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Die neue Welt · 1933-03-17 · Heft 288 (17.3.1933) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 288 (17.3.1933)
Date
1933-03-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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r gelte t DU! NETTE WELT Nr. 288 SIEGM. KORNMEHL GROSSPLEISCHHAUBREI Zentrale; IX;, Berggasse 19, Tel. A-17-3-99 n. A-16-9-34 Lieferant für Heilanstalten Jm!S!«m^ unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinate der Isr. Kultusgemeiude Wien Autozustollung kostenlos IX. Barggass« IS /XVIII., WHhrlngarstr. 97 U welchen von „So w je to-Zionismus" und von „sowjeto-zionistischen Wühlereien jüdischer Elemente In Rumänien", die „ausgerottet" Werden müssen, die Rede Ist. Es Ist nicht bei diesen Worten geblieben. In den letzten Tagen werden in Rumänien zionistische Organisationen verfolgt, Jugendliche und Führer eingesperrt und vor Kriegsgerichte gestellt. Nicht etwa nur die Zionlsten- Sozialisten. Alle» auch die allgemeinen und die revisionistischen Zionlsten sind betroffen. Der Zionismus als solcher gilt als verdächtig und kompromittiert, hat in den Augen der nicht jüdischen Umwelt den ehrlichen Ruf einer rein-jüdischen Bewegung verloren. Zionismus gilt jetzt plötzlich als zerstörende Einmischung-in das gesellschaftliche Leben der rumänischen Nation. Ein trauriges Resultat; eine schwere Gefährdung des Erfolges jahrzehntelanger, opferreicher Arbeit. ' ' « Diese Vorgänge sprechen eine eindringliche Sprache. Die jetzt In der Zionistischen1 Organisation maßgebenden Elemente haben es ruhig mitangesehen, wie die zionistische Bewegung, vor allem die zionistische Jugendbewegung, in marxistische Bahnen, das heißt in vom Judentume und vom zionistischen Ziele wegführende Bahnen gelenkt wurde. 'Ein großer Teil der „allgemeinen Zionisten" gibt sich nicht nur mit der Duldung dieses Zustandes zufrieden, sondern, greift aktiv zugunsten des Zionismus-Marxismus ein, schließt mit ihm Koalitionen gegen, solche. Gruppen, die den reinen* nationalen H e r z I- Zionismus * wieder zur Geltung bringen Wollen, so vor allem gegen.den auf dem HerrschenPro- . gramme , fußenden.. Zionismus-Revisionismus* \yWas dem Zionismus innere Geschlossenheit und äußeres Ansehen gibt, gilt ihnen als - „reaktionär"!. Was ' den Zionismus national korrumpiert und der Sympathien der Völker beraubt, das nennen sie. „fortschrittlich". Wenn es auch Rückfall ins. ärgste Assimilationsjudentum , ist. Die Ereignissesprechen eine harte, eindringliche Sprache. Der ' Weg des - Zionismus zum Marxismus ist' de* Weg: zum Untergänge des Zionismus. Diese Erkeruitnis] müß bald im Zionismus zur Geltung kommen, sonst kommt sie jeu spät. R o b^e r t. S. t r 1 c k e r. Zionismen Verfolgung ... ■ -.. - '•■ III! Äus Bukarest wird gemeldet: Die. Pariser Tageszeitung „Le Journal"- hat ein Interview ihres "rumänischen Söiiderberichterstlatters Geo London mit dem Ministerpr ä.'side.n.tfen Doktor AI ex an de r V a Ida -Voevod veröffentlicht,, in dem sich dieser über die Ursachen der letzten Unruhen in Rumänien und die Haltung der Regierung gegenüber den Um'stürz'leri schien Bewegungen äußert. Ein Passus dieses Interviews, in dem es heißt, die Regierung sei „entschlossen, Exzesse und Unruhen von rechts wie von links zu unterdrücken, und dulde weder antisemitische Manifestationen der* Studenten, noch die sowietozionistischen Wühlereien gewisser jüdischer Elemente" hat in den jüdischen Kreisen Rumäniens Bestürzung hervorgerufen. Die Prägung des Begriffes „Sowieto^Zion'ismus" wird1 als Ungeheuerlichkeit empfunden. Die m manchen Kreisen gehegte Hoffnung, daß es sich um eine unrichtige Wiedergabe der Worte des Ministerpräsidenten handle, hat sich als irrig, erwiesen. Der Ministerpräsident hat den Ausführungen in „Le Journal" kein Dementi entgegengesetzt. * Eine weitere Meldung aus Bukarest: Den Worten des rumänischen Ministerpräsidenten von der „umstürzlerischen Wühlarbeit der Sowjet- Zionlsten" sind entsprechende Handlungen der Regierung gefolgt. Aus verschiedenen Teilen Rumäniens treffen Meldungen über behördliche Verfolgungen zionistischer Führer und Verbände ein. In B o t o s c h a n i wurde im Hause des Präsidenten der dortigen zionistischen Ortsgruppe Dr. Walter Abel es, gegen den niemals auch nur der leiseste Verdacht kommunistischer Betätigung vorlag, um 1 Uhr nachts eine Haussuchung veranstaltet Dr. Abeles wurde auf die Polizeiwache gebracht. In Piatra Neamtz drang die Polizei während einer Sitzung in das Lokal des zionistischen Jugeadve.rbandes ein 'ünd iverhaftete e k m 11 i c h e dort Angetroffenen. Einige derselben -wurden zwei Tage lang auf der Polizeiwache festgehalten, und erst nach Intervention des Vertrauensmannes der Jüdischen Partei befreit. Ig J.asay, wci Belag e r ü ng sz u s t an d herrscht, wurden 18 Mitglieder des zionistisch-revleioni»tisch e n Jugendbundes Brith Trumpeldor, der bisher von den Schikanen gegen jüdische Jugendverbände verschont geblieben war, zwei Tage lang in Haft behalten und erst nach Einschreiten des Deputierten Weißmann auf freien Fuß gesetzt Doch wurde gegen sie die Anklage vor dem Jassyer Kriegsgericht erhoben. Die Zionistenverhaftungen In Rumänien werden fortgesetzt Bukarest, 14. März. (J. T. A.) Die Verhaftungen zionistischer Führer und Funktionäre, die Haussuchungen in zionistischen Vereinslokalen und die Beschlagnahme von Korrespondenzen und Archiven werden in Außenministeriums, „L'Expansion Beige", ersetzt, obwohl bisher bei keiner dieser Aktionen belastendes Material zutage gefördert oder die Spur eines Beweises für die behauptete staatsfeindliche Tätigkeit einzelner zionistischer Funktionäre erbracht werden konnte. In Transsylyanien sind es insbesondere die Gruppen des Schomer Hazair, die von den Behörden des Kommunismus verdächtigt werden. In der südbukowinischen Ortschaft Burdujeni wurden der. Präsident der zionistischen Ortsgruppe Dr. Rabinovici und der Kommissär des Keren Kajemeth Simon Grünberg verhaftet, das Archiv der Ortsgruppe wurde beschlagnahmt. Auf eine Beschwerde bei dem zufällig in der nächsten Kreisstadt Suceava anwesenden Senator Jance hin wurden die beiden Funktionäre aus der Haft entlassen. Der anli'jüdi'sdie Wirfidiaftssfurm Grundsätze und Praxis In einem Aufruf vom 12. März erklärt Adolf Hitler, daß die nationale Regierung in ganz Deutschland die vollziehende Gewalt in Händen habe. Weiters erklärte der deutsche Reichskanzler, daß Störungen des Geschäftslebens grundsätzlich zu unterbleiben haben. Der Innenminister Goering hingegen findet die Parole „Kauft nicht beim Juden", das Einschlagen von Fenstern in jüdischen Geschäften, die gewaltsame Sperrung von jüdischen Geschäften durch bewaffnete Nationalsozialisten in Ordnung, indem er seinerseits erklärt: „Ich lehne es ab, daß die Polizei.eine Schutztruppefür jüdische Warenhäuser ist." Auch andere nationalsozialistische Führer hetzen nach wie vor weiter. Die wirtschaftliche Existenz der ffuden^üL.Deuta^ Die Juden Werden aus Äemtern,''geistigen und^kpnörnisc^en vom Dirigentenpult, aus den Theatern;vertrieben, {triebei kann man auch konstatieren, daß, zahlreichen, dem Judentum En11 a..u,fen.en^.das Versteckenspiel, das Sich-Verkriechen hinter reitf 'deutsche . .Rainen ..nichts genützt ,hat. Die 14, Nachkriegsjahre entwürdigender Assimilation haben keine Früchte getragen. Die Tageschrönik verzeichnet, soweit das gegenwärtig in Deutschland geltende Pressegesetz es zuläßt, Bedrohungen von Juden an Leben, Ehre und Eigentum in erschreckender Fülle. -: Die seelische Bedrückung sondergleichen hat den Centraiverein deut sehe r Staatsbürger jüdischen Glaubens veranlaßt sich an Preußens Reichsinnenminister Goering .zu'wenden, und von. ihm eine Erklärung bezüglich der Behandlung der Juden zu erbitten. Goerings Erklärung war eine theoretische Beruhigung. Sie lautete: „Die Sicherheit des Lebens und Eigentums der jüdischen Staatsbürger, die sich der Regierung gegenüber loyal verhalten, ist gesetzmäßig gewährleistet" Das war am 3. März. Seither hat ein kalter Pogrom gegen die deutsche Judenheit gewütet, hauptsächlich von „Ulegaler" Seite.' Aber der C. V. erläßt nichtsdestoweniger eine Kundgebung, in der er „mit Genugtuung feststellt, daß in diesen entscheidenden .Tagen die staatlichen Gewalten in jedem. Augenblick das Heft fest in der Hand gehabt haben'*, er tröstet sich, daß die verschiedenen blutigen Attacken „nicht im Sinne der Reichs- und Staatsregierungeri , liegen" und verspricht, „die Pflege —> deutscher Gesinnung, in. seinen Reihen unbeirrt fortzusetzen." Nicht weniger verblendet erscheint ein$ zweite Assimilantengruppe, der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten mit seinem Organ „Der Schild". Er erwartet ein Abklingen des Hasses, beruft sich auf die nichtgewürdigten Frontleistungen des jüdischen Soldaten und will mit dabei sein bei der „Idee, die heute zum Siege schreitet und die wir richtig verstehen lernen müssen". Der Wortführer des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten, Dr. Ludwig Freund, verlangt sogar, daß diese in den Entwicklungsprozeß des Nationalsozialismus miteinbezogen werden und . „ihre Arbeit zum Erfolge. führen wie bisher". Gegen die jüdischen Existenzen Bezüglich' der Angriffe auf jüdische Geschäfte, Warenhäuser und Einzelpersonen liegt eine Reihe von Nachrichten aus ganz Deutschland vor. Vor : einer Reihe Berliner Warenhäuser und Einheitspreisgeschäfte, wurden im Laufe des 10. März Kundgebungen veranstaltet. Sprechchöre erschienen vor den Warenhäusern der Firma Hermann Tietz in der Leipziger Straße und am Blücher-Platz, in der Königsstraße und am Alexanderplatz. Trupps von uniformierten jungen Leuten drangen in die Betriebe, mit den Rufen: „Juden und Kundschaft heraus!" In einem Fall wurden auch Stinkbomben geworfen. Die Käufer ver- ZIQNIST. 29 Jahre alt, Eigentümer einer gutgehenden Eisen- und Kolonralwarenhandlung in der Westslowakei, sucht zwecks Heirat hübsche, fesche, intelligente Zionistin aus erstklassiger jüdischer Familie, welche mit späterer Uebersiedlungnach Erezlsrael einverstanden wäre. Lichtbild sowie nähere Auskuntt über Familie erwünscht. Zuschriften unter „Ghavera" an die Verwaltung der „Neuen Welt" erbeten ließen die Geschäfte. Um weitere Zwischenfälle zu vermeiden, wurde eine vorübergehende Schließung angeordnet Am Wittenbergplatz vor dem Kaufhaus des Westens kam es zu Demonstrationen. Auch in der Grenadier- und der Drägonerstfaße kam es vor den Jüdischen Geschäften zu Ansammlungen, als junge Leute in ,S.-A.-Uniform Sprechchöre: „Kauft nicht bei Juden!" bildeten, obwohl doch die jüdischen Geschäftsläden in diesen Straßen hauptsächlich auf jüdische Kundschaft angewiesen sind. In Wuppertal (Rheinland) erschienen am Freitag morgens Personen in S.-A.-Uniform vor den' Warenhäusern Tietz in Elberfeld und Barmen, sowie vor anderen Geschäften und verwehrten den Angestellten den Zutritt. Auch in Gladbach-Rheydt wurde die Schließung Jüdischer Warenhäuser erzwungen. Dort sind insgesamt sechs Warenhäuser betroffen worden. In Hannover wurden zahlreiche Kaufhäuser geschlossen. Nur die .Inhaber der Firma Elsbach & Frank schlössen ihr Haus nicht. Sie erklärten den S.-A.-Männern, daß sie als Frontoffiziere die Schließung mit ihrer Ehre nicht vereinbaren könnten. In Königsberg wurde in das Geschäft eines jüdischen Bäckermeisters hineingeschossen, danach je eine Brandbombe in den Laden und in den Keller geworfen, die sämtliche Warenvorräte und Backmaschinen zerstörte. In K a s s e 1 wurden Donnerstag zahlreiche jüdische Geschäfte geschlossen, aber am Freitag wieder geöffnet nachdem die Gauleitung der NSDAP. Anweisung gegeben hat daß die aktive Propaganda gegen die jüdischen Geschäfte unterbunden werden soll. In Chemnitz wurde eine Aktion" gegen das Kaufhaus Schocken von der Polizei Unterbunden, die erklärt daß es sich bei den- Personen mit S;-A.-Abzeichen um Kommunisten: handelte, die sich zur Irreführung des Publikums NSDAP.-Abzeichnen angelegt hatten. In Magdeburg wurden auf dem Breiten Weg und in anderen Stadtteilen jüdische Geschäfte von Leuten in Uniform besetzt. Der Polizeipräsident gab bekannt daß die Geschäfte nunmehr polizeilich geschützt würden. Berlin, 14. März. Wie bereits gemeldet, wurde .Rabbiner Fr änkel in der Dragonerstraße vonr Nationalsozialisten überfallen und blutiggeschlagen. Rabbiner Fränkel ist heute seinen Verletzungen erlegen. Was in Frankreich möglich ist Vor einigen Tagen fanden in Nancy (Frankreich)] in' Anwesenheit des Präsidenten der Republik Lebrun und des Unterrichtsministers D e M o n z i große Universitätsfeierlichkeiten statt. Die Ehrengäste besuchten auch das Heim der jüdischen Studenten. Während des Besuches wurde dem Präsidenten die traurige materielle Lage der jüdischen Studenten geschildert welche durch den Antisemitismus gezwungen sind, in Frankreich zu studieren, jedoch kein Recht haben, Arbeit'anzunehmen. Minister De Monzi Uberreichte dem Präsidenten eine Liste der notleidenden Studenten. Zwei Tage später erhielten alle die „A r b e i t s k a r t e", d. h. das Recht auf Arbeit welches sonst Ausländern nicht zugestanden wird. Eine jüdische Wachabteilung in Schanghai Aus Schanghai: Dem internationalen Wachkorps in Schanghai ist eine besondere jüdische Abteilung angegliedert, die zunächst aus 60 Mitgliedern des Brith Trumpeldor besteht, sich aber täglich vergrößert. Bei der letzten Parade des Korps hat sich die jüdische Abteilung, die die weißblaue Fahne trug, ausgezeichnet Die Menschenräuberbande, die die jüdische Bevölkerung von Oharbin terrorisierte, unschädlich gemacht Aus Ch arbin wird gemeldet: Nach einem mörderischen Kampf mit einer Polizeitruppe ist die russische Menschenräuberb-ande, die lange Zeit die jüdische Bevölkerung von Charbin terrorisierte, unschädlich gemacht worden. Der Anführer der Bande, 'Ataman Walescho-WalieWski, und sein Gehilfe Mandrik sind bei dem Kampfe getötet einige Mitglieder der Bande festgenommen worden. Die letzten Opfer dieser Bande waren Je c heskiel Alter, ein Führer der Jüdischen Gemeinde in Charbin, den die Bande raubte und zu Tode peinigte, und der junge Jizchak Scherl 1, der gegen ein hohes Lösegeld freigelassen wurde, aber infolge der ihm zuteil gewordenen Behandlung schwer krank darniederliegt Es stellte sich nun heraus, daß die Bande geplant hat den C h a rbiner Rabbiner Kisilow zu rauben und ihn nur gegen ein sehr hohes Lösegeld freizugeben. Walescho- Waliewski war früher einer,der Generäle des Kosaken- Atamans Semenow, der jahrelang 4en Kampf gegen die Sowjetregierung im Fernen Osten, geführt und sich durch beispiellose Grausamkeit gegenüber der Zivilbevölkerung und besonders gegen die Juden hervorgetan hat, dann aber besiegt und getötet wurde.

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