Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1933-03-24 · Heft 289 (24.3.1933) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 289 (24.3.1933)
Date
1933-03-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2711613-2711899-2711911--3620-2717015
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Preis 35 Groschen Jahrgang 7 rtefteg* den 84» Min 1MJ Nr» 58t ifcV Zcltang vom Verleger versend«! «Journal expedie par V€6\ttvf* REVUE BBZUOSBEUINUUNQEN Tschechoslowakei monatlich Lei 40.-. vierteljährig Lei Lewa 120.—; Itaifen monafll jährig Schweizer Francs 4.50 HER AUSGEBER ROBERT STRI CKER Redaktion u. VerwaUttny: Wien IXrVniversitätsitr.64, Jet. 8^*8-504 — Ersdteint jeden Freitag Außerordentlicher Parteirai der revisioni§tischen Union m Kattowty Calais und Wien bleibt aufrecht Tagung am 20. und 21. März Aua Kattowitz wird der „Neuen Welt" unter dem 22. März berichtet: Der nach Kattowitz einberufene außerordentliche Parteirat, der in geschlossenen Sitzungen tagte, hatte die Aufgabe, die innerhalb der revisionistischen Union bestehenden divergierenden Anschauungen in bezug auf gewisse politische Tendenzen zu einer Entspannung zu bringen. Die schekelzahlenden Revisionisten haben von allem Anfang an keinen Zweifel darüber gelassen, daß si» völlig auf der Basis der Beschlüsse von Calais und W i e n stehen. In diesem Sinne war die Mitarbeit an samtlichen Instituten, der zionistischen Organisation, Beteiligung am Kongreß, even- .fcielle .Uebernahme der Mitverantwortung am Schicksal der Bewegung implicite ausgesprochen. .... Hiebei war — läo'wie es in Calais und $Vien verstanden wurde. .—-. die seinstand 1g6 Tätigtei t; auf" p oIi tische ra Gebiet, soweit es die zionistischen Interessen (wie die Revisionisten sie verstehen) gebieten, eine Selbst- Verständlichkeit. Nachdem Wladimir Jabot in sky und Meir Großmann ihre Referate gehalten hatten, ging mau in die speziellen Beratungen ein, die Mittwoch, den 22. März abgeschlossen waren. Der Wunsch, der Judenstaatsidee in ungebrochener Kraft zu dienen, brachte es zustande, daß der Parteirat ohne Fassung neuer Beschlüsse die Tagung schließen konnte. Damit ist die dur^hj die Beschlüsse von Calais und Wien geschaffene jj^ge unverändert geblieben und der. integre Bestand der revisionistischen ^Veltunion gesichert. '' /*-' ' " "•; .; Anschließend Wn a^h:)^^ des revisionistlföheii Sondörverbandes statt. RUNDSCHAU Die Ausrede für den unerhörten Treubruch „Bitte, nicht zu laut!" riefen die Vertreter des offiziellen Zionismus, so oft die zionistische Opposition ihrem Unmut über die b r 11 i s c h e Palästina- P o 1-11 1 k stürmischen Ausdruck gab. Immer wieder versuchten die Vertreter des offiziellen Zionismus, Englands Regime im jüdischen Nationalheim, die Auslegung der Mandatsbestimmungen, die Handhabung der mit dem Aufbau verknüpften administrativen Maßnahmen als ein ~ Mißverständnis der britischen Regierung hinzustellen und Geduld zu verlangen.'Und als nach dem berüchtigten Weißbuch in der Aera der sozialdemokratischen Regierung MacDonald die zionistische Opposition aus tiefstem Schmerz heraus die englische Regierung des „unerhörten Treubruches" zieh, waren es wiederum unsere „Offiziellen" und ihre verhätschelten Kinder, die „Linken", die von einem Irrtum des Kolonialamtes sprachen und in Wlutechapel für den Labour-Kandidaten gegen den zionistischen Kandidaten Propaganda machten ... Im Zentralorgan . der österreichischen Sozialdemokratie, „Arbeiter-Zeitung", also in einem der Labour Party nahestehenden Organ, teilt der englische sozialistische Publizist H. N. Brailsford, also ein der Labour Party nahestehender Politiker, einiges aus den amtlichen Dokumenten über die britlsoh-ostafrikanische 'Kolonie Kenya aus den Jahren 1980 bis 1982 mit: „Die, Eingeborenen von Kenya wurden einfach ■ enteignet; alles Land wurde ihnen weggenommen, das in der für weiße Ansiedlung geeigneten mUden Klimazone la/;.". B'-ailsford erzählt weiters von den hohen S e u e r n, der - Z w a n g sa r b e 11, den .'harten Strafen, von der'Unzufriedenheit der Eingeborenen und, der. Sucht der .britischen Verwaltung, das Letzte aus den schwarzen Stämmen herauszupressen. Er erzählt , auch davon, daß die eingeborenen Stämme für ihre guten Ländereien Land ■ In unwirtlichen Ländern zugewiesen erhielten, und nennt lüer einen uns geläufigen Namen: den Namen des Kolonialmlnisters im MacDonald- Kabinett, Sidney Webb. Der Leser stutzt. Wer ist Sidney Webb? Sidney Webb ist der sozialistische Minister, der der jüdischen und zionistischen Welt als Lord Passfield bekannt ist. .Und dieser Lord Paßneid veröffentlichte Im Jahre 1980 ein Memorandum bezüglich Kenya», worin es heißt: „Das Wichtigste ist, den Eingeborenen endgültig. jedes Gefühl der Unsicherheit bezügUch ihrer Stammesländereien zu nehmen . * Diese Ländereien sind für den Gebrauch und den Vorteil der Eingeborenen auf ewig reserviert." Sie dürfen nur für Zwecke allgemeinen Nutzens enteignet werden, wozu noch genau umgrenzte Einschränkungen (Zustimmung des/Eingeborenenrats, Zuweisung von Land im gleichem Ausmaß und Wert, Entschädigung) kommen. Ein edler Mann, unser Lord Passfield! Wir erinnern uns noch sehr gut daran, wie er die sogenannten „Interessen" der landlosen FeUachen in Palästina zu schützen unternahm! Wie . er rechtlich erworbenen und gut . bezahlten Boden als — Enteignungklassifizierte! Wie er das Erscheinen eines Juden auf palästinensischer Erde als Provokation gegen die Araber deutete! Ein Ehrenmann, der Lord Passfield. Er nimmt sich der unter englischem Schutz stehenden Bürger an. Also auch der Bewohner der Kolonie Kenya, bis — dort Gold gefunden wurde. Es fand sich, wie der Gesinnungsgenosse des Lord Passfield erzählt, auf dem Reservationsland eines Direkte Eillinitf Trinct hffümit IIlCül JQIlU Salonsdiiffen des Uoid Triestlno Abfahrten i«d«n Mittwoch um 13 Uhr Ferners ' wöchentliche ExpreBUnle räch Istanbul wöchentliche LuxusellHnle nach Alexandrien; zweimal monatlich LuxusellHnle nach Bombay; monatliche ExpreBUnle nach Ceylon, ülngaporc, Shanghai; Po .turnen nach der Levante, Schwarzes Meer, Indien, China, Japan Te!.lM7-5-60 Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgeltlichen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet BEHANDLUNG VNO RHEUMATISMUS GICHT, ISCHIAS P UND FOLGEN VON SPORT¬ VERLETZUNGEN Mf MOUE Ml (SCHNELLKURE»*, JONTOPHORESB, ORIGINAL P1STYANER SCHLAMMPACKUNGEN ETC.) IN DER KURANSTALT DIANABAD FÜR ALLE PHYSIKALISCHEN HEILMETHODEN GRÖSSTER KOMFORT 2EI1GEMÄSSE PRtlSE friedlichen Ackerbaustammes. Um aus diesem Land ein Goldfeld zu machen, mußte das Gesetz geän dert werden. Es geschah so, daß die Verwaltung eine —- abändernde Verordnung herausgab, die der Kolonialminister im Labour-Kabiaett^^ im engv Hachen Parlament, tatsächlich verteidigte, plötzlichwurde aller Edelmut, alle Ritterlichkeit, alle Humanität zum Teufel gejagt. Nach dieser Verordnung müssen die EliU geborenen der Enteignung nicht zustimmen, es muß auch nicht Land gleichen Wertes hergegeben werden; es genügt eine kleine Geldentschädigung, die aber nicht den heimatlos gewordenen Eingeborenen zufließt, sondern einem Treuhandfonds. Und BraUsford schließt; Die Ausrede für diesen unerhörten Treubruch Ist» daß die Wegnahme des Landes „zeitlich begrenzt" sein werde. In 20 oder 50 oder 100 Jahren, wenn du Goldfeld erschöpft sein wird, soll das nutzlos gewordene Landgebiet seinen Eigentümern zurückgegeben werden ... Inzwischen müssen die Eingeborenen ihre Dürfer verlassen, landlos und heimatlos werden . . . Auf Befehl des Kolonialministers Lord P a s s f i e 1 d, der ein so fürsorgliches Herz für die „landlos gewordenen" Fellachen in Palästina hatte. Man merke sich dieses Kolonialregime von Kenya und verstehe endlich das Mißtrauen der zionistischen Opposition gegen die britische Palästina-Politik und sei nicht gerührt von der Phrase irgend eines englischen Politikers, wonach die Ehre des britischen Reiches auf dem Spiel stehe, wenn Großbritannien sein gegebenes Wort nicht halte ... Schweigen zur unrechten Zeil In kritischen Zeiten, wem Menschen oder Gruppen von barbarischen Tendenzen bedroht werden, treten tapfere Vertreter der Humanität auf den Plan, schreien in die Welt, daß Unrecht geschieht, versuchen das Gewissen der Kulturvölker zu wecken. In kritischen und auch in minder kritischen Zeiten. Sie schließen sich auch zusammen, gründen Vereine, Gesellschaften, Ligen. Abj der. unschuldige Dreyfua das, Opfer politischer Intrigen wurde, klagte Emile Zola an, rief sein „J'accuse!" In die Welt. Als eine halbe Million Juden Deutschlands in Ehre, Würde, Existenz, Leben bedroht wurde, hatte die für solche Fälle bereitgestellte Liga für Menschenrechte gerade Gelegenheit, statutenmäßig zu handeln. Wenn irgend\m in Rußland oder auf dem Balkan ein „politisch Verdeflpiger'4 festgenommen wurde und der Gefahr physischer oder seelischer DrangsaUerung ausgesetzt war, wurde das Berliner Büro der Liga für Menschenrechte lebendig. Es regnete Proteste, Telegramme, Ja fast Drohungen. „Führende" Juden, darunter Albert Einstein, führende Nichtjuden, darunter Henri Barbusse, erklärten, die menschliche Kultur sei In Gefahr . . . Herr Albert Einstein und die anderen jUCU-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.