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Die neue Welt · 1933-03-03 · Heft 286 (3.3.1933) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 286 (3.3.1933)
Date
1933-03-03
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Vfr. $86 DIE NEUE WELT Seite T Der Kluge denkt schon jetzt daran Schmididaß es für den Kentier und Feinschmecker zu Pessach nichts Besseres gibt, als die auf höchster Siu'e stehenden, in Hygiene der Erzeugung, Geschmack, Bekömmlichkeit und Kaschruth unübertrefflichen Seit 40 Jahren sind „Sch m i dl-Mazzoth" als das beste und bezüglich Kaschruth durchaus einwandfreies Etzeugnls bekannt und bei leb tl Ein Versuch wird Sie begeistern! Erzeugt unter streng orthodoxer Aufsicht Sr. Ehrwörden Herrn Oberrabbiner Babath — Die MazzOth werden aus dem feinsten Menl erzeugt! Verlangen Sie die neue, besonders schmackhafte Mazzoth ■ MAZZOTMJ SPEZIAL" MARKE ffNa Bs14 griess u. farvel Zentrole: N. Brodefzki, llv Leopoldsgajse 43 Tel. A-4G-1-90 A-00-2-03 A-41-9-32 In allen besseren Geschafften erhältlich! Die arabische Frage (NACHDRUCK VERBOTEN) Die „Neue Welt" beginnt heute mit dem Abdruck einer Reihe von Aufsätzen, die sich mit dem bisnun so sehr vernachlässigten arabischen Problem beschäftigen. Es ist das erstemal, daß von zionistischer Seite der arabischen Frage die ihr gebührende Aufmerksamkeit publizistisch zuteil wird. Der in Paris lebende Autor J. Benari, ein genauer Kenner des Nahen Ostens, gediegener Wissenschaftler und anerkannter Fachmann, hat seine Studien über die arabische Frage der „Neuen Welt" zum alleinigen Abdruck überlassen. I. Es ist eine unbestreitbare Tatsache: Die arabische Frage, die arabischen Notwendigkeiten, die arabische Nationalität Ist für den zionistischen Kolonisator eine „terra incognita" geblieben; das erste und einzige Beispiel in der Geschichte, wo der Kolonisator nicht weiß, mit wem er leben, zusammenarbeiten und kämpfen muß. Darum ruft jede Bewegung der Eingeborenen (denn unsere zionistischen Politiker haben die Eingeborenen in Palästina erst nach den ,;Bewegungen" von 1921 und JL929 bemerkt) beim Kolonisator Panik und Hoffnungslosigkeit hervor. Alle Pläne und Vorschläge der Zionistischen Organisation zu dieser Frage zeugen von der großen Unkenntnis der zionistischen Leitorgane in bezug auf das Araber-Problem. Noch heute zittern die Führer der Zionistischen Organisation vor dem Schatten eines nicht existierenden Pan-Arabismus, verlieren den Kopf ob der abenteuerlichen Versuche, einen Pan-Islamismus zu schaffen. Ich möchte versuchen, hier eine eingehendere Analyse der arabischen Frage zu geben. Ich halte mich nicht für kompetent, der Politik Richtlinien zur Lösung dieses Problems anzugeben, aber vielleicht wird eine unparteiische Darstellung unsere Politiker veranlassen, dieser Frage mehr Aufmerksamkeit zu schenken, sie zu studieren, und ihre Lösung, von einem staatspolitischen und nicht von einem kleinbürgerlichen Standpunkt aus, In Angriff zu nehmen. Wenn ein Europäer an die Araber denkt, so sieht er im Geiste ein großes „Arabisches Meer", weiße Burnusse, und das Filmband seines Gedächtnisses projiziert Bilder aus „Tausend und einer Naoht". Es ist schwer, sich von dem Eindruck zu befreien, der durch den Einfluß von Märchen, Legenden und falschen Vorstellungen entstanden ist. Um dieses Trugbild zu zerstören, weraen wir am besten mit Ziffern und Statistiken in der Hand entgegentreten. Das, was wir im taglichen Leben, und sogar in der Politik, „Arabisches Meer" nennen, ist In Wirklichkeit nichts anderes als ein Konglomerat von Völkern, Stämmen, Bassen, Religionen und Sprachen; infolge der Unkenntnis der komplizierten Verhältnisse bezeichnen die Europäer diesen ganzen Begriffskomplex mit dem einen Namen t „A r a b e r". Die sogenannten Araber verteilen sich auf verschiedene Gruppen: A. Die afrikanischen Araber: 1. Aegypten .... 14,168.756 Einwohner 2. Algerlen .... 5,803.400 „ 3. Marokko .... 3,843.000 „ 4. Tunis ..... 1,986.427 „ 5. Trlpolitanlen . . . 550.000 „ 6. Kyrenaika . . . 180.000 „ Total . . 25,980.683 EimvohiüTr B. Die Nordarabische Gruppe (Syrien, Palästina, Irak) mit 6,100.000 Einwohnern. Davon sind: 1. Türken und Kurden...... 680.000 2. Tscherkessen........ 500.000 3. Perser........, . 250.000 4. Juden........... 220.000 5. Drusen.......... 120.000 6. Armenier ......... 10.000 7. Europäer ......... 20.000 Yon J» Benari (Paris) Das bedeutet, daß auf 6,100.000 Einwohner 1,800.000 Nichtaraber kommen, d. h. Leute, die anderen Religionen, Völkern, Rassen und Sprachen angehören. C. Die Arabische Halbinsel: 1. Hedschas: 875.000 Einwohner, davon ein Drittel Neger; 2. Nedschd: 1,000.000 Einwohner, davon 100.000 Neger; 3. Assyrien: 200.000 Einwohner, davon 120.000 Neger; 4. Jemen: 1,000.000 Einwohner, davon 500.000 Andersgläubige und 40.000 Juden. Unter diesen drei Teilen des „Arabischen Meeres" gibt es keine organische Verbindung. Nehmen wir z. B. das Gebiet von Algerien; darin wohnen neben den Arabern auch Kabylen (nicht semitischer Abstammung, sie sind in drei Stämme geteilt und sprechen drei Sprachen); Rif, Moren (auch nicht semitischer Abstammung, sio sind in vier Stämme geteilt und sprechen vier Sprachen); Magrebenen, Berber, Neger, Juden, Europäer. Die Araber, welche ihrer Abstammung nach Semiten sind, bilden in Algerlen nur 80 Prozent der Bevölkerung, sie sind in neun Stämme geteilt und sprechen neun Idiome. Dieselbe Erscheinung finden wir auch in M a r o k k o, wo die Araber eine Minderheit von 30 Prozent der Gesamtbevölkerung bilden und denen die Rifen, d. h. eine feindliche Mehrheit von1 42 Prozent der Bevölkerung, gegenüberstehen. Es Ist interessant zu wissen, daß Abd-el-Krim, der gewesene Führer der aufständischen Rifkabylen, im Jahre 1925 in seinem Tagebuch schreibt, daß die Rifs die Araber als größere Feinde betrachten als die Spanier. Die Araber in Marokko sprechen sechs Idiome; an Markttagen verständigen sie sich untereinander mit Hilfe eines speziellen französisch-marokkanischen Jargons. In Tunis bilden die Araber eine Minderheit von 23 Prozent. Die Araber von Algerien, Tunis und Marokko treten der panarabischen Bewegung nicht bei, nicht einmal nominell, und sie waren auch auf den arabischen Kongressen niemals vertreten. Wir gehen jetzt zu den Arabern über, die eine gemeinsame Sprache sprechen, uns geographisch näherstehen und uns bei unseren politischen Bestrebungen mehr interessleren; ich meine die Araber von Palästina, Syrien und Irak. (Die Irakfrage soll später besonders behandelt werden.) Syrien und Palästina haben eine Bodenfläche von 159.000 Quadratkilometer und zählen eine Bevölkerung von 3,400.000 Menschen. Die Araber von Palästina und Syrien, aber hauptsächlich die letzteren, spalten sich in 29 religiöse Kasten und Kirchen, eine Tatsache, die im Orient eine Atmosphäre von scharfer Feindschaft und Haß bewirkt. In Syrien sowie in allen anderen arabischen Ländern mit Ausnahme von Palästina (dank dem Einfluß des jüdischen Kapitals), macht sich eine große Emigration ins Ausland geltend. Wenn die deutsche und italienische Auswanderung in gewissem Sinne ein Vorteil für das Vaterland Ist, nämlich in der Hinsicht, daß die Emigranten für politische und gesellschaftliche Zwecke Geld ins Land schicken, ohne daß eine Fürsorge für die zurückgebliebenen Angehörigen nötig wäre, so kommt das für die Araber nicht in Frage. Als Beispiel kann der Jahresbericht der Araber aus Syrien und Irak in Argentinien dienen. Laut diesem Bericht wohnen in Argentinien 139.000 Araber, welche ein Kapital von 400,000.000 L. besitzen. Sie geben dort 19 Zeitungen heraus, davon drei in arabischer Sprache. Aber nach demselben Bericht haben sie nur 300.000 französische Francs als private Hilfe und 60.000 Francs für gesellschaftliche Hilfszwecke ins Heimatland geschickt. Dasselbe Bild finden wir in den Vereinigten Staaten, wo die Araber eine Bevölkerung von 250.000 Einwohnern bilden, In BraslUen (80.000), in Chile (10.000) usw. Ueberau findet sich dieselbe Loslösung der Emigranten von den National- und Stammesinteressen, rasche Asslmflatloll und ein geringes Verständnis für eine nationale Einheit. Einen ganz besonderen Platz nimmt Irak ein, ein Staat, der dank der englischen Politik und den englischen Interessen vor kurzem in den Völkerbnnd aufgenommen wurde. Irak ist nach den Erklärungen arabischer Politiker ein „Pays arabe par exellence". Indessen kam die Königlich Geographische Gesellschaft von Aegypten bei Ihren Untersuchungen zur Feststellung, daß Irak In gewisser Hinsicht völkisch noch bunter ist als Oesterreich-Ungarn vor dem Kriege. Auf dem Boden von Irak, mit einer Fläche von 370.000 Quadratkilometern wohnen 2,850.000 Menschen, die außer den Arabern noch 19 andere Stämme umfassen und 19 verschiedene Sprachen sprechen. Stämme, die nicht durchwegs semitischen, geschweige denn arabischen Ursprungs sind. Von diesen Nomadenstämmen zählen z. B. die Schommaren 120.000 Menschen, die Anadechen 28.000 Menschen usw. In der letzten Zeit ist bei diesen sogenannten arabischen Völkern eine große Gärung entstanden, wobei sich zwei diametral gegensätzliche Strömungen und Tendenzen zeigen. In erster Linie stechen eine dezentralistIsehe und eine zentralistische Bewegung in die Augen. Die erste ist eine natürliche Erscheinung — nämlich der Prozeß der Entstehung von neuen Völkern —, es bilden sich neue Sprachen und es entstehen neue soziale und politische Verbindungen. Die zweite ist eine künstliche Erscheinung, eine Frucht der europäischen Politik — der französischen vor dem Kriege, der englischen von heute. Diese Bestrebung geht darauf aus, die verschiedenen Teile zu verbinden und zu vereinigen, ein „Arabisches Meer" zu schaffen, mit Geld und anderen Mitteln die natürliche Entwicklung verschiedener Völker, Stämme und Sprachen aufzuhalten. Nach dem Bericht der Königlich Geographischen Gesellschaft von Aegypten haben wir schon heute auf dem Boden von Syrien, Irak und der Arabischen Halbinsel 127 Völker, Stämme und Sprachen. Ich muß allerdings betonen, daß, wenn ich von einer natürlichen Erscheinung spreche, diese zum Teil auch durch einen Impuls der modernen europäischen Politik hervorgerufen wurde, welcher die Völker des Orients aus ihrem langen Schlaf und ihrer Apathie aufgerüttelt hat. Das Losungswort des Weltkrieges — die Unabhängigkeit der Völker —, die Tätigkeit der englischen Agenten im Orient während des Krieges, welche auf die Zertrümmerung des Ottomanischen Reiches ausging und bestrebt war, die nichttürkischen Elemente abzutrennen, die englischen Gelder, die Abenteuer des Oberst Lawrence, dieses „Ungekrönten Königs von Arabien", all dies hat zur Erweckung des nationalen Bewußtseins unter den Nomadenstämmen im Orient beigetragen. Beide Strömungen, die zentralistische und ' die dezentralistische, sind noch lange nicht beendet. Aber man kann schon heute konstatieren, daß weder die afrikanischen noch die Araber der arabischen Halbinsel, ganz zu schwelgen von Aegypten, zu dem sogenannten „Arabischen Meer" gehören. Sie sind mit den Arabern von Syrien, Palästina und Irak weder durch kulturelle noch durch politische oder ökonomische Interessen verbunden. So werden die Grenzen des Pan-Arabismus immer enger, und was bleibt, ist weit davon entfernt, ein „Arabisches Meer" zu bilden. Ueberdles war an den arabischen Kongressen jeweils nur die leitende und führende Intelligenz von Syrien, Palästina und Irak vertreten. (Weitere Artikel folgen.) Der Pogrom in Aden vor dem indischen Parlament Aua Bombay wird gemeldet: Die in Delhi tagende Gesetzgebende Versammlung Indiens befaßte sich in ihrer Sitzung am 15. Februar mit den im Mai 1932 in der Stadt Aden vorgekommenen Pogromausschreitungen gegen die dortige jüdische Bevölkerung. Auf eine Anfrage des Parlamentsmitgliedes Jaya Prasad Singh schilderte der Regierungsvertreter Metealfe den Verlauf der Unruhen, die hauptsächlich von fluktuierenden Elementen ausgingen, die aus dem Eandesinnern nach Aden kamen und nach vollbrachtem Werke in das Landesinnere wieder verschwanden. Es Ist darum schwer, die Frage des Schadenersatzes zu klären, weil doch in der Regel dasjenige Gebiet für den Schaden aufzukommen hat, aus dem die Unruhestifter stammen. Wo man die Schuldigen fassen konnte, waren sie mittellos, so daß ein Schadenersatz von ihnen nicht herauszuholen war. Die indische Regierung aber hat in Fällen von Unruhe unter der Zivilbevölkerung keine Verpflichtung zum Schadenersatz. Auf den Zwischenruf eines Deputierten, daß die Unruhen auf die Balfour-Deklaration zurückzuführen seien, erwiderte Metealfe, diese Annahme sei grundlos, und fügte hinzu, seit Mai vorigen Jahres seien weitere Unruhen in Aden nicht mehr vorgekommen; Verhaftungen, Gefängnisstrafen, Ausweisungen haben eine abschreckende Wirkung ausgeübt. Der maßgebende und ordnungsliebende Teil der Araber von Aden, der die Maiunruhen verurteilt, ist darauf bedacht, weitere Unruhen nicht mehr zuzulassen. Die Juden gehen jetzt ihren Beschäftigungen ungestört nach, die jüdischen Schulen sind geöffnet und jüdische Frauen sind Belästigungen nicht mehr ausgesetzt. MetcaUe teilte weiter

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