Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 287 (10.3.1933)
- Date
- 1933-03-10
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 2ST Seite T Geschenke für die Dame nur bei Elsa cAckermann Wien l, E/tsäbethstraße Nr. 2 Erzeugung feinster Petitpoint- und Ledertaschen, Kissen, Decken, Puderdosen und kunstgewerblicher Handarbeilen Kongreßsti'tnmiing in Palästina Allgemeine Zionisten und Revisionisten Einer der Führer der „Allgemeinen Zionisten" In Palästina, Herr Sch. Ussischkin, skizziert im Blatte seiner Partei, „Hazioni Haklali", die Aufgaben des kommenden Zionistenkongresses. „Die Hauptaufgabe des Kongresses", schreibt er, „ist die Erneuerung der geschwächten Weltorganisation. Der letzte Kongreß vernichtete den Brith-Schal omismus, welcher den Zionismus zu ertöten drohte. Jetzt muß die Bewegung wieder ihre ursprüngliche Macht erlangen. Aber dazu brauchen wir eine andere Leitung. Es dürfen in der neuen Leitung keine Nichtzionis ten sitzen. Nur eine einheitlich nationale Leitung kann den Zionismus gut vertreten. Wir dürfen nicht mehr zulassen, daß die Leitung einen Kampf gegen einen Teil der Bewegung, gegen die Revisionisten, führt. Schon gar nicht gegen jene Revisionisten, welche organisationstreu sind. Die allgemeinen Zionisten müssen dafür sorgen, daß keine Gruppe die Alleinherrschaft gewinnt. Wir sind gegen eine Anti-Chaluz-Offensive. Wir sind aber auch gegen eine anti-revisionistische Stellung der Leitung. Die Leitung muß so zusammengesetzt sein, daß der Chaluz und der Mittelständler zu ihrem Recht kommen. * Auf dem am 22. Februar abgehaltenen Parteirate der „Allgemeinen Zionisten" brachten die meisten Redner den Wunsch nach Zusammenarbeit mit den Revisionisten zum Ausdrucke. Gegen diese Zusammenarbeit sprachen Vertreter des Teiles der allgemeinzionistischen Jugend, der in der „Histadruth", d. h. in der sozialdemokratischen Arbeitergewerkschaft organisiert ist. Das jüdi§die statistische Amt Ein Vorschlag von Dr. Hugo Benedikt (Wien). Die jüdische Bevölkerung Oesterreichs ist daran, vollkommen entrechtet zu werden. Der kleine Aufschwung, den die Rechtsentwicklung und noch mehr die Verwaltungspraxis zugunsten der Juden in den Jahren 1880 bis zum Kriegsbeginn genommen hat, ist verschwunden. Die staatsbürgerlichen Rechte der Juden sind durch die Praxis vollkommen illusorisch gemacht worden. Die Pflichten der Juden dem Staate gegenüber werden ins Ungemessene gesteigert. Die Wohltaten, welche die jüdischen Staatsbürger aus den öffentlichen Institutionen genießen, sind außerordentlich gering. Der Zuschnitt aller Gesetze, Verordnungen und Einrichtungen ist so, daß die jüdischen Staatsbürger von den Vorteilen ausgeschlossen sind, alle Nachteile aber die Juden treffen. Diese Tat«. Sachen liegen vor, aber sie sind bisher nicht nachweisbar gewesen, es fehlt das offizielle statistische Ziffernmaterial. Diejenigen, welche sich für die Rechte der Juden einsetzen, sind auf Annahmen, Mutmaßungen und Schätzungen angewiesen. Ihre Behauptungen finden daher wenig Beachtung und Aufmerksamkeit. Ganz anders, wenn man alle Behauptungen mit Tatsachen und Ziffernma.terial belegen könnte. In vielen Zweigen des öffentlichen Lebens wird Statistik getrieben. Die staatliche und Gemeindestatistik hat es aber, offenbar nicht ohne Absicht, vermieden, statistische Daten nach konfessionellen oder nationalen Gesichtspunkten zu sammeln. Dieses Manko muß behoben werden. Aus diesen Gründen muß die Kultusgemeinde, wenn sie im Sinne des zionistischen Programms das Zentrum des jüdischen Lebens sein soll, ein statistisches Amt einrichten, welches alle das jüdische Leben betreffenden Tatsachen und insbesondere ziffernmäßige Daten, betreffend lebenswichtige Fragen, festzustellen hat. Hier sollen einige solche wichtige Fragen erörtert werden: a) Die Leistungen der jüdischen Bevölkerung auf dem Gebiete der direkten Steuern (Einkommen-, Erwerb-, Umsatzsteuer) und Gebühren. Das statistische Amt wird an sämtliche Wirtschaftssubjekte Fragebogen herausgeben, die entsprechend abgefaßt sind und befragen, welche Steuern und Gebühren zum Beispiel in den Jahren 1930, 1931 und 1932 vorgeschrieben worden sind. Bedingung wäre natürlich, daß die Erhebungen des statistischen Amtes unter Geheimhaltung nach allen Es ist ein stadtbekanntes Geheimnis... Schmidl-1 Mazzoth! daß es für den Kenner und Feinschmecker zu Pessach nichts Bgftssres gibt» als die auf höchster Stute stehenden, in Hygiene der Erzeugung, Geschmack, Bekömmlichkeit und Kaschruth unübertrefflichen Seit 40 Jahren sind „Schmidl-Mazzoth" als das best« und bezüglich Kaschruth durchaus einwandfreies Erzeugnis bekannt und beliebt! Ein Versuch wird Sie begeistern! Erzeugt unter streng orthodoxer Aufsicht Sr. Ehrwürden Herrn Oberrabbiner Babath — Die Mazzoth werden aus dem feinsten Menl er Beugt! spezialharke „n. b." ■c$£>v.s*i&i Zentrale: N, Brodetzki. II, leopolchgatie 43 In allen besseren Geschäften erhältlich I Richtungen prinzipiell zu keinen anderen als zu statistischen Zwecken verwendet werden dürfen. Auen die Steuern Jener Körperschaften, welche in der Majorität in jüdischen Händen liegen, gelten als von Juden geleistete Steuern. Die jüdische Bevölkerung muß davon Kenntnis erhalten, daß diese Anfragen nicht zur Vexation oder Bespitzelung dienen, sondern im Interesse der jüdischen Bevölkerung zur Durchsetzung ihrer staatlichen Rechtsansprüche zu dienen haben. b) Die damit in ursächlichstem Zusammenhang stehende Frage ist, wieviel Juden bei Staat und Gemeinde als Beamte, Diener in irgend einer Form angestellt sind. Die öffentlichen Behörden werden ebenso, wie bei den Steuern, Auskünfte hierüber verweigern. Infolgedessen muß das jüdische statistische Amt diese wichtige Erhebung machen, wozu sich eine eigene Praxis entwickeln wird. Selbstanzeige, Fragebogen und Recherchen werden die anfänglichen Mittel sein. Das statistische Amt wird nur einige wenige, aber tüchtige, fleißige und findige Beamte brauchen, um seine Arbeiten zu bewältigen. c) Eine weitere Frage wird zu erledigen sein: Wieviel Nichtjuden süid bei Juden angestellt und beziehen von jüdischen Unternehmern ihren Lebensunterhalt — und vice versa — wieviele Juden sina bei Nichtl'Jden in Dienst und leben von diesen? Weitere Fragen beziehen sich auf die Berufsschichtung, Studiengang, die Verteilung der Juden nach Wahlkreisen. Die Kriminalität, die Zahl der Studierenden und Lehrer, die Zahl der Schulgeldbefreiungen, Genuß öffentlicher Unterstützungen. Auch die statistische Zusammenstellung der Gerichtsurteile, Freisprüche und Verurteilungen bei demselben Delikt wäre in den Kreis der Agenden des neuen Amte 3 einzubeziehen. Aus den kurzen Andeutungen geht hervor, was das statistische Amt für eminente Bedeutung hat. Was bisher Annahme, Schätzung war, wird ziffernmäßig nachgewiesen und nachweisbare Tatsache. Diese Tatsachen sollen uns das Instrument schaffen, um unser zertretenes Recht wieder herzustellen. Die Daten des statistischen Amtes werden die Bedeutung der Juden für diesen Staat und ihre völlige Rechtlosigkeit darstellen, sie werden eine beredte Sprache reden, wenn wir vor aller Oeffentlichkeit, vor dem Weltforum, dem Völkerbund und anderen Faktoren der gesitteten Welt das schwere Unreoht darstellen, das nicht bleiben darf. Briih Trumpeldor (Vom Büro des Shilton in Paris) Pa r i s. Auf Initiative einiger Freunde des Betar fand am 23. Februar in Paris die Gründungsversammlung einer „Gesellschaft der freunde der Weltorganisation Brith Trumpeldor" statt. Ueber die Tätigkeit des Shilton referierte Harry L e v y; der Rosh-Betar, Herr V. Jabotinsky, sprach über die Ziele des Betar. Die Mehrheit der Anwesenden trat der Gesellschaft bei und verpflichtete sich zu periodischen Beiträgen zugunsten der Ziele der Gesellschaft. Es wurde ein Komitee gewählt: Die Damen J. Jabotinsky und Schneerson, die Herren M. Berchin, Braslavsky, E. Kirchner, Dr. Marschak, F. Naiditsch, Dr. Segal, Salomon, Dr. Z. Tiomkin, Schapiro. Palästina. Die Leitung der Pelugot-Avoda gab eine einmalige Ausgabe der „Iggeret" unter dem Namen „Ba-Hagshaiha" heraus, in der grundlegende Probleme der betarischen Alija behandelt werden. Die Aufsätze stammen von Merchavia, Chapsan, Ikkar, Zur u. a. Polen. Es gelang der Netzivut, eine betarische landwirtschaftlich* Schule in Wilna zu gründen. Der einjährige Kurs der Schule umfaßt alle landwirtschaftlichen Fächer in Theorie und Praxis, außerdem Palästina-Kunde, hebräischen und polnischen Sprachunterricht, Hauswirtschaft (für Mädchen), Automobil- und Traktorenbedienung. Die Schüler werden in einem an die Schule angegliederten Internat untergebracht. —■ Bei der Netzivut wurde ein spezielles Ressort für Organisation unter Leitung von M. Bjegin gebildet, -r- Der Instruktorenkurs in Przemysl unter Leitung des Instruktora Gh. Klagsbald hat 24 Mann aus zehn Kenanim ausgebildet. Der Kurs umfaßte Exerzieren, Fechten, Signalisation, Topographie, Fortifikation, Erste Hilfe, Schießen. An den Abschlußprüfungen nahmen Offiziere der polnischen Armee teil. Sieben Instruktoren erhielten Auszeichnungen für Schießen von der Regierung. — Alle Pelugot-Timronim in Polen haben ihren ersten Trimesterkurs durch Abhaltung von Prüfungen und Schußfeiern abgeschlossen. Die Pelugot traten in ihr zweite« Trimester, das eine Fortsetzung des ersten darstellt. — Die Netzivut setzt die Organisierung von Instruktorenkursen in der Provinz fort. Es sind Kurse in Kobrin, Wilna und ein zweiter Kurs in Luzk vorgesehen. Oesterreich. Der Natziv, Dr. Köppel,- und sein Stellvertreter, I. Goldstein, sprachen in Neunkirchen mit großem Erfolg in einer öffentlichen Versammlung über die Ziele des Betar. An der Versammlung nahm fast die ganze Judenschaft der Stadt teil. Tschechoslowakei. Es erschien die interne Monatsschrift „Tel-Chaj", Nr. 2 (4. Jahrgang). — J. Salzberger, Mitglied der Kreisleitung Mukacevo, besuchte die Orte Brod, Nizni-Verecky und Volove, wo er öffentliche Vorträge hielt. — Mefakked ha-Galil H. Klein besuchte den Ken in Kaschau, dessen wehrsportliche Tätigkeit er inspizierte, sowie den Ken in Trebisov. — Der Ken in Prag veranstaltete eine gelungene Bjalik- Feier. Zum Mefakked ha Ken ernannte die Netzivut Grete Hermann. Rumänien. Das zentrale Alija-Büro des Betar in Rumänien berichtet, daß seit dem letzten November 26 Betarim aus Rumänien nach Palästina gegangen sind. — Am 11. Februar sind von Konstanza 17 Betarim abgefahren. Es war dies die erste größere Olim-Gruppe des Betar in Rumänien. T heafer/ Kunff und iiillllliililllllllillllilllllilli Literatur Mirjam Koralowa in den Jüdischen Künstlerspielen IL, Praterstraße 84 Ab Freitag, den 10. März, gastiert in den „Jüdischen Künstlerspielen" die jüdisch-amerikanische Soubrette Mirjam Koralowa mit ihrem Partner, dem jugendlichen Liebhaber Adolf Tefner. Zur Aufführung gelangt das dreiaktige Lustspiel „Negermädel" von N. Lilien, Musik von Son Polakoff. Die Regie führt als Gastregisseur W, Kambaroff. Mitwirkend Dina König und das ständige Ensemble der Jüdischen Künstlerspiele. Der Vorverkauf hat bereits begonnen. —- Mirjam Koralowa, die ursprünglich russisch spielte, ging später zur jüdischen Bühne über und gilt heulte als die beste jüdische Soubrette. Bei ihrem seinerzeitigen Auftreten in Wien eroberte sie sich sehr rasch die Gunst des Publikums. Tanzabend Susi Mirjam. Zum zweitenmal im Lauf eines Jahres stellt sich Susi Mirjam dem Wiener Publikum vor; mit einem Programm, das Vergleiche und doch der Tänzerin Eigenes herausfordert. Wesentlich blieb, daß Susi Mirjam den Kampf gegen die „Romantik", wie ihn die Ausdruckstänzerinnen des letzten Jahrzehnts mit ebensolcher Inbrunst wie Ohnmacht führten, auf das Gebiet des „Stils" hinüberleitete. Die junge Tänzerin steht auf dem Scheideweg. Sie kann die Formen, mit denen eine subalterne Schar unsere Zeit korrumpierte, wiederholen, variieren, ja veredeln. Sie kann ihre halb sentimentalen, halb naiven Neigungen im Tanz realisieren und damit ein wenig erkanntes Gebiet dieser Formensprache eröffnen. Aber sie muß sich entscheiden. Oft merkt man, daß die realisierte Gefühlsskala nicht die eigene ist; oft merkt man ein bestimmtes, leicht erkennbares Vorbild. In Graeners „Traum" konnte man den Präraffaeliten D. G. Rosetti, in de Fallas „Nächtlichem Spuk" Alfred Kubin ahnen. Zur Vorbereitung neuer sinnvoller Tanzdichtungen wird sich Susi Mirjam zweifellos der bestehenden Formen der plastischen Kunst bedienen. Sie weiß, um was es hier geht. Sie bewies dies im sinnfälligsten Tanz ihres Programms, im „Tango", wo das Kostüm als solches formbildend auftrat. — Der große Erfolg ihres Urania-Abends rechtfertigt die höchsten Ansprüche. ,o. r. Konzert Grünschlag Das erste Konzert des hochmusikalischen Geschwisterpaares David und Toni Grünschlag war von großem Erfolg begleitet. David, der Geiger (Schule Prof. Back) und Toni, die Pianistin (Prof. Hilda Stern), ernteten für den ausgezeichneten Vortrag von Bachs