Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 288 (17.3.1933)
- Date
- 1933-03-17
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 288 DIE NEUIS WELT SetttT Es kann nichts Besseres geben... um zu „Pessach" den Festtisch damit zu schmücken und den Gaumen zu erquicken, als die auf höchster Stute Stehenden, in Hygiene der Erzeugung, Geschmack, Bekömmlichkeit und Kaschruth unübertrefflichen Seit 40 Jahren sind „Schmidl-Mazzoth" als das beste und bezüglich Kaschruth durchaus einwandfreies Eizeugnis bekannt und beliebt! fin Versuch wird Sie begeistern I Erzeugt unter streng orthodoxer Aufsicht Sr. Ehfwürden Herrn Oberrabbiner Babath — Die Mazzoth werden aus dem feinsten Menl erzeugt! Schmidl-1 Mazzoth i Verlangen Sie die neue, CnC7IAI MltBlIC fcl D^'NAZIOTHI besonders sehmackhalte iPEeilMli" nHKIIB pfPle Ds GRIESS u. FARVEL I Zentrale: N.Brodetzkl, Ii, Leopoidsgasse 43 Tel. A-46-1-90 A>60-3-63 A-41-9-32 In allen besseren Geschäften erhältlich I Die arabisdie Frage (Nachdruck verboten 1) Von J, Benari (Paris) m. Der Autor behandelt im nachstehenden Artikel die Hintergründe des sogenannten Pan-Arabismus, der nach seiner Beweisführung gegenwärtig ein Werkzeug der feudalen arabischen Effendis ist. Der Baum erlaubt mir nicht, näher auf die arabische Wirklichkeit einzugehen und^den Unterschied zwischen den Bassen, Stämmen und Sprachen ausführlicher zu behandeln, da er viel komplizierter ist als ich es in den zwei ersten Artikeln gezeigt habe. Wir haben die arabischen Völker analysiert, das Schulwesen behandelt und zu beweisen versucht, daß die Idee des Pan-Arabismus ein Märchen der Utopisten oder ein Bluff der politischen Jongleure ist. Aber trotzdem lebt die Idee des Pan-Arabismus. Wenn auch heute keine ernste pan-arabische Bewegung existiert, so haben wir doch keine Garantie dafür, daß sie nicht morgen in dieser oder jener Form erscheinen und den Europäern, hauptsächlich aber uns Juden, Unannehmlichkeiten bereiten könnte. Wie ist diese Idee entstanden? Diese Idee, wie alles, was man hinsichtlich Kultur, Mathematik und Philosophie den Arabern zuschreibt, ist nicht arabischen Ursprungs. So wie die Perser, die Juden and die christlichen Benegaten die Schöpfer der sogenannten arabischen Kultur waren, so erscheinen die Perser, die Türken und die Berber als die Träger des arabischen Beichtums im Orient und in Spanien. Ebenso ist die Idee des Pan-Arabismus eine Frucht der europäischen Politik, in diesem Fall der französischen. Sie ist das Besultat der jungtürkischen Bewegung und der deutschen Bestrebungen im Orient. Der Orient hatte immer eine große Anziehungskraft für die Europäer. In Deutschland hatte sich eine Bewegung nach dem Orient hin unter dem politischen Schlagwort „Berlin-Bagdad" entwickelt. Die Jungtürken, welche größtenteils ihre Erziehung in Deutschland genossen und unter dem Einfluß der deutschen Kultur standen, waren ihre natürliche Stützen. Dadurch war Frankreich, der traditionelle Gegner Deutschlands, gezwungen, im Orient nach Kräften zu suchen, die ihm behilflich sein konnten, den deutschen Einfluß zu schwächen. Es ist hierbei auf die Anwesenheit der Araber im türkischen Belch gestoßen. Frankreich besitzt in seinem polltischen Arsenal eine mächtige Waffe, es betrachtet sich als „Protectrlce naturelle des peuples oprimes" (Beschützer der unterdrückten Völker;, In diesem Fall besitzt es eine alte Tradition: Es will der Beschützer der christlichen Völker im Orient sein. Aber gleichzeitig hat es einen gvtßen Appetit auf Syrien. Es Ist zu bemerken, daß Frankreich seine Aufmerksamkeit nicht zum erstenmal auf die Araber lenkte. Eine der Hauptursachen der Erfolge der großen französischen Armee war, außer dem Kriegsgenie Kapoleons, die Tatsache, daß die Franzosen den Völkern die Freiheit brachten. Während der Expedition in Aegypten versuchte Napoleon an die nationalen Gefühle der Araber zu appellieren; aber seine große Weitsichtigkeit erlaubte ihm die politische Atmosphäre Im Orient sehr schnell zu erfassen und an das Direktorium zu schreiben: „Das ist ein leerer Platz in der Politik." Frankreich lenkte also seine Aufmerksamkeit wieder auf die Araber. Es tat hlemit nicht Neues. Die Wege waren vorgezeichnet, die Methoden bekannt. Wenn die türkischen Studenten, welche ihre Erziehung in Berlin erhalten hatten, die Träger des deutschen ^Einflusses sein könnten, so könnten ebenso gut die Araber, die an der Pariser Sorbonne studiert haben, die Vermittler des französischen Einflusses sein. In Paris erscheint bald auf französische Kosten und in französischer Sprache . eine arabische Zeltung: „L'Independence Arabe". Die Zeltung war gegen die Türkei gerichtet, ipso facto gegen Deutschland. An ihrer Spitze stand ein arabischer Student der Pariser Universität, Negyb-Azoury. Das Fundament mußte erweitert werden. Im Jahre 1906 wurde in Paris ein arabisches Komitee gegründet, an dessen Spitze ebenfalls Negyb-Azoury stand, der, wie sich später herausstellte, Agent des französischen Außenministeriums war. Für einige Zeit schlief das Interesse an der arabischen Frage ein; denn Frankreich hatte viel Unannehmlichkeiten in seinen Kolonien. Der Besuch des deutschen „Panthers" in Agadir (Marokko) zwang Frankreich, seihe ganze Aufmerksamkeit aüf diesen Punkt seines kolonialen Beiches zu lenken. Es kam das Jahr 1918. Ueber dem Abendland standen bedrohliche Wolken. Deutschlands Streben nach dem Orient war sichtbar geworden. Frankreich erinnerte sich an sein arabisches Komitee und rief am 18. Juni 1913 den ersten Kongreß zusammen, der den offiziellen Namen „Le Gongres Är abd-Sy.r i en" trug. Der Kongreß war von- 60 Delegierten '(besucht, darunter 50 arabischen Studenten der Pariser Universität und zehn Delegierten aus Beirat Und Libanon. (Libanon ist das christliche Gebiet Syriens.) Abwesend waren die Araber aus Mesopotamien, Palästina, der arabischen Halbinsel, von den afrikanischen Arabern aus Tunis, Marokko, Algerien gar nicht zu reden.; Der Kongreß proklamierte feierlich „Le Droit naturelle du peuple arabe en Türquie". (Das natürliche Becht der Araber in der Türkei.) Jedermann verstand die Bedeutung dieser Unternehmung ... Am Eröffnungstag des Kongresses erzählte die arabische Zeitung „Es'sam-El-Ma'arak" die ganze Geschichte und stellte folgende Fragen: „Warum wird der erste Kongreß in P a r i s zusammengerufen? Warum ein arabisch-syrisches und nicht ein allgemein arabisches Komitee? Warum behandelt der Kongreß das syrische und nicht einfach das arabische Problem?" Die Antworten auf diese Fragen sind klar. Der Kongreß wurde in Paris zusammengerufen, weil er eine französische Veranstaltung war. Man behandelte die syrische Frage, weil Syrien der Mittelpunkt der französischen kolonialen Bestrebungen ist. Die Zeitung „LTEgypte", die in Kairo erscheint, erklärte die Situation und drohte: „Seit der Annexion Aegyptens hält die arabische Welt zu E n g 1 a n d " Das entspricht den Tatsachen. Dasselbe schreibt Negyb-Azoury an den Quai d'Orsay. Doch Frankreich führte seine Arbeit fort. Der französische Gesandte in Konstantinopel erhielt von seiner Regierung den Befehl, eine Audienz für die arabische Kongreßdelegation bei Ta'alath-Bey, dem türkischen Außenminister, zu verlangen. Ta'alath-Bey konnte sich dieser Forderung nicht entziehen. Aber als die arabische Delegation, vom französischen Gesandten hereingeführt, vor Ta'alath-Bey, diesem orientalischen Talleyrand, erscheint, gratuliert er den Arabern und stellt nur eine einzige Frage: „Warum waren auf dem Pariser Kongreß unsere Glaubensgenossen und eure Brüder, die Araber von Tunis, Algerlen und Marokko, nicht vertreten?" Ta'alath-Bey erwartete darauf keine Antwort. Er wußte ja ganz genau, daß es nicht im französischen Interesse lag, die eigenen arabischen Untertanen In eine revolutionäre Bewegung hineinzuziehen. Wohl aber die Araber im türkischen Syrien. Wir haben konstatiert, daß die Idee des Pan- Arabismus nichts anderes ist als ein Mittel in den Händen der europäischen Politiker zur Erreichung gewisser europäischer Aspirationen. Sie ist eine französische und nicht arabische Schöpfung. Das arabische Nationalbewußtsein war laut Napoleons Ausdruck Immer „ein leerer Platz In derPoütl k." Die von der französischen Diplomatie geborene Idee wurde von der französischen Fresse gepflegt In erster Linie von der „Depeche de Toulouse", vom „Figaro", vom „Echo de Paris" usw., während von den europäischen Zeitungen nur die englische „Times" dem „französischen Unternehmen" einige Bemerkungen widmet Die arabische Welt schenkte dieser Frage keine Aufmerksamkeit, denn für sie gab es keine Interessen des „Arabischen Meeres". Der Weltkrieg, die Zerstörung des Ottomanischen Reiches, die Verstärkung der europäischen Herrschaft und des europäischen Einflusses im Orient gaben dieser Idee eine andere Richtung. Sie fällt nun In die Hände der feudalen arabischen Schelks, die mit Hilfe der europäischen demokratischen Phraseologie ihre wirtschaftlichen Interessen verteidigen. Die Großgrundbesitzer, die Effendis, verfechten Ihre ökonomischen Interessen, welche mit der Leibeigenschaft und Fronherrschaft verbunden sind, unter der Maske der Unabhängigkeit der Völker und des Pan- Arabismus. In derselben Zelt aber geht diese Idee aus den französischen In die englischen Hände Uber, diesmal gegen Frankreich selbst gerichtet. (Weitere Artikel folgen.) Brith Trumpeldot (Vom Büro des Shilton in Paris) „Ha-Medina". Bisher sind vier Nummern der neuen 'betarischen Wochenschrift, die in Riga (Lettland) unter der Redaktion des Ketzin-ha-Shilton M. Joelson herausgegeben wird, erschienen. Die Nummer 4 der „Ha-Medina", die dem Besuch des Rosh-Betar in Osteuropa und dem Todestage Trumpeldors gewidmet ist, umfaßt acht große Zeitungsseiten . und enthält einen Beitrag des Rosh-Betar. Die Zeitung ist per Adresse: Ha-Medina, P. O. B. 457, Riga (Lettland), zu bestellen. Palästina. Die Netzivut ernannte eine spezielle Kommission für die Vorbereitungen zum allpalästinensischen Kinnus des Betar (Pessach 5693, Tel- Awiw). — Die Netzivut beschloß, ein Organ des Betar in Palästina, „Avuka", herauszugeben. — Am Todestage Max Nordaus veranstaltete der Ken in Rosh-Pinna (Obergaliläa) eine öffentliche Kundgebung, an der die geßamte Einwohnerschaft der Kolonie teilnahm. Polen. Am Tel-Hai-Ttge, den 11. Adar, findet in Polen eine Zählung sämtlicher Kenanim und Betarim des Landes statt. Die neueröfnete landwirtschaftliche Schule des Betar in Wilna hat lebhaftes Interesse in allen betarischen Kreisen Polens hervorgerufen; es liegen etwa hundert Anmeldungen vor. Am 26. Februar wurde in Luck (Wolhynien) ein wehrsportlicher Instruktorenkurs eröffnet. In Polen wurden fünf neue Pelugot-Timronim gebildet. Bulgarien. Die Netzivut trat an die Organisierung landwirtschaftlicher und städtischer Hachshara heran; sie ist insbesondere bemüht, Betarim als landwirtschaftliche Arbeiter bei bulgarischen Bauern unterzubringen. Danzig. Die Netzivut entfaltet eine rege Propagandatätigkeit in Danzig, Zoppot und Langfuhr. Der Natziv E. Gleser .sprach in fünf öffentlichen Kundgebungen zu den aktuellen Fragen des Zionismus. Die Netzivut führt energisch die Hebraisierung des Danzinger Betar durch; in speziellen Lehrkursen werden alle Betarim von fachkundigen Lehrern unterrichtet. Die Netzivut traf ein Abkommen mit dem Turnverein „Bar-Kochba", demgemäß alle Betarim an seinen Turnveranstaltungen teilnehmen; fast die ganze Männerabteilung des „Bar-Kochba" besteht nunmehr aus Betarim. Ungarn. Die Netzivut organisiert in Budapest zwei wehrsportliche Instruktorenkurse, die von den im zentraleuropäischen Sommerlager (Auen, Oesterreich) ausgebildeten Instruktoren geleitet werden. In der Stadt Sopron besteht ein Ken, der 21 Mitglieder zählt; die Netzivut ist bestrebt, den Soproner Ken zum Zentrum eines Galil auszubauen. Italien. Auf Initiative des Betar in Milano wurde eine jüdische Sportbrganisation gegründet, deren zahlreiche Mitglieder meist eingesessenen italienischjüdischen Familien entstammen. Der Ken Milano zählt 25 Mitglieder. Belgien und Holland. Am 11. und 12. Mär« fand in Antwerpen die erste holländisch-belgische Konferenz des Betar statt. Es wurden Referate vom Natziv Kpt. J. Jaffe (Eröffnungsrede), Dr. B. Lubbtzky (Wege der jüdischen Jugend, ideologische Probleme des Betar), P. Spitz (Tätigkeitsbericht), Avniel (Revisionismus), Berlad (Erziehung), Witkowsky (Hachshara und Alija), Blackenfeld (maritime Hachshara), Madame Chanania (Tel-Kai-Fonds) und Obsfeld (Keren Kayemet). T heater/ Kunff und lllllllllllilliiillilllliiiillllii Literatur Vom Wiener jüdischen Theater Wie wir erfahren, geht Josef Kamen, das bekannte Mitglied der „Wilnaer Truppe", nach längerer Krankheit im Rothschildspital seiner völligen Genesung entgegen. Josef Kamen beabsichtigt, nach Verlassen des Spitals an einer Wiener Bühne das Schauspiel „Kiddusch Haschern" von Schalom Asch und die Komödie „Der brave Soldat Schwejk" von Haschen aufzuführen. Rezitation aus Dichtungen von Martha Hofman. Am 21. d. um halb 8 Uhr abends findet im Kleinen Musikvereinssal ein Rezitationsabend Maria Louise Cavallar statt, der zum größten Teil den Dichtungen von Martha Hofman n gewidmet ist. Zum Vortrag gelangen die Novelle „Der stumme Knecht" sowie Dichtungen aus den Büchern „Magische Näohte" und „Palästinensische Romanzen". Vortrag Ing. Rudolf Pf ister in Prag. Ueber Intervention des Austro-Palästinensischen Wirtschaftsdienstes, der in Uebereinkoramen mit Herrn Ing. Pf ister alle Lichtbildervorträge über „Das moderne Palästina" vermittelt, veranstaltet der Keren Kajemeth LejIsrael in Prag in einem der größten Säle Prags diesen Licht"