Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 286 (3.3.1933)
- Date
- 1933-03-03
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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feite« DIE NEUE WELT Kr. 386 SIEG«. KORNMEHL QROSSFLeiSCHHAUEREI Zentrale; IX., Berggasse t9, Tel. A-17-3-99 n. A-16-9-34 Lieferant für Heilanstalten ■mimmmSShm^ «; unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbiaat» der Isr. '<> 4> , Kultusgemeinde Wien Autosustallung keatenlo» :: IX.. Bnrggass« IS ✓ XVIII., WMhrln««rilr. 91 j: Ein großer Plan? 20 Millionen Pfund jüdische Stiftungsgelder sollen für Bodenerwerb in Palästina mobilgemacht Werden Ans Jerusalem wird berichtet: Der Präsident des Jüdischen Nationalfonds (Keren Kajemeth Lejisräel), M; M. Usslschk i n, entwickelte in einer von ihm in Jerusalem geleiteten Pressekonferenz einen neuen, großangelegten Plan für jüdischen Bodenerwerb in Palästina. Danach sollen 20 Millionen Pfund für jüdischen Bodenerwerb auf folgende Weise mobilgemächt werden: In den Banken verschiedener Länder, tiberall in der Welt, sind jüdische Stiftungsfonds in einer Gesamthöhe von mindestens 20 Millionen Pfund deponiert. Der Keren Kajemeth erklärt sich bereit, den Institutionen, die über diese Stiftungsgelder verfügen, den gleichen Zinssatz wie die Banken ■u zahlen, wenn diese Institutionen sich entschließen sqUten, die Stiftungsgelder beim Keren Kajemeth zu deponieren, der sie zum Ankauf von Boden für jüdische Siedlung in Palästina verwenden wird. Der Keren Kajemeth mit seinem reichen Bodenbesitz, sagte Usslschkin, bietet Geldeinlegern heute weit mehr Sicherheit, als 1 r'g e n d e i n e B a n k bieten könne. Die Einleger würden fürs erste einmal ihrer Gelder ünmer sicher sein können; andererseits geben sie dem Keren Kajemeth die Möglichkeit, mit Hilfe der Geldeinlagen ungeheure Landgebiete für das jüdische Siedlungswerk zu erwerben. Im weiteren Verlauf seiner Rede erklärte Usslschkin, das Hinausschreien einer sogenannten Prosperität in Palästina könne sich für das> Aufbauwerk nur schädlich auswirken, denn es führt die Weltjudenheit Irre und wiegt sie in Sicherheit. Man vergißt leicht, daß die Bodenerwerbungen des Keren Kajemeth, wegen Mangels an Mitteln, ni.cht mehr progressiv forts oh reiten. Von den 323.000 Duriam Boden, die der Keren Kajemeth im ganzen besitzt, habe er in den letzten drei Jahren nur 40.000 erworben; das bedeutet gegenüber den Erwerbungen .In,früheren Jahren einen Rückschritt. Wohl wurden auch von privater Hand Orangenhaine in jüdischen Besitz gebracht; veräußerlicher Privatbodenbesitz bedeutet aber noch nicht nationale Prosperität. * Bei aller Achtung vor der Tatkraft des alterprobten Zionlstenführers Usslschkin geht es doch nicht an, diese Meldung kritiklos weiterzugeben. Welche Berechnungen habeneine „Gesamthöhe von mindestens 20 Millionen Pfund'? ergeben? Haben Zionisten auf die Verwaltung dieser Gelder ausschlaggebenden Einfluß? (Für Nichtzionlsten liegt doch keine Veranlassung vor, derartige Transaldionen vorzunehmen.) Was soll das bedeuten: „Der Keren Kajemeth ruft seinem reichen Bodenbesitz bietet Geldeinlegern heute weit mehr Sicherheit als sie Irgend eine Bank bieten könnte?« — Der Boden des Jüdischen Nationalfonds ist doch, nach dem Statut des Fonds, unveränßerllohes Eigentum des jüdischen Volkes! Unveräußerlicher Boden kann doch niemals als Pfand gegeben werden, kann niemals als Deckung für eine Einlage oder ein Darlehen dienen. Es dient der zionistischen Sache nicht, wenn von „großen Plänen" gesprochen wird, ohne der Oeffentlichkeit die soliden Grundlagen bekanntzugeben. Die Judengemeinde Bukarest führt das Frauenwahlrecht ein Aus Bukarest wird berichtet: Der Vorstand der jüdischen Gemeinde Bukarest hat Neuwahlen für den 23. April 1933 ausgeschrieben. An diesen Wahlen werden sich diesmal außer den eingeschriebenen Mit-, gliedern der Gemeinde alle seit mindestens einem Jahre in Bukarest wohnhaften Juden und Jüdinnen, die das 21. Lebensjahr erreicht haben, beteiligen können. Auf Grund einer von den jüdischen Frauen eingebrachten Maasenpeytion hat der Vorstand in seiner letzten Sitzung beschlossen, bei den maßgebenden Behörden eine Aenderung des Gemeindestatuts in dem Sinne zu beantragen, daß auch Frauen aktiv und passiv, wahlberechtigte Mitglieder der Gemeinde werden, Bloß für die Sektion fUr Kultusangelegenheiten sollen Frauen auch in Zukunft das passive Wahlrecht nicht besitzen. Ple Lösung der Wahlrechtsfrage wurde in diesem Sinne nach Anhörung eines Gutachtens des Oberrabbiners Senators Dr. I. Niemirower vorgenommen. Dr. E. §. Soskin und Mei'r Großmann in Wien In den nächsten zwei Wochen wird die Union der Zionisten-Revisionisten Oesterreichs die beiden Vizepräsidenten der Weltunion als Gäste in Wien begrüßen. Dienstag, den 7. März, spricht im Revision nisten-Heim (II., Untere Augartenstraße 88) Dr. E. S. Soskin, dessen-Vorträge In Wien stets größten Beifall fanden, Uber das Thema „Die Juden und der Völkerbund". Donnerstag, den 16. März, hält im Festsaal des Hotel Continental (IC., Taborstraße 4) Meir Großmann einen Vortrag: „Illusionen und Wirklichkeit in Palästina". Diesem Vortrag begegnet man in allen zionistischen Kreisen mit besonderem Interesse, weil Meir Großmann nach mehrmonatigem Aufenthalt in Palästina zum ersten Male in Wien seine Eindrücke der Oeffentlichkeit mitteilen wird. Es wurde wiederholt auf die Bedeutung des Aufenthalts Großmanns in Palästina hingewiesen und mitgeteilt, daß er nicht nur auf politischem Gebiet wichtige Erfolge erzielte, sondern auch auf wirtschaftlichem Gebiete Aktionen einleitete* die für die Entwicklung der palästinensischen Wirtschaft von besonderer Bedeutung sind. ' Da die Nachfrage nach Eintrittskarten sehr rege ist, empfiehlt es sich, bei den Vorverkaufsstellen: Bücherstube Prof. M. Rath, IL, Taborstraße 20a, Paula Stricker, Telephon A-48-1-89, Papierwarenfabrik Josef Grubner, IX., Wäsagasse 7, Telephon A-ll-010, sowie Administration der „Neuen Welt, IL, Untere Augartenstraße 38, Telephon A-45-6-84, sich rechtzeitig Karten zu bestellen. ■ELEKTRO- Die Palästina-Regierung wird den jüdischen Frauen das Wahlrecht nicht nehmen Aus London: Im. Unterhaus fragte Miss Rathbone den Kolonialminister, ob es wahr sei, daß die demnächst zu verkündende Munlcipal Ördinance für Palästina den jüdischen Frauen das aktive und passive Wahlrecht zu den Gemeindeverwaltungen, das diese seit zehn Jährpn in^neh.äben, nehmen und es dem High Commiasioner Überlassen Wörde, zu bestimmen, ob und in weichem Maße jüdische Frauen das Wahlrecht auszuüben haben. 'Miss dlej Regierung nicht eher ihreAufgäbe, darin sehen die arabischen Frauen auf 'daV'N-'i v'eau de'r jüdischen Frauen zu heben und audh ihnen Wahlrecht zu geben. Der Kölonierimihister S i r P h i 1 i p C u n 1 i f f e- Lister erklärte: Im allgemeinen besäßen die jüdischen Frauen in Palästina nicht das .aktive und passive Wahlrecht; nur in der rein jüdischen Stadjt Tel-Awlw und in gewissen rein jüdischen Dörfern dürfen Frauen auf Grund einer Verfügung des High Commissiöner wählen und. gewählt werden. Der vorläufige Entwurf der neuen Local Government Ordlnahce sieht ein Wahlrecht hur für Männervor, geht aber soweit, dem High Ctomniissioner direkt Vollmacht zu erteilen, nach Gutdünken auch Frauen das aktive und passive Wahlrecht zu gewähren. Ich sehe, schloß der KOlöritenminister, keinen Grund zu der Annahme, daß irgendeine Absicht bestünde, jüdischen Frauen in Palästina das aktive und passive Wahlrecht, das . sie schon einmal besitzen, zu nehmen. Ich zweifle nicht daran, daß der High Commissiöner von seiner Befugnis, Frauen das aktive und passive Wahlrecht zu gewähren, weise Gebrauch machen wird. ' '' * ' Die Erklärung des Kolonienministers steht, im Gegensatze zu Meldungen aus Palästina, Diese lauteten dahin, daß der Oberkommissär nicht gewillt sei, die judischen Frauen besser zu stellen als die arabischen., Daß die Mohammedaner das Fraüenwahlrecht ablehnen, habe also zur- Folge,, däß auch den jüdischen Frauen das Wahlrecht nicht zuerkannt, werden könne. Die spanische Regierung ah die Sephardira SUdosteuropas. Aus Bukarest wird gemeldet: Der vor einigen Tagen in Bukarest eingetroffene neue Gesandte der spanischen Republik, Marquis d e P r a t, hat den Führern des sephardischen Gemeindebundes Rumäniens BeBuche abgestattet und hiebei folgende Erklärung abgegeben: Ich komme zu Ihnen nicht nur als persönlicher Freund der sephardischen Juden, in deren InteresBe ich viel gearbeitet habe., sondern ich bringe auch ein weitgehendes Programm zur kulturellen Förderung der sephardischen Juden mit, das ich vor meiner Abreise dem Außenminister vorgelegt habe und das von ihm genehmigt wurde, Neben verschiedenen Maß« nahmen zur Förderung des sephardischen Schulwesens sieht dieses Programm noch für dieses Jahr die Ausschreibung eines Stipe.ndiumsfüreinen sephardischen Studenten aus Rumänien vor, das ihm das Studium an . einer spanischen Universität ermöglichen soll. Im folgenden Jahre sollten drei derartige Stipendien ausgeschrieben werden: eines , Installationen LÜSTER UND GAS* APPARATE solid m billig DRIMER, WIEN II, Ob« Donauslraße I, Tel« A«4I«8»82 zum Studium der schönen Künste in Spanien, ein zweite« zum . Studium der spanischen Literatur und Geschieht« und ein . drittes zum Studium der politischen . Wissenschaften an einer spanischen Universität. Vollversammlung der Union der Zionisten-Bevisionisten Oesterreichs Am 23. Februar fand eine Vollversammlung der Union der Zionisten-Revisionisten Oesterreichs statt, die eine Uberaus starke Teilnahme der Mitgliedschaft aufwies. Den einzigen Punkt der Tagesordnung bildete die Wahl der Delegierten zum Parteirat in Kattowitz. Als Delegierte wurden die Herren Dr. David Bukspan, Dr. Salomon Wolf und Frau Margit Buchbinder, zu Ersatzdelegierten die Herren Dr. Nahum Samonsky, Theodor Gruber und Josef Fränke 1 gewählt. Präsident Sokolow in Italien Aus Rom: Der Verband der jüdischen Gemeinden Italiens gab zu Ehren des Präsidenten der zionistischen Organisation Nahum Sokolow, der auf der Rückreise von Palästina nach London Aufenthalt in Italien genommen hat, einen Empfang, dem außer dem Präsidium des. Gemeindeverbandes mehrere Vorsitzende von Einzelgemeinden und andere prominente italienische Juden, Männer der Wissenschaft und der Wirtschaft, beiwohnten. Im Namen des Gemeindeverbandes begrüßte der Regierungskommissär, Advokat Ravenna, Sokolow, den er als den Ehrengast des italienischen Judentums ansprach. Er huldigte. Sokolow als dem Sachwalter der zionistischen Saohe, dem Erwecker jüdischen Geistes und der alten. Sprache des Judentums. Nahum Sokolow wird in den nächsten Tagen FIch ren-z, Mailand, Liyorn.0. und .andere ita^enigehe. Städte besuchen. Ueberau treffen die jüdischen Gemeinden und die zionistischen Ortsgruppen Vorbereitungen zum Empfang des Führers. Die zionistische Föderation ita-. liens benutzt den Aufenthalt Sokolows in Italien zu einer, großangelegten Propaganda . für Keren Hajessod. und Keren. Kajemeth. Die laufende Woche wurde als die „Sokolow-Woche" (La Settimana Sokolovi'ana) proklamiert. Nahum Sokolow ist während. seines Aufenthalts in Rom vom. italienischen Regierungschef Benito Mussolini in mehr als halbstündiger Audienz empfangen worden. Die .Unterhaltung zwischen Mussolini und Sokolow trug einen recht herzlichen Charakter. Mussolini, der sich Übrigens über das Palästina-Werk gut informiert zeigte, nahm unbeschadet dessen die Gelegenheit wahr, sich durch Sokolpw über die neuesten Fortschritte des jüdischen Aufbaues, insbesondere über neue"Formen . \ ■ . - . und Methoden der jüdischen Kolonisation in Palästina, häher zu informieren. Mussolini gab zu verstehen, daß er die Lage in Palästina und das gesamte zionistische 'Werk dauernd mit Interesse verfolgt. Noch immer zaristische . Judengesetze '< . . . Aus Warschau: Das Verwaltungsge rieht der polnischen Republik hat einen für die gesamte Judenheit Polens wichtigen prinzipiellen. Entscheid , getroffen. Ein jüdischer Landwirt im Kreis Nowogrudelt namens Wolf Becker hatte 10 Hektar Boden vom. Grafen Ajrudg in Pacht, die schon sein Großvater im Jahre 1878 .bewirtschaftete. Als Graf Ajrudg sein , Gut an einen gewissen Riczewicz verkaufte, wollte dieser den jüdischen Pächter entfernen mit der Begründung, daß Becker Jude sei und gemäß dem Ukas des Zaren vom Jahre 1882 Boden in Pacht nicht halten dürfe. Das Agraramt entschied im Sinne der Klage Riczewicz' und stützte sich dabei auch auf eine Entscheidung des Verwaltungsgerichtes vom Jahre 1929, wonach das neue Agrargesetz, welches ber stimmt, daß langjährigen Bodenpächtern der Boden nun als Eigentum zufällt, auf Juden keine Anwendung findet. Becker legte Revision beim Verwaltungsgericht ein. Der Vertreter der Regierung vertrat den Standpunkt, daß die Zarengesetze gegen Juden noch heute verpflichtend seien, das höchste administrative Gericht aber entschied, daß Becker auf Grund des neuen Agrargesetzes Eigentümer des Bodens ist, da die Zarengesetze heute in Polen keine Gültigkeit mehr haben. Dabei sprach das Gericht aus, daß sein Entscheid vom Jahre 1929 auf einer irrtümlichen Interpretation der Gesetze beruht. LESET UND VERBREITET DIE NEUE WELT"! //I