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Die neue Welt · 1933-03-10 · Heft 287 (10.3.1933) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 287 (10.3.1933)
Date
1933-03-10
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 DIE NEUE WELT ELEKTRO- Installationen LUSTER UND GAS» APPARATE solid u. billig DRIMER, WIEN II, Ob« Donaimrafte 1/ Tel« A<4I<8<82 Aus! ro* Palästinensischer Wi'rtsdtaftsdi'enst Alle Informationen über Palästina, Anbahnung wirtschaftlicher Beziehungen, Vermittlung von branchekundigen und eingeführten Vertretern für Palästina sowie alle sonstigen wirtschaftlichen Aufklärungen erledigt kostenlos der „Austro-Palästinensische Wirtschaftsdienst", Wien, IX., Berggasse 16 (Handelsministerium), Tel. A-17-5-40, Sprechstunden des Sekretariats: Montag und Donnerstag von %5 bis 6 Uhr nachmittags. Interessenten für Palästina gesucht! Fachmann auf dem Gebiete des gesamten Maschinen- und Apparatebaues, beherrscht vollkommen die modernsten Arbeitsmethoden der eisen- und metallverarbeitenden Industrie, mit löjähriger Praxis als Betriebsleiter und Konstrukteur, gut bewandert in den manuellen Arbeiten des Betriebes, sucht Unternehmer mit Kapital zwecks Gründung eines Unternehmens in Palästina. Auskünfte erteilt der „Austro- Palästinensische Wirtschaftsdienst". Interessenten für palästinensische Spiel* Warenindustrie gesucht! Dem Austro-Palästinensischen Wirtachaftsdienst wurde von einem der bedeutendsten Wirtschaftsführer Palästinas die Anvregung gegeben, für die Errichtung einer Spielwarenindustrie in Palästina Propaganda und jüdische Unternehmer auf die Erfolgsmöglichkeiten einer solchen Industrie aufmerksam zu machen. Angesichts der Tatsache, daß die jährliche Einfuhr an Spielwaren im Jahre 1930 nach Palästina...... 15.877 Pfund »> Aegypten . . . 82.580 „ „ Syrien .......21.139 „ betrug, bestehen für eine palästinensische Industrie gute Aussichten, um so mehr, als ja einen Teil dieser Industrie die Heimarbeit bildet, für welche in Palästina genügend geschickte und tüchtige Arbeitskräfte zur Verfügung stehen.. , . Nicht minder wichtig ist. der Umstand, daß-in Palästina das Kunstgewerbe eine große Bolle im Wirtschaftsleben spielt und eine Verbindung dieser beiden Wirtschaftszweige dank ihrer besonderen lokalen Eigenart viel Erfolg hätte. Der Austro-Palästinensische Wirtschaftsdienst erteilt kostenlose Auskünfte jeden Montag und Donnerstag zwischen halb 5 und 6 Uhr im Büro, Berggasse 16, Von der ersten Reise Wie uns vom Sekretariat des Austro-Palästinensischen Wirtschaftsdienstes mitgeteilt wird, langte eine Depesche von Frau Berta Taubes, der Reiseleiterin der ersten Gesellschafts-' und Studienreise, ein, aus der hervorgeht, daß die Ueberfahrt und die Landung in Palästina gut vor sich gegangen ist. Die „Neue Welt" wird über denweiteren Verlauf der Reise ausführlich ■berichten. Zweite Gesellschafts- und Studienreise des Austro- Palästinensischen Wirtschaftsdienstes; Die überaus rege Beteiligung an der ersten Gesellschafts- und Studienreise des Austro-Palästinensischen Wirtschaftsdienstes, zu der sämtliche verfügbaren Platze vergriffen waren und an der zirka 100 .Personen aus dem In- und Auslande teilnahmen; veranlassen die Leitung des Austro-Palästinensischen Wirtschaftsdienstes, eine zweite Gesellschafts- und Studienreise zu arrangieren. Gab die erste Reise den Teilnehmern Gelegenheit, die Purimf eiertage in Palästina zu verleben, so fällt die zweite Reise, deren Teilnehmer am 3. April Wien verlassen, in die P e s s a c h z e i t, deren Feiertage teils in Tel-Awiw, teils in Jerusalem verbracht werden. Eine, besondere Bereicherung, erfährt.das Programm dieser Reise durch die Gelegenheit, nicht nur Palästina, sondern auch Italien, Griechenland und Aegypten zu besichtigen. Selbstverständlich hat die Leitung des Austro- Palästinensischen Wirtschaftsdienstes sofort alle Vorkehrungen, getroffen, den Teilnehmern — so wie bei der ersten Gesellschafts- und Studienreise — auch Einblick in die wirtschaftlichen Verhälthisse Palästinas zu gewähren, und durch eine Reihe von Vorträgen, die von berufenen . Kennern der palästinensischen Wirtschaft gehalten werden, sowie durch persönliche Auskünfte und Informationen werden die Teilnehmer Gelegenheit haben, ihr persönliches Interesse in wirtschaftlichen Fragen zu befriedigen. , , Garn? besonders aber machen wir darauf aufmerksam, daß die Teilnehmer dieser Reise alle Bequemlichkeiten genießen werden, da die Ueberfahrt auf dem 36.000 Tonnen großen Luxusdttrapfer „Vülkania" vor sich geht, der mit einer großen Gruppe amerikanischer Aerzte und anderer Reiseteilnehmer in Neapel die Wiener Reiseteilnehmer aufnimmt, und die Tatsache, . daß der Austro-Palästinensische Wirtschaftsdlehst diese Reise zusammen mit dem bestbekannten Reisebüro „Compass Tours" unternimmt, dessen Führung sich eine Gruppe Wiener Bene-Brith-Brüder, ferner Bene-Brith- Gruppen aus der Tschechoslowakei und Rumänien ange-. schlössen haben, bürgen, daß auch vom gesellschaftlichen Standpunkt diese Reise bedeutungsvoll ist. Nicht minder wurden alle Vorkehrungen für einen komfortablen und bequemen Aufenthalt im Lande getroffen und hat es die Leiterin der ersten Studien- und Gesellschaftsreise des Austro-Palästinensischen Wirtschaftsdienstes, Frau Berta Taubes, die sich gegenwärtig mit dieser Reisegesellschaft im Lande befindet, übernommen, in Palästina und Aegypten für die beste Unterbringung in den Hotels und Pensionen sowie die bequemste Beförderung während der Besichtigung Vorsorge zu treffen. Für jene Teilnehmer, die die Rückreise über Aegypten bewerkstelligen, bietet sich der besondere Vorteil, daß sie ohne jeden Preisaufschlag in der zweiten Klasse auf der „Ausonia" rückbefördert werden. Der Preis der Ueberfahrt mit Aufenthalt und Besichtigung in Palästina beträgt S 640 und 15 englische Pfund für die Touristenkarte, für den Aufenthalt in Aegypten 9 englische Pfund Aufschlag Und Ö 340 plus 15 englische Pfund für die dritte Klasse. Da nur mehr ganz wenige Plätze verfügbar sind, wird empfohlen, so rasch wie möglich die Anmeldungen vorzunehmen. Anmeldungen und Auskünfte werden täglich von 5 bis 7 Uhr nachmittags im Austro-Palästinensischen Wirtschaftsdienst, IX., Berggasse 16, Telephon A-17-5-40, sowie ganztägig im Reisebüro „Compass Tours", IX., Spitalgasse 3, Telephon B-52-5-38, erteilt. Vom palästinensischen Export- und Innenmarkt Der Austro-palästinensische Wirtschaftsdienst erhielt aus Palästina nachstehenden Bericht. (L palästinensisches Pfund 30 österr. Schilling.) . Ein bedeutender Industriezweig, der sich in der Hauptsache in arabischen Händen befindet, nämlich die Tabak- und Zigarettenindustrie, der sich bis zu diesem Jahre gute entwickelte, erfuhr im Jahre 1932 eine Verminderung um zirka 5 Prozent im Vergleich mit dem Vorjahr (die Zahlen beziehen sich auf die ersten neun Monate dieses Jahres — 435.000 kg gegenüber 461.000 kg der ersten neun Monate des Vorjahres), was auf die Erhöhung der Tabaksteuer . (seit 20. Jänner 1932), die ungünstig auf diesen Industriezweig auswirkte, zurückzuführen ist. Bei einigen Industriezweigen ist die Verminderung des Exports zu beobachten. So sind in den ersteh acht Monaten 1932 im Vergleich zur selben Zeitspanne in 1931 1932 1931 L L Zement ....... 11.908 14.849 Socken und Strümpfe . . 5.732 10.288 Kleider . . . . . . . 6.939 8.415 Künstliche Zähne ... 8.753 10.407 Handtaschen usw. . . . 3.253 3.736 ausgeführt worden. Aber diese Verminderung wLd bei weitem durch die Erhöhung des Absatzes im Lande wettgemacht. Andere Artikel weisen dagegen eine Vergrößerung des Exports in diesem Jahre auf. So z. B. hat sich die Ausfuhr von Betten von L 2033 im Vorjahr auf L 2273 erhöht, desgleichen von Spiegeln (v. L 1388 auf L 1690), Toilette-Seife (v. L 904 auf L 1474 in sechs Mo-, naten), Pflanzenöle (v; L 16.782 auf L 26-461 in * acht Monaten) u. a. mv Das Wachsen des Absatzes im Lande läßt Sich sowohl durch" die Erweiterung des Marktes (Wachsen der Bevölkerungszahl dank der Immigration, und: Erhöhung des Wohlstandes), wie auch durch eine größere Ausnützung desselben von der einheimischen Industrie erklären. Im Laufe des Jahres hat die Regierung einer Anzahl von Industriezweigen durch Zollschutz geholfen. So wurde z. B. in Anbetracht der Entwicklung der Fruchtsäfte-Herstellung der hiefür benötigte Zucker vom Zoll befreit. Eine ähnliche Ermäßigung des Zolls auf Zucker wurde auf den für Herstellung von Bonbons für Export be-» nötigten Zucker im Mai v. J. gewährt. Im April v. J. wurde das Verbot für die Herstellung des destillierten Weingeistes aufgehoben. Die früheren Zollsätze auf Strümpfe und Schuhwaren (15 Prozent a. v.) wurden durch neue spezifische (etwas höhere) Schutzzölle ersetzt, zum Wohle der einheimischen Industrie. Im Dezember ist der Zoll für Makkaroni, Nägel und für Rohrmöbel erhöht worden. Drei Millionen Juden können in Palästina von der Landwirtschaft leben Prof. S. Jaffee, der berühmte Experte für Landwirtschaft an der landwirtschaftlichen Hochschule in New Jersey (U. S.- A.), errechnete, daß Uber drei Millionen Juden von der Landwirtschaft in Palästina leben können. Seiner Ansicht nach sind auch die Chancen für die Entwicklung der Industrie in Palästina sehr gute. Gegen Bodenspekulation Aus, Jerusalem: In der jüdischen Oeffentüchkeit Palästinas herrscht große Empörung über Machinationen des kanadischen jüdischen Anwalts Philipp Joseph, durch die der Jüdische Natipnalfonds daran gehindert wird, eine große Bodentransaktion abzuschließen, über die: die Nationalfondsleitung seit P II RIM -R E DO UTE veranstaltet von JUd. Hochsctiulausschuß und I. A. Jurlftenveraln Ort: HamNIiMUitum Wl«n IX, ■arggaucl* Beginn halb 9 Uhr Inlrt» i ).~ 11» MARZ 1933 Wein* Einkauf ist Verfrauenssachet Verlangen Sie ausdrücklich: PflLRfSTINfi UJEINE PROPR. BARON ROTHSCHILD "Die Zusendung von Preislisten erfolgt über Wunsch durch den autor. Vertreter für Oesterreich: Gustav Wilder, Wien IV, Rainerg» 31 Telephon U-42*4-84 mehreren Jahren Verhandlungen führt. Joseph behauptet, er habe als Vertreter einer amerikanisch-englischen jüdischen Gruppe eine Option auf den Boden erhalten. Der Jüdische Nationalfonds ersucht in einer offiziellen Mitteilung Juden in Palästina und außerhalb Palästinas, sich mit Philipp Joseph in keinerlei Verhandlungen über Bodenkauf einzulassen, bevor nicht die Ansicht des Jüdischen Nationalfonds hierüber eingeholt wird. Die hebräische Presse Palästinas befaßt sich mit der Angelegenheit Joseph in Leitartikeln und weist auf diesen Fall als auf ein ekiantetes Beispiel einer die öffentlichen Interessen schädigenden Bodenspekulation hin. Beginn des Baues der Eisenbahnlinie Haifa—Bagdad Aus Jerusalem: Arabische Zeitungen teilen auf Grund zuverlässiger Informationen mit, daß im April 1933 mit dem Bau der Eisenbahnlinie Haifa — Bagdad definitiv begonnen werden wird. Die Eisenbahnlinie wird nach ihrer Fertigstellung viele Möglichkeiten für Palästina eröffnen, Haifa wird dann das Zentrum des Nahen und Mittleren Ostens werden. Bei den Bauarbeiten werden tausende Arbeiter Beschäftigung finden. Erbauer der Eisenbahn ist die englische Regierung. Pioniere der palästinen§isdieii Inclu§trie Die große palästinensische Wirtschaftszeitung „Mischar we Taasia" bringt jetzt die Geschichte der. En tstehung der jüdischen Indu st rie in Palästina in Einzelbildern. Sie schildert fortlaufend das Werden einzelner bekannter Industriebetriebe. Diese Veröffentlichungen sind ungemein lehrreich und tragen zur Ermutigung aller jener, die in Palästina industrielle oder kommerzielle Betriebe wollen, ungemein viel bei. Sie sind aber auch anderseits geeignet, Illusionen aus der Welt zu schaffen und von unüberlegten Gründungen abzuhalten. Nachstehend eine dieser Einzelschilderungen: Salomon Silber, Ist in Lublin geboren und betrieb dort eine Apotheke. Das Geschäft ging ziemlich gut. Es gelang ihm im Laufe der Jahre, ein Ideines Kapital zu ersparen. Im Jahre 1922 wurde in dem ruhigen, jedem üeberschwang abholden Menschen der Gedanke rege, nach Palästina zu übersiedeln. Er gehört nicht zu den Mensehen, die allzu lang überlegen. Er begann mit der Liquidation seines Geschäftes und Ordnung seiner Reisedokumente. Die Sache dauerte länger als erwartet, und bis zur Erledigung schmolz das ersparte Kapital wesentlich zusammen. Das Geld reichte schließlich nur für die Reise nach Tel-Awiw. Hier begann ein Kapitel des Leidens und der Armut, Endlich borgte ihm die „KredifcKassa" in Tel-Awiw 35 Pfund. Mit diesem Oelde begann er zu arbeiten. Er erzeugte Zahnpasta, die er Berijuth (Gesundheit) nannte, und Vaseline. Er brachte seine Artikel auf den Markt, der voll ausländischer Waren war. Niemand beachtete die Pasta mit der hebräischen Aufschrift. Wer Herrn Silber nicht sah, als es ihm gelang, die erste Tube zu verkaufen, weiß nicht, was Begeisterung ist. Nach einem halben Jahre gelang es ihm endlich, Kunden zu „akquirieren". Alle zusammen kauften ihm für ein Pfund Waren ab. Ruhig und würdig ertrug Salomon Silber alle Leiden. Er verzweifelte nicht. Er begann, Raslercreme zu erzeugen. Bei Nacht arbeitete er, bei Tag lief er von Geschalt zu Geschäft, von Mann zu Mann, bis endlich seine Ware den Kunden gefiel. Eines Tages bekam er eine Bestellung aus Bagdad, auf 90 Pfund lautend. Dann unternahm er den kühnen Versuch, seine Erzeugnisse nach Deutschland zu schicken, und bekam Bestellungen. Heute beherrscht er den ganzen Markt im Nahen Orient. Silber-Creme, Silber-Pasta, Silber-Produkte genießen fast „Weltruhm" in und außerhalb Palästinas. Seine Fabrik ist heute einer der musterhaftesten Betriebe in Tel-Awiw. «IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIW LESET UND VERBREITET // DIE NEUE WELT"!

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