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Die neue Welt · 1933-03-03 · Heft 286 (3.3.1933) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 286 (3.3.1933)
Date
1933-03-03
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 DIE NEUE WELT Nr. 286 Alexander von Jugoslawien wurde er wiederholt ausgezeichnet. Mit Dr. Alkaly verliert der jugoslawische Zionismus seine führende Persönlichkeit und das Land einen ausgezeichneten Patrioten. Die Trauerfeier, der alle bedeutenden Männer Belgrads beiwohnten, gestaltete sich zu einer großen Kundgebung für den Verstorbenen und für den jugoslawischen Zionismus. Ausf ro* Palästinensischer Wirtsdiaftsdienst Abfahrt der tiesellsdaaffs- und iftidfen« reise des AuslroiPaläsiineu stedien-Wirf* sdiaftsdiensl Unter Teilnahme von 100 Personen verließ am 28. Februar die erste Oesellschafts- und Studienreise des Austro - Palästinensischen Wirtschaftsdienstes Wien. Wie bereits berichtet, werden die Teilnehmer nicht nur Gelegenheit haben, alle Sehenswürdigkeiten des Landes zu besichtigen, sondern auf Grund von Vorträgen, Auskünften und Informationen Einblick in die wirtschaftlichen Verhältnisse des Landes gewinnen. Am Bahnhofe fanden sich Hunderte von Angehörigen und Freunden ein, die von den Teilnehmern Abschied nähmen. Die große Teilnahme an dieser Gesellschafts- und Studienreise veranlaßt den Austro-Palästinensischen Wirtschaftsdienst, bald an das Arrangement einer zweiten Reise zu schreiten. Die „Neue Welt" wird über den Verlauf dieser Reise, die unter der bewährten Leitung von FrauBerta Taubes steht, in den nächsten Nummern ausführlich berichten. Interessenten für palästinensische Spiel« warenfndusfrae gesucht! Dem Austro-Palästinensischen Wirt- Bohaftsdlenst wurde von einem der bedeutendsten Wirtschaftsführer Palästinas die Anregung gegeben, für die Errichtung einer Spielwaren- Industrie In Palästina Propaganda und jüdische Unternehmer auf die Krfolgsmöglichkeiten einer solchen Industrie aufmerksam zu machen. Angesichts der Tatsache, daß die jährliche Einfuhr an Spielwaren im Jahre 1930 nach Palästina ...... 15.877 Pfund nach Aegypten ...... 82.580 „ nach Syrien.......21.129 „ betrug, bestehen für eine palästinensische Industrie gute Aussichten, um so mehr als ja einen Teil dieser Industrie die Helmarbeit bildet, für welche in Palästina genügend geschickte und tüchtige Arbeitskräfte zur Verfügung stehen. Nicht minder wichtig ist der Umstand, daß In Palästina das Kunstgewerbe eine große Rolle im Wirtschaftsleben spielt und eine Verbindung dieser beiden Wirtschaftszweige dank ihrer besonderen lokalen Eigenart viel Erfolg hätte. Der Austro-Palästinensifiche Wirtschaftadienat erteilt kostenlose Auskünfte jeden Montag und Donnerstag zwischen halb 5 und 6 Uhr im Büro, Berggasse 16. Wiederholung des Lichtbildervortrages: Ing. Rud. Pfister, „Das moderne Palästina Der große Erfolg, den Herr Ing. Rud. Pfister, der Erbauer des Ruthenberg-Kraftwerkes (Palästina) und des Spullersee-Werkes (Tirol) mit seinem letzten Lichtbildervortrag, den er auf Einlädung des Austro- Palästinensischen Wirtschafts - Dienst vor wenigen Wochen im ausverkauften Saal des Hotels Continental hielt, erzielte, veranlaß te den Wirtschaftsdienst, Ing Pfister zu bitten, diesen hochinteressanten und aktuellen Lichtbildervortrag zu wiederholen. Ingenieur Pfister erklärte sich hiezu in liebenswürdigster Weise bereit. Tag und Ort des zweiten Lichtbildervortrages, der besonders für Studenten und Schüler zugänglich gemacht sein wird, werden in der nächsten Kummer des Blattes bekanntgegeben, Eine neue Gesellschaft für Kapitalanlagen in Palästina xn London wurde die jüdische LebensversieheruttgsgeHeUschaft „Jordania" gegründet, welche einen Teil ihres Kapitals in Palästina anlegen will. Die Gesellschaft wird in der ersten Zeit in Gemeinschaft mit der großen englischen Gesellschaft „Royal Insurance" arbeiten. Die „Royal Insurance" hat sich bereit erklärt, eine große Anzahl palästinensischer Wertpapiere anzukaufen. Der Gründer und Berater der neuen Gesellschaft ist der bekannte zionistisch-revisionistische Führer J. Machower aus London. Die Oelröhrenleitung nach Haifa Aus London: Auf eine Anfrage von Captain Peter MacDonald (kons.) im Unterhaus erklärte der Kolonlenminister Sir Philip Cunliffe-Lister, er wisse nicht, wann die Oelleitungen nach Haifa und Beirut in Betrieb genommen werden würden. In dem zwischen der Irak-Regierung und der Irak-Petroleum-Gesellschaft am 24. Mftrz 1831 getroffenen Abkommen ist vorgesehen, daß beide Leitungen am 81. Dezember 1935 fertiggestellt sein mUssen, und daß — wenn nicht beide gleichzeitig in Betrieb genommen werden können — die nach Haifa führende Pipe-Line Jedenfalls nicht später als sechs Monate nach Inbetriebnahme der Leitung in Beirut in Betrieb genommen werden müsse. 193? vier Millionen Pfund jüdischen Kapitals in Palastina investiert Aus Jerusalem: In einem während der vierten Konferenz der Allgemeinen Jüdischen Arbeiterföderation Palästinas (Histadruth) erstatteten Bericht stellte H. Frumkin fest, daß im Verlauf des Jahres 1932 vier Millionen Pfund jüdischen Privatkapitals in Palästina investiert worden sind, davon 1,350.000 Pfund in Boden, 1400 Pfund in Neubauten, 500.000 Pfund in neuen Industrien, 900.000 Pfund in Plantagen. Von der in Neubauten investierten Summe fallen 550.000 Pfund allein auf Tel-Awiw. Aendernngen in der Steuerverteilung in Palästina Bis zur Einführung des britischen Regimes war die Agrikultursteuer die ertragreichste des Landes. 26 Prozent aller Einnahmen brachte die Bodenbesteuerung. Im Jahre 1032 aber machte die Bodensteuer nur mehr 3 Prozent der Reglerungseinnahmen aus. Das Schwergewicht hat sich im Laufe der Jahre vom Dorf In die Stadt verschoben. Insbesondere die jüdischen Städte und Siedlungen bilden die Hauptquelle für Steuern. Nur dank der jüdischen Einwanderung kann jetzt die Regierung den arabischen Bauern die Steuern ermäßigen oder ganz erlassen. Im Sommer 19S3 englisch-palästinensische Ausstellung in London Unter dem Patronat des High Commissioner für Palästina General Sir Artur Wauchope wird vom 7. bis 17. Juni 1933 in der Agricultural Hall zu London eine Englisch-Palästinensische Ausstellung z u s e h e n s e i n, die die Handelsbeziehungen zwischen England und Palästina Illustrieren und sie fördern soll. Von den vier Abteilungen der Ausstellung werden drei Palästina und eine England gewidmet sein. Die englische Abteilung wird 94.000 Quadratfuß in der Haupthalle einnehmen und von prominenten englischen Firmen beschickt sein. Die drei Palästina-Abteilungen werden die alte Geschichte und Archäologie Palästinas, sowie das neue Siedlungswerk und die Entwicklung des Handels seit der Uebernahme des Mandats durch Großbritannien illustrieren, wobei insbesondere die Position Palästinas als eines wichtigen Bindegliedes zwischen "West und Ost, sowie besonders als Touristen- und Erholungsgebiet unterstrichen werden soll. Die Leitung der internationalen Levante-Messe in Tel-Awiw 1932 hat das Arrangement der Palästinaabteilungen übernommen und wird für die Verschiffung der Palästina-Objekte nach London sorgen. Auf der Ausstellung werden auch Erzeugnisse palästinensischen Handwerks und palästinensischer Kunst gezeigt werden. Die gewöhnliche Jahresmesse des Jüdischen Nationalfonds für Großbritannien und Irland wird diesmal der Englisch- Palästinensischen Ausstellung angegliedert werden. Präsident des Ausstellungskomitees ist der Marquis of Reading,, Vorsitzender ist.Lord Melchett. Dem Komitee gehören ferner au Viscount Bearsted, Viscount Burnham, Sir Montague Burton, Sir Julius Cahn, Viscount Cecil of Chelwood, Sir Robert Waley Cohen, O. E. d'Avigdor Goldsmid, Sir Nicholas Grattan-Doyle, M. P., Sir Philip Hartog, Sir Hugo Hirst, Sir Samuel Instone, David Lloyd George, Simon Marks, Major Nathan, M. P., James de Rothschild, M. P., Sir Herbert Samuel, M. P., Lord Snell, Viscount Snowden, Sir Adward Stern, Sir Regimald Tuck, M, M. Usaischkin und Dr. Weizmann. Ein bulgarischer Minister über Palästina-Wirtschaft Aus Sofia wird gemeldet: Der frühere bulgarische Min ister für Landwirtschaft Grigor Wassileff sprach im überfüllten Saale des Beth Am zu Sofia über die Zukunft der Landwirtschaft in Palästina, wobei er bulgarische landwirtschaftliche Methoden zur Anwendung in Palästina empfahl. Das Aufbauwerk der Juden in Palästina, sagte er, habe mit der Vorstellung aufgeräumt, daß sich Juden nur für den Handel und für intellektuelle Berufe eignen. Im Altertum waren die Juden ein ackerbautreibendes Volk, sie sind es nun auch im neuen Palästina, wo sie ein verarmtes und verwüstetes Land mit verflachter Ackerkrume und ver» karsteten Hügeln wieder fruchtbar macheu und aufforsten. Ihre Arbeit bewies, daß Palästina eine große ZukunftalsAgrarland hat, aber die Juden müssen sich dessen bewußt sein, daß der Prozeß in der Landwirtschaft ein langwieriger ist. Geduld und Ausdauer sind zum ßchüeßliohen Erfolg erforderlich. Minister Wassileff entwickelte einen Plan landwirtschaftlichen Aufbaues in Palästina und erklärte, Bulgarien sei bereit, seine Erfahrungen der letzten fünfzig Jahre für Palästina dienstbar zu raachen. Er erörterte eingehend die Aussichten des Anbaues von Körnerfrüchten, Hülsenfrüchten, Sonnenblumen und anderen Oelpfianzen, von aromatischen Pflanzen, Futterpflanzen, Obst und Gemüse usw. und sprach von den Bedingungen der V i e hu n d G e f 1 ü g e 1zucht, der Seidenraupenzucht und der Forstwirtschaft in Palästina. Palästina könne aus Bulgarien, das seine Landwirtschaft auf eine sehr hohe Stufe gebracht hat, geprüfte Sämereien,, hochgezüchtete Geflügelrassen, Milch* und Zuchtvieh beziehen, anderseits könnten Palästina-Erzeugnisse in Bulgarien Absatz Anden. Ein Austausch von Landwirtschaftsfachleuten würde sich sehr empfehlen. Die in Bulgarien für Palästina ausgebildeten Chaiuaim könnten ein übriges tun, um die Beziehungen zwischen den beiden Ländern fruchtbar zu gestalten- Olzar herAmel Von V. Jabotlnsky. Die Jugend des Brit Trumpeldor (Betar) ist zur Zeit — in ihren eigenen Reihen — mit der Sammlung des traditionellen „Geschenkes für den Rosh- Betar" beschäftigt. In diesem Jahre sollen 70 Prozent der Schaffung einer Leih- und Sparkasse „Otzar h e - A m 61" gewidmet werden. Ich möchte die Aufmerksamkeit aller Betar- und Palästina-Freunde auf dieses Werk lenken. Die Aufgaben des Betar sind verschiedenartig: Wehrsport, d. h. Vorbereitung zum Selbstschutz; Erlernung der hebräischen Sprache; Erziehung im Geiste der Herzischen Ideologie — „Judenstaat zu beiden Seiten des Jordan" als Ziel des Zionismus und Primat des Staatsgedankens vor Gruppen- und Klasseninteresesn; die Kultivierung des „Hadar Betart" — die Beachtung nicht nur innerlicher, sondern auch äußerer Formen des menschlichen Zusammenlebens: Höflichkeit, Ritterlichkeit, Aufmerksamkeit für das Wohlergehen und die Würde des Nächsten. Ich behaupte nicht, daß all das bereits erreicht ist. Aber ich kann nunmehr mit aller Sicherheit sagen, daß wir uns dem Ziele nähern. Eine weitere Aufgabe des Betar ist die Vorbereitung der „Olim", d. h. junger Einwanderer für Palästina und deren Einordnung im Lande. Wie schwer es auch bis zum letzten Herbst gewesen sein mag, für Betarlm Zertifikate (Arbeitervisen) zu bekommen, da ihre Verteilung fast ausschließlich in den Händen der auf Klassenkampf eingestellten Gruppen lag — die Zahl betaristischer Arbeiter in Palästina wuchs ständig. Sie bilden die Mehrheit im „I r g u n" (Verband revisionistischer und betaristischer Arbeiter), der zur Zeit etwa tausend Mitglieder zählt. Diese Betaristen sind in Palästina In- „Arbeitsabteilungen" (Pelugot Avoda) zusammengefaßt. In den landwirtschaftlichen Kolonien wohnen sie nach Möglichkeit zusammen, essen an einem Tisch und helfen einander, Aeltere revisionistische Arbeiter, die nicht aus dem Betar kommen, werden selbstverständlich in die „Abteilungen" aufgenommen. Sie haben kein leichtes Leben. Sie gehören nicht der „Histadruth" an (der auf klassenkämpferischer Plattform stehenden Arbeiterorganisation) und genießen daher nicht die Vorteile ihrer medizinischen, genossenschaftlichen und sonstigen Institutionen. Die „Histadruth" sucht mit allen Mitteln zu verhindern, daß Betarim Arbeit finden. Auch mit Anwendung physischer Gewalt gegen betaristische Arbeiter. Das ist nicht schwer, denn die Arbeiter der „Histadruth" sind noch in zahlenmäßig großer Uebermacht. Vor der Ausdauer und Selbstentäußerung dieser Jugend ziehe ich den Hut! Es gab Fälle, wie der Fall der „Abteilung" in Rosch-Pinna, die ohne Arbeit durch sechs Monate in der Kolonie Hunger litt. Nur um nicht die einmal von jüdischen Arbeitern besetzte Position aufzugeben. Der Haß der „Histadruth" hat keinerlei Beziehung zu Fragen rein wirtschaftlichen Charakters. Es gab keinen einzigen Fall von Unterbietung der Arbeitsbedingungen seitens der Betaristen. Sogar ihre Feinde werfen ihnen dies nicht vor. Der Haß stammt nur daher, daß der Betar den Klassenkampf im Prozeß der Kolonisation ablehnt. Er verlangt daß Streitigkeiten zwischen Arbeitgebern und Arbeitern im Wege einer obligatorischen nationalen Schiedsgerichtsbarkeit geschlichtet werden und daß die Arbeitsvermittlungsstellen, in denen zur Zeit die „Histadruth" herrscht, in neutrale Institutionen verwandelt werden. Dies alles erfordert aber eine finanzielle Stütze, Häufig haben diese Arbeiter nicht die Mittel, uro eine Baracke, eine genossenschaftliche Küche einzurichten, sich die notwendige medizinische Hilfe zu sichern. Niemand hilft ihnen. Ihre Freunde besitzen nichts, Kredit wird ihnen nicht gewährt, wenn ihnen nicht eine, wenn auch kleine, eigene Kreditinatitution zu Hilfe kommen wird. Der „Otzar he-Amel" ist ein Versuch, die Grundlagen einer Kreditkasse zu legen, die den Bedürf« niesen der Arbeiter, welche das Klassenkampfprinzip ablehnen, gewidmet sein soll. Ich habe mich an alle Ortsgruppen des Betar mit dem Rufe gewandt, Beiträge für diesen Zweck, seien sie auch klein, zwischen Chanukka und Purim einzusenden. Die Beiträge der Betar werden nur den ersten, bescheidenen Kern bilden. . Späterhin aollen Anteilscheine herausgegeben werden. Dann werden wir uns an die breite Oeffentlichkeit wenden. Bis zum Abschlüsse dieser Sammlung wird kein einziger Groschen, der für den „Otzar he-Amel" bestimmten Beträge verausgabt werden. Die Organisationsspeaen wird der Sbilton Betar aus eigenem decken. Nach Gründung der Kasse und Herausgabe der Anteilscheine werden die Ausgaben des ersten Jahres 15 Prozent de» Kapitals nicht übersteigen dürfen. Der „Otzar he-Amel" wird in Palästina nach rein kaufmännischen Grundsätzen geführt werden. Er wird nicht „subventionieren", sondern ausschließlich Anleihen zu minimalen Prozentsätzen gewähren. Ich glaube, daß sich aus diesen Anfängen eine Bank entwickeln wird, und daß die jüdische Oeffentlich-» ■ keit in Palästina und in der Diaspora den jungen Initiatoren danken wird. Adresse: Shilton Betar, 74, rue du Moulin-Vert, Paris 14.

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