Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 289 (24.3.1933)
- Date
- 1933-03-24
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite* DIE NEUE WELT Nr. 389 WER PROBT DER LOBT die seit vielen Jahren mit Recht so beliebten, besonders schmackhaften STRUM-MAZZOTH die von Tausenden allen anderen Marken vorgezogen werden. Der verwöhnte Geschmack schätzt besonders die Walt« rill geitleflende, hervorragend delikate Spezialität: ff Rund« ITRÜM-MAZZOTH" Auch das „PsMachfest 1933" wird im Zeichen dir „Sfrum* Maixotfc" stehen. „Strum Mazioth" werden nach einem besonderen Verfahren mit speziellen, patentamtlieh geschützten Maschinen (Oefen) auf elektrischem Wege unter Bedienung von nur fachmännisch geschulten jüdischen Arbeitern erzeugt.. Der gesamte Produktionsprozeß steht unter ständiger Aufsicht des ehrwürdigen Rabbinats der israelitischen Kultusgemeinde. Die genaueste Einhaltung der streng orthodoxen Kaschruth-Vorachrilten wird von fr. IhrwUrden Herrn Oberrabbiner Babad überwacht. Verlangen Sie daher Uberall nur STRUM- MAZZOTH •Grieß und -Farvel Merken Sie sich t Jedes Paket trägt die Stampiglie „H. Strum". Wir garantieren für frische Ware, Erzeugung 1G38. Besonders gut munden . . » Vom „Strum" die runden! Rotensterngasse 11/ Tel. R-41 -8-71 2Ä H. STRUM, WIEN II sehen Menschenrechtler der Liga fanden mutige Worte, mutige Haltung. Heute schweigen sie. Aber nicht nur das. Sie sperren ihren Mund und die Büros der Liga für Menschenrechte und erklären, daß niemand das Recht habe, in ihrem Namen zu reden. Die zionistische These besteht auch hier: Sie bezeugt, daß die abgewerkelten Humanitätsprinzipien die Judenfrage nicht lösen körinen. Aber den Mund schließen gerade dann, wenn man ihn öffnen soll, das Geschäft der Liga für Menschenrechte sperren, wenn Hausse ist in deren Zertretung, das ist, wirklich blamabel. Das liberale Judentum soll wissen, wem es seine Menschenrechte anvertraut hat IMagnes' Freund in Moskau Von den zahlreichen Zuschriften, die uns aus Leser- und Freundeskreisen auf den Redaktionstisch fliegen, sei eine mit Ing. Ch. M. aus Riga gezeichnete veröffentlicht. Sie lautet: „Einigen angesehenen Blättern entnehme ich, daß sich Herr Norman Bentwichin Moskau aufhält. Bei der Lektüre dieser Nachricht erinnerte ioh mich daran, daß Sie gegenüber der Absägung des Generalstaatsanwalts eine eindeutige Stellung annahmen und auch dessen Vortragstournee durch die jüdischen Kolonien einer Kritik unterzogen. Ich erinnere mich auch daran, daß Sic anmerkten, man müsse Bentwichs Weg weiter verfolgen. Ich glaube daher, die Nachricht von Bentwichs Aufenthalt in Sowjetrußland wird Sie und Ihre Gesinnungsfreunde interessieren. Mit Zionsgruß ..." Norman Bentwich, der gewesene jüdische Generalstaatsanwalt Palästinas, in Moskau! Viel gibt's nicht dazu zu sagen. Wir kennen Herrn Bentwich als Freund des Rektors Magnes, als Friedenspsalmodisten1 und Brith Schalomisten; wir erinnern uns daran, daß er von der britischen Regierung „aus rassischen Gründen" in Pension geschickt wurde. Wir erinnern uns aber auch daran, daß sein Freund Magnes, Rektor der Hebräischen Universität Jerusalem, ihm eine Vortragstournee durch -die jüdischen , Kolonien, durch die von den „Linken" erzogenen Kwuzoth, arrangierte und daß er, der abgesägte Herr Generalstaatsanwalt, in den Kolonien über Sowjetrußland sprach. Unsere Vermutung, er habe das Bolschewikensystem gepriesen, findet jetzt ihre Bekräftigung. Einen objektivkritischen Bentwich nämlich hätten die Sowjetmachthaber gewiß nicht mit offenen Armen in Moskau aufgenommen. Was ist denn!©§, meine Herren? Die kalte Pogromluft in Deutschland, dip vorläufig an den österreichischen Grenzpfählen halt. macht,, weht Hüllen auf, die die geheimsten Blößen bedeckt hatten. Abgesehen von allem Schauder, der sie begleitet, läßt sie uns Blicke tun in die Seelen und Hirne der Assimflanten, der Kriecher und* Würdelosen, derjenigen, die sich nicht zu erkennen geben wollten. ' ' Wir lasen kürzlich von dem Refus, das der'deutschkatholische Schriftsteller RodaRöda erhielt; als er auf einem reichsdeutsöheri Podium seine „Schmonzes*'' erzählen wollte.' Man .'wußte zwar 'nicht, daß er ein 'mährischer Jude, namens. Rosenfeld war,: -aber man glaubte auch nicht seiner Beteuerung: „Ich bin Katholik uüd habe nichts mit dem«.. Judentum zu tun.'' 'Man rodh! ihn und lehnte ihn :ab. ■/;„; . : ■ : " .: Herrn Bruno Walter, dem berühmten Dirigenten, erging's nicht besser. Dreißig Jahre künstlerischer Betätigung, deutscher Inbrunst sind vertan. Das Haken-, kreuz. In Deutschland reißt, ihn vom Pult herab. Und plötzlich erfährt die nichtinformierte Welt, daß er als Jude namens.Schles.inger geboren v^rde und sich taufen ließ. Bei dieser Gelegenheit nahnjgj$r/.-den kerndeutschen Namen Walter (von der Vogelweide) an. Dies Mimikri hat sich nicht bezahlt gemacht. Das .Hakenkreuz ruft: „In der Rasse liegt die Schweinerei." Und damit auch diesseits der braunen Grenzpfähle, im schönen Oesterreich, ein „Fall" vorhanden sei, ein Fall allerdings freiwilliger Kasteiung, möge hier die Zuschrift eines Lesers Platz finden, der uns schreibt: „Mit gespannter Erwartung sah ich der Urania* Vorlesung des Burgschauspielers Raoul Aslan entgegen, der einen großen Bibelabend (Altes und Neues Testament) angesagt hatte. Der Conferencier Prof. Dr. Strunz wußte viel Schönes und Gutes über die fünf Bücher Mosis zu sagen, aber Herr Aslan . .Nun, Herr Aslan blieb uns das Alte Testament schuldig, .die zarte Ruth, den wilden Simson, die heroischen Propheten. Er lieferte bloß ein wenig Matthäus' Kreuzigung Christi. Vielleicht wollte er, wie die Herren Roda Roda-Rosenfeld und Bruno Walter- Schlesinger, dem (Haken-)Kreuz ein Kompliment machen, •indem"er sich von ällen jüdischen Dingen — und das Alte Testament hängt doch ■irgendwie mit dem Judentum zusammen 'r-r distanzierte." " ^;; t Was ist denn.los, meine Herren? , ... „Wir klagen an" Die revisionistische Arbeiterorganisation „Irgun" veröffentlichte ein Buch von .Arie Schneidermann, in dem' 4as, Sjra&m". $er^.$i d r u t h auf Grund von Tatsachenmaterial genau untersucht wird. Der Autor kommt zu dem Schluß,- daß dieses System durch und durch korrupt ist. ,-. „.., .. So beträgt z. B..,„da|. Ausgafeenbudget der Histadruth über 100.000 Pfund^4nv>: Jato*?;,eine' Summe, die die armen Arbeiter für. -ihren-} Apparat, aufbringen;, müäsen. Die Histadruth, die 30.000' organisierte Arbeiter als Mitglieder zählt, besitzt'' einen Beamtenstab von sage- und schreibe 750 Menschen. Sie, dietja lediglich eine G e»w e r k- schaft sein soll, versucht■. auch. Unternehmerin zu sein.• zum Wohle der — Beamten. Der größte Teil der Häuser, die die „Solei Bönen"-, eine Gründung der Histadruth, erbaut hat, waren nicht für die Arbeiter, sondern für die Beamten errichtet worden.Zur Zeit der Krise, als Tausende von Arbeitern brotlos geworden waren, haben sich die Bonzen der Histadruth Hunderte von Pfunden als Vorschüsse geben lassen.. Den Arbeitern wurde jedes Recht der Kontrolle genommen. Als die Histadruth die . Gemeinde Tel- Awiw verwaltete, brachten es „Arbeiterführer" zustande,, mit dem städtischen Boden zu spekulieren, was die Revision klar bewies. Nichtsdestoweniger blieben dieselben Herren in Amt und Würden.. . Auf Veranlassung der Histadruth traten im Jahre 1930 8543 Arbeiter in den Streik, während jede oppositionelle Regung , gegen das System der Histadruth seitens der Mitglieder. mit Ausschluß und - Brotlosigkeit bestraft wurde. Wer sich nicht fügt, fliegt. . , Bin besonderes Kapitel bildet die eigene politische Tätigkeit der Histadruth in Palästina und London, derselben Histadruth, die die. Revisionisten .wegen ihrer Judenstaatspolitik a"s der Zionistischen Organisation verdrängen will. . Das Buch „Wir klagen an" kann jedem, der die wahren Zustände in der Histadruth kennen lernen will, empfohlen werden. Gegen den Zionismus in Rumänien In einer Unterredung mit dem jüdischen Deputierten Dr. Josef Fischer,.Jgej'. auch Unterstaatssekretär für Kultus und Unterricht Petre Andrei und. Unterstaatssekretär für Inneres Armand Calinescu beiwohnten, erklärte Ministerpräsident Vaida Voevpd,, dessen in einem Pariser Blatte kürzlich veröffentlichte Aeußerungen über einen angeblichen „Sowjet?-Zionismus" in Bessarabien peinlichstes Aufsehen in den jüdisch-politischen Kreisen Rumäniens und des Auslandes erregt haben, er habe keinen Anlaß, gegen die zionistische Bewegung irgend einen Vorwurf zu .erheben. Dr. Josef Fischer hatte auf die in letzter Zeit gegenüber zionistischen Führern in Rumänien angewandten Schikanen und auf die von den Behörden geübte MeJOiqfle, d,||n Zionismus mjt subversiven Bewegungen in Verbinjaiing: zu bringen» hingewiesen und verlangt, daß diesem' System ein Ende „ gemacht werde. Daraufhin prämierte der Premierminister seine Stellung zur zionistischen Bewegung, fügte. Jedoch hinzu, daß In einzelnen Fällen kommunistische Elemente unter der Maske der Zugehörigkeit zur zionistischen Bewegung — wie übrigen» auch zu anderen konstruktiven Bestrebungen — sich verbergen. Es müsse eine Formel gefunden werden, mit deren Hilfe die zionistische Bewegung vor Schikanen gesichert werden könne. Diese Formel werde dem Unterstatssekretär für Inneres Armand Calinescu zur Ueberprüfung Vorgelegt werden. Dr* §. E* Soskins 60« Geburtstag 0er revisionistische Wirtschaftsführer Zu einer Zeit schon, da der polltische Zionismus erst im Werden wär, kam S. E. Soskin nach Palästina — es war dies im Jahre 1896 — und verblieb dort bis in das Jahr 1903. Dies sei nur gesagt, um zu zeigen, wie innig Soskins Lebenswerk und Wirken mit dem Aufbau des jüdischen Nationalheims verknüpft ist. Der am 25. März 1873 in Tschurubasch (Krim); geborene Agronom Soskin war, wie bereits erwähnt, zuerst beim Exekutivkomitee der Odessaer Palästina-Gesellschaft in Jaffa tätig und wurde später Leiter einer von ihm für die Minsker Gesellschaft Dorsche-Zion in der Kolonie Chedera eingerichteten Farm, wo er mit der Anpflanzung des großen Eukalyptuswaldes betraut war. Er gründete mit dem frühverstorbenen Agronomen und Forscher A. Aaronsohn und dem gleichfalls schon verstorbenen Ingenieur J. Treidel das „Agronomisch-kulturtechnische Büro für Palästina", das als Privatunternehmen einige Jahre bestand. Von Wichtigkeit waren die mit Aaronsohn unternommenen Reisen in die den Juden unbekannten Teüe des Landes und auch nach Trans- Jordanien. Zahlreiche Artikel in der „Welt" und in dem von Davis Triesch und Alfred Nossig herausgegebenen „Palästina" geben Zeugnis von Soskins weitem Vorausblick und gründlicher Sachkenntnis. 1903 mußte Soskin infolge schwerer Malaria nach der Teilnahme an der El-Arisch-Expedition (die von der Zionistischen Organisation entsandt wurde) das Land verlassen und übersiedelte nach Berlin. Hier gelangte er bald in deutsch-koloniale Kreise, wurde Sachverständiger beim „Kolonialwirtschaftlichen Komitee" und Redakteur des „Tropenpflanzer", dessen Herausgeber Prof. Warburg war, später Vorstandsmitglied mehrerer Plantagenunternehmen in verschiedenen Kolonien, unternahm zahlreiche Reisen und veröffentlichte Aufsätze und Schriften über koloniale Fragen und tropische Agrikultur. Auf Grund seiner Erfahrungen trat er mit einem landwirtschaftlichen Programm für Palästina hervor, das man mit dem Begriff „Intensive Agrikultur" bezeichnet und das mit einem Schlag dem bis dahin geltenden System der extensiven Kultur den Kampf ansagte. Die Schrift, welche sich mit diesem System beschäftigt, „Kleinsiedlung und Bewässerung — die neue Siedlungsform für Pa 1 ästina", ist i.920 in deutscher, englischer und jiddischer Sprache erschienen und hat die zionistische Öffentlichkeit bis zum heutigen Tage beschäftigt. Der Durchsetzung dieses landwirtschaftlichen. Programms galt.fortan Soskins Kampf. Zahlreiche Aufsätze, Vorträge, ' kc%|^eßtedfen';7,smd Etappen dieses Kämpf es gegen die Vertreter des alten Systems und gegen die Kolonisationsirrtümer der „Linken". Heute hat sich Soskins - System durchgesetzt. Die von ihm geforderten Exportkulturen haben das Versuchsstadium überwunden und bewähren sich bereits. Besonders scharf ist Soskin gegen die autarkistischen Experimente der Linken aufgetreten, die von den Herren Dr. Ruppin, Ettinger und Wilkansky fast .ein Jahrzehnt befürwortet .worden waren und eine Rentabilität der Landwirtschaft verhinderten. 1923 begibt sich Soskin wieder nach Palästina und Versucht, dort eine erste Kolonie nach seiner Methode mit der materiellen Hilfe der Zionistischen Organisation zu gründen. Er ruft mit einer Gruppe Gleichgesinnter in Tel-Awiw die „Palestine Small Holding Promotion Company" ins Leben. Ungeheure Schwierigkeiten bei der Land- und Mittelzuteilung werden ihm seitens der Linken gemacht, so daß die Arbeiten aus finanzieUen Gründen aufgegeben werden müssen. Ende 1926 tritt Soskin der revisionistischen Organisation bei — der Endpunkt einer natürlichen politischen und wirtschaftlichen Ideenbildung. Seit Oktober 1929 hat er seinen ständigen Wohnsitz in Genf, wo er in der Völkerbundatmosphäre für die legitimen zionistischen Interessen zu wirken bemüht ist. Als ökonomischer Fachmann hat er das revisionistische Wirtschaftsprogramm stark beeinflußt. 1930 ist er mit dem Projekt einer Agrarreform für Palästina hervorgetreten, das in internationalen Fachkreisen einmütige Anerkennung, beim offiziellen Zionismus verschlossene Türen gefunden hat. Ruhig, sachlich, zähe, gediegen in der Form und nobel im Ton — so betätigt sich seit Jahrzehnten Dr. Söskin als echter Herzl-Zionist als Redner und Schriftsteller. Hervorgehoben zu werden verdient sein auf der 4. Konferenz der Zionisten-Revisionisten in Prag im August 1930 gehaltenes Referat „Agrarpolitik und Landbesiedlung in Palästina", das auch als Broschüre erschienen ist. Dr. Soskin 60 Jahre alt! Diese Zahl bedeutet nichts bei einem Mann, dessen Energien mit der Größe der Aufgabe wachsen und der gerade jetzt die Vorarbeiten für die Uebersiedlung der revisionistischen Exekutive nach Genf durchführt. Die zionistische Welt Ist dem alten Herzl- Zionisten, dem Propagator der einzig möglichen Agrikultur für Palästina, dem vornehmen Polemiker und unermüdlichen Kämpfer für zionistisches Recht unendlich großen Dank schuldig. i Akademische Verbindung „KADIMAH" | 100 semestrlges Stiftungsfest BALL Dienstag, 4. April 1933, um halb 9 Uhr abends Im Mllltärkaslno, I, Sehwarsenbergplatx 1 Karten (nur gegen Einladungen) und Auskunftei A. V. „Kadlmah", I, Biberstraße 26 Im Souterrain, von 10 bis 30 Uhr UtMHHHH^