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Die neue Welt · 1933-03-17 · Heft 288 (17.3.1933) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 288 (17.3.1933)
Date
1933-03-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIB NBtJE WELT Nr. 288 WER die seit vielen Jahren mit Recht Uö beliebten, besonders schmackhaften Der verwöhnte Geschmack scJiäfet besofiders die. ruf gaftUBend«, hervorragend delikate Spei PER LOBT mmmmmmmmmmmmm die von Tausenden allen anderen Marken vorgezogen werden. fflt* tat: MAZZOTH „Runde ITRUM-MAZZOTH 4 Auch da* „Pflttachtalt IM*" wird Im ttlift«* dt* ,,itriimV MaSsoth" stehen. „Stmm Maisoth" werden nach einem besonderen Verfahren mit speziellen, patentamtlieh geschützten Maschinen (Oefen) auf elektrischem Wege unter Bed enung von nur fachmännisch geschulten jüdischen Arbeiiern erzeugt. Der gesamte Produktionsprozeß sieht unter ständiger Aufsicht des ehrwürdigen Rabbinafs der israelitischen Kultusgemeinde. Die genaueste Einhaltung der streng orthodoxen Kasctiruth*Vorschritten wird von Sr. EhrwUrden Herrn Oberrabbiner Babad überwacht. V er I a ngen Sie daher überall nur ■ ■ ./ Merken Sie sich: Jedes Paket trägt die Stampiglie „H. Strum". Wir garantieren für frische Ware, Eizeugung 19^3.;' ■" ' ' Besonders gut munden Vom „strum" die runden! STRUM- MAZZOTH «Grieß und -Farve! / t ■ '■■ ./.''t . : : .'. .-, . *?S.h;H. STRUM, WIEN II Rotensterngasse 11 /TeJ.R-41-8-71 •»•rec'Yf.*) Gewiß existiert eine arabische nationale Bewegung, die von einem Fanarabien träumt, der zu einem Teile gegen uns Juden gerichtet ist. Aber der ökonomische Druck einerseits und die gegensätzlichen Interessen von Gruppen und Einzelpersonen andererseits verfehlen ihre Wirkung nicht. Sehen denn die transjordanischen Scheichs und Dutzendaraber nicht ein, daß, während die arabischen Politiker solch ein Geschrei erheben wegen des „Verbrechens", an Juden Boden zu verkaufen, sie gleichzeitig selbst 'größere Transaktionen mit Juden zu ungeheuren Preisen machen? Besonders in. Transjordanien ist man nicht so blind, um den Unterschied zwischen dem katastrophalen Debakel des ^unabhängigen, parlamentarischen Transjordanien" und dem blühenden Zustand des „verkauften und verjudeten" Palästina zu übersehen. Der Optionsvertrag mit dem Emir Abdallah ist die größte Niederlage der palästinensischen arabischen Exekutive. Jetzt sollen die transjordanischen und palästinensischen Araber miteinander darüber ins Beine kommen, die beiden Herrschaften, die ja Konkurrenten sind auf dem Gebiete des Bodenverkaufs. 4. Es ist möglich festzustellen, daß die lokale britische Administration, vor allem der britische Vertreter in Amman (Hauptstadt von Transjordanien), General lsaacs, alles, was in ihrer Macht war, getan hat, die Ausübung des Option s Vertrages zu unterbinden. Die Großmäuligkeit, daß die Aufgabe. der Mandatarmacht und der Beamten.'! gerade darin bestehe, die Araber und Juden einander näherzubringen,' einen Weg zu gegenseitiger Kooperation zu schaffen, hat sich als Jesuitismus enthüllt. Anstatt dem ernsten Versuch einer* jüdisch-arabischen Transaktion Hilfe und Stütze angedeihen zu lassen, einer Transaktion, Welche rein auf ökonomischen Interessen aufgebaut war, hat man in einemfort gehetzt, gestört, gedroht. Wenn die Tatsachen einmal veröffentlicht werden sollten, „wird man über die Methoden von Jerusalem und Amman staunen. Obstruktion und Sabotage anstatt loyaler Durchführung von Verpflichtungen, itfinter der Masne arabischer Opposition steckt nur allzuoft das verzerrte Gesicht eines englischen Beamten, welcher auf eigene Faust oder vielleicht im Sinne gewisser Instruktionen handelt. 5. Die letzten Aenderungen in der Beziehung der palästinensischen Administration zum jüdisch-arabischen Abkommen — haben bloß wieder einmal die Richtigkeit des revisionistischen Grundsatzes illustriert, daß eine großangelegte politische Offensive an der internationalen wie auch an der englischen Front Imstande •Ist, die Obstruktion in Jerusalem zu brechen. Erst nachdem eine gehörige Intervention in London gemacht wurde und nach den Enthüllungen der Presse betreffs der zweifelhaften Rolle der britischen Beamten in der transjordanischen Affäre, hat sich eine gewisse Aenderung zum Bessern im Verhalten der britischen Administration ergeben. Der jüdische Druck ist noch imstande, sich dem Widerstand der Beamten in Palästina entgegenzustellen. 6. Der Optionsvertrag gibt uns nicht nur die Möglichkeit, Fuß zu fassen auf transjordanischem Boden, sondern «r durchbricht auch das bestehende Verbot jüdischer Einwanderung nach Transjordanien, ein Verbot, das Schande und Schmach ist für das jüdische Volk, ein Bruch des Mandats und ein Boykott gegen jüdische Tätigkeit auf einem. Gebiet, das unter dem Mandat steht, besonders da gleichzeitig Araber frankund frei nach Palästina kommen. 'Es wird ein neuer Präzedenzfall geschaffen — und niedergerissen ein Damm, mit dem man einen Teil Palästinas abgetrennt hat. Es. ist ein Strich durch die Rechnung antijüdischer Giftmischer. Es eröffnen sich Möglichkeiten für jüdische.okonomis.che Tätigkeit unbeschadet der reinen Kolonisationsarbeit. Und: wenn vielleicht der erste r Versuch nicht ganz, gelingen sollte, so; wird es nie mandera gelingen, die Tür wieder zu schließen* Der Durchbruch dieser künstlieh errichteten Wand ist vollendete Tatsache. , '.' ■ * ' \, r Wichtiger als alles ist die Beziehung und die Stimmimg der jüdischen Jugend in Palästina. Bei der ersten Nachricht betreffs der Möglichkeit, „nach .Transjordanien zu gehen", war sie aufgepeitscht bisins Innerste. Der Geist des. „Kibuseh" (des Eroberungswillens) ist nicht gestorben. Der Drang nach Taten — und gerade nach Taten, die mit Gefahren verbunden sind, beherrscht immer noch die Jugend, die jetzt in den Dörfern .und Kollektiven, in den Arbeltsgruppen und sogar in. den Städten des Landes sitzt. Die Jugend lechzt nach Betätigung. Sie wäre bereit, wenn es darauf ankommt, just mit eigenen Händen alle ♦) Anm. der Redaktion: Die in unserer Artikelreihe: ,,Zur arabischen Frage" vertretene Anschauung, daß eine all-arabische Solidarität nicht existiert, findet hier ihre praktische Bestätigung. Hindernisse zu beseitigen, den verwahrlosten Boden anbaureif zu raachen. Die Schaffensfreude und der Schaffenstrieb, die ersten Zelte aufzustellen und die ersten Pflöcke für die Hütten einzuschlagen, ist zu groß, als daß man Ueberlegungen anstellen dürfte wegen des Wagnisses eines, solchen Unternehmens. Mit Augen voll liebe und lehnen hat man mich in jeder betarischeh oder revisionistischen Zelle gefragt: Wann? Wann wird man rufen und vVann wird man gehen und wird man Gott behüte nicht an uns vergessen? Wann denn? Der britische Kolonienminister über die Prosperität ' Palästinas Aus London, 9.März; wird berichtet: Der An g I o« Palestin&Club veranstaltete am 8. März abends in London eine Kundgebung, in der Baron James de Rothschild, den Vorsitz führte und der englische, Kolonienminister . Sir Philip., C u n Ii f f e - L i s t e r als Hauptredner auftrat. Sir Philip Cunliffe-Lister führte in seiner. Rede . u. .a. aus: ©II: <♦'■-••♦■ ♦ rvn ''Es^isit rifclii nötig/ inraEeh Einzelheiten zu erzählen, was im Monat März"des Jahres 1938 in Deutschland geschehen ist. Alle Welt weiß es.; Millionen Augen, Millionen jüdische Augen sind' auf; Deutschland gerichtet, wo das Hakenkreuz, Symbol des organisierten, programmatischen Pogromantisemitismus, auch Symbol der Reichsregierung geworden ist. Symbol, Grundsatz und Machtausübung. Zehn Jahre „Jüda verrecke" um des deutschen Volkes willen rufen, dem Führer die Massen und Stimmen stellen und schließlieh nicht einmal auf ein bißchen Praxis rechnen dürfen — das geht nicht, das war nicht gewollt. Die antisemitische Note und die Hoffnung auf ihre Betätigung waren es, die der Hakenkreuzbewegung ihr . Tempo gaben. Unmittelbar nach der Ernennung. Hitlers zum Kanzler, des Deutschen Reiches haben die Millionen nationalsozialistischer Anhänger die Rechnung präsentiert und die Reichsregierung hat sie mit einem kleinen Skonto honoriert. Die Juden in Preußen, Sachsen, , Mecklenburg und in den Rheinlanden wissen ein Lied davon zu singen: Die Juden, denen man die Läden gesperrt hat und die Juden, die man aus Amt, Büro, Klinik, Theater usw. auf die Straße gejagt hat. Schwer zu sein ein Jud in Deutschland... N Niemand bestreitet das. Und doch? . Die Assimilanten wollen es nicht wahr haben. „Wenn auch die Programme der Parteien, denen die Mitglieder der Reichsregierung angehören", — so schreibt ein israelitisches Blatt in Deutschland — „seit jeher eine antisemitische Note haben, so, kann man sich doch schwer vorstellen, daß die Regierung solche Parteimaximen als Regierungsprogramm unverändert zu Ubernehmen bereit ist, wenigstens was die judengegnerlschen Bestimmungen angeht." Man kann sich das schwer vorstellen? Man muß es sich.gar nicht erst vorstellen, man muß nur an den Reichsinnenminister Goering denken, der erklärt hat, die Polizei sei nicht dazu da, die jüdischen Warenhausbesitzer zu schützen. Worauf nun gründet die Assimilation ihren Optimismus? Auf den — „Herrn Reichskanzler". Das Blatt schreibt nämlich weiter: „Dafür scheint die Tatsache zu zeugen, daß beispielsweise der Herr Reichskanzler in seinen Wahlreden sich völlig von antiseraisehen Aeußerungen ferngehalten hat." Bravo! Herr Hitler hat die Juden nicht beschimpft, weshalb geschlossen werden könne, daß man den deutschen Juden gegenüber das antisemitische Programm der Regierungsparteien nicht in die Praxis umsetzen werde. Der brave Herr Reichskanzler! Die braven Regierungsparteien! Es waren nur Schreckschüsse, die sie abgegeben haben. Die deutschen Assimilanten sind bereit, Schulter an Schulter mit den Pogromantisemiten an der Neugestaltung des Deutseben Reiches, aus dem man sie hinausjagt, „mit unverbrüchlicher Liebe" (auch das ist ein Zitat!) mitzuwirken. Hat doch Herr Direktor Oscar Wasser manu, der in der Zionistischen Organisation Palästina prosperiert; es prosperiert nicht nur relativ, d. h. im Verhältnis zu der Lage, in anderen Ländern, die unter der Weltwirtschaftskrisis leiden, sondern es entwickelt sich auch im absoluten Sinne fort. Hätte jedes andere Land eine gleich gut gesicherte Zukunft wie Palästina, die Welt würde heute ein anderes Aussehen haben. Im weiteren Verlauf seiner Rede führte Sir Philip Cunliffe-Lister aus, er sei durch keinen Geringeren als durch Lord Balfour selbst mit den zionistischen Idealen vertraut gemacht worden. Sir Philip Cunliffe- Lister erklärte seihe Entschlossenheit, die Politik des Jüdischen Nationalheims voll, gerecht, akkurat und mit a 11 er Entschiedenheitzu verwirklichen; dies nicht allein durch Worte, sondern auch durch Taten. Zum Schluß wies er auf die Notwendigkeit einer wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Juden und Arabern hin und sagte, eine solche Zusammenarbeit werde schließlich zu einem Ausgleich der Gegensätze führen und das auf beiden Seiten bestehende politische Mißtrauen zerstreuen. s Das Mitglied des Unterhauses Josiah Wedgwood sprach den Toast auf das Jüdische Nationalheim. James de Rothschild appellierte an die englischen Staatsmänner, den Gedanken der Ausdehnung des jüdischen Kolonisatiönswerkes auf Transjordanien zu fördern. Der Präsident der Jewish Agency Nahum Sokolow, der politische Leiter der Jewish Agency Prof. S. Brodetsky und Lord Melchett schlössen sich diesem Appell an; Es wäre zu wünschen, daß die Worte des Kolonial - ministers nicht Worte bleiben. Da wäre es notwendig,' daß er der ihm unterstellten palästinensischen Regierung die Weisung gäbe, das jüdische Siedlungswerk zu fördern und nicht zu hemmen. Da der Minister von der Notwendigkeit der wirtschaftlichen Zusammenarbeit von Arabern und Juden gesprochen hat, sei daran erinnert, daß gerade in diesen Tagen die die Palästina-Regierung ein wirtschaftliches Zusammen-1 gehen der Juden und Araber gestört hat. Sie hat auf Emir Abdallah von Transjordanien, der die Juden in sein Land rief, einen Druck ausgeübt und ihn gezwungen, seine den :Juden gemachten Zusagen zurückzuziehen. die nichtzionistischen Tendenzen der erweiterten Jewish Agency mit unverbrüchlicher Liebe vertritt, dieses Zusammengehen bereits vor dem 5. März, dem Reichswahltag, eskomptiert, indem er den Wahlaufruf füry?den schwarz-Weiß-röten Herrn' vö " Wo würdeloses Anbiedern, seelische Verirrung, falsche Zielsetzung Platz greifen, da darf der Centrai- Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens nicht abseits stehen. Bin, den Exponenten der deutschen Assimilation, heute wieder zu charakterisieren, erübrigt sich. Er, der Central-Verein, hat auch in den kritischesten Stunden des deutschen Judentums seine Anbiederungs- und Verwischungstaktik in altbewährter Manier geübt. Sein Organ, die C. V.-Zeitung, stellt mit Genugtuung den Sieg der Reichsregierung fest; es stellt aber auch fest, „daß Iii diesen entscheidenden Tagen die staatlichen Gewalten in jedem Augenblick das Heft fest In der Hand gehabt haben" und „daß das Versprechen, das Leben und Eigentum jedes friedliebenden Bürgers^ auch des jüdischen, unbedingt zu schützen, gehalten worden Ist." Auch des jüdischen... Selbst wenn man an die Dutzend Morde, Plünderungen, Störungen und Zerstörungen vergessen sollte — das Wörtchen „auch" wird man sich merken müssen. , In den Tagen der antisemitischen Hochflut in Deutschland wollte der Verband nationaldeut-» scher Juden — so etwas gibt es im unglückseligen Deutschland — wieder einmal von sich -reden machen. Er veröffentlichte einen Aufruf, worin er zunächst, davon sprach, daß beim Neuaufbau des deutschen nationalen Staates von den notwendigen H ä r t e n auch die jüdischen Deutschen getroffen werden; das sind jene Deutschnationalen, die anstatt in die Kirche---in die Synagoge gehen. Aber im weiteren Verlauf des; Auf ruftextes werden diese nationaldeutschen Juden teils irrsinnig, teils normal-antisemitisch. Sie erklären nämlich öffentlich: „Gerade wir, die wir gewöhnt sind, das Deutschtum Uber unsere wahren oder vermeintlichen jüdischen Sonderinteressen zu stellen, müssen uns ehrlich Rechenschaft darüber geben, daß der Wunsch, den „jüdischen Einfluß" einzudämmen, nicht nur bei den durch Schlagworte verhetzten Judenfeinden besteht, sondern auch bei den gerecht denkenden und verständigungsbereiten deutschen Volksgenossen niohtjüdlsohen Stammes. Und wir müssen auch darüber im klaren sein, daß dieser „jüdische Einfluß" in der Tat noch bis vor kurzem bestanden hat. Gegenüber dieser nicht wegzuleugnenden Tatsache ist auch nichts damit auszurichten» daß in langen Verzeichnissen die Namen jüdischer Persönlichkeiten aufgezählt werden, die für Deutschland Gutes und zum Teil Großes geleistet haben. Entscheidend ist überall im Leben das Gesamtergebnis und der Gesamteindruck, und die gehen, was die deutschen Juden betrifft, unzweifelhaft dahin, daß diejenige Periode der Judenemanzipation, die mit dem Umsturz von 1918 eingesetzt hat, In zu stürmischem Tempo verlaufen ist und daß durch die

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