Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 286 (3.3.1933)
- Date
- 1933-03-03
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 286 DTE NlEUE WELT Seite S UNION DER ZIONISTEN * REVISIONISTEN ÖSTERREICHS Donnerstag, den 16* März, Va9 Uhr, im Fesisaal des Hotel Continental, II, Taborstraße 4 Vortrag MEIR GROSSMANN ZSSSSSStäÜ^ »Illusionen und Wirklichkeit in Palästina« Korten zu S 2.— und 1.— (Stehplätze zu 50 Groschen für Jugendliche nur an der Abendkasse) Vorverkaufsstellen: Bücherstube Prof. M. Rath, II, Taborstr. 20a / Papierwarenfabrik Josef Grubner, IX, Wasagasse 7,T. A-ll-0-10 ✓ „Die Neue Welt", II, Unt. Augartenstr. 38, Tel. A-45-6-34 , Paula Stricker, T. A-48-1-89 „Hebräische Literaten und levantinisdie Orangenhändler Krämergeist -r Das abgekühlte England —• angelegenheit — Das führende Schweizer Tagblatt „N a 11 o n a 1- Zeitung" (Basel) bringt in seiner Nummer vom 22. Februar einen Leitartikel, „In und um Pa 1 ästina", über die politische Lage im Zionismus. Das Schweizer Blatt deht mit einer bei nichtjüdischem und nichtenglischen Zeitungen ungewöhnlich gründlichen Art auf dieses Problem ein und schreibt u. a.: „Die günstige wirtschaftliche Konjunktur in Palästina, wo keineArbeitslosigkeit und keine Krise herrscht, hängt nicht zuletzt mit der seit einem Jahre etwas verstärkten Immigration, die vermehrte Bautätigkeit nötig macht, sowie mit dem lukrativen Orangenexport nach Nordeuropa, vor allem nach England, zusammen." „Neuestens macht sich eine nicht uninteressante Wandlung im Verhältnis zwischen der gegenwärtigen jüdischen Einwohnerschaft des Landes, deren Zahl etwa 200.000 Seelen beträgt, und der Zionistischen Weltorganisation bemerkbar. Die in Palästina ansässigen Juden sind zuweilen geneigt, in erster Linie ihre unmittelbaren ökonomischen Interessen wahrzunehmen; diese können aber in Widerspruch geraten zu den politischen Zielen der Weltorganisation. Es verlautet, daß ein Teil der Palästina-Juden die bis heute eingenommene oppositionelle Haltung gegenüber dem Begierungsprojekt eines palästinensischen Parlaments abzuschwächen bereit wäre, wenn dem Orangenexport die zollpolitische Mels tbegünstigungsklaußel des Britischen Reiches zugestanden würde." „Daß die Verwirklichung des geplanten Legislative Council unter den heutigen Umständen, d. h. solange 82 Prozent der Lahdesbevölkerung Nichtjuden sind, für die Zukunft des Zionismus einen schweren Schlag bedeuten würde, liegt auf der Hand. Ebenso, daß dieses „Parlament" in den spezifischen Verhältnissen Palästinas ein Hohn auf die Demokratie sein müßte und dem Sinne des Mandats widerspräche. Es ist immer noch zu wenig bekannt, daß die Balfour- Deklaration der einzige Bechtstitel für Englands Mandat in Palästina ist." „Freilich sieht es nicht danach aus, als wäre die Jerusalemer Regierung ernsthaft gewillt, die Bückwanderung der Juden nach ihrer historischen Heimat im großen Maßstab zu fördern, wozu allerdings durchgreifende Reformen notwendig wären. Vielmehr hat es den Anschein, als hätte die von gewissen zionistischen Vertretern der Weizmann-Aera rezipierte Theorie, wonach das Ziel des Zionismus nicht die Schaffung eines jüdischen Staates in Palästina, sondern bloß die Bildung eines „geistigen" Zentrums im Heiligen Lande wäre, das Interesse der praktischen Engländer am Zionismus erheblich abgekühlt. Denn schließlich sind die hebräische Universität, das hebräische Theater und dergleichen eher eine sozusagen feuilletonistische Angelegenheit, für den realpolitischen Leitartikel dagegen kommt nur die tatsächliche Machtverteilung, d. h. das ziffernmäßige Verhältnis nationaler Bestandteile in dem Gebiet östlich des Suezkanals und südlich der künftigen Bahnlinie Haifa—Bagdad in Beträcht. Ein harmloser Literaten-Zionismus ist für Englands Orientpolitik kein beachtenswerter Bundesgenosse." „Die zionistischen Gegner der weltfremden Theorie des , geistigen' Zentrums, also die real denkenden Judenstaatszionisten, gruppieren sich um die sogenannte revisionistische Opposition, die sich, in Anlehnung an die ursprünglichen Ideen von Theodor Herzl und Max Nordau, unentwegt zum „Groß- Zionismus" bekennt, d. h. eine effektive Massenrepatriierung von Juden aus Osteuropa nach Palästina anstrebt. Die revisionistische Bewegung wird von offizieller zionistischer Seite mit allen Mitteln bekämpft und als „jüdischer Faschismus" bezeichnet. So hat neulich das zionistische Ehrengericht, mehrheitlich aus Gegnern des Judenstaatszionismus zusammengesetzt, die Suspendierung des revisionistischen Sonderverbandes dekretiert» was aber nicht die geringste praktische Bedeutung hat." „Innerhalb der zionistischen Kongreßwählermassen genießen die Revisionisten, weit über Keine Staatsangelegenheit, sondern Privat* Revisionismus ihre eigenen Reihen hinaus, starke Sympathien, namentlich unter den frommen Juden, denen der nationale Feuereifer der Revisionisten gefällt, ferner in den Kreisen des Mittelstandes, da die Revisionisten alle kommunistischen Experimente bekämpfen, den Klassenkampf verwerfen, die Privatinitiative hochschätzen und die bürgerliche Einwanderung fördern, schließlich unter der Jugend, die sich an den patriotischen Ideen und Formen revisionistischer Wehrsportvereine begeistert." „So wird der im kommenden Sommer bevorstehende 18. Zionistenkongreß eine gegenüber 1980 nicht unbeträchtlich veränderte Situation vorfinden. Neue Probleme sind aufgetaucht, die alten Parteischeidungen beginnen gegenstandslos zu werden, die Opposition, die mit der dramatischen Beseitigung des „Def aitisten" Wcizmann auf dem letzten Basler Kongreß ihren ersten Sieg errungen hat, dürfte heuer zur entscheidenden Aktion ausholen." „Selbst innerhalb der gegenwärtig amtierenden Zionistischen Exekutive ist es bereits wiederholt zu ernsthaften Differenzen gekommen, und es heißt, daß die beiden bürgerlichen Vertreter in dieser Exekutive, die Herren Farbstein und der Amerikaner Newman, insgeheim revisionistische Sympathien hegten. Die katastrophale wirtschaftliche Lage der Juden im Osten, die vielfach vor der Alternative „Auswandern oder verhungern" stehen, verleiht der Judcnstaatsbowcgung besondere Aktualität, denn es ist klar, daß mit dem Zionismus, wie er von 52 Staatsregierungen und vom Völkerbund anerkannt und gutgeheißen wurde, nicht bloß die Wohlfahrt von 200.000!-Palästina-Juden, sondern die Heimkehr einer ganz wesentlich höheren Zahl von Juden aus Europa nach ihrem eigenen Lande gemeint war. Ohne diese Aussicht auf teilweise effektive Lösung der Juden frage und ohne diesen humanitären Hintergrund würde der Zionismus eine private Angelegenheit hebräischer Literaten und levantinisc her Orangen ex porteure bleiben." Rasiere dich besser! Hi die einzige schwedische Weltmarke Neue Erschwerung der PalästinasEinwanderung Diesmal gegen die „Kapitalisten" Aus Jerusalem wird gemeldet: Die Palästina- Regierung hat neuerdings für die Einwanderung von Personen mit privaten Mitteln (Kapitalisten) eine erschwerende Vorschrift erlassen, von der Juden aus elf Staaten betroffen werden. Gemäß dem Einwanderungsgesetz dürfen bekanntlich Personen, die sich über den Besitz eines Vermögens von mindestens 1000 Pfund in bar oder in Sachwerten ausweisen können, frei in Palästina einwandern. Nunmehr aber schreibt die Palästina-Regierung vor, daß Einwanderer aus Ländern, in denen eine Einschränkung der Geldausfuhr besteht, von ihren Regierungen einen Ausweis vorzeigen müssen, wonach es ihnen gestattet sei, ihr Vermögen aus dem Auswanderungslande nach Palästina zu bringen. Sind die Einwanderer nicht im Besitz einer solchen Ermächtigung, so müssen sie vor der Landung, bezw. dem Grenzübertritt die entsprechende Summe in bar vorzeigen. Diese Vorschrift der Palästina-Regierung erschwert besonders die Einwanderung yon Juden aus Deutschland, der Tschechoslowakei, Griechenland und aus anderen Ländern, in denen Beschränkungen für Geldausfuhr bestehen. Der Leiter der Zionistischen Palästina-Exekutive, Dr. Chaim Arlosoroff, hat in dieser Angelegenheit beim High Commissioner Sir Arthur Wauchope vorgesprochen und Beschwerde gegen die neue Vorschrift eingelegt. * Leider liegt keine Meldung vor, ob Dr. Arlosoroff, Wein s Einkauf ist Vertrauenssache I Verlangen Sie ausdrücklich: PAL'fl'STINA-WEINE - PftOP.R.:; i; BARON ROTHSCHILD In allen einschlägigen Geschäften erhältlich 1 Autor. Vertreter für Oesterreich: Gustav Wilder, Wien IV/ Rainerg. 31 Telephon U-42-4-84 der sich der besonderen Freundschaft des Oberkommissärs erfreut, bei diesem etwas ausgerichtet hat. Hier liegt wieder ein Fall vor, der die so vielgerühmte Loyalität des „guten" Oberkommissärs in eigentümlichem Licht erscheinen läßt. * Arbeiterinangel in Palästina, Jerusalem, 27. Februar. (J. T. A.) Von der Allgemeinen palästinensischen Arbeiterföderation (Histadruth) wird der J. T. A. mitgeteilt, daß gegenwärtig im ganzen Lande ein akuter Mangel an jüdischen Arbeite rhänden herrscht; die Histadruth hat an die Palästina-Aemter im Ausland appeliert, sofort alle Juden, für die Einwanderungszertifikate ausgegeben wurden, für die Reise nach Palästina auszurüsten. In den letzten Tagen haben jüdische Kolonien von der Histadruth 14 00 Arbeiter beansprucht, die die Histadruth nicht "beizustellen in der Lage war. Die Nachfrage nach jüdischen Arbeitern hat jetzt steigende Tendenz, so daß die Gefahr besteht, daß die jüdischen Unternehmer, falls ihnen nicht sofort jüdische Arbeiter zur Verfügung stehen, anläßlich des Beginns der Pflanzungssaison nichtjüdische Arbeiter einstellen werden. Die Histadruth mobilisiert alle neu eingetroffen Chaluzim für Sofortarbeit, um halbwegs der Situation gerecht werden zu können. Der 18. Zionistenkongreß wird am 8. August 1933 in Karlsbad eröffnet Berlin, 24. Februar. (J. T.-A.) Nach einem Telegramm an die Jüdische Telegraphen-Agentur aus Jerusalem wird der 18. Zionistenkongreß im August 1933 in Karlsbad stattfinden. Diese Meldung wird der J. T.-A. durch den Präsidenten des Zionistenkongresses und des Zionistischen Aktionskomitees, Herrn Leo Motzkin, bestätigt. Wie Herr Motzkin erklärt, haben die Exekutive der Zionistischen Organisation und das Präsidium des Zionistischen Aktionskomitees in einer gemeinsamen Beratung beschlossen, den 18. Zionistenkongreß für den 8. August nach Karlsbad einzuberufen. Die jüdische Arbeiterschaft in Palästina für freie Einwanderung Aus Jerusalem: Nach einer mehr als eine WJoche dauernden Tagung ist am 19. Februar die vierte Konferenz der Allgemeinen Jüdischen Arbeiterföderation Pa 1 ä s t i n a s (Histadruth), die seit 1927 nicht mehr zusammengetreten war, geschlossen worden. Die Konferenz faßte eine Reihe bedeutungsvoller Beschlüsse. In einer Resolution wird die Forderung an die Regierung ausgesprochen, jede Art Einwanderungsbeschränkung aufzuheben und die Kontrolle über die Einwanderung der Jewish Agency zu übertragen. Die Exekutive der Histadruth wird beauftragt, eine umfassende politische Kampagne nach dieser, Richtung durchzuführen. In einem Anhang zu dieser Resolution wird gegen die Versuche, die Einwanderung von Chaluzim zugunsten einer Mittelstandseinwanderung zu beschränken, protestiert; der Hechalus in allen Ländern wird aufgefordert, Gruppen für Palästina-Arbeit qualifizierter Arbeiter für die Einwanderung nach Erez Israel zu organisieren. Mit 154 gegen 32 Stimmen wurde der Exekutive der Histadruth das Vertrauen ausgesprochen und ihre Politik bei dem Abschluß des allgemeinen Abkommens mit den Arbeitgebern gebilligt. Die 32 Oppositionsstimmen setzten sich aus den linken Flügeln der Poale Zion und des Haschomer Hazair (Zionistisch-sozialistische Jugendorganisation) zusammen. Sie irren, gnädige Frau wenn Sie glauben, daß Schiff mann nicht auch die vorzüglichsten Qualitäten in allen Abteilungen führt. Nur sind auch diese so billig, wie es selbstverständlich ist, bei Schümann II, Taborstrasse 48