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Die neue Welt · 1933-03-10 · Heft 287 (10.3.1933) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 287 (10.3.1933)
Date
1933-03-10
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. m Der Padilverlrag mit Emir Abdallah Gegen den ^.ArlotOrolfs und der Nicht* zionisten In der Biekntlve.' Aus Jerusalem wird der „Nauen Wett" gwchrieben: AUmfthliCh werden die Ereignis«*, I dte zhm 'Verr trag mit Emir AbdallfÄ^betMftll. der Bodenpachtung in Transjordanien führten^in allen Einzelheiten klar. Wie man erfährt» haben die ExekutiVmitglieder Farbstein und Newman zunächst durch eine Mittelsperson mit dem Emir bezüglich Pachtung von 70.000 Dunam Boden verhandelt» und zwar auf Wünsch des Emirs ausschließlich auf wirtschaftlicher Grundlage. Da Dr. Arlosoroff, der politische Leiter der palästinensischen Exekutive, seinerzeit Herrn Farbstein erklärt hatte, daß Emir Abdallah den Juden nicht günstig gesinnt sei, sondierte Herr Farbstein zuerst gründlich die Stirn- ELTERN PFLICHT gebietet, gerade in der jetzigen Jahreszelt der Gesundheit des Kindes größte Aufmerksamkeit zuzuwenden. In England, wo jetzt die Grippe wütet, wird jedes Schulkind verhalten, mehrmals täglich in der Schule Mund und Rachen zu spülen, um den Angriffen von Krankheiten erhöhten Widerstand zu leisten — ein ebenso einfacher wie oft wirksamer Vorgang, der auch zu Hause geübt werden kann und soll. Ein allgemein bekanntes, hervorragendes ' Mittel zur Mund- und Rachenpflege ist DIANA- FRANZBRANNTWEIN MIT MENTHOL Sein Gehalt an Alkohol und Menthol hat eine hochgradigreinigende, erfrischende Wirkung. Ebenso wertvoll ist DIANA-Fränzbranntwelri für viele sonstige Zwecke der Körperpflege, insbesondere für Massagen (Einreibungen) bei Zuständen von Müdigkeit und Ermattung in-" folge von TJeberanstrengung und in der Rekonvaleszenz.- — Die Wirkung von Umschlägen auf Kopf oder Hals wird verstärkt, wenn die Umschläge mit DIANA-Franzbranntwein besprengt werden. Verlangen Sie ausdrücklich „Diana" und weisen Sie minderwertige Nachahmungen energisch zurück. Ueberau erhältlich.. mung bei Abdallahs Vermittler, der völlige Geheimhaltung der Verhandlungen gefordert hatte. Die erste Etappe bestand darin, daß die beiden Wirtschaftsführer Farbstein und, Newman gemeinsam init dem ins Vertrauen gezogenen bekannten Kolonisationsfachmann M. Smiliahsky (Rechoboth) nach Transjordanien fuhren, um den Boden zu besichtigen, der .sich tatsächlich als geeignet erwies. Die beiden zionistischen Führer"., arbeite^^ nu^ ,einen Kontrakt $äus» deh sie dem Emir persönlich1 vorlegen wollten. Da um dTese'z^ Präsident Sokolow in,.^Jerusalem aufhielt, . unterbreiteten mm Farbstein und Neumann' "den; Pachtungs-' plan, der. die ZustimmungviSokolows fand, wobei sie betonten, daß ihre bisherigen Unterhandlungen mit Abdallahs Vertrauensmann, ,er hieß Mehmet Bey, rein wirtschaftlichen Charakter getragen hätten. Die. drei nichtzionistischen Mitglieder der Exekutive der Jewish Agency lehnten gemeinsam mit dem Zionisten Dr. Arlosoroff den Plan entschieden ab. Ueberdies / erklärte Arlosoroff, daß der in Rede stehende Böden,, mit Rücksicht auf seine Nähe zum Toten .Meer, sich zur Bearbeitung nicht eigne, ferner eine Verpachtung nur die Gemüter der Araber erregen würde. Die Vorteile einer Pachtung transjordanischen Bodens, der sich an die jüdischen Kolonien anschheße und eine Entlastung der Bodenspek u 1 a$' i o n, in Zisjordanien darstelle, . schlug Dr. Arlosoroff in den Wind. Präsident Sokolow aber entschied für Newman und Farbstein. Wie vereinbart, trafen Farbstein und Newman in Begleitung von Rechtsanwälten mit dem EÜm£r Abdallah auf transjordanischem Boden zusammen. Es bandelte sich bei dieser Unterredung um die Festlegung der Forderung, daß Jüdische Arbeiter angesiedelt werden, welcher schließlich stattgegeben wurde. Wahrend der Besprechung standen die zionistischen Unterhändler In ständiger telephonischer Verbindung mit Dr. Arlosoroff und M. M. Ussischkin. Am 5. Jänner 1933, nachts, fand die denkwürdige Begegnung mit dem Emir statt, bei welcher der Pachtvertrag seitens der beiden Partelen unterfertigt wurde. Man schied in schönstem Einvernehmen. Besonders Ussischkin war es, der den beiden zionistischen Wirtschaf tsf Uhrern Farbstein una Newman zu der Durchführung des Pachtverträge« mit Emir Abdallah gratulierte. Wie man sieht, ist der Vertrag mit Emir Abdallah auf rein wirtschaftlicher Basis gegen den Willen Dr. Arlosoroffa und der nichtzionistischen Mitglieder der Palästina-Exekutive zustande gekommen. Abg. Snell für die wirtschaftliche Einheit Palästinas und Transjordaniens Aus New York wird gemeldet: Das bekannte Mitglied des englischen Unterhauses Snell, einer der Führer der englischen Arbeiterpartei, der eine Zeitlang ih den Vereinigten Staaten geweilt hat, gewährte vor seiner Rückreise nach England der New Torker Jüdischen Telegraphen-Agentur ein Interview, in dessen Verlauf er ankündigte, er werde den Gedanken der jüdischen Siedlung in TransJordanien unterstützen. Es wäre für das östliche (transjordanische) und für das westliche Palästina von ungeheurem Nutzen, wenn beide Teile ein wirtschaftliches Ganzes bilden würden und die Zwischengrenze zwischen ihnen aufgehoben,,.sein würde. Bei dieser Gelegenheit erzählte Snell, er habe seinerzeit als Mitglied der Shaw-Kommission beabsichtigt, in dem von ihm verfaßten Minderheitenbericht den Vorschlag zu machen,, daß palästinensische landlose Araber in dem bevölkerungsarmen und bodenreichen Transjordanien angesiedelt werden. Er habe aber, um Mißdeutungen aus dem Wege zu gehen, von einer Formulierung des Vorschlages zu seinem Bericht schließlich abgesehen. : '.'..■gifi •'. <* |)1.;iii;/llvt.!,)llfr.i'!-, i; .-. «n Soskin in Wien Am 7. März begrüßten die -Wiener'1 Ziönlsten- RevMonisten den Vizepräsidenten der revisionistischen Weltunion, Dr. Soskin, ' als Gastredner. Dr. Soskin, der in Genf wirkt und 'am Sitze des Völkerbundes wichtige politische Arbeit für den Zionismus verrichtet, sprach als berufenster Kenner Über das Thema: jjbe r Völ V erbund, die Judenund de rZionismu s." Man kann sagen, daß noch kein Redner über diesen Gegenstand —. bei strengster Sachlichkeit — so faszinierend gesprochen hat wie Dr. Soskin. Seine Ausführungen gipfelten in dem Nachweis der Gefährlichkeit der heutigen offiziellen zionistischen Politik, welche den Aufbau Palästinas als englisch-jüdische Angelegenheit behandelt. Der Aufbau des Judenstaates muß wieder zur Angelegenheit aller Kulturvölker, des Völkerbundes und der Vereinigten Staaten gemacht werden. Mit stürmischem Beifall dankten die massenhaft erschienenen Zuhörer — die Säle des revisionistischen Verbandshelms waren tiberfüllt — dem Redner. Dr. Soskin trat nach dem Wiener Referat eine Vortragsreise nach der Tschechoslowakei an. znr Stufe fast messianischer Erfüllung und fällt hinab In die Tiefe von Panik und Zusammenbruch. Typisch jüdisch. Es wird eine Zeit kommen, da man wird erzählen können, was sich in Jerusalem rings um die Affäre Trattsjordanien abgespielt hat; dann wird die zionistische Welt erstaunt sein, wie alles bei una vom Zufall abhängig ist« Polltische Erfolge oder Niederlagen sind im Zionismus leider nur glückliche oder unglückliche Zufälle. Alles steht auf dem Kopf. Männer, deren Aufgabe es war, für Handel und Finanzen zu sorgen, haben die große politische Verantwortung auf sich genommen, einen Blick Uber den Jordan zu werfen. Und gerade diejenigen* welche darauf hätten bedacht sein sollen, neues, politisches Terrain zu gewinnen, waren hauptsächlich mit der Wahrung ihres Prestiges beschäftigt und ließen, nicht zu, daß der „brave Mann", wie der Kolonienminister Cunliffe» Uster den gegenwärtigen Oberkommissär nannte, gottbehüte mit der jüdischen Initiative, unzufrieden werde«,Auch das. Wort „Di s zi p 1 i n in p>o11i ti sohen Öl ri g e h'* " wurde angewendet, um die Energie von Menschen abzuschwächen, welche die Möglichkeit ersehen haben, ein Loch in die Wand zu bohren. (Anmerkung der Redaktion: Die Mitglieder der zionistischen Exekutive Newman und Farbstein, welche mit dem Wirtschaftsressort betraut sind, haben die Verbindung mit Emir Abdallah hergestellt und mußten erst gegen den politischen Referenten Arlosoroff ■, um den Vertragsabschluß kämpfen.) Es klingt fast wie ein Roman. Begegnet da ein J^Jde, der der Erholung wegen nach Jericho fährt, einem Pasoha aus Transjordanien, gerät mit ihm in ein Gespräch wegen Geld und Boden, bis sich ein Vorschlag betreffs Bodenpachtung herausschält — und das Rad sich zu drehen beginnt. Hernach kommen geiieime Begegnungen, Worte von Loyalität zwischen zwei Völkern, Unterschriften — und ein Problem von ungeheurer Bedeutung wird aktuell. Alles dank der gesunden Luft von Jericho. Und nur eine kurze Zeit vorher war es, daß diese Frage nicht auf der Tagesordnung der zionistischen politischen Exekutive stand. Zu den Aufgaben der heutigen zionistischen Exekutive hat die Besiedlung Transjordaniens nicht gehört. Im Gegenteil, die Angelegenheit wurde als überflüssig, unnötig betrachtet, als eine Sache, die bloß aufreizend wirkt und keinen Funken Bedeutung besitzt. Sie hat zu einer Jener revisionistischen Ueberlegungen gehört, über die man bloß den Kopf in Bedauern schüttelt: Keine schlechten Zionisten, aber Narreteien hingegeben! Jetzt auf einmal hat sich diese „Narretei" In eine Sache der praktischen Politik verwandelt. Jetzt ereifert sich "die; Presse'üiid'h^Ht jedes Dementi des Emir5 Von Transjördariietf'für 'elnerternsten * Angriff au* jüdische Aspirationen. So ändern sich Stimmungen. In diesem Zusammenhang möge die1 Feststellung gemacht werden: Das war jahrelang eine'der wichtigsten revisionistischen Förderungen auf dem Gebiet der praktischen zionistischen Politik und was als „Leichtfertigkeit" abgelehnt wurde, ist dank einem Zufall eine, ernste Angeleigenheit geworden, mit der sich plötzlich alles beschäftigt. Aber dieser Zufall tritt deutlich zutage: Eben weil es ein Zufallist, fehlt seitens der zionistischen Exekutive eine einheitliche,- durchdachte Lini e bezüglich der Taktik und der Bewertung der Geschehnisse; es fehlen die nötigen Vorbereitungen, das heißt die politische Vorarbeit in London und Jerusalem; es sind nicht die finanziellen Mittel zur Ausnützung des Erreichten bereitgestellt Es ist nicht der richtige Plan vorhanden, wie und wann und wodurch die Besiedlung verwirklicht werden könnte. Eben das ist die Strafe und die Rache für die Geringschätzung und Mißachtung, welche man dem bekannten Refrain der revisionistischen Reden „Auf beiden Seiten des Jordans" entgegengebracht hat. (Schluß folgt.) Das Rätsel um Ahasver Der „Ewige Jude" und die Purim-Legende Von Dr. J. Z. Kann er (Wien) Der Kern der verschiedenen Sagen über den „Ewigen Juden" bedeutet, daß ein Mann namens Ahasver von Christus, als dieser von ihm bei der Rast gestört wurde, mit ewiger Ruhelosigkeit bestraft ward. Die Figur des Ahasver heißt in Italien Buttadlo (buttare stoßen, dio Gott); sie spukt in Legenden und im Volksmund. Im 13. Jahrhundert erzählt ein Bisohof von einem Kartophilus, der als Zeuge des christlichen Glaubens noch gelebt, sich bekehrt und bei der Taufe den Namen Josef angenommen habe, während ein anderer Bischof des 16. Jahrhunderts von ihm selbst erfahren haben will, daß er Ahasverus heiße und seines Zeichens Schuhmacher sei. Die belgischen Sagen nennen ihn Isaak Laquedem, was man vom hebräischen Kedem (Ewigkeit) ableitet. Auohi heute will man da und dort den „Ewigen Juden" gesehen > haben. Die Legende lebt welter in verschiedenen Formen: als „Wilder Jäger", als „Fliegender Holländer". y Bis heute wurde erklärt, daß der Name Ahasver, als Bezeichnung des Ewigen Juden unglücklich gewählt! sei. Denn es dürfte sich wohl weder in biblischer noch in talmudlschef Zeit ein Beispiel dafür finden, daß ein Jude Ahasver hieß. Vielmehr galt der jüdischen Sage Ahasver schlechthin als Bösewicht, und es war verpönt» einem Jüdischen Kind den Namen eines Bösewichts beizulegen. Man neigte der Ansicht zu> daß Ahasver . mit dem Ahasver der Bibel außer dem Namen nichts gemein habe — der Erfinder der Sage soll diese Bezeichnung ganz willkürlich zum Zweck eines volltönenden Namens gewählt haben. . Aller Wahrscheinlichkeit nach kann man nur in der Pur im-M egiliah die, richtige Erklärung finden. In beiden Ahasver kehrt , das Motiv der Ruhelosigkeit ob einer npch. nicht erfüllten Aufgabe wieder. Im Buch Esther .kann der König Ahasver keinen Schlaf finden, weil er des Mordechaj Verdienste noch nicht belohnt hat; der Ewige Jude Ahasver kann,keine Ruhe finden, weil er seine Mission auf Erden noch nicht erfüllt hat. Zu diesem rein innerlichen Umstand treten nooh andere, äußere Motive hinzu, die den. Ausschlag für die Bevorzugung des Namens Ahasver geben. Es galt, eine Gestalt zu finden, die den lebenszähen, unbeugsamen, unausrottbaren Juden verkörpern sollte. Welcher Name war hiefür geeigneter als ' der,* Welcher-san der Spttz^ eines Buches stand, worin von der wunderbaren Rettung der Juden erzählt wird!. Sowohl das Motiv der Ruhelosigkeit ais auch der Umstand, daß das dritte Wort der Sohriftrolle, die der Juden Rettung verkündet, Aohaschverosch heißt, haben zur Namensgebung des Ewigen Juden beigetragen. Haß, Vernichtung trifft die Juden, die „geächteten * Gottesmörder", in den finsteren Tagen des Mittelalters, zur ' Zelt des „schwarzen Todes", aber immer wieder begegnet man da und dort vereinzelten Judengruppen. Trotz tierischem Mordeu.gibt es noch Juden auf der Welt? Die Sage vom Ewigen Juden gab immer wieder Antwort. Ahasver soll im Alter von dreißig Jahren mit . dem Fluch der ewigen Rastlosigkeit beladen worden; sein, Sooft er hundertjährig wird, verfällt er in eine schreckliche Krankheit. Er genest und wird -wieder dreißigjährig, Darin steckt nicht die Sage vom Ewigen Juden, sondern wirkliche G e s c h i oh t e, die ewig sich wiederholende Tragik unseres Volkes. Kaum hat es Großes geleistet, wird es gestürzt, verjagt, vertrieben, bis es von neuem beginnen, aufbauen muß. Nach der Zerstörung Jerusalems öffnete sich ihm Babylonlen. Hier wurde der Talmud geschaffen. Von den persischen Königen werden die Juden vertrieben. Spanien nimmt sie auf. Höchste Kulturwerte werden Wer produziert. Nachdem man die Juden ausgebeutet bai» weist man sie aus. Unter Golumbus' Führung suchen sie neue Helmstätten auf, müssen wieder wertvolle Energien vergeuden, um die von ihnen geschaffene Arbeit bald wieder zerstört zu sehen. Der Grund: Well das Jüdische Volk zweitausend Jahre Irregehen mußte, alle Länder als Znf luchtstatte aufsuohte, nur das eigene Heimatland vergaß. Weil es dieses Land nioh-t begehrte, mußte es wandern. Fast zwei Jahrtausende schon zieht der Ewige Jude in der Welt umher. Nooh immer ertönen in seinen Ohren die fürchterlichen Rufe: Fort, fort, geh', geh'! Wird der .Unglückliche einmal von seinen Qualen erlöst werden? Wird ihm einmal die Sünde seiner Feigheit und Schwäche vergeben werden und er durch Mut und Tapferkeit zu «euem, angstbef reiten» Leben auferstehen?.

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