser Notstunde unseres Vaterlandes einig und. verbunden mit allen Kräften der jungen nationalen Erneuerungsbewegung. Wir halten als Kreis keine andere jüdische Besonderheit für erhaltenswert als die jüdische Religion. Damit der Wille und die Kraft des Teiles der deutschen Judenheit, der nicht erst seit gestern nationaldeutsch fühlt, bei der künftigen Neuordnung der deutschen Dinge zum Einsatz komme, schließen wir uns zum „Deutschen Vortrupp", Gefolgschaft deutscher Juden, zusammen. Das Altental auf Esriel Charles badi aufgeklärt Die 2000-Mark-Prämie, die das „Israelitische Familienblatt" für die Aufklärung des Attentats gegen Esriel Carlebach ausgesetzt hatte, führte schon in den ersten Tagen nach ihrer Ausschreibung dazu, daß der Staatsanwaltschaft Angaben über die Vorbereitung des Anschlages gemacht wurden. Nach ihnen ist der Ueberfall auf Carlebach im Kreise der Beteiligten schon Wochen vorher besprochen und später durch seine beiden Waffen besitzenden Mitglieder S. G. und D. N. ausgeführt worden. Am Tage nach der Tat veranstaltete man dann für die beiden eine Kollekte, um ihnen die Reise ins Ausland zu ermöglichen. Sie sind noch am gleichen Abend über die deutsche Grenze gegangen. Bei beiden Beteiligten handelt es sich um etwa zwanzigjährige Juden ausländischer Staatszugehörigkeit. Festgestellt wurde, daß sie linksradikalen Organisationen — so dem „Bund zur Bekämpfung des Faschismus" — aktiv angehören und daß sich ihr Angriff gegen Carlebach als den „Ruß landhetz er" richtete. halten zu ihrer Legitimation besondere polizeiliekt Ausweise. Alle anderen jüdischen Rechtsanwälte hallen sich vom Auftreten vor Gericht fern. Einstein bleibt im Sommer In der Schweiz. New York, 19. März. (J. T.-A.) Professor Albert Einstein ist von Amerika am 19. März nach Antwerpen abgereist. Ursprünglich plante er, schon am 15. März mit der „Deutschland" nach Berlin zurückzukehren. Davon hat er abgesehen. Er wird den Sommer in der Schweiz, voraussichtlich in Zürich, verbringen und im Herbst nach den Vereinigten Staaten zurückkehren. Berlin beschäftigt nicht jüdische Rechtsanwälte und Notare. „Vossische Zeitung" teilt mit: „In der Berliner Stadtverwaltung ist die Anordnung getroffen worden, daß jüdische Rechtsanwälte und Notare mit Rechtsangelegenheiten der Stadt in Zukunft nicht mehr betraut werden. Es ist anzunehmen, daß die gleiche Bestimmung für die städtischen Gesellschaften getroffen wird." Berliner Nachrichten Achtung! Durch besondere Gelegenheit ist es uns möglich, Ihnen die Feuilletons von Vladimir Jabotinsky zum Preise von RM. 2.10 plus Porto abzugeben. Gleichzeitig können wir Ihnen das Buch „Braudels" von J. de Haas zum Preise von RM. 4.50 plus Porto, in eleganter Aufmachung (Ganzleinen mit Lederrucken), abgeben. — Bestellungen sind zu richten an: Union der Zionisten-Revisionisten, Berlin-Charlottenburg, Joachimsthalerstraße 3/II. München. Herr Hamburger (Berlin) weilte in München und machte im internen Kreise der revisionistischen Ortsgruppe Ausführungen über die momentane Lage im Revisionismus; insbesondere wurde die soziale Frage in Palästina besprochen. Sein« Besprechung führte zu einer Reorganisierung der MUnchener Ortsgruppe. Streng rituell... wird Kunerol erzeugt, in modernen, appetitlich reinen Anlagen, die vom Publikum jederzeit besichtigt werden können. Kunerol ist garantiert reines, 100%iges Pflanzenfett Seine besonderen Vorzüge sind: Großer Nährwert, leichte Verdaulichkeit und lange Haltbarkeit Kunerol wird unter ständiger Aufsicht des Herrn Bezirksrabbiners S. Ehrenfeld zu Mattersburg hergestellt KUN 100% REINES KOKOSNUSSFETT Brilli Trumpeldor mit Hakenkreuz Aus Berlin wird der „Neuen Welt" geschrieben: Mitglieder des Haschomer Hazair haben in der Nacht vom 1. zum 2. März die Schilder am Heim des Brith Trumpeldor Berlin zum Teil abgerissen, zum Teil mit Hakenkreuzen beschmiert. Sie suchten sich zunächst damit herauszureden, daß SA.-Leute es getan hätten, wurden jedoch durch die Aussagen des Hauspförtners überführt. Ueber Dirigenten jüdischer Abstammung. Berlin, 19. März. Wie in Leipzig, wo gestern Reichskommissar von Killinger ein Gewandhauskonzert mit Bruno Walter verboten hat, ist diesem Dirigenten nun auch in Berlin das Dirigieren unmöglich gemacht worden. Bruno Walter sollte am nächsten Montag das vierte Konzert eines von ihm dirigierten Zyklus mit dem Philharmonischen Orchester leiten. Der Minister für Volksaufklärung und Propaganda, Dr. Goebbels, hat dagegen Einspruch erhoben und der veranstaltenden Konzertdirektion anheimgestellt, einen anderen Dirigenten an Stelle von Bruno Walter zu benennen. Richard Strauß hat dieses Amt übernommen. Bruno Walter wurde 1876 als Kind jüdischer Eltern geboren und heißt eigentlich Schlesinger. Er ist seit einer Reihe von Jahren getauft. Von 1925 bis 1929 leitete er die Städtische Oper in Berlin. — Dr. Heinz Unger hat seinen Posten als Dirigent der Gesellschaft der Musikfreunde, den er seit acht Jahren inne hat, niedergelegt, da er von Seite der Stadt Berlin verständigt worden sei, daß ihm in Zukunft das Philharmonische Orchester, mit dem er die Konzerte der Gesellschaft veranstaltete, nicht mehr zur Verfügung stehen werde. Nur 17 jüdische Rechtsanwälte In Breslau au den Gerichten zugelassen. Der Breslauer Justizstillstand ist nun beendet. In einer Besprechung, an der alle interessierten Behörden und Verbände Breslaus teilnahmen, erklärte, wie die Breslauer Polizeipressestelle mitteilt, der Polizeipräsident u. a., daß er für die ungestörte Abwicklung des Geschäftsganges bei den Justizbehörden unbedingt Sorge tragen werde. Er fügte hinzu, die Justizverwaltung möge unter dem Eindruck der Erregung dieser Tage für ein Eindämmen des Einflusses jüdischer Rechtspflege Sorge tragen. Im Anschluß an diese Besprechung hat der Oberlandesgerichtspräsident über die Zulassung von jüdischen Rechtsanwälten an den Gerichten u. a. folgende Richtlinien ausgegeben: Unter allen jüdischen Breslauer Anwälten werden 17 ausgewählt, welche an den Breslauer Gerichten auftreten, Diese. Herren er- Ein Holländer über den deutschen Po^roim Antisemitismus Der Notar G. D. Boerlage in Velsen (Holland) sandte an die Redaktion der „HaagschePost" (Haag); einen Brief, der in deutscher Uebersetzung folgendermaßen lautet: Herr Redakteur! Sicher werden durch die ganze Welt Stürme der Entrüstung aufflammen über die schändlichen Gewalttaten der gegenwärtigen deutschen „nationalen Regierung" gegenüber Andersdenkenden auf politischem und religiösem Gebiet. Selbst Gegner der Lehren Liebknechts und Marx' werden das gewaltsame Hissen der sogenannten Hakenkreuz flaggen auf dem Karl Liebknecht-Haus und dem Geburtshaus von Karl Marx zumindest als höchst geschmacklos bezeichnen. Unter dem Vorwand, Nichtdeutsche aus der Staatsbürgerschaft auszuschließen, werden jüdische Vereine aufgelöst, jüdische Geschäfte geschlossen und weitere barbarische und mittelalterliche Angriffe auf das Judentum unternommen. Aber die Wahrheit ist, daß diese Schandtaten ganz entschieden nur gegen die Juden gehen. Werden doch alle zu anderen Rassen und Religionen gehörende Einwohner Deutschlands in Ruhe gelassen und nicht bedroht. Wer hätte noch vor wenigen Jahren glauben können, daß solche, Menschen entehrende Maßregeln in einem sogenannten zivilisierten Land möglich sein sollten? „Der Jud muß hängen", so war es in früheren Jahrhunderten und so denken offenbar gegenwärtig noch viele, die sich Christen nennen. Ist das jüdische Volk noch nicht genug mißhandelt, verachtet und gejagt worden?, Denken die Christen, die sich solchen Glaubens¬ und Rassenhasses schuldig machen, noch immer, daß sie moralisch und geistig höher stehen als die Juden? Wahrlich, mögen die Christen gegenwärtig nur gut bedenken, für welche Taten im Krieg, für welches Verhalten im Krieg, für welche Versäumnisse bei den sogenannten Versuchen zur Abrüstung und an welchem weiteren vielfältigen Unheil sie mitverantwortlich sind! Wenn der christliche Glaube wirklich in seinen Aeußerungen mit den Lehren übereinstimmen will, dann verdienen die Begriffe Barmherzigkeit, Verträglichkeit, Sanftmut, Friede bei allen, die behaupten, dem Glauben anzugehören, tausendmal mehr in die Praxis umgesetzt zu werden, als es leider im allgemeinen der Fall ist, dann müssen alle holländischen Nichtjuden einen kräftigen Protest hören lassen gegen diese deutschen Schandtaten, die jedem Gefühl von Menschlichkeit spotten. Ich hoffe und erwarte dann auch, daß aus unserem Lande in vielfacher Form kräftige Aktionen durchgeführt werden gegen diese reaktionären Greueltaten,»» Velsen, 18. März 1033. ■ 04 P, "

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