Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 288 (17.3.1933)
- Date
- 1933-03-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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TM. linive.sitntsl.iWiotl.'-l' Wien. 1. Preis 35 droschen Jahrgang 7 Freitag, den 17« Min 1913 Nr* 288 V«bA Zeitung vom Verleger versendet »Journal expedie par redltenr**. REVUE BEZUQSBEDINQUNQEN Tschechoslowakei Lei 40.-, vierteljährig' Lei 120,-*< Deutschland monatlich Mark l.-v vierteljährig Mark 3.-: ßolgariw monaUlch Lewa 40.-, J^ellährii Lewa 120.-; Italien monatlich Lire 5,—, vierteljährig Lira 14.—; Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.30, viertel- Jlhrig Schweizer Francs 4.50 HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung t Wien IX, Universitätsstr. 64,1et. B-48-504 — Erscheint Jeden Freitag Die Lehre die§er Tage! Die schwer bedrohte Judenschaft Oesterreichs Viele Katastrophen sind im Laufe der Jahrhunderte Uber das alte Judenvolk hereingebrochen. Aber Was sich in Deutschland jetzt abspielt, findet unter Umständen statt« die auch in der so mannigfachen Geschichte Jüdischen. Unglücks einzigartig scheinen. Aufgehetzter Pöbel .Überfällt im Ghetto zusammengeballte, verschüchterte, arme, schwache Juden. Die oberen Schichten des Landes, die Begierenden und die Träger der Zivilisation und Intelligenz, lehnen ab oder tun wenigstens so, als lehnten sie ab. Trachten danach, die Verantwortung fUr die Geschehnisse, für die „Kulturschände" von sich abzuwälzen, geben vor der Welt Erklärungen und Versprechungen ab. In dieser oder ähnlicher Form haben sich die Kämpfe gegen die Juden Abgespielt.; In Deutschland findet sich nichts von alledem. Das Judentum Deutschlands ist nicht arm, geächtet und verschüchtert gewesen, sondern gebildet, reich und frei, fähig und kräftig genug, um in der Wirtschaft, in der Politik: und im gesellschaftlichen Leben des Landes weit vorzudringen. In Deutschland ist nicht aufgehetzter Pöbel, nicht vertierter Mob der Träger der vernichtenden Aktion gegen das Judentum. Das offizielle Deutschland arbeitet unter dem Aufgebot staatlicher Autorität mit Mitteln der Staatsgewalt an der Ausrottung alles Jüdischen. Das offizielle Deutschland und . das geistige Deutschland leugnen nicht, rücken nicht: ab^. .entschuldigen sich Jucht* sondern übernehmen. die Verantwortung für den Kampf gegen, das deutsche Judentum vpv »Uer Welti ' Eine v eindringliche Lehre für alle jene; die zwar voll Mitleid, aber auch.'voll Selbstsicherheit hinblickten, wenn im barbarischen Osten der Sturm gegen die „armen Brüder im Ghetto" wütete. „Bei uns ist doch, so etwas nicht möglich!" So sprachen sie, die französischen, englischen, amerikanischen und —^ deutsche n Juden. Die prophetischen Worte des großen Theodor Herzl schüttelten sie spöttisch ab. Die Worte v'on. der .Judennot, die überall und nur der Form und Zeit nach, verschieden ist und die sein wird, solange sich nicht die Juden aller-Welt zusammenschließen werden als e i n Vo lk, '" ' ' ' * ' ' _ Wenn irgend eine Judenschaf t Anlaß zu größter Besorgnis und zu raschestem Handeln hat, ist es die österreichische Judenschaft, die in unmittelbarer Nachbarschaft des von Stürmen durchrasten Deutschland lebt. Diese Nachbarschaft ist mehr als geographisch. Es ist engste seelische, geistige und nationalpolitische Nachbarschaft. Eine Nachbarschaft, owelche.Schicksalsgemeinschaft bedeutet, verbindet Oesterreich mit Deutschland. Die geographische Grenze ist kein Schutz. gegen Uebergeif en des Brandes. Die österreichischen Juden sehen hinüber und sind entsetzt. Sie sollen hinübersehen und lernen! Der Sturm in Deutschland hat ein reiches, zivilisiertes, aber politisch desorganisiertes Judentum getroffen, das' , ohne Führung, ohne einheitlichen Willen widerstandslos zusammenbricht. In alle politischen Lager zerstreut, sind diese Juden allen nachgelaufen, den Linken und den Rechten, vom Stahlhelm bis zu den Kommunisten. Politisch waren sie alles, nur nicht jüdisch. Allen nachlaufend, sind sie von allen verlassen. Keine parteigenössische Hand rührt sich zu ihrem Schutze. In der gleichen Lage befindet sich die österv reichische Judenschaft. Wenn sie nicht aus den Ereignissen der letzten Tage rasch die Lehre ziehen wird, wird sie ein; Sturm ebenso verheerend treffen, wie er die wehrlose, stumme Judenschaft Deutschlands getroffen hat. Oesterreichische Juden! Sofortiger Zusammenschluß-aller Kräfte im Lager des, jüdischen Volkes ist das Gebot der Stunde! Tretet der Jüdischen Volkspartei bei. « Das von der österreichischen Regierung erlassene allgemeine .-Versammlungsverbot hindert derzeit die „Jüdische ~ Volkspartei" an der Entfaltung großer öffentlicher Propaganda und Werbung von Mitgliedern in Versammlungen. Das darf aber kein Hindernis für jene sein, die dem Gebote der Stunde gehorchen und sich der einzigen politischen Organisation des jüdischen Volkes hl Oesterreich anschließen wollen. Der Beitritt kann schriftlich öder mündlloh beim Sekretariat der Jüdischen Volkspartei» H., Untere Augartenstraße 38, Tel. A-45-6-34, täglich in der Zeit von 10 Uhr bis 2 Uhr angemeldet werden. Mindestbeitrag pro Jahr S 1. Rückwirkung der amerikanischen Bankenkrise auf Palästina Aus Jerusalem: Mehreren hundert jüdische Touristen aus Amerika, die gerade in dieser Woche in Palästina eintrafen, wurden von der gegenwärtigen amerikanischen Finanzkrise schwer betroffen, da die palästinenÄschen Banken amerikanlsche Schecks nicht honorieren und auch nicht zum Inkasso Ubernehmen. Man befürchtet, daß die amerikanische Finanzkrise das palästinensische Kolonisationswerk insofern empfindlich treffen könnte, als das Verbot der Geldausfuhr aus Amerika die Einwanderung von zahlreichen Personen der Kapitalistenklasse, die bereits ihre Uebersiedlung nach Palästina vorbereitet hatten, sowie sonstige amerikanische Investitionen in Palästina verhinderen könnte. Ferner haben viele Unternehmungen in Palästina leitende amerikanische Kapitalisten noch ihre Kapitalien in den Vereinigten Staaten1 und können sie bis auf weiteres nicht herausziehen, Laut amtlicher - Statistik lebten im Sommer 1932 3313 amerikanische Bürger, hauptsächlich Juden, in Palästina. Diese Zahl hat sich inzwischen erhöht. BEHANDLUNG VON RHEUMATISMUS GICHT, ISCHIAS UND FOLGEN VON SPORT¬ VERLETZUNGEN AUF MODERNSTE f IT (SCHNELLKUREN, JONTOPHORESE, ORIGINAL k PISTYANER SCHLAMMPACKUNGEN' ETC.) IN DER FÜR ALLE PHYSIKALISCHEN HEILMETHODEN- GRÖSSTER KOMFORT ZEITGEMÄSSE PREISE * , Alle im redaktionellen Teil befindlichen, eritgelt« lieben Notizen sind, durch, ein beigefügtes.: E bezeichnet =£< revsfc:j Von Meu Großmann (London-Tel-Awiiv) (Schluß.) : v r3 , Es ist notwendig, in der Frage Transjordaniens vor allem nicht die Perspektive und den Sinn für die Wirklichkeit zu vertieren. Es ist beispielsweise lächerlich, von einer zweiten „Baliour-D ek 1 a r a t i o n" zu reden oder von einem historischen Augenblick, ,,der seinesgleichen sucht". Der Optionsvertrag mit Emir Abdallah auf 70.000 Dunam Boden hat gewiß einen großen politischen und wirtschaftlichen Wert, sogar wenn er scheitern sollte. Sein Wert nämlich liegt nicht in dem konkret Erreichten, und auch nicht darin, daß er „uns Transjordanien öffnet", sondern in der symbolischen Bedeutung des Geschehnisses, die. sich, wenn nicht für den Augenblick, so doch für die Zukunft auswirken kann. Solange Transjordanien nicht mit Palästina vereinigt ist — und zwar in derselben politischen Art, wie es durch einen politischen Akt abgetrennt wurde; solange das Mandat und alle seine Bedingungen nicht auf Transjordanien ausgedehnt sind; bleibt das Problem eines, ungeteüten Palästina in seiner ganzen Schärfe bestehen. Das politische Endziel bleibt unverändert: ,,Rechts und links — ist unser Eigen!" In dieser Beziehung dürfen nicht die geringsten Kompromisse, sei es in Fragen des Zionismus, sei es in der psychologischen Einstellung der Juden, gemacht werden. — Alle Probleme tatsächlicher und psychologischer Natur, die Transjordanien betreffen, müssen von einem einzigen Gesichtspunkt aus betrachtet werden: Wiederherstellung des Wirkungsbereichs des Mandats auf das Gebiet jenseits des Jordans, d. i. Transjordanien. Das Durchlöchern der Wand darf keinen Ersatz bilden (weder nach innen, noch nach außen) für eine politische Eroberung, d. h. das Schaffen der not- Direkte Eillinie mit den vorzDgl. Salonsdiiffen des Lloyd Triestino ---- •-: -; Abfahrten jeden Mittwoch um 13 Uhr Ferner; Wöchentliche Expreßlinie nach Istanbul; wöchentliche LuxnsellUnle nach Alexandrien; zweimal monatlich Luxusellllnle nach monatliche ,Expre81inle nach Ceylon, Slngaporew Shanghai; Postlinien nach der Levante, Schwarzes Lloyd Trlestino.Wieo l, KarntneriiDg 6: wendigen politischen Bedingungen, eines KolonissW tionsregimes auf der Basis eines Ueberelnkommens und eines weitreichenden Planes.., Infiltration ist gewiß eine notwendige Vorbereitung für einen politischen Kampf, sie ist aber stets weit entfernt von einer Kolonisation. Der Kauf von Boden in Zeiten des ,,roten Zettels" vor dem Kriege ist da vielleicht auch ein Erfolg gewesen, aber mit zionistischen Aspirationen hat diese Sache nichts gemeinsam. Sogar wenn der Optionsvertrag verwirklicht wer« den und auf den 70.000 Dunam Boden eine jüdische Siedlung sich entwickeln sollte — so ist das Problem Trans« jordanien noch lange nicht gelöst. Im Gegenteil, es wird erst dann aktueller und realer werden. Vor unseren Augen werden tagtäglich die lücht erfüllten Versprechungen schweben. >.:.. * Ich bin weit davon entfernt, den Wert des Erreichten zu verringern, der auf das polltische Konto der Herren Mitglieder der Exekutive Newman und Farbstein geschrieben werden darf. Unter den schwersten Verhältnissen haben sie vielleicht das Höchstmögliche erreicht. Vor allem haben sie das Spiel des Zufalls ausgenutzt und dem Druck der merkwürdigen Koalition Arlosoroff und Nichtzlonisten In der Exekutive standgehalten. Buten ist auch vor der Warnung „Disziplin!" das Herz nicht in die Hosen gefallen. Die positive Bedeutung des Optionsvertrages mit dem Emir und sein poütischer Nutzen bestehen in folgendem: 1, Transjordanien ist in den Augen des Durchschnittszionisten „salonfähig" geworden: Man . darf sieh also mit dieser Sache befassen. Das Verbot ist für uns erledigt. Die Kolonisierung Transjordaniens ist plötzlich praktische Möglichkeit geworden. Worte wie „himmelschreiendes Abenteuer4', mit denen man die Forderung nach Transjordanien zu bezeichnen pflegte, haben jeden Sinn verloren. Der nächste Kongreß wird klar und deutlich seine Stellungnahme formulieren müssen, 58. Die Legende von der unerschütterHohen arabischen Gegnerschaft zu. einer jüdischen Kolonisation in Trans jordanien, eine. Legende, die'besout ders gewisse englische Kreise erfaßt hatte, ist zum TeU in nichts zerronnen. Jedenfalls kann man mit dieser Legende nicht mehr so leicht wie bisher die Gemüter erregen. Im Falle, daß der Emir unter Teilnahme seiner führenden Scheichs die Initiative auf sieh selbst .nehmen sollte, Boden an eine jüdische Gesellschaft-zu verkaufen oder zu verpachten, die das Recht hat, ins Land jüdische Arbeiter zu bringen und auf solche Weise eine jüdische Siedlung zu schaffen, wird es von jetzt ab ein wenig schwerer sein, zu behaupten, daß die transjordanischen Araber keinen jüdischen Fuß auf ihrem Boden sehen wollen. 3. Es wird wiederum einmal demonstriert, daß die sogenannte arabische Einheitsfront, die vielgerühmte arabische Einigkeit, in Wirklichkeit eine Strohpuppe ist» mit der man uns